Landsberg

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Wallanlage der Stadtwüstung Landsberg

Landsberg ist ein Siedlungsplatz aus dem 13. Jahrhundert zwischen Wolfhagen im Süden und Volkmarsen im Norden.

Von der Stadtwüstung sind noch einige Mauerreste und der Ringwall mit Torresten vorhanden.

Stadtwüstung Landsberg

(Hermann Neumeyer)

Flurbezeichnungen und Ausgrabungen

Überlieferte Flurbezeichnungen:

Überlieferte Flurbeziechnungen sind „ Der Landsberg“, Vor dem Landsberge“, „Hinterm Landsberge“ oder der Name der Gaststätte „Zur Stadt Landsberg“.

Ausgrabungen und Vermessungen:

  • 1817: Oberst Johann Ludwig Kellermann aus Kassel nahm mit der Schrittvermessung die Doppelwallanlage auf.
  • 1836-1838: Unter der Leitung von Dr. Georg Landau (erste Stadtgeschichte von Wolfhagen) fanden umfassende Ausgrabungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde in Kassel statt. Dabei half auch Pfarrer Kraushaar aus Niederelsungen.

Aufgrund der Grabungsergebnisse fertigte der Kasseler Architekt H. Reusse einen Lageplan an.

  • 1964-66: Ausgrabung einer Hausstätte (Nr. 9) durch den Verein Kreisheimatmuseum Wolfhagen unter der Leitung von Gerhard Wittenberg aus Kassel, Vermessung durch Werner Most vom Katasteramt Wolfhagen mit Berücksichtigung der Grabungsergebnisse von Landau.

Geschichte

Stadtgründung

Das Landsberger Stadtsiegel - mit achteckigem Waldecker Stern und Kreuz (Kloster Arolsen, dessen Vögte die früheren Schwalenberger und späteren Waldecker Grafen waren) zwischen zwei Löwen - wurde in Bruchstücken im Haus Nr. 9 gefunden.

Wahrscheinlich geht das Waldecker Siegel auf Graf Volkwin IV. zurück, der es 1226 zum ersten Mal benutzte.

Die Gründung Landsbergs durch die Schwalenberger Grafen steht im Zusammenhang mit der Absicht der Schwalenberger und späteren Waldecker, ihr Gebiet zwischen der Burg Waldeck und dem Diemeltal bei Volkmarsen zu sichern, insbesondere den Besitz und die Rechte des Klosters Arolsen.

Dafür gewann man Bewohner aus Isekenhagen (heute noch Flurbezeichnung Ischenhagen), Ehringen und Viesebeck.

Diese Sicherung zielte vor allem gegen die Landgrafenschaft Thüringen, die zur selben Zeit ihr westliches Bollwerk Wolfhagen errichtete und aus der gegen Ende des 13. Jahrhunderts die hessische Landgrafenschaft durch Heinrich I., dem Kind der Sophie von Brabant und gleichzeitig Enkel der heiligen Elsabeth und ihres Mannes Ludwig IV., hervorging.

Die Waldecker stützten sich auf das Erzbistum Mainz, auf dessen Seite auch die Grafen von Everstein als Herren der 50 Jahre später errichteten Burg Rodersen (Wohnturm, Pferdestell- und Wächterwohnungsgebäude vom Kreisheimatmuseum Wolfhagen 1959 bis 1963 ausgegraben) und der Kugelsburg standen.

Zu Mainz gehörten ferner die Städte Naumburg (unter Volkwin IV. zu Waldeck gehörig), Fritzlar, Hofgeismar, Heiligenstadt und andere.

Gegner der Waldecker bzw. des Erzbistums Mainz waren ferner das Erzbistum Köln, das nach dem Sturz Heinrichs des Löwen seine Macht im östlich angrenzenden Bereich vergrößerte, wobei es schließlich auch Volkmarsen beherrschte, und das Bistum Paderborn, das vor den Waldecker Grafen bereits Korbach besessen hatte und durch Helmarshausen, die Krukenburg und die Desenburg mit Warburg von der sicheren Diemelgrenze die südlich angrenzenden Gebiete bedrohte.

Zerstörung Landsbergs

1230/31 wird in einer in Wolfhagen vollzogenen Beurkundung eines Zehnten erwähnt, natürlich in lateinischer Sprache, dass die Beurkundung zu der Zeit geschah, als Landsberg verwüstet wurde.

Die Frage bleibt, ob Landsberg freiwillig oder zwangsweise geräumt wurde oder ob es gar durch feindliche, d. h. landgräflich thüringisch/hessische Truppen eingenommen wurde.

Sowohl Landau als auch Wittenberg fanden Brandreste (verkohlte Erbsen und verkohltes Getreide), so dass eine Zerstörung durch Feindeinwirkung wohl anzunehmen ist, wobei hierbei zweifelsfrei thüringisch/ hessische Truppen eine entscheidende Rolle gespielt haben dürften.

Der weitere Weg der Bewohner Landsbergs

Im 14. Jahrhundert gehört die Stadtmark aufgrund der vorhandenen Urkunden immer noch den Waldecker Grafen, d. h. ein nachhaltiger Gebietsverlust durch feindliche Eroberung war nicht die Folge der Zerstörung der Stadt Landsberg.

Noch im 14. Jahrhundert unterhalten die Waldecker Grafen hier einen Meierhof. Das steht auch im Einklang mit der Einordnung von Tonscherbenfunden aus dem Haus Nr. 9.

Auch eine teilweise Wiederbesiedlung im 14. Jahrhundert kann nicht ganz ausgeschlossen werden.

1537 und 1555 zählt der Landsberg dann aber bereits schon als Gehölz zur Feldmark Ehringen und zum hessischen Amt Wolfhagen.

Was aber geschah mit den Bewohnern von Landsberg ? Immerhin waren sie Städter mit einigen Privilegien, was nicht nur ihr Stadtsiegel ausweist, sondern auch ihr Reichtum auf der Grundlage einiger Keramikfunde, die von weitreichenden Handelsbeziehungen zeugen. Insgesamt wurden 1940 Scherbenstücke von über 50 verschiedenen Gefäßen geborgen.

Aufgrund des Stadtsiegels hat eine sogenannte communio civium bestanden, d. h. eine Form von Bürgerschaft mit festgelegten Rechten. Sie kann nicht ohne weiteres aufgelöst werden.

Da der Stadtgründer mit dem Waldecker Graf feststeht, muss ihre Neuansiedlung an einem nahen Ort der waldeckischen Grafschaft erfolgt sein. Dafür kann aufgrund der Urkundenlage nur Bifangen (heute eine Wüstung zwischen Gasterfeld und Landau) in Frage kommen. Denn die überlieferte Verfassung Bifangens trägt alle Merkmale einer Stadtfassung. Wenn auf der Wüstungsfläche Bifangens heute keine besonderen Spuren einer städtischen Befestigung auszumachen sind, dürfte das ein Hinweis darauf sein, dass man diesen Siedlungsplatz aufgrund der offenen Lage auf einer Hochfläche nicht als endgültig ansah. So siedelte man die Bewohner Bifangens 1290 nach Landau um.

Einen Teil von ihnen hatte man auch schon vorher in Freienhagen angesiedelt.

Am Haus Nr. 9

Merkmale der Stadt Landsberg sind:

  • Städtische Siedlungsfläche 7,7 ha (mittelalterliche Kleinstadt)

Bei der Zerstörung bereits nach etwa fünf Jahren war erwartungsgemäß nur etwa die Hälfte der Stadt bebaut. Die Befestigung der Stadt mit Wall (an besonders gefährdeten Stellen Doppelwall) und Graben war nahezu abgeschlossen. Mit einer späteren Ummauerung wäre beim Fortbestand der Stadt zu rechnen gewesen. Die heutigen drei Einschnitte in die Wallanlage (Ehringer Tor, Viesebecker Tor, Elmarshäuser Tor) waren auch ursprünglich (mit hölzernen Stadttoren) vorhanden und stellten die Anschlüsse an die Straßenverbindungen (über den Ischenhagen und über die Terrassen des Erpetales) her.

  • Länge der Wallanlage 1,1 km
  • Höhenunterschied zwischen Wallkrone und Grabensohle etwa 5 bis 6 m
  • Trockengraben
  • Quelle (mit 40 – 50 cbm, sicher ausreichend zur Trinkwasserversorgung)
  • ca. 50 m unterhalb in der Nähe der heutigen Eisenbahntrasse (Vieh konnte an der Erpe getränkt werden).

Die dunkelroten, bankigen, klippenbildenden und wabenförmig verwitternden Wilhelmshausener Schichten in der Sollingfolge des oberen Buntsandsteins lieferten wie im Aufstieg zum Wolfhager Stadtwald nicht nur Bau- und Werksteine für den Hausbau, sondern besitzen auch wasserstauende Tonschichten für Quellen.

Die Erdmassen des Grabenaushubs wurden unmittelbar angrenzend zum Aufschütten des Walles verwendet. 15300 Kubikmeter Boden wurden bewegt. Das bedeutete bei ca. 50 Arbeitskräften eine Bauzeit der Wallanlage von etwa zwei bis drei Jahren.

Landau legte Mauerreste von 24 Gebäuden frei. Nach Most sind Spuren von weiteren 33 Gebäuden erkennbar. Dazu kommen 15 vermutete Gebäudestellen.

Die Bevölkerungszahl zur Zeit der Zerstörung lag vermutlich nicht über zweihundert.

Heute sind nur noch rechteckige (6 bis 7 m lang, 4 bis 5 m breit) bzw. quadratische Kellerfundamente teilweise erhalten. Die darüber errichteten Geschosse können auch größer gewesen sein.

Die Keller waren durch Außentreppen an der von der Straße abgekehrten Seite zugänglich.

Die Häuser standen mit der Längsseite parallel zur Straße.

Die Straßen (vom Ehringer Tor jeweils zum Viesebecker und Elmarshäuser Tor) waren unbefestigt und konnten durch erhaltene Furchen teilweise rekonstruiert werden. Damit sind sie nicht identisch mit den jetzigen Wegen.

siehe auch

Weblinks