Landgrafschaft Hessen-Kassel

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Kassel - Schloss Wilhelmshöhe

Die Landgrafschaft Hessen-Kassel existierte von 1568 bis 1866 und bestand aus dem Nordteil der ehemaligen Landgrafschaft Hessen. Ab 1803 bildete die Landgrafschaft Hessen-Kassel den Hauptteil des Kurfürstentums Hessen.

Geschichte

Aus der Geschichte der Landgrafschaft

Im Jahre 1292 wurde die Landgrafschaft Hessen zum Reichsfürstentum erhoben und den Herzogtümern gleichgestellt. Besonders unter der Regentschaft Landgraf Philipp I., des Großmütigen, wurde sie zu einem Machtfaktor in der deutschen Geschichte. Das hessische Territorium hatte sich durch Erbschaft bereits um die Grafschaft Katzenelnbogen und um nennenswerte Erweiterungen im Raum Rhein-Main vergrößert.

Nach dem Tod Landgraf Philipp I. wurde Hessen 1567 nach altertümlichen Erbregeln im so genannten Vierbrüdervergleich in vier Staaten geteilt:

Wilhelm, der Älteste, erhält mit der Landgrafschaft Hessen-Kassel ungefähr die Hälfte des Landes. Ludwig, der Zweitgeborene, bekommt mit der Landgrafschaft Hessen-Marburg, etwa ein Viertel. Philipp mit Hessen-Rheinfels und Georg mit Hessen-Darmstadt erhalten jeweils ein Achtel.

Landgraf Moritz der Gelehrte
(1572 - 1632)

Hessen-Rheinfels geht 1583 im Erbgang in den Besitz von Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt über, Hessen-Marburg fällt 1604 auf gleichem Weg zu gleichen Teilen an Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Nach dem hessischen Erbfolgestreit erhält Hessen-Darmstadt sodann den größten Teil der ehemaligen Landgrafschaft Hessen-Marburg.

Innerhalb der Landgrafschaft Hessen-Kassel wurde 1627 durch Hausvertrag von Landgraf Moritz als Erbe für seine Kinder aus seiner zweiten Ehe die Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (so genannte Rotenburger Quart) gebildet. Die Landgrafschaft unterstand der Oberhoheit der Linie Hessen-Kassel und teilte sich später in weitere teilsouveräne Landgrafschaften auf. Sie bestand bis zum Aussterben der Linie Hessen-Rotenburg im Jahr 1834 fort und fiel dann gemäß den Erbverträgen zurück an Hessen-Kassel.

Die bedeutende Rolle Hessens innerhalb des Reiches ging durch die zahlreichen Erbteilungen verloren.

Die protestantisch-reformiert (calvinistisch) geprägte Landgrafschaft Hessen-Kassel ist seit der Zeit von Landgraf Moritz - "Cuius regio eius religio", wessen Land, dessen Religion - der auf Seiten der Protestantischen Union in den Dreißigjährigen Krieg eintritt, traditionell Verbündeter von Preußen und Hannover, wohingegen die protestantisch-lutherische Landgrafschaft Hessen-Darmstadt auf der Seite des römisch-katholischen Kaisers und damit zumeist Österreichs steht.

Den Hugenotten und Waldensern , französischen Glaubensflüchtlingen, wurde am Ende des 17. Jahrhunderts in Nordhessen nicht nur Asyl gewährt, sondern Landgraf Karl sicherte ihnen wirtschaftliche Unterstützung, Glaubensfreiheit sowie den Gebrauch der eigenen Sprache zu. In 20 zum großen Teil neu angelegten Gemeinden (so auch in der Stadt Carlshafen und der Oberneustadt in Cassel) wurden ca. 4000 Glaubensflüchtlinge angesiedelt.

Landgraf Karl

Auch in anderen protestantischen Staaten Deutschlands wurden französische Refugiés aufgenommen, so wurden durch Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg nach Erlass des Edikts von Potsdam (1685) ca. 20 000 Refugiés in Brandenburg/Preußen angesiedelt.

Die Verbindungen mit Hannover tragen schließlich dazu bei, dass es Landgraf Friedrich II. in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Soldatenhandel (Subsidienverträge) mit England (regiert von Georg III., König von Großbritannien und Irland und gleichzeitig König von Hannover), zuerst im Siebenjährigen Krieg 1756-1763 und dann im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1775-1783 zu großem Reichtum bringt.

Landgraf Wilhelm IX. wird am 25. Februar 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg zum Kurfürsten erhoben. Die Erhebung erfolgt, zusammen mit der Übertragung der mainzischen Besitzungen in Niederhessen, zum Ausgleich der Verluste von St. Goar, der Burg Rheinfels sowie des Klosters Corvey. Auch Wilhelm vermehrte das landgräfliche Vermögen durch den Abschluss von Subsidienverträge mit England erheblich. Er war einer der reichsten Fürsten seiner Zeit.

Die Landgrafen von Hessen-Kassel

Landgraf Wilhelm IV., der älteste Sohn von Landgraf Phillip I. von Hessen, war der erste Landgraf der Landgrafschaft Hessen-Kassel.

Übersicht:

Als Landgraf Wilhelm IX. wird Kurfürst Wilhelm I. am 25. Februar 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg zum Kurfürsten erhoben. Die Erhebung erfolgt, zusammen mit der Übertragung der mainzischen Besitzungen in Niederhessen, zum Ausgleich der Verluste von St. Goar, der Burg Rheinfels sowie des Klosters Corvey. Auch Wilhelm vermehrte das landgräfliche Vermögen durch den Abschluss von Subsidienverträge mit England erheblich. Er war einer der reichsten Fürsten seiner Zeit.

Die Kurfürsten (ab 1803)

Der kurhessische Staat erlosch im Jahre 1866, nachdem er von Preußen in Folge des Deutschen Kriegs (auch: preußisch-deutscher Krieg), in dem Kurhessen auf der Seite von Österreich gestanden hatte, annektiert worden war.

Reichsdeputationshauptschluss

  • §. 7.

Dem Landgrafen von Hessen-Kassel für St. Goar und Rheinfels, und für seine Rechte und Ansprüche auf Corvey: die Mainzischen Aemter Fritzlar, Naumburg, Neustadt und Amöneburg; die Kapitel Fritzlar und Amöneburg, und die Klöster in besagten Aemtern; ferner: die Stadt Gelnhausen und das Reichsdorf Holzhausen; alles unter Bedingung einer immerwährenden Rente von 22,500 Gulden für den Landgrafen von Hessen-Rothenburg; welche Rente jedoch in der Folge auf den Ueberschuß des Ertrags von dem § 39 erwähnten Schifffahrtsoctroi übertragen wird, wenn sich nach Bezahlung jener Renten, welche in gegenwärtiger Urkunde auf diesen Ertrag unmittelbar angewiesen sind, ein hinreichender Ueberschuß ergibt. (...)

  • §. 31.

Die Kurwürde wird dem Erzherzoge Großherzoge erteilt, desgleichen dem Marktgrafen von Baden, dem Herzoge von Wirtemberg, und dem Landgrafen von Hessen-Kassel, welche, in Ansehung des Ranges unter sich, nach den im Fürstenrathe bestehenden Strophen alterniren werden, und zu ihrer Einführung die herkömmlichen Förmlichkeiten zu beobachten haben. Nach gänzlicher Erlöschung des Hauses Hessen-Kassel, in allen seinen Linien, wird die Kurwürde auf Hessen-Darmstadt übergehen.

== Wussten Sie schon, dass ...

  • ... im Jahr 1708 in Hessen-Kassel eine Verordnung erlassen wurde, welcher es ebenso gegangen ist, wie der Reichsverfassung von Anno 1849: das Tabakschnupfen in der Kirche wurde verboten.
    August Bollerhey, Wehren

siehe auch

Schlösschen Schönburg in Hofgeismar - Sommer-Wohnsitz des Landgrafen Wilhelm IX. (ab 1803: Kurfürst Wilhelm I.)

Artikel mit Bezug zur Geschichte der Landgrafschaft:

Quellen/Weblinks


Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.