Landgrafenschloss Kassel

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Das Rondell ist das einzige erhaltene Bauwerk der ehemaligen Schlossanlage.

Ob am hohen Ufer der Fulda tatsächlich der ehemalige fränkische Königshof aus dem Jahr 913 stand, ist nicht verbürgt. Historiker vermuten, dass der Hof neben der frühen Marktsiedlung Chassalla genau an jener Stelle gelegen war, wo heute das Kasseler Regierungspräsidium steht. Doch Belege dafür wurden bei Ausgrabungen bisher nicht gefunden.

Fundamente und Kellergewölbe der alten Landgrafenburg aus dem 14. und 15. Jahrhundert wurden aber schon 1935 freigelegt. „Die wichtigste historische bauliche Stätte in Kassel ist dort, wo sich heute der Regierungs- und Justizpalast befindet“, so die Kasseler Neuesten Nachrichten im September 1935 über die Ausgrabungen. In historischen Quellen finden sich Hinweise, dass seit 1277 hoch über der Fulda die Residenz der hessischen Fürsten stand. In strategisch günstiger Lage konnte so der Flussübergang für die Fernstraßen gesichert werden.

Das ehemalige landgräfliche Schloss in Kassel

Anstelle einer fast 200 Jahre alten Burg ließ Landgraf Ludwig II. im Jahre 1466 einen neuen Schlossbau errichten "mit einem gewaltigen steinern Fuß, hölzern Stockwerk, hübschen Spitzen und Zinnen". Um 1500 wird das Schloss zur Fulda hin um den Rothensteinflügel erweitert.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Umwehrung der Burg erneuert. Von 1523 an ließ Landgraf Philipp I. Kassel in eine neuzeitliche Festung mit Bastionen umbauen. Auch die mehrfach um- und ausgebaute Burg ließ Philipp schließlich abreißen und ab 1556 ein Landgrafenschloss im Renaissancestil errichten, das weit gehend unverändert bis zum Jahre 1811 dem hessischen Fürstenhaus als Residenz diente.

In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag, den 24. November 1811, schlugen plötzlich Flammen aus dem Schloss.

Napoleons Bruder, Jérôme, residierte zu dieser Zeit als König von Westfalen im Landgrafenschloss. Jérômes Hofbaumeister, der Ingenieur Grandjean de Montigny, hatte im Schloss eine Art Zentralheizung einbauen lassen, kupferne Röhren waren unter dem Fussboden verlegt worden. Man hatte in dieser Nacht so eingeheizt, dass die Heizröhren glühten. Diese setzten die Holzböden in Brand, zuerst im an der Fulda gelegenen Schlossflügel. Nur notdürftig bekleidet habe sich Jérôme von seinem Schlafgemach über die schon brennenden Flure in Sicherheit gebracht, so heißt es.

Die Temperatur lag bei minus 20 Grad, so dass sich die Löscharbeiten sehr schwierig gestalteten, da die Spritzen einfroren. Am Morgen war ein Drittel des Schlosses total zerstört. Ein Opfer der Flammen wurde unter anderem ein von Lucas Cranach gemaltes Bild Philipps des Großmütigen.

Weder unter Jérôme noch unter den hessischen Kurfürsten gelang der Wiederaufbau. 1816 ließ Kurfürst Wilhelm I. die Trümmer beseitigen, um einen gewaltigen Neubauplan verwirklichen zu lassen - die Chattenburg. Die Arbeiten blieben jedoch in den Anfängen stecken. Im Juni 1817 hatten die Arbeiten an der monumentalen Chattenburg begonnen, die nie vollendet wurde. Nach Wilhelms Tod 1821 wurden die Arbeiten an dem klassizistischen Bau eingestellt. Wilhelm II. zog das Residenzpalais am Friedrichsplatz vor. Von dem sogenannten „Roten Palais“ steht nur noch der Portikus am heutigen Geschäftshaus. Die Steine der unvollendet gebliebenen Chattenburg wurden für den Bau der Neuen Galerie 1871 bis 1874 verwendet.

Ab 1875 entstand unter preußischer Regie das 1882 fertig gestellte Regierungsgebäude auf den Grundmauern der Chattenburg. Die neuen Landesherrn benötigten keine Residenz mehr, sondern einen Verwaltungsbau für die Königlich Preußische Regierung zu Cassel - die Keimzelle des späteren Regierungspräsidiums. 1880 entstand hier ein preußisches Regierungs- und Gerichtsgebäude, das von den Bomben im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Das Verwaltungs- und Justizzentrum wurde bei der Bombardierung Kassels im Oktober 1943 völlig zerstört, die Ruine von 1949 bis 1953 abgetragen. In den Jahren 1957 bis 1960 wurde das heutige Bürohochhaus gebaut.

siehe auch

Regierungspräsidium

Wussten Sie schon, dass ... ?

  • ... während der französischen Fremdherrschaft, in der Nacht des 24. November 1811 das alte ehrwürdige Schloss in Kassel, wo seit Heinrich dem Kind alle Landgrafen gewohnt haben, zum größten Teil durch Feuer zerstört wurde. König Jérôme Bonaparte mit seiner Gemahlin, waren nur mit knapper Not dem Tode entronnen. Ein späterer Neubau (Chattenburg) scheiterte. Das Rondell ist das einzige erhaltene Bauwerk der Schlossanlage.
    August Bollerhey, Wehren

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