Landgraf Otto I.

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Otto I. von Hessen (* um 1272; † 17. Januar 1328 in Kassel) war zunächst von 1308 bis 1311 Landgraf von Hessen und Herr der Lande an der Lahn (später Oberhessen). Nach dem Tode seines Halbbruders Johann 1311 erlangte er auch Niederhessen und war damit wieder Landgraf der gesamten Landgrafschaft Hessen von 1311 bis 1328.

Familie

Otto war der zweite Sohn des ersten hessischen Landgrafen Heinrich I. und dessen erster Frau Adelheid von Braunschweig-Lüneburg.

Otto war für die Nachfolge seines Vaters eigentlich nicht vorgesehen, diese Rolle kam seinem älteren Bruder Heinrich dem Jüngeren zu.

Landgraf Otto I. war verheiratet mit Adelheid von Ravensberg.

Leben

Im Jahr 1292 beansprucht Ottos Stiefmutter Mechthild von Kleve, die zweite Frau von Landgraf Heinrich I., für ihren Sohn und Ottos Halbbruder Johann einen Teil von Landgraf Heinrichs Erbe. Da Landgraf Heinrich I. gegen eine Erbteilung ist und es am liebsten sähe, dass Ottos älterer Bruder Heinrich der Jüngere nach dem Tod des Vaters die gesamte Landgrafschaft Hessen regiert, lehnt er dies zunächst ab. Aus diesem Grund ist Heinrich der Jüngere bereits seit 1284 von seinem Vater zum Mitregenten ernannt worden.

Landgraf Heinrich I. kann aber nicht verhindern, dass es zwischen seinen Söhnen aus erster und zweiter Ehe zu Erbstreitigkeiten kommt, die teilweise auch in bewaffneten Auseinandersetzungen ausgetragen werden. Heinrich sieht sich daher genötigt, sein Eintreten für die Primogenitur aufzugeben und die Landgrafschaft unter seine Söhne aufzuteilen.

Hierbei sollen aber nur die ältesten Söhne aus seinen beiden Ehen erbberechtigt sein, nämlich Heinrich der Jüngere und Johann. Die weiteren Söhne Heinrichs, Otto und Ludwig, bleiben bei der Erbteilung unberücksichtigt und sollen abgefunden werden bzw. sind für den geistigen Stand vorgesehen (Ludwig wird später Bischof von Münster). 1296 teilt Heinrich sein Erbe dergestalt auf, dass sein Sohn Heinrich der Jüngere die "Lande an der Lahn" (später Oberhessen) erhalten soll, demgegenüber ist für Johann Niederhessen vorgesehen. Darüber hinaus macht Heinrich Johann ebenfalls zum Mitregenten.

Die Erbteilung wird von Heinrich dem Jüngeren als unbefriedigend empfunden, da die Lehen in Oberhessen keine Reichsgüter enthalten. Die Auseinandersetzungen zwischen Heinrich dem Jüngeren und Johann finden daher kein Ende. Im Jahr 1298 stirbt Heinrich der Jüngere überraschend, an seine Stelle tritt nun Otto.

In diesem Zusammenhang wird oft gesagt, dass es sich bei Ottos Halbbruder Johann um den Lieblingssohn Heinrichs gehandelt hat. In der Tat erhält Johann mit Niederhessen den größeren Teil der damaligen Landgrafschaft Hessen und Landgraf Heinrich I. ist stets bemüht diese Besitzungen zu vergrößern. Vor allem aber bekommt Johann die Reichslehen, auf die sich die hessische Fürstenwürde gründet.

Nach Landgraf Heinrichs Tod 1308 wird die Erbteilung der Landgrafschaft Hessen so durchgeführt, wie Heinrich sie zu Lebzeiten beschlossen hat. Otto erhält Oberhessen mit Marburg als Residenz, demgegenüber erhält sein Halbbruder Johann Niederhessen mit der Residenzstadt Kassel.

Am 22. Februar 1311 stirbt Ottos Halbbruder Johann überraschend an der Pest und wird im Kloster Ahnaberg beerdigt. Er hinterlässt keinen Erben. Seine Tochter Elisabeth ist nach den Erbgesetzen nicht erbfähig. Daher kann Otto die Landgrafschaft Hessen wieder in seiner Hand vereinigen. Otto residierte sodann abwechselnd in Kassel und Marburg.

Landgraf Otto führt gegen das Erzbistum Mainz Krieg. Im Jahr 1324 verliert Otto die Schlacht in den Lahnbergen. Otto lässt 1325 die Stadt Gießen erweitern. Er gibt allen Bürgern der "Neustadt" und allen anderen die vor den Mauern der Stadt wohnen diesselben Rechte wie den Bürgern innerhalb der Mauern. 1327 ziehen die Mainzer Truppen, unter Hilfe des Erzbistums Trier in die Stadt Gießen ein. Dies führt jedoch zu Bürgeraufständen, so dass Landgraf Otto die Stadt schnell wieder unter seine Kontrolle bringen kann. Nach dem Sieg Ottos in der Schlacht bei Wetzlar 1328 wird unter Vermittlung von König Johann von Luxemburg der Krieg beendet.

Der Stadt Kassel verbrieft Landgraf Otto I. in mehreren Urkunden Rechte und Freiheiten. Unter anderem gewährt er den Kasselern das gleiche Stapelrecht wie es in Münden ausgeübt wird.

Unter dem Eindruck des Streites um das Erbe seines Vaters Landgraf Heinrichs I. versucht Otto bereits frühzeitig für das Haus Hessen die Primogenitur einzuführen. So erhält sein Sohn Ludwig die Burg Grebenstein als Abfindung und sein Sohn Hermann die Burg Nordeck. Im Gegenzug verpflichten sich beide auf ihren Erbteil zu verzichten und keine Ehe einzugehen. Ludwig hält diese Verpflichtung jedoch nicht ein. "Aus sonderbaren ingeben des Allmechtigen, zu erhaltung dißes durchlauchtigen stammes" ging er 1336 mit Elisabeth von Sponheim-Kreuznach die Ehe ein. Es gehen drei Kinder aus dieser Verbindung hervor, eines davon ist der spätere Landgraf Hermann II..

Am 17. Januar 1328 stirbt Landgraf Otto I. in Kassel und wird im Kloster Ahnaberg beigesetzt.

Ehefrau und Nachkommen

Otto war ab 1297 mit Adelheid (* 1270; † 1338), der Tochter von Otto III., Graf von Ravensberg verheiratet.

Mit ihr hatte er fünf Kinder:

  • Heinrich (* vor 13021376), später Landgraf Heinrich II. von Hessen, genannt der Eiserne
  • Otto (* 1301; † 1361) war ab 1331 Erzbischof von Magdeburg
  • Ludwig (* 1305 † um 1345)
  • Hermann (* 1305 ? † zwischen 1368 und 1370)
  • Elisabeth (* ? † nach 1354) heiratete Herzog Rudolf II. von Sachsen-Wittenberg

Literatur

  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005

Quellen

Internet


Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.