Landgraf Moritz

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Moritz von Hessen-Kassel, genannt der Gelehrte (* 25. Mai 1572 in Kassel; † 15. März 1632 in Eschwege), war Landgraf von Hessen-Kassel von 1592 bis 1627. Moritz war Sohn und Nachfolger von Wilhelm IV.

In erster Ehe war er ab 1593 mit Agnes von Solms-Laubach verheiratet. Zu ihren Kindern gehörte der spätere Landgraf Wilhelm V..

Nach dem Tod seiner ersten Frau am 23. November 1602 heiratete er am 22. Mai 1603 Juliane von Nassau-Dillenburg.

Die gemeinsamen Kinder mit Juliane erhielten später ein Viertel der Landgrafschaft Hessen-Kassel als erbliches Lehen.

Geschichte

Förderung von Wissenschaft und Kunst

Landgraf Moritz der Gelehrte (1572 - 1632)

Nicht umsonst ist Moritz als "der Gelehrte" in die Geschichte eingegangen. Er soll acht Sprachen gesprochen haben, hat sich als Förderer von Wissenschaft und Kunst hervorgetan und verfügte auch selbst über eine umfassende wissenschaftliche und musische Bildung, mit der er auch als Dozent, Forscher und Komponist wirkte.

Moritz war ein großer Freund von allegorischen Aufführungen, Ritterspielen und Theaterstücken. Von 1592 bis 1613 fanden regelmäßig Aufführungen einer englischen Schauspielertruppe statt. Der Liebe des Landgrafen zum Schauspiel verdankt Kassel den ältesten festen Theaterbau auf dem Kontinent, das Ottoneum (so genannt nach seinem Sohn Otto), das in den Jahren 1603 bis 1606 erbaut wurde.

Als evangelisches Kirchenoberhaupt erließ Moritz 1604 die so genannten "Verbesserungspunkte", die für die Kirche von Hessen-Kassel (Niederhessische Kirche) eine nicht vollständige aber weitgehende Abkehr vom Luthertum und eine Hinwendung zur reformierten Theologie Calvins und Zwinglis brachten.

1598 entdeckte Moritz auf einer Reise in einem Gasthaus in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) den musikalisch begabten Gastwirtssohn Heinrich Schütz und nahm ihn für die weitere musische Ausbildung, zunächst an der mit ausgezeichneten Musikern besetzten Hofkapelle, mit nach Kassel. Heinrich Schütz gilt als der erste deutsche Komponist von europäischem Rang.

Landgraf Moritz gehörte der "Fruchtbringenden Gesellschaft", der ältesten Sprachgesellschaft an, die 1617 gegründet wurde und die sich nach dem Vorbild der italienischen "Accademia della Crusca" der Pflege der deutschen Sprache und Literatur widmete.

Auch für die Bildung seiner Untertanen engagierte sich Moritz durch die Einrichtung einer fürstlichen Hofschule: "Es hat ... auch etliche Clöster allhie (in Kassel) gehabt / an denen statt ein Fürsten Schul / das Collegium Adelphicum genannt / auffgerichtet / unnd darinnen neben den Künsten / unnd Sprachen / auch allerhand Adeliche Exercitia zu erlernen / von Landgraff Moritzen angeordnet worden." (Matthäus Merian, 1655). Die von Moritz 1595 eingerichtete Hochschule, das Collegium Adelphicum Mauritianum (auch Ritterschule genannt), an der vor allem junge Adelige in Rhetorik, Dialektik, Physik u.a. unterrichtet wurden, lag neben der Brüderkirche.

Die Sauberkeit in seiner Residenzstadt war ebenfalls ein Thema, das Moritz am Herzen lag. So erreichte er die Entfernung der Misthaufen von den Gassen und veranlasste eine Verordnung, nach der alle Hausbesitzer zwei mal wöchentlich die Gassen und Plätze reinigen mussten. Versäumnisse wurden mit einer Strafe von 5 Gulden belegt.

Kassel hatte zur Zeit des Landgrafen Moritz 5.265 Einwohner (Stand 1599).

Moritz legte auch den ersten Grund für die von seinen Nachfolgern (insbesondere von Landgraf Karl) gestaltete Wilhelmshöhe: 1606 wurde das verlassene Kloster Weißenstein zu einem Jagdschloss Weißenstein umgestaltet. Der Name des Weißenstein-Flügels des heutigen Schlosses Wilhelmshöhe erinnert noch an diesen Ursprung.

Heinrich von Eckhardberg

Die Menschenfreundlichkeit von Moritz hatte die offenbar zu jener Zeit üblichen Grenzen. Als 1615 der Verdacht aufkommt, dass Landgräfin Juliane eine Affaire mit dem Hofjunker Heinrich von Eckhardsberg habe, findet eine öffentliche Folterung und Hinrichtung des jungen Mannes statt. Auf Anordnung des Landgrafen wird er gevierteilt und unter dem Galgen verscharrt. [1]

Im RegioWiki-Artikel: Wussten Sie schon, ... (Fritzlar) findet sich allerdings auch der Eintrag:

Wussten Sie schon, dass der Hofmarschall von Hertingshausen von dem Hofjunker von Eckhardsberg in Kassel erschossen wurde, weil dieser dem Landgraf Moritz hinterbracht hatte, er habe unziemliche Beziehungen zur Landgräfin. Am 1. Mai 1605 (? - s.o. 1615) fand die Hinrichtung des Junkers statt, die so grausam war, dass seine Mutter und Braut wahnsinnig wurden.
August Bollerhey, Wehren

Politische und militärische Mißerfolge

Politisch und militärisch agierte Moritz ungeschickt und glücklos. Unter ihm eskalierte der Streit mit Hessen-Darmstadt, es gingen Teile des Gebietes der Landgrafschaft Hessen-Kassel verloren (unter anderem Marburg) und im Dreißigjährigen Krieg wurden weite Teile Hessens sehr in Mitleidenschaft gezogen.

Zum Ende seiner Regierungszeit hatte der Landgraf auch Kaiser und Nachbarfürsten zum Feind. Zur Durchsetzung des "Reichshofratsurteil" von 1623, das im Marburger Erbschaftsstreit ganz Oberhessen dem kaisertreuen Landgrafen von Hessen-Darmstadt zusprach, rückten im Dreißigjährigen Krieg auf kaiserlichen Befehl die Liga-Truppen des Generals Tilly in Hessen-Kassel ein.

1627 trat der Landgraf, auch unter dem Druck der Landstände (insbesondere der Ritterschaft) zurück und überließ seinem Sohn Wilhelm V. das hochverschuldete, innen- und außenpolitisch in Schieflage befindliche Land. Aufgrund des verschwenderischen Lebens des Landgrafen hatte die Verschuldung des Landes eine Höhe von rund 2,5 Millionen Gulden erreicht.

Zuvor sicherte er seiner zweiten Frau Juliane von Nassau-Dillenburg und ihren Kindern durch einen "Hausvertrag" ein Viertel des Landes, das sein Sohn und Nachfolger Wilhelm V. als sogenannte "Rotenburger Quart" abtreten musste, bevor das Territorium durch einen sogenannten Haupt-Akkord (Hauptvergleich) neu zu verteilen war. Um die standesgemäße Versorgung ihrer Kinder sicherzustellen, hatte Juliane die Übertragung von Einkünften und Besitzrechten an ihre Kinder betrieben und schließlich erreicht, dass Moritz ihren Söhne die Rotenburger Quart übertrug, deren Gesamtfläche etwa ein Viertel der Fläche Hessen-Kassels umfasste.

Die sogenannte Rotenburger Quart umfaßte neben der Residenz noch Stadt, Amt und Schloß Eschwege, Stadt und Amt Sontra, die Gerichte Bilstein und Germerode (beide bei Witzenhausen), Stadt und Amt Wanfried, das hessische Drittel von Treffurt, die Stadt Witzenhausen, Burg und Amt Ludwigstein und die Herrschaft Plesse Burg Plesse (nördlich Göttingen) mit dem Amt Gleichen.

Juliane bezog 1629 mit ihren Kindern ihre neue Residenz Rotenburg, nachdem die Untertanen den Eid auf die neue Herrschaft abgelegt hatten.

Von seinen Söhnen aus zweiter Ehe erhielt Hermann das Gebiet Rotenburg, Friedrich Eschwege und Ernst die ehemalige Grafschaft Katzenelnbogen mit Sitz auf der Burg Rheinfels.

Schloss Melsungen

Nach seiner Abdankung im Jahr 1627 machte Landgraf Moritz von Hessen das Melsunger Schloss zu seinem Hauptwohnsitz. Er fertigte hier mehr als vierhundert Zeichnungen, Skizzen, Bestandspläne und Bauentwürfe an, die über die Stadt, ihren Grundriss und ihre Bauwerke am Anfang des 17. Jahrhunderts Aufschluss geben.

Kurz vor seinem Tod verlässt Moritz 1632 das Schloss in Richtung Eschwege.

Wussten Sie schon, dass ...

  • ... am 14. November 1640 Prinz Christian, Sohn des Landgrafen Moritz von Hessen, 18 Jahre alt, zu Bückeburg in Folge eines Trinkgelages, welches der schwedische General Baner gegeben hatte, gestorben ist? Aber auch der Spender starb.
    August Bollerhey, Wehren

Literatur:

  • Schwarzkopf: Geschichte der Stadt Kassel. Die Residenzstadt Cassel am Anfange des zwanzigsten Jahrhunderts - Festschrift der 75.Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte. Cassel 1903.
  • Demandt, Karl E.: Geschichte des Landes Hessen. Kassel u. Basel 1972.
  • Franz, Eckhart G.: Das Haus Hessen. Stuttgart 2005.
  • Ruhl, Klaus-Jörg (Hg.): Kassel in alten und neuen Reisebeschreibungen. Düsseldorf 1991.
  • Wegener, Karl-Hermann: Kurhessens Beitrag für das heutige Hessen. Wiesbaden 1999.
  • Klaube, Frank-Roland: Chronik der Stadt Kassel. Gudensberg 2002.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Aus der Chronik der Stadt Kassel auf kassel.de

Weblinks





Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.