Landgraf Karl

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Landgraf-Karl-Denkmal in Kassel

Karl von Hessen-Kassel (* 3. August 1654 in Kassel; † 23. März 1730 ebenda) war Landgraf von Hessen-Kassel von 1670 bis 1730.

Leben und Wirken

Karl war verheiratet mit Maria Amelia von Kurland (1653 - 1711), einer Tochter des Herzogs von Kurland, nach der der Hugenottenort Mariendorf im Landkreis Kassel benannt ist.

Zu ihren Kindern gehörte der spätere Landgraf Friedrich I..

Architektur

Landgraf Karl ließ in Kassel Oberneustadt, Orangerie und Herkules bauen

75 Jahre ist Landgraf Karl geworden - und er hat seine Lebensspanne wahrlich gut genutzt. Auf Schritt und Tritt begegnet man in Kassel und Umgebung den Zeugnissen seines Schaffens.

Orangerie mit Marmorbad und Küchenpavillon

Natürlich hat er die Karlsaue, das Marmorbad und die Orangerie nicht selbst gebaut. Auch die Oberneustadt mit ihrer markanten Karlskirche nicht. Vom Bergpark mit den Wasserspielen und dem Herkules ganz zu schweigen.

Von der Karlsaue über den Karlsplatz, der Karlskirche und dem Denkmal des Landgrafen bis zur Landgraf-Karl-Straße in Bad Wilhelmshöhe ist sein Name in der ganzen Stadt präsent. Zu Lebzeiten schrieb sich der Fürst übrigens noch mit "C". Das ist ebenso in Vergessenheit geraten wie die Tatsache, dass der Bergpark Wilhelmshöhe früher Karlsberg hieß. Bei einer Italienreise kam ihm die Idee, dieses Gelände am Rande des Habichtswaldes ganz im Stil des italienischen Barocks gestalten zu lassen. Mit den Kaskaden, dem Oktogon und dem Herkules als Krönung. Einem Monument, dem der frühere Leiter des hessischen Staatsarchivs, Hans Philippi, voller Anerkennung eine erhabene Zwecklosigkeit bescheinigte.

Im Bergpark hat Landgraf Karl eine wohl einmalige Verbindung von Architektur und Landschaft schaffen lassen. Die soll als kulturelles Welterbe geadelt werden. Bergpark und Karlsaue waren zudem wichtige Standbeine für Kassels Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2010. Der weltoffene und kunstsinnige Landgraf Karl hat dafür den Weg geebnet.

Karlshof in Wabern

Der Karlshof in Wabern

Etwa 30 km südlich von Kassel, im Edertal, am westlichen Ortsrand von Wabern, erinnert auch heute noch das als Karlshof bekannte Jagdschloß an Karls Verbundenheit zum "Ländlichen" und der Jagd. Von diesem Jagd- und Lustschlösschen, das Karl um 1700 erbauen ließ, zogen die Regenten von Kassel zumeist mit ihren Gästen, zur Reiherjagd in die dortige Eder- und Schwalmaue aus.

Hofgeismar - Gesundbrunnen

Am Gesundbrunnen in Hofgeismar wurde noch unter seiner Herrschaft mit dem Ausbau einer Kur- und Badeanlage und mit der Errichtung des ersten Badehauses ("Karlsbad") begonnen.

Mit der Unterstützung des Landgrafen entstand in Hofgeismar auch ein neues Rathaus, dass unter anderem einen Ratskeller, Gesellschaftszimmer und Unterkunftsräume für vornehme Badegäste bot. Ebenso wurde für die Gäste auch ein Spazierweg im Stadthagen angelegt. Mit der Untersuchung des "Sulteborns" wurde vom Landgraf im Jahre 1700 der französische Arzt, Dr. Elie Pierre de Beaumont beauftragt, der später auch seinen Wohnsitz in der Stadt nahm und mehrmals deren Bürgermeister wurde. Der Plan zum Ausbau des "Sauerbrunnens" zu einem Heilbad stammte offenbar von einem Aufenthalt des Landgrafen in Pyrmont im Jahre 1681.

Politik

Asyl für die Hugenotten

Das größte Verdienst Landgraf Karls ist, dass er die richtigen Menschen nach Kassel geholt hat. Den Hugenotten, französischen Glaubensflüchtlingen, gewährte er nicht nur Asyl, sondern sicherte ihnen wirtschaftliche Unterstützung, Glaubensfreiheit sowie den Gebrauch der eigenen Sprache in der Kirche und der Verwaltung zu. Ganz uneigennützig war das nicht, denn der Dreißigjährige Krieg hatte für einen enormen Aderlass an Handwerkern und Baumeistern gesorgt. Da kamen die Hugenotten mit ihren Fähigkeiten gerade recht. Nirgendwo sonst in Deutschland wurden sie im Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung so zahlreich aufgenommen wie in Nordhessen.

Mariendorf-Hugenottenkirche

Am 3. August 1688 legte Landgraf Karl den Grundstein für die Kasseler Oberneustadt. Hier sollten sich die Hugenotten eine neue Heimat aufbauen. Neben Karlshafen war das die zweite Neugründung einer Stadt in Hessen-Kassel, hinzu kamen 19 kleinere Orte. Mit dem Siedlungsprogramm in den nach dem Dreißigjährigen Krieg vielfach zerstörten und entvölkerten Landstrichen der Landgrafschaft wurde im Jahre 1686 begonnen. Neue Dörfer entstanden, als erste Carlsdorf (benannt nach Landgraf Carl) und Mariendorf (benannt nach seiner Ehefrau Maria Amelia).

Seitdem haben die hugenottischen Namen einen festen Platz in der Geschichte des Landes und der früheren Hauptstadt Kassel. Zu ihnen gehört die Baumeisterfamilie du Ry. Über drei Generationen prägten sie die Architektur Kassels von der Oberneustadt bis zum Schloss Wilhelmshöhe.

Der Physiker Denis Papin kam ebenso aus Frankreich wie die Familie der bekannten Märchenerzählerin Dorothea Viehmann (geborene Pierson). Insgesamt fanden 2000 Hugenotten in Kassel eine neue Heimat, im späteren Kurhessen waren es 4000. Bis ins Jahr 1867 wurde in der Karlskirche an jedem zweiten Sonntag die Predigt in französischer Sprache gehalten. Landgraf Karl hat jedenfalls gegenüber den Glaubensflüchtlingen sein Wort gehalten. Bis heute gilt er als einer der beliebtesten hessischen Fürsten.

Wiederaufbau des Heeres

Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges hat die Landgrafschaft auch mit dieser Politik schneller überwunden werden als in anderen Regionen Deutschlands. Karl trieb auch den Wiederaufbau eines Heeres voran, das unter anderem im Spanischen Erbfolgekrieg eingesetzt wurde, wobei die Soldaten gegen Subsidiengelder in fremde Dienste verliehen wurden.

Wirtschaft

Messinghof in Kassel

Bereits 1679 begründete Landgraf Karl in Kassel den Messinghof, einen der ersten metallverarbeitenden Betriebe Hessens.

Stadtgründung durch Landgraf Karl

Am Landgraf Karl - Kanal
in Bad Karlshafen

Im Jahre 1699 erfolgte die einzige Stadtgründung für Hugenotten in Hessen, in Sieburg, dem späteren Carlshafen, wenn man von der Oberneustadt in Kassel absieht. Der Name Sieburg wurde offenbar nach einer alten Fliehburg oberhalb der Stadt gewählt.

Nach dem Willen des Landgrafen sollte an der Weser eine neue Fabrik- und Handelsstadt entstehen, wobei der Capitän Friedrich Conradi, Ingenieur und Baumeister des Landgrafen von 1699 bis 1750, als Bauleiter verantwortlich war. Die Planung des im Jahre 1717 in "Carlshaven" umbenannten Orts erfolgte durch den Hofbaumeister Paul du Ry.

An breiten Strassen entstanden zumeist zweigeschossige, weiße Häuser mit barocken Giebeln. Blickt man vom Hugenottenturm - auf den 205 m hohen Hessischen Klippen - auf die Stadt, erkennt man bis heute den denkmalgeschützten Ortskern mit den rund um den alten Hafen gebauten Häusern. In strenger Geometrie wurden etwa 120 Häuser in Carrées geordnet.

Schon bald kamen aber auch besonders ausgebildete Gebäude hinzu, wie das „Hotel des Invalides“, das Invalidenhaus für verletzte und ausgeschiedene hessische Soldaten, das in den Jahren 1704 bis 1710 entstand und in dessen Kapelle die ersten Gottesdienste für die angesiedelten französischen Glaubensflüchtlinge stattfanden.

Hinzu kamen die landgräfliche Mühle (1710) oder das Pack- und Lagerhaus am Hafen (1715 - 1719) mit seinem beachtlichen Laubengang, das ebenfalls von Conradi entworfen wurde und gelegentlich zum Aufenthalt des Landesherrn diente. Heute wird es als Rathaus der Stadt genutzt.

Die ersten Bewohner - hugenottische Glaubensflüchtlinge - waren im Frühjahr 1701 in die Stadt gezogen, nachdem sie zunächst vorübergehend im nahen Helmarshausen untergebracht worden waren. Hinzu kamen ab dem Jahre 1708 zunehmend deutsche Familien, so dass bis zum Jahr 1745 insgesamt 131 Familien, darunter 37 französisch-stämmige Familien, in der Stadt wohnten.

Neben der Landwirtschaft entstanden Manufakturen, beispielsweise eine Blaufarbenfabrik oder eine Textilmanufaktur, die 1717 bereits 118 Arbeiter beschäftigte und auch Uniformstoffe für hessische Soldaten lieferte. Weiteren Aufschwung nahm die Stadt durch die 1730 von dem hugenottische Apotheker Jacques Galland entdeckten Solequellen.

In der jungen Hafenstadt entstanden durchaus repräsentative Bauten, wie das landgräfliches Gästehaus (heute: Hotel "Zum Schwan" ) an der Invalidenstraße oder das Gebäude der einstigen Thurn- und Taxis`schen Postverwaltung, ebenso eine Reihe stattlicher Bürgerhäuser an der Weserstraße, bevor die weitere wirtschaftliche Entwicklung nicht zuletzt durch die Napoleonischen Kriege wesentlich beeinträchtigt wurde.

Hafen und Karlskanal

Der geplante Verlauf des Landgraf-Carl-Kanals

Ursprünglich war die Stadt Karlshafen als Hafenstadt am Ende des von Kassel aus führenden Karlskanal geplant worden, woran das zentral gelegene Hafenbecken und die Hafenschleuse bis heute erinnern. Der Hafen der Stadt sollte das Tor zur Nordsee sein und mit einem abkürzenden Kanal Kassels Schifffahrt von der Fulda zur Weser erheblich befördern.

Etwa ab 1713 verfolgte Landgraf Carl den Plan, die Stadt an der Weser über den Landgraf-Carl-Kanal mit der Fulda im Süden zu verbinden, offenbar um das Mündener Zollrecht zu umgehen. Mit einem Kanal von Kassel nach Karlshafen hätte man den hessischen Schiffen die Stapelgelder ersparen können, die an das damals zum Herzogtum Braunschweig gehörende Münden (heute: Hann. Münden) zu entrichten waren.

Nachdem zunächst damit begonnen wurde, die Diemel schiffbar zu machen, wurde mit den eigentlichen Kanalbauarbeiten erst 1720 begonnen, wobei auch Soldaten zu den friedlichen Arbeiten herangezogen wurden.

Von Karlshafen führte der Kanal bereits bis zum heutigen Hofgeismarer Stadtteil Hümme. Der Landgraf soll im Jahre 1717 immerhin stolz festgestellt haben, er sei bis nach Stammen "geschiffet".

Die Pläne des Landgrafen erwiesen sich aber als wenig erfolgreich, so dass nach seinem Tod im Jahre 1730 der weitere Kanalausbau aufgegeben wurde. Ein von zwei Pferden gezogenes kleines Marktschiff, so heißt es, brauchte von Karlshafen bis Trendelburg im Jahre 1727 einen ganzen Tag, weil es immer wieder flottgemacht werden musste. Und in Hümme ist kaum eines dieser Schiffe jemals angekommen.

Eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande wurde erst gut ein Jahrhundert später mit einer Eisenbahnlinie geschaffen, nachdem man zunächst - unter der Herrschaft des Landgrafen Friedrich II. - eine gut ausgebaute Straße für Transporte von Kassel über Karlshafen bis nach Bremen gebaut hatte, wodurch die Stadt einen deutlichen Aufschwung nahm.

Literatur

  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005

Nachkommen

Zu den zahlreichen Kindern aus der Ehe mit Maria Amelia von Kurland gehörten:

Landgraf Karl
  • Wilhelm (29.3.1674 - 25.5.1676)
  • Karl (24.2.1675 - Kassel 7.12.1677)
  • Friedrich (28.4.1676 - 05.04.1751), der spätere König von Schweden und Landgraf von Hessen-Kassel
  • Christian (2.7.1677 - 18.09.1677)
  • Sophie Charlotte (16.7.1678 - 30.5.1749) – verheiratet mit Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg
  • Karl (12.6.1680 - 13.11.1702)
  • Wilhelm (10.3.1682 - 1.2.1760) der spätere Landgraf von Hessen-Kassel (heiratete am 27.09.1717 Dorothea Wilhelmine, Herzogin von Sachsen-Zeitz, * 1691)
  • Leopold (30.12.1684 - 10.9.1704)
  • Ludwig (5.9.1686 - 23.5.1706)
  • Marie-Louise (7.2.1688 - 9.4.1765) – heiratete am 28.3.1675 Herzog Johann Wilhelm Friso von Nassau-Dietz (* 4.8.1687)
  • Maximilian (28.5.1689 - 8.5.1753), Feldmarschall – verheiratet mit Friederike Charlotte von Hessen-Darmstadt, Tochter des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (* 1698)
  • Georg Karl (8.1.1691 - 5.3.1755), General
  • Eleanore Antonieta Friederike (11.1.1694 - 17.12.1694)
  • Wilhelmine Charlotte (8.7.1695 - 27.11.1722)

Aus der späteren Verbindung des Landgrafen mit Jeanne Margarida de Frere (* 1686) stammte der Sohn

  • Charles Frederic Philippe de Gentil, Marquis de Langallerie.

Mätresse nach der Marquise de Langallerie war Barbara Christine von Bernhold (1690 - 1756).


Spuren aus der Zeit des Landgrafen

Die Herkulesstatue


siehe auch

Carlsdorf - Eingang zur Hugenottenkirche

Wussten Sie schon, ...

  • ...dass sich die katholische und die evangelische Kirche von 1583 bis zum Jahr 1699 verschiedener Kalendarien bedienten? Während die katholische Kirche seit 1583 dem nicht so präzisen julianischen Kalender entsagt hatte und dem genaueren Gregorianischen Kalender den Vorzug gegeben hatte, nutzte die evangelische Kirche noch immer den Julianischen Kalender. Erst Ende des Jahres 1699 erließ Landgraf Karl von Hessen in Übereinstimmung mit den übrigen evangelischen Reichsständen ein Gesetz, nach welchem im Jahre 1700 nach dem 28. Februar zugleich der 1. März folgen solle. Damit waren die Kalenderzeiten der evangelischen und der katholischen Kirche wieder in Einklang gebracht worden. Noch heutzutage wird der gregorianische Kalender von den meisten Ländern der Erde benutzt.
    Helmut Wirwahn, Wangershausen

Weblinks




Landgrafen von Hessen (bis 1568)

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Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

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Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

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