Landgraf Johann I.

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Johann von Hessen (* 1278; † 22. Februar 1311 in Kassel) war Landgraf von Hessen und Herr von Niederhessen von 1308 bis 1311. Seit 1296 war er Mitregent seines Vaters Landgraf Heinrich I..

Familie

Johann I. war der älteste Sohn von Landgraf Heinrich I. von Hessen und dessen zweiter Ehefrau Mechthild von Kleve. Bei seiner Geburt hatte er bereits acht Geschwister, sechs davon stammten aus der Ehe seines Vaters mit der 1274 verstorbenen Adelheid von Braunschweig-Lüneburg.

Leben

Im Jahr 1292 beansprucht Johanns Mutter Mechthild von Kleve, die zweite Frau von Landgraf Heinrich I., für ihren Sohn Johann einen Teil von Landgraf Heinrichs Erbe. Da Johanns Vater Heinrich gegen eine Erbteilung ist und es am liebsten sähe, dass Johanns Halbbruder Heinrich der Jüngere nach dem Tod des Vaters die gesamte Landgrafschaft Hessen regiert, lehnt er dies zunächst ab. Seit dem Jahr 1284 ist Heinrich der Jüngere von seinem Vater zum Mitregenten ernannt worden.

Landgraf Heinrich I. kann aber nicht verhindern, dass es zwischen seinen Söhnen aus erster und zweiter Ehe zu Erbstreitigkeiten kommt, die teilweise auch in bewaffneten Auseinandersetzungen ausgetragen werden. Heinrich sieht sich daher genötigt, sein Eintreten für die Primogenitur aufzugeben und die Landgrafschaft unter seine Söhne aufzuteilen.

Hierbei sollen aber nur die ältesten Söhne aus seinen beiden Ehen erbberechtigt sein. Die weiteren Söhne Heinrichs bleiben bei der Erbteilung unberücksichtigt und sollen abgefunden werden. 1296 teilt Heinrich sein Erbe dergestalt auf, dass sein Sohn Heinrich der Jüngere die "Lande an der Lahn" (später Oberhessen) erhalten soll, demgegenüber ist für Johann Niederhessen vorgesehen. Darüber hinaus macht Heinrich Johann ebenfalls zum Mitregenten.

Die Erbteilung wird von Heinrich dem Jüngeren als unbefriedigend empfunden, da die Lehen in Oberhessen keine Reichsgüter enthalten. Die Auseinandersetzungen zwischen Heinrich dem Jüngeren und Johann finden daher kein Ende. Im Jahr 1298 stirbt Heinrich der Jüngere überraschend. An seine Stelle tritt Otto, Johanns zweiter Halbbruder.

In diesem Zusammenhang wird oft gesagt, dass es sich bei Johann um den Lieblingssohn Heinrichs gehandelt hat. In der Tat erhält Johann mit Niederhessen den größeren Teil der damaligen Landgrafschaft Hessen und Landgraf Heinrich I. ist stets bemüht diese Besitzungen zu vergrößern. Vor allem aber bekommt Johann die Reichslehen, auf die sich die hessische Fürstenwürde gründet.

Nach Landgraf Heinrichs Tod 1308 wird die Erbteilung der Landgrafschaft Hessen so durchgeführt, wie Heinrich sie zu Lebzeiten beschlossen hat. Otto, Johanns Halbbruder, erhält Oberhessen mit Marburg als Residenz, demgegenüber erhält Johann Niederhessen mit der Residenzstadt Kassel.

Nachdem er sein Erbe erhalten hat, führt Johann 1309 einen Eroberungszug durch. Er erobert zunächst Gudensberg, das an Herzog Albrecht II. von Braunschweig-Lüneburg verpfändet ist und erzwingt so die Annahme des Pfandgeldes. Im gleichen Jahr erobert er Borken von den Grafen von Ziegenhain.

Kaiser Heinrich VII. überträgt Johann die Schutzherrschaft für die Reichsstädte Mühlhausen, Nordhausen und Goslar. Da dies ein Eindringen Johanns nach Thüringen, in den Machtbereich der Markgrafen von Meißen bedeutet, geht Markgraf Friedrich I. hiergegen militärisch vor. Der Krieg verläuft schlecht für Johann, so dass er sich 1311 in seine Residenz Kassel zurückzieht um sein Heer neu zu sammeln.

Am 22. Februar 1311 stirbt Johann überraschend an der Pest und wird im Kloster Ahnaberg neben seiner Frau Adelheid beerdigt. Er hinterlässt keinen Erben. Seine Tochter Elisabeth ist nach den Erbgesetzen nicht erbfähig. Daher kann sein Halbbruder Otto die Landgrafschaft Hessen wieder in seiner Hand vereinigen.

Durch seinen frühen Tod endete die Auseinandersetzung mit Markgraf Friedrich I. Johann plante gegenüber des Klosters Breitenau, auf der rechten Seite der Fulda, eine neue Stadt zu gründen. Der Plan wurde ebenfalls durch seinen frühen Tod nie ausgeführt.

Ehe und Kinder

Johann war seit 1306 mit Adelheid von Braunschweig-Lüneburg verheiratet. Adelheid starb wie Johann 1311 an der Pest. Aus der Verbindung ging eine Tochter hervor:

Elisabeth (* ?; † 1339)

Literatur

  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005

siehe auch

Quellen

Internet


Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.