Landgraf Heinrich II.

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Heinrich II. von Hessen, genannt der Eiserne, (* 1299; † 3. Juni 1376 in Kassel) war Landgraf von Hessen von 1328 bis 1376.

Familie

Heinrich war der Sohn von Landgraf Otto I. und dessen Ehefrau Adelheid von Ravensberg. Er war der Enkel des ersten hessischen Landgrafen Heinrich I. und Ururenkel der Heiligen Elisabeth. Er gehörte zum Geschlecht der Ludowinger und der Reginare.

Leben und Wirken

Landgraf Heinrich II. soll von großer Statur gewesen sein und eine enorme körperliche Stärke besessen haben. Unter anderem soll er in der Lage gewesen sein, ein Hufeisen mit bloßen Händen zu verbiegen. Dies brachte ihm den Beinamen "der Eiserne" ein.

Heinrich wird 1320 von seinem Vater Landgraf Otto I. zum Mitregenten erhoben und kämpft gemeinsam mit ihm gegen das Erzbistum Mainz. Jedoch erst nach dem Tod seines Vaters am 17. Januar 1328 schlägt Heinrich den Mainzer Erzbischof im Sommer des gleichen Jahres vor der verbündeten Reichsstadt Wetzlar vernichtend. Anschließend schließt er einen Vergleich mit dem Erzbistum Mainz, der jedoch nur von vorübergehender Dauer ist. Die Auseinandersetzungen zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem Erzbistum Mainz gehen jedoch in den folgenden Jahrzehnten weiter. Ebenfalls 1328 erobert Heinrich Treffurt.

1330 beginnt Heinrich damit seine Residenzstadt Kassel auszubauen. Die Altstadt wird durch die so genannte "Freiheit" erweitert. Diese wird zunächst als eigene Stadt mit eigenem Bürgermeister gegründet. Sie erhält ihren Namen, weil die Bürger, die sich dort ansiedeln, zeitweise von Steuern und Abgaben befreit sind.

1334 gibt Heinrich im Fritzlarer Petersstift eine Prunkhandschrift von Wolfram von Eschenbachs Übersetzung der französischen Heldenlieder über "Willehalm von Oranse" mit farbigen Miniaturen in Auftrag. Diese Pergamenthandschrift ist heute eines der Glanzstükce der Landesbibliothek und Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel.

Heinrich lässt von 1336 bis 1339 die Felsburg in Felsberg erheblich erweitern. So wird der Zwinger und der Torturm mit Torhaus neu erbaut. Der Bergfried wird nach oben erweitert und die Nordmauer der Hauptburg verstärkt.

1340 macht Heinrich seinen einzigen Sohn Otto, genannt "der Schütz", zu seinem Mitregenten.

Als erster der hessischen Landgrafen verleiht Heinrich erbliche Hofämter. So werden die Herren von Eisenbach 1343 in das Amt des Erbmarschalls berufen. 1369 folgen die Herren von Berlepsch als Erbkämmerer und die Familie Schenk von Schweinsberg als Erbschenken.

1346 führen das Erzbistum Mainz und Heinrich erneut eine kriegerische Auseinandersetzung. Ebenfalls in diesem Jahr erwirbt Heinrich Spangenberg von den Herren von Spangenberg. Schloss Spangenberg wird zu einem Jagdschloss ausgebaut und Nebenresidenz der Landgrafen. Heinrichs Sohn, Otto der Schütz, macht das Schloss zu seiner Hauptresidenz.

Im Jahr 1347 kommt es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Heinrich und dem Mainzer Erzbischof Heinrich von Virneburg. Dieser ist im April 1346 wegen seines Eintretens für Kaiser Ludwig IV. von Papst Clemens VI. abgesetzt worden, der die Wahl Karls IV. unterstützte. An seiner Stelle wird Gerlach von Nassau zum Erzbischof ernannt, was Heinrich von Virneburg aber ignoriert. Landgraf Heinrich II. steht jedoch auf Gerlachs Seite. Die Schlacht findet auf der Ebene zwischen Gudensberg und Fritzlar statt und Landgraf Heinrich II. kann die Truppen Heinrichs von Virneburg entscheidend schlagen.

1354 vergleichen sich Heinrich und das Erzbistum Mainz erneut. Heinrich kann hierbei die weltlichen Befugnisse über die Geistlichkeit in der Landgrafschaft Hessen für sich sichern und erhält den mainzischen Anteil am Reinhardswald. Als Gegenleistung wird Kirchhain als hessisches Lehen an Mainz gegeben.

1357 kauft Heinrich einen Teil der Herrschaft Itter. An Pfingsten des gleichen Jahres kommt Kaiser Karl IV. zu einer prunkvollen Wallfahrt an das Grab der Heiligen Elisabeth nach Marburg. Dies ist auch eine Anerkennung für Landgraf Heinrich II.

Im Jahr 1358 verbindet Heinrich die Kasseler "Neustadt" (spätere Unterneustadt) mit der Altstadt durch eine Brücke, die er durch einen Brückenzoll finanziert.

Im Jahr 1360 erwirbt Heinrich zusammen mit Elisabeth von Henneberg-Schleusingen für 4.300 Goldgulden Schmalkalden und Herrenbreitungen. Mit Elisabeth schließt er einen gegenseitigen Erbvertrag ab. Im gleichen Jahr schenken Heinrich und sein Sohn Otto der Schütz der Stadt Felsberg und den Leuten zu Gensungen, Sontheim, Beuern, Heßlar und Melgershausen den Markwald Beuerholz. Es handelt sich um eine bedeutende Schenkung, da der Wald eine Größe von ca. 645 Hektar hat. Gleichzeitig erhält die Stadt Felsberg für den Bereich des gleichnamigen Amtes das Monopol des Wein-, Fruchtwein- und Branntweinausschankes. Dies bedeutet für die Stadt eine erhebliche Verbesserung ihrer finanziellen Lage. Darüber hinaus schenkt Landgraf Heinrich II. der Stadt die Stiftung des Valentinshospitals, welches neben der Jakobskapelle am Obertor errichtet wird.

Heinrich plant den Bau eines Doms, der aber auf Grund der angespannten Kassenlage nicht verwirklicht wird. Stattdessen beginnt ebenfalls 1360 in der Kasseler "Freiheiter Vorstadt" der Bau der Martinskirche. Landgraf Heinrich II. macht sie zu einer Stiftskirche mit 12 Domherren, die dem heiligen Martin und der heiligen Elisabeth geweiht ist.

1366 stirbt Heinrichs einziger Sohn Otto der Schütz völlig überraschend. Auf Grund seiner Mitregentschaft gilt er in der genealogischen Zählung des Hauses Hessen als Otto II. Landgraf Heinrich II. muss nun für einen neuen Nachfolger sorgen. Zunächst benennt er den Sohn seiner Tochter Elisabeth, die mit dem Herzog Ernst von Braunschweig verheiratet ist. Sein Enkel Otto von Braunschweig führt jedoch ein "wüstes Leben" und äußert sich lieblos über seinen Großvater, so dass dieser ihm schon 1367 das Erbe abspricht und sich für seinen Neffen Hermann entscheidet. Darauf kommt es zu schweren Kämpfen zwischen der Landgrafschaft Hessen und dem Herzogtum Braunschweig.

Am Sonntag, den 23. Mai 1367 wird die Martinskirche in Kassel feierlich eingeweiht.

Im Jahr 1370 verbündet sich Otto von Braunschweig mit Graf Gottfried von Ziegenhain sowie einem großen Teil des westfälischen, thüringischen und sächsischen Adels bzw. der Ritterschaft zum so genannten "Sternerbund". Die Spannungen zwischen den Sternern und Landgraf Heinrich II. münden schließlich in den so genannten Sternerkrieg. Ebenfalls 1370 macht Landgraf Heinrich II. seinen Neffen Hermann zum Mitregenten. Nachdem Heinrich die hervorragende Eignung seines Neffen erkennt, überlässt er ihm mehr und mehr die Regierung.

Das Hauptereignis des Sternerkrieges ist die Belagerung der Burg Herzberg. Die Burg liegt in dieser Zeit strategisch bedeutsam an der Heer- und Handelsstraße "Die kurzen Hessen" sowie im Grenzgebiet zwischen der Landgrafschaft Hessen, der Abtei Hersfeld und der Grafschaft Ziegenhain. Die Sterner unterhalten hier einen Stützpunkt, da die Burg im Besitz der mit ihnen verbündeten Herren von Lißberg ist. In Erwartung eines hessischen Angriffs schickt Otto von Braunschweig ab 1371 Soldaten unter dem Hauptmann Breido Rantzow auf die Burg.

Gleichzeitig bildet sich 1372 unter der Führung von Graf Johann von Nassau der "Bund der alten Minne" der sich ebenfalls gegen Landgraf Heinrich II. wendet. Heinrich muss sich in dieser Zeit auf seine Städte stützen, die jedoch nur beschränkt Truppen stellen können. Daher sucht er nach weiteren Verbündeten. Diese findet er in Graf Ruprecht von Nassau und den Markgrafen Friedrich, Balthasar und Wilhelm von Meißen, gleichzeitig Landgrafen von Thüringen.

Heinrich braucht tatsächlich die strategisch gelegene Burg Herzberg und lässt sie im August 1372 unter dem Kommando seines Neffen Hermann angreifen. Zusammen mit Balthasar von Thüringen belagert Hermann die Burg mit etwa 1.000 Mann. Die Belagerung verzögert sich jedoch, so dass es den Sternern gelingt ein Entsatzheer aufzustellen, das unter Graf Gottfried VII. von Ziegenhain von der Schwalm kommend auf die Burg vorrückt. Damit ist Hermann der Rückzugsweg nach Alsfeld und die Verbindung zu den Versorgungsmagazinen in Marburg abgeschnitten. Die Belagerung wird eilig abgebrochen und Hermann zieht mit seinem Heer in die einzig freie Richtung nach Hersfeld ab.

Graf Gottfried VII. ist in dem festen Glauben, dass Hermann ihm im Tal der Fulda nicht mehr entkommen kann. Hermann zieht jedoch mit einem Teil seines Heeres das Aulatal hinauf und verwüstet die Ziegenhainischen Städte Schwarzenborn und Neukirchen. Dann zieht er weiter nach Marburg, wo er noch rechtzeitig eintrifft, um sich den Sternern im westlichen Teil der Landgrafschaft Hessen zu stellen.

Der andere Teil des hessischen Heeres zieht unter dem Kommando von Balthasar von Thüringen weiter nach Hersfeld. Balthasar bittet um Einlass in die Stadt. Was er nicht weiß, ist das der Hersfelder Abt Berthold II. von Völkershausen auf Seiten der Sterner steht. Berthold hat dies bisher auch geheim gehalten. Jetzt gibt er sich den Bürgern als Sterner zu erkennen und verlangt die Bitte Balthasars abzuschlagen. Die Bürger, um ihre Unabhängigkeit fürchtend, folgen seiner Aufforderung nicht und lassen Balthasar und das Heer in die befestigte Stadt. Die Sterner wagen nicht Hersfeld anzugreifen. Sie ziehen ab und verwüsten die Landgrafschaft Hessen hinauf bis nach Fritzlar.

Bald darauf treffen die landgräfliche Truppen und die Sterner bei der Nikolauskirche vor Hersfeld erneut aufeinander. Es steht schlecht für das hessische Heer, eine Niederlage droht. Da öffnen die Bürger von Hersfeld den landgräflichen Truppen erneut ihre Tore und gewähren ihnen Schutz in ihren Mauern. Die mehrfache Hilfe der Hersfelder Büger bringen ihnen die Feindschaft der Sterner und des Abtes Berthold II. ein. Dennoch gelingt es dem Landgrafen die Hersfelder Bürger davon zu überzeugen, am 28. Januar 1373 ein Schutz- und Trutzbündnis mit ihm einzugehen. Gleiches wird am 24. Oktober 1373 mit den Thüringern abgeschlossen. Der Landgraf stationiert in Hersfeld sechzig Glevenern (Lanzenreiter mit berittenen Knechten) und sichert im Falle eines Angriffs weitere zwanzig zu; Thüringen verspricht ebenfalls zwanzig. Der Abt und das Stift sind von den Verträgen ausgenommen, da die Bürger nicht gegen sie kämpfen wollen.

Nachdem der Landgraf seine militärische Macht im Osten wie im Westen gesichert hat, kommt es weniger zum Aufeinandertreffen bewaffneter Truppen, vielmehr ziehen bewaffnete Haufen plündernd durch das feindliche Gebiet.

Um sich des Meißener Beistandes zu versichern und um die weibliche Erbfolge auszuschließen, geht Heinrich II. am 9. Juni 1373 eine Erbverbrüderung mit den Markgrafen von Meißen ein, wonach eine gegenseitige Erbfolge für den Fall des Aussterbens der Häuser in der Manneslinie vereinbart wird. Heinrich trägt dem Kaiser außerdem die Landgrafschaft Hessen zum Lehen auf.

1375 wird Heinrichs Neffe Hermann zum Kaiser nach Prag geschickt, um die Verbrüderung und das Lehen durch Kaiser Karl IV. bestätigen zu lassen. Der Kaiser bestätigt die Erbverbrüderung am 13. Dezember 1375 und macht die gesamte Landgrafschaft Hessen zum Reichslehen. Damit beruht die Reichsfürstenwürde nicht mehr nur auf den Besitzungen Eschwege und Burg Boyneburg, sondern auf der gesamten Landgrafschaft Hessen. Außerdem kann Otto von Braunschweig keine Erbansprüche mehr auf die Landgrafschaft Hessen erheben, da er einer weiblichen Linie des Hauses Hessen entstammt.

Heinrich erlässt 1375 eine Steuer auf alle eingeführten Waren, da seine Kassen durch die vielen militärischen Auseinandersetzungen leer sind. Diese Maßnahme erregt den Unmut der Bürger sowie des Adels.

Landgraf Heinrich II. stirbt am 3. Juni 1376 in Kassel. Er wird in der Elisabethkirche in Marburg beigesetzt.

Nachkommen

Seit 1321 ist Landgraf Heinrich II. mit seiner Cousine Elisabeth von Thüringen verheiratet. Es handelt sich hierbei um eine politisch motivierte Vernunftehe, die nicht glücklich ist. Heinrich bezichtigt Elisabeth des Ehebruchs, worauf sich die beiden 1339 trennen und Elisabeth sich nach Eisenach zurückzieht. Elisabeth lebt dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1367 unter dem Schutz ihres Bruders und wird auch dort beigesetzt.

Mit Heinrich hatte sie fünf Kinder:

  • Otto (* vor 1322; † Dezember 1366), genannt "der Schütz"
  • Judith († als Kind)
  • Adelheid (* 1324; † 1371)
  • Elisabeth († 7. März 1390)
  • Margaretha († 1353)

siehe auch

Quellen

Internet

Literatur

  • Eckhart G. Franz; Das Haus Hessen. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2005


Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.