Landgraf Heinrich I.

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Landgraf Heinrich I.

Heinrich I. von Hessen, genannt "das Kind von Brabant", (* 24. Juni 1244; † 21. Dezember 1308 in Marburg) war erster Landgraf von Hessen und Begründer des hessischen Fürstenhauses.

Familie

Er war der Sohn von Herzog Heinrich II. von Brabant und Niederlothringen und Sophie von Thüringen. Sophie war die Tochter des Thüringer Landgrafen Ludwig des Heiligen, und der Elisabeth von Ungarn, der späteren Heiligen Elisabeth von Thüringen, die die Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn war. Heinrich gehörte damit zum Geschlecht der Ludowinger und der Reginare.

Leben

Im Jahr 1247 erlöschen die Thüringer Landgrafen im Mannesstamme mit dem Tode des letzten Landgrafen Heinrich Raspe IV. Nach dem Tod Heinrich Raspes fiel die Landgrafschaft Thüringen an Markgraf Heinrich den Erlauchten von Meißen, der durch seine Mutter von den Ludowingern abstammte. Demgegenüber versuchte Sophie von Brabant, die Mutter Heinrichs, das Erbe für ihren Sohn zu sichern. Noch im Jahr 1247 erhob sie Anspruch auf die gesamte Landgrafschaft Thüringen, da sie die letzte Nachkommin der Thüringer Landgrafen war. Ihr Mann Heinrich, der Herzog von Brabant und Lothringen, rückte in Marburg ein, um das Land für seine Frau und seinen damals vierjährigen Sohn Heinrich in Besitz zu nehmen. Sophie beweist ihr diplomatisches Geschick und überlässt ihrem Cousin, Markgraf Heinrich die Herrschaft in den thüringischen und sächsischen Gebieten der Ludowinger. Sie selbst will die Herrschaft in der Grafschaft Hessen ausüben.

Als ihr Mann überraschend im Februar 1248 verstirbt, liegt die Zukunft ihres Sohnes allein in ihrer Hand. Der Legende nach soll sie ihren Sohn Heinrich am Marktbrunnen von Marburg Bürgern, Edelleuten und Rittern als Landesherrn präsentiert haben. Nach anderen, wohl eher zutreffenden Quellen, dürfte die Vorstellung des "Kinds von Hessen" wohl eher vor dem bereits fertig gestellten Chor der Elisabethkirche stattgefunden haben. Kurz darauf lässt sie Heinrich auf einem Landtag durch die Ritter, Grafen und Amtleute zum neuen Herrn eines abgetrennten hessischen Herrschaftsbereichs erheben. Heinrich nennt sich nunmehr Landgraf von Thüringen und Herr von Hessen. Der Titel Landgraf von Thüringen wird weiterhin geführt, um Heinrichs Erbanspruch auf das gesamte Erbe der Thüringer Landgrafen deutlich zu machen.

Es folgen jedoch noch lange Auseinandersetzungen im thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg sowie mit dem Erzbistum Mainz, das seinen Machtbereich ebenfalls auf Hessen ausdehnen will, wo es ohnehin schon zahlreiche Besitzungen hat. 1250 stimmt der Markgraf von Meißen der Abtrennung Hessens endgültig zu, nachdem Sophie auf alle Ansprüche auf die Wartburg verzichtet und ihren Sohn Heinrich für die Dauer von zehn Jahren der Vormundschaft des Markgrafen unterstellt. Nachdem sich der Markgraf Heinrich am 16. Mai 1254 vom Mainzer Erzbischof mit einem Teil der mainzischen Besitzungen in Thüringen belehnen lässt, sieht Sophie die Vormundschaftsvereinbarung als verletzt an und übernimmt selbst wieder die Regentschaft für ihren Sohn. Dies lässt den hessisch-thüringischen Erbfolgekrieg erneut aufflammen. Im Zuge dessen verlobt Heinrich sich 1258 mit Adelheid, der Schwester Herzog Albrechts von Braunschweig, um sich dessen Kriegshilfe gegen den Markgrafen von Meißen zu sichern.

Am 4. Mai 1261 beurkundet der Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein, dass Herzogin Sophie und ihr Sohn, "der sich Landgraf der Thüringer nennt", alle Länder und Besitzungen die Heinrich Raspe IV. (König Heinrich), Sophies Onkel, vom Erzbistum Mainz zu Lehen erhalten hat, an die Mainzer Kirche zurückzugeben haben. Der Erzbischof ist der Auffassung, dass mit dem Erlöschen der Thüringer Linie im Mannesstamme auch die Lehen erloschen sind und somit von ihm eingezogen werden können. Diese Besitzungen werden nach seiner Auffassung von Sophie und Heinrich zu Unrecht gehalten und sind an ihn herauszugeben. Da Sophie, trotz der häufigen Ermahnungen seines Vorgängers Erzbischof Gerhard von Dhaun, der schließlich auch Bann und Interdikt über sie verhängte, die Besitzungen nicht an das Erzbistum zurückgegeben hat, spricht der Erzbischof in der genannten Urkunde die Exkommunikation über Sophie, ihren Sohn und ihre Helfer aus und verhängt das Interdikt über die Ortschaften in denen sie die Gerichsbarkeit ausüben. Die Urkunde ist von den Bischöfen von Worms, Speyer, Straßburg und Würzburg bezeugt.

Im Langsdorfer Vertrag von 1263 wird Heinrich schließlich auch durch das Erzbistum Mainz, welches zuvor eine militärische Niederlage erlitten hat, die Grafschaft Hessen zugesprochen. Heinrich residiert in Marburg und Kassel und baut beide Städte aus. Ein Jahr später wird mit dem Markgrafen von Meißen ebenfalls endgültig Frieden geschlossen, da er nun endlich die wichtigen Werrastädte Allendorf, Eschwege, Sontra und Witzenhausen an Heinrich abgetreten hat. Sophie zieht sich darauf aus der Regierung zurück und Heinrich herrscht nun allein. Nach dem Friedensschluss mit dem Markgraf von Meißen nennt sich Heinrich nunmehr Landgraf und Herr von Hessen. Er wählt den Thüringer Löwen zu seinem Wappen.

Heinrich erwirbt 1265 Teile der Grafschaft Gleiberg, zu der auch Gießen gehört, von den Pfalzgrafen von Tübingen. Er war sehr auf den Auf- und Ausbau seines Territoriums und die Sicherung der Selbständigkeit Hessens bedacht, die ihm auch weiterhin politische und kriegerische Auseinandersetzungen einbringt.

So führt er zahlreiche, zum Teil erbitterte und verheerende Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Mainz. 1273 hat Heinrich I. die Mainzer Burgen Heiligenberg, Naumburg und Weidelsburg sowie die Ziegenhainer Burgen Staufenberg, Gemünden an der Straße und die Wenigenburg vor Amöneburg angegriffen und teilweise zerstört. Hierfür verhängt der Erzbischof über ihn den Bann und das Interdikt und sorgt dafür, dass König Rudolf I. von Habsburg Landgraf Heinrich I. vor seinen Richterstuhl lädt. Als er nicht erscheint, wird er am 25. Januar 1274 sogar in die Reichsacht genommen. Es gelingt ihm jedoch, die Anerkennung und das Vertrauen von König Rudolf I. zurück zu gewinnen. So zieht er mit ihm 1276 gegen Böhmen und hilft ihm bei der Eroberung von Wien. Hierfür erlangt er am 4. Juli 1277 die Aufhebung der Acht. Im gleichen Jahr lässt Heinrich sich durch die Hessischen Landstände auf der Mader Heide offiziell als Landgraf von Hessen ausrufen.

Werner von Eppstein, der Erzbischof von Mainz, fällt 1280 zusammen mit Otto von Rietberg, dem Bischof von Paderborn, in Hessen ein und verwüstet das Land. Heinrich sammelt jedoch ein starkes Landsturmheer und kann das Heer des Erzbischofs bei Fritzlar vernichtend schlagen. Dadurch hat er erstmals die Macht des Erzbistums Mainz in Niederhessen gebrochen und seine eigene Machtposition entscheidend verbessert.

Im Jahre 1282 ist die von ihm gegründete Stadt Immenhausen im heutigen Landkreis Kassel Streitpunkt einer weiteren Auseinandersetzung mit Erzbischof Werner von Mainz. Immenhausen ist damals bereits ein mit hessischen Burgmannen besetzter Stützpunkt. Landgraf Heinrich I. lässt Immenhausen sowie die Nachbarstadt Grebenstein in kurzer Zeit ausbauen und befestigen. Ausschlaggebend dafür waren strategische Gründe gegenüber dem mainzischen Riegel, den Calden, die Burg Haldessen und Hofgeismar bilden sowie die Geltendmachung von Territorialansprüchen in dem Bereich westlich des Reinhardswaldes.

1284 erhebt Heinrich seinen ältesten Sohn aus erster Ehe, Heinrich den Jüngeren zum Mitregenten.

Am 11. Mai 1292 erhebt König Adolf von Nassau in Frankfurt am Main Heinrich I. in den Reichsfürstenstand und bestätigte so seine Position als Landgraf. Heinrich überträgt zu diesem Zweck dem König die Stadt Eschwege und die Reichsburg Boyneburg. Diese gibt der König sodann feierlich als fürstliches Reichslehen an Heinrich zurück. Nur durch diesen Akt kann ihm die Fürstenwürde verliehen werden, durch die seiner Familie über Jahrhunderte die Vormachtstellung in Hessen gesichert wird. Symbol der neuen Landesherrschaft ist der prachtvolle Ausbau des Marburger Schlosses, das zu den bedeutendsten Bauten der Hochgotik zählt. Kassel erlangt erst später seine Bedeutung als Hauptstadt, obwohl Heinrich auch hier eine neue Burg errichten lässt.

Im gleichen Jahr beansprucht seine zweite Frau Mechthild für ihren Sohn Johann einen Teil von Heinrichs Erbe. Da Heinrich gegen eine Erbteilung ist und es am liebsten sähe, dass sein Sohn Heinrich der Jüngere nach seinem Tod als Landgraf sein gesamtes Erbe antritt, lehnt er dies zunächst ab. Er kann aber nicht verhindern, dass es zwischen seinen Söhnen aus erster und zweiter Ehe zu Erbstreitigkeiten kommt, die teilweise auch in bewaffneten Auseinandersetzungen ausgetragen werden. Heinrich sieht sich daher genötigt, sein Eintreten für die Primogenitur aufzugeben und die Landgrafschaft unter seine Söhne aufzuteilen.

Hierbei sollen aber nur die ältesten Söhne aus seinen beiden Ehen erbberechtigt sein. Die weiteren Söhne Heinrichs bleiben bei der Erbteilung unberücksichtigt und sollen abgefunden werden. 1296 teilt Heinrich sein Erbe dergestalt auf, dass sein Sohn Heinrich der Jüngere die Lande an der Lahn (später Oberhessen) erhalten soll, für seinen Sohn Johann ist Niederhessen vorgesehen. Darüber hinaus macht Heinrich Johann ebenfalls zum Mitregenten.

Die Erbteilung wird von Heinrich dem Jüngeren als unbefriedigend empfunden, da die Lehen in Oberhessen keine Reichsgüter enthalten. Daher setzen sich die Auseinandersetzungen zwischen Heinrich dem Jüngeren und Johann fort. Im Jahr 1298 stirbt Heinrich der Jüngere überraschend. An seine Stelle tritt Otto, der zweite Sohn aus Landgraf Heinrichs erster Ehe. Die Streitigkeiten können nicht mehr zu Lebzeiten Landgraf Heinrichs beigelegt werden.

In diesem Zusammenhang wird oft gesagt, dass es sich bei Johann um den Lieblingssohn Heinrichs gehandelt hat. In der Tat erhält Johann mit Niederhessen den größeren Teil der damaligen Landgrafschaft Hessen und Landgraf Heinrich ist stets bemüht diese Besitzungen zu vergrößern, was in Oberhessen nicht so sehr der Fall ist. Vor allem aber bekommt Johann die Reichslehen, auf die sich die hessische Fürstenwürde gründet.

Heinrich stirbt 1308 auf einer Reise nach Marburg und wird dort in der Elisabethkirche beigesetzt. Die Erbteilung der Landgrafschaft Hessen erfolgt so, wie Heinrich sie beschlossen hat. Otto, sein Sohn aus erster Ehe, erhält Oberhessen mit Marburg als Residenz und Johann, sein Sohn aus zweiter Ehe, Niederhessen mit der Residenzstadt Kassel. Bereits drei Jahre später, im Jahr 1311, stirbt Johann überraschend an der Pest, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. Hierauf kann sein Bruder Otto die Landgrafschaft Hessen wieder in seiner Hand vereinigen.

Ehefrauen und Nachkommen

Am 10. September 1263 heiratet Heinrich Adelheid, die Tochter des Herzogs Otto I. von Braunschweig-Lüneburg und dessen Gemahlin Mathilde von Brandenburg. Mit Adelheid hatte Heinrich sechs Kinder:

Adelheid stirbt am 12. Juni 1274 in Marburg. Um das Jahr 1275 heiratete Heinrich dann erneut, diesmal Mechthild von Kleve, mit der er die folgenden Kinder hatte:

Quellen

Internet

Literatur

  • Gerd Bauer, Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz; Die Geschichte Hessens. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2002
  • Eckhart G. Franz; Das Haus Hessen. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2005


Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.