Landgraf Friedrich II.

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Friedrich II. von Hessen-Kassel (* 14. August 1720; † 31. Oktober 1785) war von 1760 bis 1785 Landgraf von Hessen-Kassel.

Er war der Sohn des Landgrafen Wilhelm VIII. und dessen Ehefrau Dorothea Wilhelmine.

Geschichte

Aus Leben und Wirken

Nach Erziehung in Genf und Lausanne heiratete Friedrich im Jahre 1740 Maria von Hannover, eine Tochter des damaligen englischen Königs (Georg II.).

Schon als Erbprinz trat Friedrich zum katholischen Glauben über, unterschrieb aber auf Druck seines Vaters im Jahre 1754 die sogenannte Assekurationsakte zur Wahrung des evangelischen Bekenntnisses in Hessen-Kassel. Seine Frau Maria, mit der er drei Söhne hatte, trennte sich von ihm und zog mit den Kindern in die Grafschaft Hanau, die von Hessen-Kassel abgetrennt wurde. In den Jahren 1764 bis 1785 regierte Friedrichs Sohn Wilhelm (Erbprinz von Hessen-Kassel) als regierender Graf die Grafschaft Hanau.

Nach dem Tod der Landgräfin Maria heiratete Friedrich 1773 in zweiter Ehe die Prinzessin Philippine von Preußen (1745-1800) aus der Nebenlinie Brandenburg-Schwedt. Diese Ehe blieb kinderlos.

Bekannt wurde Friedrich als erster Fürst der Aufklärung in Hessen. Während seiner Regierungszeit wurde Kassel in den Jahren nach dem Siebenjährigen Krieg (in dem Hessen-Kassel auf die Seite Preußens kämpfte) zu einer glanzvollen Residenz ausgebaut und erhielt verschiedene wissenschaftliche und kulturelle Einrichtungen.

In seinem Auftrag wurde etwa der Friedrichsplatz angelegt, der im 18. Jahrhundert einer der größten Stadtplätze Europas war und eine Verbindung zwischen der Altstadt und der Oberneustadt in Kassel schuf.

Nur wenigen ist bekannt, dass unter Friedrich II. im Jahre 1780 eine Verordnung zur „Erhaltung der im Lande befindlichen Monumente und Alterthümer“ erlassen wurde, die als älteste gesetzliche Bestimmung zum Denkmalschutz in Deutschland angesehen werden kann und bis zum Annexion Kurhessens durch Preußen in Kraft blieb.

Friedrich II. wurde nach seinem Tod am 31. Oktober 1785 in Schloss Weißenstein in der von ihm begründeten katholischen Sankt Elisabeth-Kirche in Kassel beigesetzt.

Bauwerke und Spuren aus der Zeit des Landgrafen

Viele Menschen denken bei der Landgrafschaft Hessen-Kassel wegen der spektakulären Bauten und Hinterlassenschaften in erster Linie an die Landgrafen Karl (Herkules, Karlsaue, Karlshafen etc.), Wilhelm VIII. (Schloss Wilhelmsthal, Gemäldesammlung) und Wilhelm IX., den späteren Kurfürsten Wilhelm I. (Schloss Wilhelmshöhe, Löwenburg), aber auch Friedrich II. hat wichtige Spuren hinterlassen.

Im Jahre 1777 gegründete er die Kunstakademie in Kassel, aus der die Kunsthochschule hervorgegangen ist. Friedrich II. war ein vom Geist der Aufklärung ergriffener Fürst, dem auch das Fridericianum als ein für die Öffentlichkeit erbautes Museum zu verdanken ist. Und unter seiner Regentschaft kam 1778 der Weltumsegler und Naturforscher Georg Forster (1754-1794) als Professor an das 1709 gegründete „Collegium Carolinum“, das bereits um 1767 nach dem Vorbild einer Universität umgestaltet worden war.

Kassel

In Kassel enstanden unter seiner Regentschaft

  • das Fridericianum, ein Musterbeispiel für klassizistische Architektur und das erste öffentliche Museum auf dem Kontinent,
  • die Obere und Untere Königsstraße,
  • der Königsplatz,
  • das Königstor (die Namen weisen auf seinen Onkel Friedrich I., den schwedischen König hin)
  • und natürlich der Friedrichsplatz, auf dem seine Statue (siehe Foto oben) an ihn erinnert.

Bedeutender Baumeister war Simon Louis du Ry, der überhaupt ein Hauptrepräsentant des Klassizismus in Kassel war.

Friedrich II. siedelte Industrie und Manufakturen an, er holte aber auch Künstler und Gelehrte nach Kassel. Das erste frei zugängliche Museum des europäischen Festlands, das Fridericianum, entstand 1779.

Ohnehin ist das Kasseler Kulturleben auch heute noch ohne Friedrich schwer vorstellbar.

Die „Académie de Peinture et de Sculpture de Cassel“, Vorgänger der heutigen Kunsthochschule, wurde 1777 von ihm eröffnet.

Die Kunstsammlungen im Schloss Wilhelmshöhe, die vor allem von seinem Vater Wilhelm VIII. zusammengetragen worden waren, wurden von ihm ergänzt, insbesondere geht die Antikenabteilung auf ihn zurück, und vor allem wurden diese Schätze der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Deswegen sieht man trotz der Subsidienverträge Friedrich II. als aufgeklärten Herrscher.

Auch die heutige Prägung der Gartenanlagen, insbesondere von Wilhelmshöhe, geht auf ihn zurück, da er den Übergang von der barocken Gartengestaltung zur Anglisierung, d.i. die Auflösung geometrischer Formen, die Vermeidung von Symmetrie und die gestalterische Orientierung an der Natur, initiiert hat.

So geht man vielfach auf verschlungenen Pfaden an gewundenen kleinen Wasserläufen mit natürlich wirkenden Kaskaden entlang und stößt auf kleinere Accessoires (Plutogrotte, Vergilgrab, Pyramide, Eremitage des Sokrates). Wegen der Chinamode spricht man auch vom anglochinesischen Stil. So wurde das Chinesische Dorf Mulang geschaffen, von dem heute noch die Pagode zu betrachten ist. Höhepunkt der Wasserspiele ist die große Fontäne.

Ganz im Sinne seines Vorsatzes, Kassel zu einem kulturellem Zentrum zu machen, kümmerte sich der Landgraf nicht nur um Baukunst, Literatur und schöne Künste, sondern auch um Theater und Musik. Das Opernhaus am Opernplatz (an der Stelle des heutigen Kaufhof) entstand 1769 aus einem prinzlichen Palais nach Plänen von Simon Louis du Ry. Erst der neue Theaterbau von 1909 löste das Opernhaus ab. Das Orchester, die Hofkapelle, wurden vergrößert. Unter den Mitgliedern waren hervorragende Musiker. Diese Entwicklung hat sich bis zum heutigen Kasseler Staatsorchester fortgesetzt.

Allgemein ist festzustellen: Damals wie heute muss Friedrich II. wegen der Geldbeschaffung über die Subsidienverträge hart kritisiert werden. Auf der anderen Seite ist er aber ein moderner Fürst gewesen, weil er Kunst und Kultur gefördert und vor allem der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Sein Denken war da geprägt von Prinzipien der Aufklärung. Dazu passt auch, dass er zwar entgegen den hessischen Gepflogenheiten zum Katholizismus übertrat, sich aber in Glaubensfragen absolut tolerant verhielt. Wenn man Kassel und seine Umgebung mit offenen Augen betrachtet, dann kann man in vielen Bereichen sehen, dass auch dieser Landgraf bis heute entscheidende Spuren hinterlassen hat.

(Günther Kirchner, 22.4.2006)

Durch seinen Hofgärtner Daniel August Schwarzkopf ließ Landgraf Friedrich II. im Jahre 1767 den Park Weißenstein zu einem Landschaftspark umgestalten und eine Rosensammlung anlegen.

Heute hat es sich der "Verein Roseninsel im Park Wilhelmshöhe" zur Aufgabe gemacht, die Roseninsel im Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe zu pflegen und zu erhalten.

Hofgeismar - Bad Gesundbrunnen

Den Plan zum Ausbau einer Kur- und Badeanlage am Gesundbrunnen in Hofgeismar fasste bereits Landgraf Karl von Hessen-Kassel. Noch zu seinen Lebzeiten wurde mit der Errichtung des ersten Badehauses ("Karlsbad") begonnen. Doch erst unter der Regentschaft seiner Nachfolger, der Landgrafen Wilhelm VIII. und besonders Landgraf Friedrich II. erhielt die Anlage ein angemessenes architektonisches Gepräge. Friedrich II. beauftragte 1764 mit der Planung und Errichtung einer einheitliche Gebäudegruppe den damaligen Obrist-Lieutnant J. L. Splittorf. Zu den schon bestehenden Gebäuden des "Wilhelmsbads" kam 1770 insbesondere ein neues Flügelgebäude, "Friedrichsbad" genannt, hinzu.

Gründung von Kolonien

In dem Bestreben, die Bevölkerungszahl zu steigern und brachliegendes Land zu kultivieren, erfolgte unter Landgraf Friedrich II. im 18. Jahrhundert die Gründung von elf Kolonien.

Eine davon ist die Kolonie Philippinenhof, die ab dem Jahre 1778 im äußersten Norden der Kasseler Gemarkung entstand. Weitere Neugründungen erfolgten in Friedrichsdorf, Friedrichsfeld und Friedrichsthal.

Nicht zuletzt der Siebenjährige Krieg hatte zu Bevölkerungsverlusten geführt, so dass Flächen brach lagen. Solche Brachflächen ließ Landgraf Friedrich II. erfassen, um sie neu zu besiedeln.

Die neuen Siedler wurden begünstigt durch eine mehrjährige Befreiung von Steuern und Kriegsdienst und wurden außerdem mit Startkapital zum Hausbau und für die Anschaffung von Vieh ausgestattet. Allerdings mussten die Siedler Kenntnisse in der Landwirtschaft vorweisen und einen guten Leumund nachweisen. So entstanden bei Wolfhagen auch die drei Kolonien Philippinendorf, Philippinenburg und Philippinenthal, benannt nach der zweiten Frau des Landgrafen, Philippine von Brandenburg-Schwedt nach dessen erster Ehe mit Maria von Hannover.

Würdigung

Aus: Informationen zum "Kassel der Aufklärung" - www.bookumenta.de

Trotz seines Soldatenhandels gilt Friedrich II. als der erste Fürst der Aufklärung in Hessen. Mit den gewonnen Geldmitteln förderte er Wissenschaft und Kultur. Seine Verordnung zur "Erhaltung der im Lande befindlichen Monumente und Alterthümer" ist Deutschlands älteste Bestimmung zum Denkmalschutz. Friedrich II. siedelte Industrie und Manufactruren in Kassel an, holte aber auch Künstler und Gelehrte nach Kassel. Der Lehrplan des Collegium Carolinums wurde anspruchsvoller und 1773 hatten seine Lehrer den Status von Universitätsprofessoren inne. Auch der Naturforscher Georg Forster, der mit James Cook um die Welt gesegelt war, unterrichtete hier. 1777 wurde die Kunstakademie Kassel gegründet, der Vorgänger der heutigen Kunsthochschule. Johann Heinrich Tischbein der Ältere, der sich schon seit 1753 als Kasseler Hofmaler bewährt hatte, wurde als Professor berufen, während der Hofbaumeister Simon Louis du Ry zum Direktor ernannt wurde. Du Ry war auch mit dem Bau des Fridericianums beauftragt worden, das 1779 eines der ältesten öffentlichen Museen des europäischen Festlands den Bürgern eine Bibliothek und die Landgräflichen Sammlungen zugänglich machte, die von Freidrich II. um eine Antikensammlung erweitert worden waren. Außerdem gründete er das Friedrichsgymnasium, das später solche Berühmtheiten wie die Gebrüder Grimm und Murhard, Ernst Koch und den späteren Kaiser Wilhelm II. hervorbringen sollte.

Simon Louis du Ry realisierte noch andere große Projekte unter Friedrich II.: Der Friedrichsplatz war zur Zeit seiner Erbauung einer der größten Stadtplätze Europas. Als Hauptausgang vom Platz in die Karlsaue diente das Auetor, das heute leider nicht mehr erhalten ist. Der Königsplatz ist ebenfalls ein Kind dieser Zeit. Zusammen mit der Königsstraße und dem Königstor und dem Weißensteiner Platz (heutiger Brüder-Grimm-Platz) verbanden diese städtebaulichen Elemente die Oberneustadt mit der Kasseler Altstadt und streckten sich in Richtung Bergpark aus. Ein Opernhaus entstand dort, wo sich heute der Kaufhof befindet. Auch der Weißenstein-Flügel des Schlosses Wilhelmshöhe ist nach einem Entwurf von Simon Louis du Ry gebaut.

Denkmal für Landgraf Friedrich II.

Landgraf-Friedrich-Statue

1771 stifteten die hessischen Landstände für den Kasseler Friedrichsplatz eine Statue Landgraf Friedrichs II., mit deren Ausführung der Hofbildhauer Johann August Nahl d. Ä. beauftragt wurde. (Die Landstände vertraten die Ritterschaft, die Städte und die lehnsabhängigen Grafen sowie bestimmte Institutionen aus Hessen gegenüber dem Landesherrn und traten zu sog. Landtagen zusammen; ihre Zustimmung war z. B. für Steuererhebungen erforderlich.)

Der italienische Carrara-Marmor wurde 1778 auf dem Postament aufgestellt, und ein umgebender Bretterverschlag diente als Werkstatt. Prominester Besucher war 1779 Johann Wolfgang von Goethe. Nahl litt zunehmend jedoch unter heftigen Gichtschmerzen und ließ sich in einer Sänfte zum Gerüst tragen; 1780/81 arbeitete schließlich sein Sohn Samuel gemeinsam mit weiteren Künstlern unter Anleitung des Vaters, und nach dessen Tod stellte er die Statue 1781-83 selbständig fertig.

Der Sockel war mit grünlichem Marmor verkleidet. Für die Inschrift wählte man einen kurzen Text des Professors Hassenkamp aus Rinteln, der die Schenkung prägnant zum Ausdruck brachte: „Friderico II. Patria MDCCLXXXIII“, auf Deutsch: Friedrich dem Zweiten, das Vaterland, 1783.

Geistliches Haus

Blick von der Frankfurter Straße über den Friedrichsplatz; hinten links erkennt man das Elisabeth-Hospital an der Obersten Gasse

Im Jahre 1777 wurde am neuen Friedrichsplatz, beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit, ein Gebäude geweiht, das im reformierten Hessen eigentlich undenkbar war. Betrat man den unscheinbaren Bau, so fand man darin zur großen Überraschung einen kleinen, aber prächtigen Kirchenraum, der mit seinem farbigem Stuckmarmor und seinen Altären, Statuen, Reliefs und Gemälden in völligem Gegensatz zu der sonstigen Kargheit hessischer Kirchen stand.

Baumeister war ein Reformierter, der begabte Hofbaumeister Simon Louis du Ry, Enkel des einstigen „Französischen Baumeisters“ Paul du Ry. Auftraggeber war sein Landesherr, Friedrich II. Die Weihe nahm der katholische Erzbischof von Mainz vor, und die Kirche war zunächst unmittelbar dem Papst unterstellt.

Mit Entsetzen hatte Friedrichs Vater, Landgraf Wilhelm VIII., 1754 erfahren, dass sein Sohn 1749 heimlich zum römischen Bekenntnis übergetreten war – für den strengen Calvinisten, der selbst den Lutheranern weiterhin Steine in den Weg legte, war dies ein Schock. Wilhelm fürchtete zudem, dass die Familie und das Land – einst Vorkämpfer für die Reformation – dadurch in Zukunft auf die katholische Seite gezogen werden könnten. Die guten Kontakte, die Wilhelm bisher zum Kölner Erzbischof gepflegt hatte, wurden abgebrochen, da man in ihm den Hauptschuldigen sah.

Vor allem aber musste Friedrich die sogenannte „Assekurationsakte“ unterzeichnen, die das reformierte Bekenntnis dauerhaft absichern sollte. Er wurde von Frau und Kindern getrennt, zu deren Absicherung die Grafschaft Hanau diente; sie wurde erst nach Friedrichs Tod wieder mit Hessen verbunden.

In Regierungsämter durften nur Protestanten berufen werden, katholische Gebiete durften nicht an Hessen angegliedert werden. Friedrichs Gottesdienst galt als seine Privatsache, und es durften keine katholischen Pfarrkirchen in Hessen errichtet werden. Auch die hessischen Landstände (die Vertreter der Ritterschaft, der Städte, der lehnsabhängigen Grafen sowie bestimmter Institutionen) wurden auf die Akte verpflichtet, England, Preußen, Dänemark, die niederländischen Generalstaaten und der Zusammenschluss der protestantischen Reichsstände im Reichstag wurden zu Garantiemächten bestellt.

Politisch blieb die Konversion für Hessen damit weitgehend folgenlos. Ihre Gründe sind schwer zu benennen; Friedrich selbst gab an, dass ihm die katholische Kirche näher stehe, zumal der reformierte Gottesdienst zu einfach wäre. Er habe deshalb eine Religion gewählt, in der Gott mit vieler Pracht verehrt würde. Im Sinne der Aufklärung beschäftigte er sich kritisch mit der Bibel und war für sich zum Ergebnis gekommen, dass sie mit dem Verstand alleine nicht zu erfassen sei; Traditionen und Autorität der römischen Kirche boten ihm dagegen den Halt, den er in der verstandesorientierten reformierten Kirche vermisste.

Für die innere Ernsthaftigkeit seines Schritts spricht, dass er alle Widrigkeiten in Kauf nahm und dass alle Versuche, ihn wieder für den Calvinismus zu gewinnen, fehl schlugen. Nach seinem Regierungsantritt 1760 richtete er zunächst eine Privatkapelle im Schloss ein, dann ließ er am Friedrichsplatz ab 1770 jenes „Geistliche Haus“ errichten, das neben dem Kirchenraum auch die Wohnungen der drei katholischen Hofgeistlichen und die Gruft des Bauherrn enthielt. Als Kirchenpatronin wählte Friedrich die Ahnherrin des hessischen Landgrafenhauses, die heilige Elisabeth.

Nach außen durfte das Gotteshaus wegen der Bestimmungen der Assekurationsakte nicht als Kirche in Erscheinung treten. Die Einpassung des Kapellenraums in die äußere Hülle war originell und geschickt gelöst, und Simon Louis du Ry betrachte das „Geistliche Haus“ als sein gelungenstes Werk: Der kreisrunde, überkuppelte Altarraum befand sich in der gesamten Mitte des Gebäudes, während das dreischiffige, niedrigere Langhaus für die Gemeinde sich links davon anschloss; über demselben lag im zweiten Obergeschoss noch ein niedriger Saal. Im rechten Gebäudedrittel waren die Sakristei und die Wohnungen untergebracht.

Literatur

  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005
  • Werner Wiegand und Stefan Arend, Soldaten aus Immenhausen, Holzhausen und Mariendorf im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1776 - 1784, 2. Auflage, Immenhausen 1989

Nachkommen

Während Friedrichs zweite Ehe kinderlos blieb, stammten aus seiner ersten Ehe mit Maria von Hannover:

  • Wilhelm (1741 - 1742)
  • Wilhelm (1743 - 1821), der spätere Landgraf Wilhelm IX.
  • Karl (1744 - 1836), heiratete am 30. August 1766 in Kopenhagen die dänische Prinzessin Louise, eine Tochter des dänischen Königs Friedrich V.
  • Friedrich (1747 - 1837), als Friedrich III. Landgraf von Hessen-Rumpenheim, verheiratet ab 1785 mit Karoline Polyxene von Nassau-Usingen (1762 - 1823)

Schlacht bei Wilhelmsthal

Von seinem Vater Wilhelm VIII. übernahm Friedrich II. die Beteiligung am Siebenjährigen Krieg auf preußischer Seite.

Berühmt geworden ist u. a. die Schlacht bei Wilhelmsthal (1762). Im Küchenflügel des Schlosses kann man in einer Ausstellung von Dioramen mit Zinnsoldaten sehr anschaulich einige Schlachtsituationen nachvollziehen. Dazu gehört die Geschichte vom Tambour von Wilhelmsthal, die auf einer Tafel vor dem Haupteingang nachzulesen ist.

Bereits im Juli 1760 fand die Schlacht bei Warburg statt, bei der eine Armee aus Braunschweigischen, Hessen-Kasseler und britischen Truppen mit insgesamt 24.000 Soldaten unter dem Kommando des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel und Friedrich II. von Hessen-Kassel kämpfte und eine französische Armee mit 21.500 Soldaten unter der Führung von Generalleutnant Louis Nicolas Victor de Félix d'Ollières besiegte.

Soldatenhandel zugunsten Englands

Friedrich II. ist auch als der Kasseler Landgraf bekannt geworden, der es in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Soldatenhandel zugunsten Englands zu großem Reichtum brachte.

Er benutzte dabei den Hafen im dereinst für die aus Frankreich geflüchteten Hugenotten gegründeten Karlshafen. Von dort reisten die jungen hessischen Männer weserabwärts nach Bremen und dann weiter über den Atlantik nach Nord-Amerika, um als Soldaten für England gegen die aufständischen Kolonialisten zu kämpfen. Die so "Verkauften" sollen Zigtausende gewesen sein.

Hierüber zeigte vor über 20 Jahren die ARD einen mehrteiligen Fernsehfilm, mit dem Titel: "Der Sommer der ein Winter war". Vom HR gedreht, spielt er zum großen Teil an historischen Stätten; zu erwähnen ist hierbei Kassel-Wilhelmshöhe und Karlshafen, aber auch die Gegend um Wabern - wo heute noch das ehemalige Lust- und Jagdschloss Karlshof steht.

- H.-J.Schulz, 3.4.06 -

Auch der spätere Kurfürst Wilhelm I. vermehrte das landgräfliche Vermögen durch den Abschluss von Subsidienverträge mit England erheblich. Er galt als einer der reichsten Fürsten seiner Zeit.

Vor der Regierungszeit von Landgraf Friedrich II. wurden bereits unter seinem Vorgänger Landgraf Karl Soldaten gegen Subsidiengelder in fremde Dienste verliehen. Karl trieb nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs den Wiederaufbau eines Heeres voran, das unter anderem im Spanischen Erbfolgekrieg eingesetzt wurde.

Nach der Darstellung bei Max von Eelking (The German Allied Troops in the North American War of Independence 1776 – 1783, 1893) schloss das benachbarte und stets geldarme Fürstentum Waldeck unter Friedrich Karl August bereits am 25. April 1775 mit der britischen Krone einen Vertrag zur militärischen Unterstützung im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ab.

Ergänzung: Die Verfilmung mit dem Titel "Der Winter der ein Sommer war" (aus dem Jahr 1976) beruht auf einem Roman von Sandra Paretti (Pseudonym von Irmgard Schneeberger) von 1972. In romanhafter Ausschmückung werden dort das Leben zur Zeit Friedrichs II. und die Auswirkungen der Subsidienverträge mit England (Vermietung von Soldaten für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg) für die Untertanen behandelt, wobei die Angaben zwischen 12.000 und 17.000 Soldaten schwanken.

Schon sehr viel früher verfasste der Dichter Johann Gotthold Seume, der als Student Werbern in die Hände gefallen war, als Rückkehrer seine Autobiographie „Mein Leben" und erzählte darin von seinen Erfahrungen.

siehe auch

Vor dem „Geistlichen Haus“ St. Elisabeth, mit Blick auf das Friedrichstor, 1783 (Stich von G. W. Weise nach J. H. Tischbein und S. L. du Ry).

Wussten Sie schon, dass ... ?

  • ... im Jahre 1761 die Gründung eines Findelhauses mit Säuglingsklappe in Kassel unter der Regierung von Landgraf Friedrich II. stattfand? Doch mit dem Regierungsantritt seines Sohnes, des Landgrafen Wilhelm IX., wurde das wieder abgeschafft.

August Bollerhey, Wehren

  • ...dass am 23. März 1776 die ersten der 12 000 Mann Hessen-Kasseler Soldaten eingeschifft werden, die für England gegen die aufständischen Kolonien in Nordamerika kämpfen sollen?

Robert Wolf, Battenberg

  • ...dass am 26. Dezember 1776 nach Überqueren des „DeLaware“ General Georg Washington bei Trenton (Nordamerika) die Hessische Brigade überrumpelte? Viele Gefangene und Überläufer blieben später in Amerika und wurden sesshaft.

Robert Wolf, Battenberg

Weblinks und Quellen



Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.