Landgräfin Amalie Elisabeth

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Landgräfin Amalie Elisabeth

Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg (* 29. Januar 1602 in Hanau; † 8. August 1651 in Kassel), Tochter von Philipp Ludwig II., Graf von Hanau-Münzenberg, heiratete 1619 den späteren Landgrafen Wilhelm V. von Hessen-Kassel und regierte in Vormundschaft für ihren unmündigen Sohn Wilhelm VI. von 1637 bis 1650.

Vorgeschichte

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1637 übernahm sie als Landgräfin Amalie Elisabeth die Vormundschaftsregierung für ihren achtjährigen Sohn Wilhelm VI. – und das in einer Zeit, in der es nicht gut um die Landgrafschaft Hessen-Kassel stand: Die antikaiserliche Position des hessischen Landgrafen Wilhelm V. im Dreißigjährigen Krieg hatte zur kaiserlichen Acht geführt. Kaiser Ferdinand II. hatte in der Konsequenz der Acht die Verwaltung Hessen-Kassels dem kaisertreuen Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt übertragen. Im Jahr 1636 kam es zum Einmarsch der kaiserlich-bayrischen Armee in das Territorium der Landgrafschaft Hessen-Kassel, der die Züge einer brutalen Straf- und Vergeltungsaktion trug. So gingen die Jahre 1636 und 1637 als "Kroatenjahre" in die Annalen ein – 18 Städte, 48 Adelssitze und 300 Dörfer gingen in Flammen auf, ein großer Teil der hessischen Eroberungen in Westfalen gingen verloren.

Die Landgräfin und der Versuch der Herrschaftssicherung

Die Landstände Hessen-Kassels und die Kasseler Räte sollten sich bedingungslos und unter Androhung von Leibesstrafen dem Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt unterwerfen. Diese jedoch vereidigten sich auf die Regentschaft von Amalie Elisabeth, die sich zuerst bei dem hessischen Heer in Westfalen aufgehalten hatte und nun nach Groningen in Holland übersiedelte. Amalie Elisabeth wurde ob der Umstände zu einer energischen Regentin, die alles daran setzte, ihrem Sohn die Landgrafschaft Hessen-Kassel zu erhalten. Wegen der Weigerung der Stände und Räte zur Unterwerfung unter den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, gelang es am 23. Januar 1638 in Marburg einen vorläufigen Vergleich abzuschließen, der unter anderem die Regentschaft Amalie Elisabeths durch Georg anerkannte und zu einer vorübergehenden Befriedung in Hessen führte. Erst 1643 konnte sie den "Marburger Erbschaftsstreit" durch einen von ihr provozierten Waffenkonflikt endgültig zu Gunsten Hessen-Kassels entscheiden.

Durch geschickte Politik konnte sie dem Kaiser – nunmehr Ferdinand III. – einen zweijährigen Waffenstillstand abtrotzen und schloss ein Jahr später, im Jahr 1639, Bündnisse mit Braunschweig-Lüneburg, 1640 mit Frankreich und konnte schließlich nach Kassel zurückkehren. Sieben Jahre später kam es zur erneuten Bedrohung: Kaiserliche Truppen unter Peter Melander von Holzappel – einem ehemals engen Vertrauten der Landgräfin, der sie angeblich wegen einer von ihr zugesetzten Ohrfeige 1641 verließ und nun offensichtlich Rache übte – eben dieser Melander fiel 1647 in Hessen ein, verwüstete weite Landstriche und schaffte es sogar, am 14. Dezember 1647 Marburg, jedoch nicht das Marburger Schloss mit den Befehlshabern der Armee Hessen-Kassels, einzunehmen. Am 2. Januar 1648 zogen Melander und sein Heer wieder ab, nachdem sie die Stadt Marburg ausgeplündert hatten.

Der Westfälische Frieden

Es wird bereits aus der ausschnittartigen und knappen Schilderung ersichtlich, dass die Landgräfin alles daran setzen musste, endlich für Frieden zu sorgen. Das vom Dreißigjährigen Krieg ermüdete und ausgeblutete Land brauchte Frieden: Landgräfin Amalie Elisabeth setzte in zahlreichen Verhandlungen und durch Abordnungen ihrer Kasseler Geheimräte alles daran, den Krieg zu einem Ende zu bringen, ohne jedoch ihre Forderungen zu vergessen, die sie mit Nachdruck durchzusetzen versuchte: Die Landgrafschaft Hessen-Kassel war seit 1604 unter Landgraf Moritz calvinistisch. Die Landgräfin als eifrige und glaubensstarke Calvinistin setzte alles daran, das auf dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 den Calvinisten nicht ausdrücklich gewährte "ius reformandi" zu erhalten. Denn nur durch die Gleichstellung mit den Lutheranern konnte sie dauerhaft die geistlichen Güter beanspruchen und wichtige Hoheitsrechte beanspruchen: "Cuius regio eius religio" – wessen Land, dessen Religion – sorgte dafür, dass nicht nur weltliche, sondern auch geistliche Hoheitsrechte ausgeübt werden konnten. Die Landgräfin wurde nicht nur für ihr Territorium, sondern auch für die Calvinisten zu einer Schlüsselfigur beim Friedensprozess. So sicherten die ehemaligen Verbündeten Schweden und Frankreich der Landgräfin zu, keinen Friedensvertrag mit dem Reich zu schließen, bevor die hessischen Forderungen erfüllt seien. Allein dies zeigt die herausgehobene Stellung Amalie Elisabeths.

Nachrufe

Auch die Nachwelt zollte ihr stets Respekt und Anerkennung: Der preußische Geschichtsschreiber Carl Eduard Vehse, der kein gutes Haar an den hessischen Landgrafen ließ, konstatierte: "Amalie tat für Hessen, was viele Fürsten nicht getan haben (…). Sie regierte Hessen in den schwierigsten Zeiten mit einer Weisheit und einer Energie, die ihr weit und breit Hochachtung und Ansehn verschaffte." Und Paul Heidelbach lobte die große Landgräfin, "deren mannhaftes Auftreten in sturmbewegten Tagen den Zeitgenossen und noch einen Schiller restlose Bewunderung abnötigte."

Am 25. September 1650 legte sie – gezeichnet von 13 Jahren Regierung in eben jenen "sturmbewegten Zeiten" - die Regierung nieder und übergab sie im Goldenen Saal des Kasseler Schlosses ihrem Sohn Landgraf Wilhelm VI. Sie verstarb am 8. August 1651.

Als eine der wenigen Frauen ist sie mit einer Büste in der von König Ludwig I. von Bayern in Auftrag gegebenen und von Leo von Klenze erbauten "Walhalla" vertreten.

Literaturhinweise

  • Carl Eduard Vehse: Die Höfe zu Hessen, hg. v. Wolfgang Schneider, Leipzig [u.a.]: Kiepenheuer 1991.
  • Paul Heidelbach: Ein Jahrtausend hessischer Stadtkultur, hg. v. Karl Kaltwasser, Kassel: Bärenreiter 1957.
  • Erwin Bettenhäuser: Die Landgrafschaft Hessen-Kassel auf dem Westfälischen Friedenskongress 1644-1648, Wiesbaden: Wiku 1983.
  • Pauline Puppel: Die Regentin. Vormundschaftliche Herrschaft in Hessen 1500 – 1700, Frankfurt/Main 2004.

Weblinks

Artikel über Landgräfin Amalie Elisabeth auf www.grebenstein.topcities.com