Lampert von Hersfeld

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Lampert von Hersfeld (* vor 1028; † vor 1085) war Geschichtsschreiber und erster Abt des Klosters Hasungen.

Er starb vermutlich kurze Zeit nach seiner Weihe zum Abt im Jahr 1082, spätestens aber 1085.

Leben und Werk

Als Mönch trat Lampert von Hersfeld am 15. März 1058 in das Benediktinerkloster Hersfeld ein und erhielt am 16. September 1058 vom Mainzer Erzbischof Luitpold I. in Aschaffenburg die Priesterweihe.

Im gleichen Jahr reiste er als Pilger nach Jerusalem. Nach seiner Rückkehr (am 17. Oktober 1059) war die Lebensbeschreibung des heiligen Lullus, Vita Lulli sein erstes Werk, später folgten u. a. eine Hersfelder Klostergeschichte (Libellus de institutione Herveldensis ecclesiae) sowie sein Hauptwerk, die Annales (um 1078) mit einer Darstellung der Geschichte der Welt von den Anfängen bis 1077, wobei Lampert offenbar auf einen früher in seinem Kloster verfassten weltgeschichtlichen Abriß bis 1040 zurückgriff und die Zeit ab 1040 von Lambert eigenständig beschrieben wurde.

Als ein überzeugter Gegner von Heinrich IV. wechselte er offenbar auch aus diesem Grund im Jahre 1077 von Hersfeld zum Kloster Hasungen (heute Zierenberg, Stadtteil Burghasungen).

Literatur

  • Rudolf Schieffer: Lampert von Hersfeld, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters - Verfasserlexikon 5 Berlin 1985, Sp. 513 – 520
  • Tilman Struve: Lampert von Hersfeld - Persönlichkeit und Weltbild eines Geschichtsschreibers am Beginn des Investiturstreits, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte (H. 19) 1969, S. 1 – 123; und (H. 20) 1970, S. 32 – 142.
  • Oswald Holder-Egger: Studien zu Lambert von Hersfeld I bis III, in: Neues Archiv 19, 1893 auf www.digizeitschriften.de

Vortragsveranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins Wolfhagen

„Lambert, der erste Abt des Klosters Hasungen“

(Hermann Neumeyer)

Auf Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Wolfhagen referierte der ehemalige Schulleiter der Wilhelm-Filchner-Schule Wolfhagen, OStD Arne Pillardy, am 5. 5. 2011 im Sitzungssaal des Alten Rathauses über Lambert, den ersten Abt auf dem Hasunger Berg.

Von den Persönlichkeiten des 11. Jahrhunderts, zu denen auch der überaus gebildete Mönch Lambert gehörte, gibt es keine individuelle Charakterisierung, wie Pillardy ausführte. Nur allgemeine Merkmale wie Herkunft oder gesellschaftliche Stellung seien den Quellen zu entnehmen.

Lambert wurde im Jahr 1025 vermutlich als Adliger geboren. Er besuchte die Domschule zu Bamberg, die bereits von Kaiser Heinrich II. besonders unterstützt wurde. Diese Eliteschule verfügte vor allem über eine sehr gute Bibliothek, wo sich Lambert insbesondere mit den lateinischen Schriften von Livius und Sallust beschäftigte und damit bereits in jungen Jahren die Grundlage für seine spätere Geschichtsschreibung erhielt.

Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1058 trat er in das Reichskloster Hersfeld ein, wo er sich als bedeutender Geschichtsschreiber seiner Zeit profilierte. Hier schrieb er über das Wirken von Lullus, über die Geschichte des Klosters Hersfeld und hier verfasste er seine bedeutsamen Jahrbücher, seine Annalen.

Im Jahr 1081 wurde Lambert dann aber vom Mainzer Erzbischof Siegfried von Mainz nach Hasungen berufen, um hier das Stift Hasungen, in dem kurz zuvor noch der Heilige Heimerad gewirkt hatte, unter seiner Leitung zu einem Kloster auszubauen und damit den Einfluss des Paderborner Bischofs einzugrenzen. Gegenüber seinen früheren herausgehobenen Wirkungsstätten in Bamberg und Hersfeld bedeutete die Versetzung nach Hasungen für Lambert eine Entfernung von den Machtzentren des damaligen Römischen Reiches deutscher Nation.

Da Lambert sich mit der Haltung und dem Gebaren des deutschen Königs immer kritisch auseinandergesetzt hatte, wie Pillardy ausführte, erreichte er im unter preußischer Führung national geprägten 19. Jahrhundert zunächst noch nicht die ihm gebührende Anerkennung. Diese wurde ihm aber dann schließlich doch durch die Forschung des 20. Jahrhunderts zuteil.

siehe auch

Weblinks