Lamerden

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Lamerden - Ortsansicht

Lamerden ist ein Ortsteil der nordhessischen Stadt Liebenau im Landkreis Kassel mit ca. 420 Einwohnern.

Große Kalkmagerrasen und besonderen Landschaftsformen in der Umgebung machen den Ort attraktiv für Fossilienliebhaber, Kanu-, Rad- und Wanderfreunde, Orchideen- und Schmetterlingskundler.

Die Lage im Naturraum

Lamerden ist ein Paradies für Fossilienliebhaber, Kanu-, Rad- und Wanderfreunde, Orchideen- und Schmetterlingskundler.

Geprägt durch Kalkmagerrasenhänge (Sparrenstein/Haidberg, Schwiemelkopf, Käsegrund) lädt der Naturraum um Lamerden zum Verweilen und Erkunden ein.

Das Dorf selbst liegt im Tal der Diemel.

Der Heuberg, südlich von Lamerden gelegen, misst eine Höhe von über 390 m (ü.N.N.).

Eine Landschaft von europaweiter Bedeutung

Die Talhänge werden zum großen Teil von Wacholderheiden und Magerrasen bedeckt. Als Relikte der traditionellen Kulturlandschaft und Zentren des Artenreichtums stellen sie die wirklichen Kleinodien des mittleren und unteren Diemeltals dar. Aber auch die kleinen verträumten Dörfer und lieblichen Fachwerkstädte tragen wesentlich zum Reiz dieser Landschaft bei. Ganz zu schweigen von der Diemel selbst, die insbesondere im Bereich zwischen Warburg bis Bad Karlshafen in zahlreichen Mäandern die Auelandschaft maßgeblich prägt.

Ortsansicht von der Diemelbrücke

Die Talhänge der Diemel stellen mit ihren Trockenlebensräumen Wacholderheide, Kalkmagerrasen, Kalkscherbenacker, wärmeliebende Säume und Gebüsche sowie den Orchideenbuchenwäldern einen der nördlichsten Vorposten in den Mittelgebirgen Deutschlands dar. Mit einer Fläche von ca. 220 ha im Bereich des unteren und mittleren Diemeltals bzw. 750 ha im gesamten Diemeltal liegen die Kalkmagerrasen und Wacholderheiden hier in einer Größe vor, wie sie ansonsten erst wieder viel weiter südlich anzutreffen ist. Die Kalkmagerrasen bieten eine enorme Artenvielfalt und besondere Schönheit!

Sie sind Lebensraum zahlreicher seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, die hier zudem in einer mehr oder weniger einzigartigen Kombination auftreten. Ursache hierfür ist, dass sich im Bereich des Diemeltales die Grenzen zweier biogeografischer Regionen überschneiden. Dem Artenreichtum der Schmetterlinge wird zur Zeit insofern Rechnung getragen, als dass dem Diemeltal das EU-Zertifikates "Prime Butterfly Area (PBA)" verliehen wurde. Jedes EU-Mitgliedsland darf ca. 20 solcher Gebiete melden. In Deutschland, und somit auch in Europa, gehört das Diemeltal zu den wichtigsten Gebieten für den Schmetterlingsschutz.

Der im Jahr 2012 eröffnete Eco-Pfad Muschelkalk verläuft als Rundweg über die Höhezüge und durch das Diemeltal zwischen Lamerden, Körbecke und Ostheim.

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Auf dem Eco-Pfad begeben sich die Besucherinnen und Besucher auf den Boden eines ehemaligen subtropischen Muschelkalkmeeres. Denn zu Beginn des Erdmittelalters lag das heutige Mitteleuropa in einer riesigen Senke, dem Germanischen Becken und war von einem flachen, subtropischen Binnenmeer überflutet.

Hauptartikel: Eco-Pfad Muschelkalk

Das Haus Reining

Neben landwirtschaftlichem Arbeitsgerät und dorfgeschichtlichen Dokumenten gehören zur Sammlung des im 1681 erbauten Längsdielenhauses die Fossilienfunde aus dem Lamerder Kalksteinwerk, die einzigartig im Diemeltal sind.

Hauptartikel: Museum Haus Reining in Lamerden.

Geschichte

Aus der Dorfgeschichte

An der Kirche

Lamerden wurde im Jahr 1106 erstmals urkundlich erwähnt (bestätigt durch das Staatsarchiv Münster).

Ehemals im Besitz der Grafen von Northeim gehörte der Ort bereits um 1300 zur Herrschaft der Edelherren von Schoeneberg. Nachdem das Grafengeschlecht in männlicher Linie ausgestorben war, kam Lamerden 1430 in den Besitz der Landgrafen von Hessen und 1455 zum Amt Trendelburg.

Die heute evangelische Dorfkirche entstand als Hallenkirche mit Westturm bereits vor der Reformation und erfuhr danach einige Umgestaltungen. Die Orgel - 2 Register - aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammt aus der Werkstatt der Gottsbürener Orgelbau-Firma Heeren/ Kuhlmann. Sie wurde in den Jahren 1971 und 1987 umgebaut und 2007 weitgehend in originalen Zustand restauriert [1].

An der Bahnstrecke Warburg - Hofgeismar - Kassel entstand Mitte des 19. Jahhrunderts ein Eisenbahn-Haltepunkt in Lamerden, einst ein "Bahnhof 4. Klasse"[2].

Die Eisenbahnstrecke geht zurück auf die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn, die Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnet wurde. Die Bauarbeiten auf der Teilstrecke Hümme - Haueda umfassten den Zeitraum Januar 1846 bis März 1848. Beim Bau der Eisenbahnstrecke musste das Diemelbett mehrfach verlegt werden. Eine Karte von 1861 zeigt sowohl die alte geschwungene als auch die neue begradigte Diemeltrasse. Nach voll besetzten Zügen in den 1950er, 1960er und Anfang der 1970er Jahre zeichnete sich durch die zunehmende Benutzung des Kraftfahrzeuges ein starker Rückgang im Personennahverkehr ab, was eine Schließung des Bahnhofes bzw. der Haltestelle Lamerden im Jahre 1978 zur Folge hatte [3].

Bereits seit dem 1. Februar 1971 ist Lamerden ein Stadtteil der Stadt Liebenau.

Im Jahr 2004 wurde Museum Haus Reining in Lamerden, ein Längsdielenhaus aus dem Jahr 1681, an den Arbeitskreis Heimatgeschichte der Vereinsgemeinschaft Lamerden übergeben, damit es als Kulturdenkmal sowie als Besichtigungs- und Aktionsort erhalten bleibt.

Im Jahr 2006 feierte Lamerden sein 900-jähriges Jubiläum.

Hessenschau 2008

Kirche

Die heute evangelische Dorfkirche entstand als Hallenkirche mit Westturm bereits vor der Reformation, wobei der Chor später angebaut wurde. Die Hallenkirche mit etwa 170 Sitzplätzen wurde aus Kalkbruchstein erbaut und hat im Innern eine Holzbalkendecke.

Hauptartikel: Evangelische Kirche Lamerden

Museum

Namensgebung

Es finden sich kirchliche Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, dass Lamerden früher Lammert, Lammers oder Lammerden hiess, also von Lamm abstammend.

Da die vorherrschende geografische Schichtfolge des Trias von mageren Muschelkalkböden bedeckt wird, konnten die Hänge gut von Schafen und Ziegen beweidet werden.

Darüberhinaus gibt es eine ganze Reihe weiterer Deutungsversuche zum Ortsnamen. Wenig wahrscheinlich ist dabei die Ableitung aus dem Franzöischen (la merde).

Radwege

An der Diemel bei Lamerden

Der Diemelradweg aus Richtung Liebenau verläuft weiter über Trendelburg bis nach Bad Karlshafen.

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten am Ort

Im Kalk-Steinbruch bei Lamerden befinden sich bedeutende fossile Fundstellen. Unter anderem wurden hier im Muschelkalk die Abdrücke von fossilen Seelilien gefunden.

Weitere Sehenswürdigkeiten am Ort:

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

siehe auch

Spitzname

Der Spitname der Dorfbewohner ist “Gipsklöpper”, da in Lamerden auch in früheren Jahren Gips abgebaut (gekloppt) wurde.

Vereine

Wandern

Eco Pfad Muschelkalk

Eco-Pfad Muschelkalk - Hinweistafel an der Schanze

Der länderverbindende Eco Pfad Muschelkalk im Diemeltal zwischen Lamerden, Körbecke und Ostheim führt über den Boden eines ehemaligen subtropischen Muschelkalkmeeres. Der Rundwanderweg mit 7 Stationen hat eine Länge von ca. 10 km (Anspruch: mit Steigungen).

Verlauf:[4]

Startpunkt des Eco-Pfads Muschelkalk ist Haus Reining/ Meierhof unterhalb der Kirche. Gutes Schuhwerk und Rucksackverpflegung werden empfohlen.

Entlang der Kirche führt der Weg den Berg hinauf und hinaus aus dem Ort in Richtung der historischen Schanzenanlage (Bodendenkmal), einer Wehranlage aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges. Durch Wacholderheiden, üppigen Buchenwald und buntblühenden Kalkmagerrasen führt er den Besucher auf knapp 10 Kilometern und in ca. 3 Stunden oft über den Boden eines ehemaligen subtropischen Muschelkalkmeeres, über Höhenzüge und durch das Tal der Diemel.

Weiter führt der Pfad zur so genannten "Nase des Schwiemelkopfes". Im Tal sind längs des Diemelradwegs geologische Aufschlüsse des Unteren Muschelkalks sichtbar. Am gegenüberliegenden Stenderberg berichten Keramikscherben und Mauerreste aus vergangenen Zeiten. Und in Ostheim darf eine artenreiche Wacholderheide durchquert werden.

Im Diemeltal - dem "Tal der Schmetterlinge" - wurden übrigens bisher rund 100 Arten von Tagschmetterlingen nachgewiesen. Deutschlandweit gibt es nur 22 solcher "Prime Butterfly Areas".

Gemeindewanderwege

Schwiemelkopf

Verschiedenen Gemeindewanderwege mit den Kennzeichnungen La (Lamerden) und O (Ostheim) sowie Li (Liebenau) und z.T. B (Borgentreich) laden ein, die Region des Diemeltals zu erkunden. Die Karte mit den Gemeindewanderwegen ist in der Stadtverwaltung Liebenau käuflich (1 €) zu erwerben.

Grenzstein-Wanderung

Interessante Eindrücke verspricht dem anspruchsvollen Wanderer die Grenzstein-Wanderung zwischen Hessen und Westfalen.

Märchenlandweg

Lamerden liegt direkt am Märchenlandweg.

Am Dorfplatz auf dem Meierhof können sie ihr Auto abstellen und los wandern.

Wandertipps:

Von Lamerden nach Hofgeismar

Die Wanderstrecke beträgt 7,2 km und verläuft von Lamerden (Alte Dreschhalle) bis nach Hofgeismar (ZOB). Bei 342 m erreicht die Wanderung ihren höchsten Punkt.

Sehenswürdigkeiten an der Strecke sind die Diemelaue, die Friedenseiche - ein freistehender Baum am Diemelufer - gepflanzt 1871 sowie die Magerrasen und Kalksteinformationen im Diemeltal.

Tipp: Mit dem NVV-Bus nach Liebenau-Lamerden und von dort zu Fuß zurück nach Hofgeismar.

Weitere Informationen auf www.bergfex.de

Wirtschaft

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Informationen zur Kirche in Lamerden auf www.ekkh.de
  2. Fotos vpm Bahnhof Lamerden auf www.hna.de
  3. HNA-online vom 17.5.2013: Für die Bahn wurde sogar die Diemel verlegt
  4. Informationen zum Eco-Pfad Muschelkalk auf www.lamerden.de

Weblinks




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