Lahn

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Lahn ist ein 245,6 km langer Zufluss des Rheins.

Sie entspringt im südöstlichen Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Hessen im südöstlichen Rothaargebirge. Die Lahn fließt durch drei Länder: 23 Kilometer durch Nordrhein-Westfalen, 165,6 Kilometer durch Hessen und 57 Kilometer bis zur Mündung durch Rheinland-Pfalz. Die Lahn mündet in den Rhein.


Verlauf

Nordrhein-Westfalen

Die Quelle liegt im Rothaargebirge auf dem Höhenzug und Naturraum Ederkopf-Lahnkopf-Rücken. 600 Meter südwestlich des Lahnkopfs liegt die Quelle bei Lahnhof. Nur 5,5 Kilometer nordwestlich von der Lahnquelle entspringt die Eder, drei Kilometer nördlich entspringt zudem die Sieg.

Die Lahn entspringt im südöstlichen Nordrhein-Westfalen an der Grenze zu Hessen im südöstlichen Rothaargebirge auf dem Höhenzug/Naturraum Ederkopf-Lahnkopf-Rücken rund 600 Meter über dem Meeresspiegel (Koordinaten: 50° 53′ 32″ N, 8° 14′ 30″ O). Die Lahn verläuft zunächst parallel zur Eder im Abstand von weniger als zehn Kilometer Abstand. Ab dem Bad Laaspher Ortsteil Feudingen wendet sie sich nach Osten.

Ab Bad Laasspher beginnt das Obere Lahntal. Die Lahn bildet dort die Nahtstelle zwischen Rothaargebirge im Norden und Gladenbacher Bergland im Süden.

Nach 23 Kilometern fließt die Lahn zwischen Niederlaasphe und Wallau nach Hessen.

Hessen

Die Lahn durchquert die Ortsteile Biedenkopf und Dautphetal. In die Lahn fließen die Perf, und die Dautphe. Nach Caldern verlässt die Lahn das Rheinische Schiefergebirge und erreicht das Westhessische Bergland. Dort fließt sie durch die Wetschaft-Senke. Ein weiterer Zufluss ist die Wetschaft. Nach dem Zufluss nahe Burgwald ändert die Lahn ihre Fließrichtung um 90° ändert. Im Lahntal findet auf Teilbereichen der B62 und L719 jährlich ein Fahrradtag statt. Die Straßen werden gesperrt und sind für Radfahrer, Fußgänger und Inlineskater nutzbar. Im Marburg-Gießner Lahntal fließt mit der Ohm ihr längster Nebenfluss zu. Beim Marburger Rücken durchbricht der Fluss eine Buntsandstein-Tafel, die ihr Tal im gesamten Gebiet der Stadt Marburg begrenzt. Nahe Niederweimar fließt ihr von rechts die Allna zu. Fortan beginnt das Gladenbacher Bergland. Der Fuss wird eingegrenzt durch das Lumda-Plateau, wo ihr die Lumda zufließt, ehe sie in Richtung Gießener Becken verläuft.

In Gießen ändert die Lahn nach dem Zufließen der Wieseck erneut deutlich ihre Fließrichtung von Süden nach Westen. Bis Atzbach entfaltet das Gießener Becken seine volle Breite, ehe es sich bei Lahnau wieder verengt.

Ab dem Dutenhofener See gilt die Lahn als Bundeswasserstraße. Das Gebiet um die Heuchelheimer Seen und der Dutenhofener See, die an der Lahn liegen, bilden eines der größten Naturschutzgebiete in Hessen.

In Höhe Wetzlar nimmt die Lahn ihren zweitlängsten Zufluss, die Dill (ca. 55 km lang), auf. Mit dem Zufluss wird das Rheinische Schiefergebirge in drei Teile gegliedert: Taunus (Süd), Westerwald (Nordwest) und Gladenbacher Bergland (Naturpark Lahn-Dill-Bergland).

Ab Weilburg wendet sich der Fluss erneut nach Süden. Die Stadt Weilburg wird in Flussschleife umflossen. Etwas unterhalb mündet die vom Hochtaunus her kommende Weil in die Lahn.

Nach Aumenau verläuft die Lahn wieder nach Westen und passiert das Limburger Becken. Dort wird die Lahn durch den Emsbach und den Elbbach ergänzt.

Rheinland-Pfalz

Hinter Diez nimmt der Fluss die Aar auf. Bei Fachingen verlässt die Lahn das Limburger Becken und verläuft im Unteren Lahntal, das teilweise über 200 Meter tief in das Schiefergebirge eingeschnitten ist.

In Bad Ems liegt die bedeutendste Lahninsel, die Silberau. Im weiteren Verlauf folgt mit der Oberau eine zweite bedeutende Lahninsel. Nach insgesamt 242 Kilometern flißet die Lahn bei Lahnstein, fünf Kilometer südlich von Koblenz, auf 61 Meter Höhe über NN in den Rhein.


Einzugsgebiete der Lahn

Einzugsgebiete der Lahn sind der Taunus, das Rothaargebirge, das Dilltal, den Westerwald, das Gladenbacher Bergland, das Westhessische Bergland und das Osthessische Bergland.


Zuflüsse

  • Ohm (59,7km)
  • Dill (55 km)
  • Aar (49,7km)
  • Weil (46,6km)
  • Elbbach (40,7km)
  • Gelbach (39,7km)
  • Emsbach (39,1km)
  • Mühlbach (32,1km)
  • Dörsbach (32,0km)
  • Lumda (30km)
  • Wetschaft (29km)
  • Salzböde (27,6km)


Fauna und Flora

Die Lahn wurde 1999 in die chemische Güteklasse I und in die biologische Güteklasse II eingeordnet. Somit gilt die Lahn insgesamt als naturnah. Die Staustufen in der Lahn hindern die Fischwanderungen. Die Fischtreppen jedoch erleichtern die Wiedereinbürgerung ehemals heimisher Fische. Nach der Einstellung des Kiesabbaus Mitte der 1990er Jahre entwickelt sich seither zwischen Lahnau, Heuchelheim und Wetzlar-Dutenhofen im mittleren Lahntal eines der größten Naturschutzgebiete in Hessen, es wird auch Naturschutzgebiet Lahnaue genannt. [1]


Geschichte

Geschichte

Seit der Steinzeit leben Menschen im Lahngebiet. Die Lahnschliefe war kontinuierlich seit über 1400 Jahren besiedelt.

Auch die Römer postierten sich an der Lahn. 1990 entdeckte man in Waldgirmes eine römische Stadtanlage und im Ortsteil Dorlar ein römisches Marschlager.

Die Landoudioer lebten im 1. und 2. Jahrhundert im unteren und oberen Lahntal. Der Name Lognai, mit dem die Bewohner bezeichnet wurden, hielt sich bis Mitte des 8. Jahrhunderts. Die Lognai wurden durch die Franken verdrängt.

Der Name wandelt sich im Laufe der Zeit mehrmals. Die ursprüngliche Bedeutung ist bis heute noch nicht geklärt. 1365 wurde erstmals der Name Lahn erwähnt. Aus dem frühen 14. Jahrhundert stammt die erste Erwähnung des Stapelrechtes von Diez.

Johann VI. von Nassau-Dillenburg ließ 1599 an der unteren Lahn bis Diez Leinpfade für Pferde anlegen. 1606 wurde die Lahn erstmals für die Schifffahrt im kleineren Umfang vertieft. Allerdings war der Fluss im Unterlauf schiffbar. Versuche im 17. und frühen 18. Jahrhundert, die Lahn als Wasserstraße auszubauen, scheiterten. Erst 1740 wurde die Lahnmündung erweitert. Nach einer Uferbefestigung im Winter 1753/54 war der Fluss für Schiffe mit bis zu 240 Zentnern Ladung lahnabwärts und mit bis zu 160 Zentnern lahnaufwärts befahrbar.

En geplanter Ausbau während der französischen Besatzung 1796 scheiterte aufgrund der politischen Verhälznisse. Schiffbar wurde die Lahn erst wieder unter dem neu gegründeten Herzogtum Nassau ab 1808. 1810 wurde die Schifffahrt bis Weilburg für 18-Tonnen-Schiffe feierlich eröffnet. Auf lange Sicht war geplant, die Lahn bis Marburg schiffbar zu machen. Dort sollte dann ein zur Fulda und damit zur Weser führen. Ziel war es, dass ein Wasserweg von Frankreich über die Rheinbundstaaten bis zur Nordsee entstehen würde. Die Bevölkerung wurde für das Projekt zu Hilfsdiensten verpflichtet, zeigte sich aber wenig kooperationsbereit. Große Teile des Ufers wurden nur mit Faschinen gesichert, die schon kurz darauf verrottet waren.

Ein Ausbau nach Gießen wurde 1816 vom Herzogtum Nassau und dem Königreich Preußen vereinbart. Auch hier ging der Bau nur schleppend voran. Bis in die 1830er Jahre kam es lediglich zu Reparaturen und provisorischen Arbeiten.

1827 wurde erstmalig versucht, den Schiffsverkehr auf der Lahn zu erfassen. An der Runkeler Schleuse wurden im ersten Jahr 278 Schiffe gezählt. Sechs Jahre später waren es schon 464 Schiffe. Vor allem Eisenerz wurde in großen Massen verschifft. Lahnabwärts wurde Getreide und Mineralwasser transportiert. Lahnaufwärts wurden Steinkohle, Holzkohle, Gips und Kolonialwaren verschifft.

Preußen legte 1841 großen Wert darauf, eine Verbindung zwischen Wetzlar und seiner Rheinprovinz zu schaffen und die Eisenerzversorgung für die wachsende Industrie im Ruhrgebiet zu sichern. Auch Hessen-Darmstadt schloss sich den Ausbaubemühungen an, während Hessen-Kassel eine Beteiligung ablehnte. Auf preußischem Gebiet waren die Arbeiten bis 1847 weitgehend abgeschlossen. Auf nassauischem Gebiet entstand der 195 m lange Weilburger Schifffahrtstunnel (1843-1847).

Voll belanden werden konnten die Schiffe dennoch nur von Gießen bis Löhnberg fahren. Eine Fahrt von Wetzlar zur Mündung und anschließend mit Pferdekraft getreidelt wieder zurück dauerte bei guten Bedingungen rund 14 Tage. Zwei Boote waren bevorzugt im Einsatz: Transportboote mit 350 und 1300 Zentnern Ladekapazität.

Mit der Entwicklung der Eisenbahn sank die Bedeutung der Schifffahrt auf der Lahn. Pläne, die Lahn zu einem Kanal auszubauen, scheiterten 1875, 1885 un 1897. 1906 wurde ein Ausbau bei Bad Ems fertiggestellt, der den Schiffen ermöglichte, bis 1,60 Meter Tiefgang über die Lahn zu fahren. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es durch die Erfindung des Dieselmotors zu einem Aufschwung der Lahnschifffahrt. Zwischen 1926-1928 wurde der Fluss auf 67 Kilometer Länge bei Steeden oberhalb von Limburg ausgebaut und konnte für 180-Tonnen-Schiffe gestaut werden. Die letzte Schiffbarmachung fand von 1938 bis 1964 statt. Ziel war es, die Lahn im Rahmen des westeuropäischen Wasserstraßennetz für 300-Tonnen-Schiff mit 1,80 Meter Tauchtiefe zugänglich zu machen. 300 Burgen, Schlösser, Festungen, Wehrkirchen und ähnliche Bauwerke wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entlang des Flusses erbaut. Große Schäden richtete das Jahrhunderthochwasser 1946 an. Ein weiteres Hochwasser am 7. Februar 1984 führte zu Schäden in Millionenhöhe.


Schiffahrt

Die Lahn ist oberhalb von Gießen bis kurz vor Wetzlar eine "sonstige Binnenwasserstraße des Bundes". Von dort bis zur Rheinmündung ist sie eine "nicht klassifizierte Bundeswasserstraße". In diesen Bereichen unterliegt sie der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Ab dem elften Kilometer wird der Schiffsverkehr mit 24 Staustufen geregelt. Genutzt wird die Wasserstraße nahezu ausschließlich touristisch durch kleinere Motoryachten sowie Paddel- und Ruderboote. Die nicht motorisierten Wasserwanderer dürfen die Lahn auf dem gesamten Flusslauf zwischen Roth (bei Marburg) und der Mündung benutzen.

siehe auch

Weblinks

  1. Artikel auf wikipedia.de zu Flora und Fauna