Löhlbach

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Löhlbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Haina im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit etwa 1.500 Einwohnern.

Löhlbach ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geschichte

Ochsen vor der Kirche: Ein von Gerd Faust koloriertes Foto der Löhlbacher Kirche aus den 1940er-Jahren.

Um das Jahr 1140 wurde der Ort im Zusammenhang mit dem Kloster Aulisburg erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort lag an einer alten Handelsstrasse und hatte bereits im Jahre 1240 ein eigenes Gericht.

Zum Amt Loelbach zählten im 13. Jahrhundert neben Loelbach auch Altenhaina, Kürsgarten, Elenrode oder Halgehausen.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Löhlbach zum 31.12.1971 in die Gemeinde Haina eingegliedert.

Löhlbacher Kirche

Löhlbacher Glocke

Vier Glocken läuten im Löhlbacher Kirchturm. Eine von ihnen ist 540 Jahre alt. Sie tut, wie ihre jüngeren Kolleginnen, die 1956 gegossen wurden, ihren Dienst. Sie ist seit 1472 im Einsatz: Löhlbachs älteste Glocke ist täglich im Vierergeläut – zusammen mit drei jüngeren Glocken aus den 1950er-Jahren – zu hören. Ihr Schmuck besteht aus fünf gleichförmigen bärtigen Männerköpfen, die in einem umlaufenden Spruchband angeordnet sind. Dort steht geschrieben: „Anno d(omi)ni m cccc lxxii“: im Jahr des Herrn 1472).

Jahrhunderte neben Schriftzug und Jahreszahl eine beliebte Zierde für Kirchenglocken. So ist in Haina die bekannte Dreihasenglocke aus dem Jahr 1224 erhalten. Auf ihr sind drei Hasen abgebildet, die so angeordnet sind, dass insgesamt nur drei Ohren zu sehen sind, aber dennoch jeder Hase seine beiden Ohren besitzt. Vor gut zehn Jahren wurde Jörg Poettgen vom Rheinischen Institut für Glockenkunde anhand eines Fotos zu den Männerköpfen auf der Löhlbacher Glocke befragt, um die bis dahin unbeschriebene Bedeutung zu klären.

Löhlbacher Glocke

Der Fachmann urteilte: „Bei den Männerköpfen handelt es sich um Trennzeichen, die der Glockengießer zur Abtrennung der einzelnen Worte des Spruchbands einfügte. Diese Reliefs wie auch die Buchstaben wurden aus Modelen gearbeitet, sodass jedes Exemplar gleich aussieht. Es handelt sich somit auf keinen Fall um eine bestimmte Persönlichkeit.“

Der Glockenexperte recherchierte anhand des Fotos weiter und entdeckte in einem Fachbuch von 1924, dass es in Niederurff und Bischhausen ähnliche Glocken geben musste. Dieser Hinweis führte zu einer Besichtigung dieser Glocken. Dabei bestätigte sich, dass die acht Köpfe auf der Glocke in Niederurff, die ebenfalls 1472 gegossen wurde, und der Kopf auf der Glocke in Bischhausen, die aus dem Jahre 1487 stammt, aus dem gleichen Model wie die Köpfe der Löhlbacher Glocke hergestellt waren. Bei diesem Model handelte es sich um eine geschnitzte Holzform, mit der Männerköpfe aus Wachs hergestellt, quasi herausgedrückt, wurden. Diesen Vorgang kann man mit der Herstellung von Spekulatius vergleichen. Diese Wachsköpfe befestigte der Gießer zunächst auf dem Glockenmodel. Nach Anbringung von Schrift und Zier umkleidete er das Wachsmodell sorgfältig mit Ton. Diese Tonhülle bildete später die äußere Form des Gusses.[1]

Männerkopf-Glocken:

Die Verwendung desselben Models lässt rückschließen, dass alle bekannten „Männerkopf-Glocken“ aus ein und derselben Werkstatt stammen. Mit großer Wahrscheinlichkeit stammen sie aus Homberg/Efze, denn von dort ist schriftlich der Ursprung einer Glocke von 1513 bekannt, die ebenfalls derartige Männerköpfe aufweist. Sie kam ins benachbarte Felsberg. Auf diesen Ursprung verweist auch eine andere Löhlbacher Glocke, die man leider im Zweiten Weltkrieg für Rüstungszwecke einschmolz. Laut Spruch im umlaufenden Band wurde sie 1786 von Peter zu Homberg gegossen. Weil die Gießereien über Jahrhunderte hinweg ihr Einzugsgebiet behielten, verdichtet sich der Hinweis, dass auch die „Männerkopfglocke“ von dort entstanden ist. Beide Löhlbacher Glocken waren bereits im Ersten Weltkrieg zur Einschmelzung abgeholt worden. Erst nach Kriegsende wurden sie unversehrt auf einem Sammelplatz entdeckt. Nur durch das Spruchband der später, im Zweiten Weltkrieg, eingeschmolzenen Glocke „Friedrich Faust Prediger/Joh. Schellberg Grebe/Nach Löhlbach gehör ich/Christian zu Homberg goss mich 1786“ konnte man die Glocken identifizieren und in die Löhlbach Kirche zurückbringen.[2]

siehe auch

Wandern

Auf dem Kellerwaldsteig nach Frankenau:

Wandertipp

Ein Wandervorschlag der Naturfreunde, Ortsgruppe Kassel

Im Gelände des ehemaligen Klosters Haina beginnen wir unsere Wanderung.

Für die ersten 3,5 km wählen wir zunächst ein Teilstück des Rundwanderwegs durch den Stamford’schen Garten. Wir folgen dem Weg in umgekehrter Richtung und lernen die Stationen X-V kennen. Von der Klosterkirche aus verlassen wir das Gelände, wenden uns nach links, orientieren uns für etwa 500 Meter an der Kennzeichnung D/X13. Ein mit Holzhackschnitzeln ausgelegter Weg führt nun zum Rundwanderweg. Nach kurzem Anstieg ist die Station X erreicht, und wir passieren die weiteren Stationen. Beim Königsteich verlassen wir den Weg, wenden uns nach Norden und setzen nun auf dem Kellerwaldsteig, Kennzeichnung K, die Wanderung fort. Die Markierung des Steiges begleitet uns bis zum Ende der Wanderung. Mit mäßiger Steigung geht es dabei durch das Klosterholz und den Königsgrund nach Löhlbach.

Beim Friedhof biegen wir links in die Raiffeisenstraße ein. Wir durchwandern den Ort und verlassen ihn auf der Wesestraße, wenden uns bei einem Klärbecken nach rechts, überqueren den Wesebach und setzen rechts des Baches die Tour fort. Der naturbelassene Waldrandweg führt ohne Steigung zu einer größeren Freifläche und kreuzt dort den Barbarossaweg X 8, der uns nun teilweise bis Frankenau begleitet.

Mit mäßiger Steigung führt uns der Weg durch einen Waldsaum nach Westen, die Höhe Stuthrück (506 m) bleibt links liegen. Wir erreichen eine Hochfläche (500 m) und treten aus dem Wald heraus: Es eröffnet sich eine wunderbare Fernsicht nach Norden und Westen, gleichzeitig sehen wir Frankenau vor uns liegen. Durch freies Gelände wandern wir abwärts. Unser Weg führt am Stadtrand entlang, wir orientieren uns am Hinweis Ferienpark. Zu diesem Park wandern wir weiter, passieren das Informationszentrum, die so genannte „Kellerwalduhr“, und beenden bei der Gaststätte die Tour.

Naturfreunde, Ortsgruppe Kassel: Peter Habermann, Telefon 05 61-82 19 18, Fax: 05 61-51 33.

Wussten Sie schon, ...

  • ...dass Löhlbach 1556 mit 53 Beisitzern genannt wird? Und dass die Kirche von Löhlbach älter ist als die Kirche von Haina? Sie war bis 1341 eine Landeskirche (Eigenkirche). Der Landesherr sorgte für die Bestellung der Pfarrer und besoldete sie mit einem „Kirchengut“.
  • ...dass die Vorgängerkirche der Löhlbacher Kirche bereits vor dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) erbaut wurde? Bereits 1624 und 1625 wurde sie von den kaiserlichen und 1640 von den schwedischen Kriegsvölkern so verwüstet, dass sie zum Gottesdienst unbrauchbar wurden.
  • ... dass 1778 durch die Gemeinde Löhlbach ein Backhaus neben der Kirche errichtet wurde? 150 Jahre wurde dort Brot gebacken. Später diente es als Hirtenhaus.
  • ... dass Landgraf Phillipp der Großmütige nach der Reformation „Salbücher“ eingeführt hat? So erfahren wir u. a. dass Löhlbach im 1786 geführten Salbuch 86 Häuser hatte. Nr. 73 und 74 gehörten der Kirche, Nr. 75 (Hirtenhaus), 78, 79, und 80 gehörten der Gemeinde. Die Hausnummern wurden bei der Einrichtung der Brandkasse vergeben.
  • ... dass im Jahr 1896 die Hainaer Oberförsterei in Löhlbach aufgehoben und nach Haina verlegt wurde? Der letzte Inhaber dieser Stelle Oberförster Stahl starb kurz nach dieser Verlegung. In Haina wurde die Oberförsterei mit zwei Förstern besetzt.
  • ...dass am 1.12.1918 viele nicht mehr bewaffnete deutsche Soldaten durch Löhlbach zogen? Vom 22. Dezember an war eine bespannte Abteilung im Dorf einquartiert. In den ersten Januartagen wurde die Abteilung aufgelöst und der Pferdebestand für wenig Geld an die hiesigen Bauern verkauft. So kamen wieder etwa 30 Pferde nach Löhlbach.
  • ... dass Löhlbach von Landrat Riesch nach zwölfjährigen Auseinandersetzungen (von 1892 bis 1904) eine Wasserleitung aufgezwungen bekam? Damit war das zeitraubende Wasserholen vom Bach und aus den Brunnen vorbei. Seit 1920 gibt es Strom und Licht in dem Ort. Johannes Wilhelmi baute daraufhin das Sägewerk auf der „Insel“, das vollelektrisch betrieben wurde.
  • ... dass 1928 in Löhlbach die Gemarkung „Klosterholz“ abgeholzt und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht wurde? Es wurden immer nur zwei Grundstücke verkauft, von denen eines ortsnah und eines ortsfern war. Damit wollte man erreichen, dass alle Käufer etwa die gleiche Zeit benötigten, um zu ihren neuen Grundstücken zu kommen. Man muss dabei bedenken, dass damals die allermeisten Landwirte nur mit ihren Kühen als Zugtiere fuhren.
  • ...dass 1898 in Löhlbach die Spar und Darlehnskasse gegründet wurde (heute Frankenberger Bank)? Damals half sie den beim Großen Brand vom 8. Mai 1896 Abgebrannten mit Darlehen sich wieder ein neues Zuhause zu errichten. Bei dem Brand wurden 30 Häuser zerstört und 111 Personen obdachlos.
  • ...dass im Dezember 1952 die Raiffeisenkasse (in Löhlbach auch die Darlehnskasse genannt) eine Dreschmaschine Modell „PK30“ Nr. 5422 von Petermann für 20 000 DM kaufte? Zurückgezahlt wurde in Raten zu 1000 DM jährlich an die Raiffeisenzentrale Kassel.
  • ... dass am 14. Dezember 1969, dem 3. Advent, die Einweihung der umgebauten Kirche zu Löhlbach mit anschließendem Kaffeetrinken im Paul-Gerhardt-Haus stattfand? Am selben Tag fand auch ein Tag der offenen Tür in der Schule zu Löhlbach statt. Auch diese war 1969 erweitert worden.
  • ...dass bei der Errichtung des Löhlbacher Paul-Gerhard-Hauses im Jahre 1969 die Bestimmung des Gemeindehauses so beschrieben wurde: „Das Paul-Gerhard-Haus wurde erbaut, um lebendige Gemeindearbeiten der Kirchengemeinde zu ermöglichen. Diesem Grundgedanken sind alle anderen Veranstaltungen und Unternehmungen zuzuordnen.
  • ... dass im Dezember 1969 Rudolf Backhaus (zur Zeit Bürgermeister von Haina) als damals 16-Jähriger die Gemeinde um Bewilligung eines geeigneten Raume für Versammlungen und Zusammenkünfte der Wandergruppe Löhlbach, damals 42 Mitglieder bat? Aus der Wandergruppe gegründet 1966, wurde später die Waldjugendgruppe Löhlbach. Förster Herman Simon war über 25 Jahre Leiter und Forstpate dieser Gruppe Jugendlicher.
  • ...dass 1993 der Löhlbacher Sportverein sein dioxinverseuchtes Kieselrot von der Hartplatzanlage in aufwändiger Weise abtragen und den Platz neu herstellen lassen musste? Der Spielbetrieb fand in dieser Zeit bei benachbarten Vereinen statt. Heute verfügt der Verein über eine moderne Sportanlage.

Heinz Brück, Löhlbach

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Aus HNA.de vom 12. Januar 2013: Löhlbacher Glocke tut seit 1472 ihren Dienst.
  2. Aus der HNA Frankenberger Allgemeine vom 12. Januar 2013

Weblinks



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