Kurfürst Wilhelm II.

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Kurfürst Wilhelm II.

Wilhelm II. (* 28. Juli 1777; † 20. November 1847 in Frankfurt am Main) war Kurfürst im Kurfürstentum Hessen von 1821 bis 1847.

Aus Leben und Familie

Kurfürst Wilhelm II. studierte in Marburg und Leipzig. Seit dem 13. Februar 1797 war er Prinzessin Auguste, einer Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. verheiratet. Zu ihren sechs Kindern gehörte der spätere Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen.

Die Ehe verlief schlecht und die Kurfürstin zog mit dem Kurprinzen nach der Trennung von ihrem Ehemann in das Schloss Schönfeld, wo sich um Auguste auch der „Schönfelder Kreis“ bildete. Sie versammelte hier die geistige Elite Kurhessens, darunter Johann Werner Henschel, die Brentanos, die Arnims oder die Brüder Grimm. Später ging der Kurprinz nach Berlin. Mit seinem Vater soll er sich erst im Jahre 1830 wieder versöhnt haben.

Nachkommen aus der Ehe mit Kurfürstin Auguste

Seit dem 13. Februar 1797 war er Prinzessin Auguste, einer Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. verheiratet.

Aus dieser Ehe gingen hervor:

  • Wilhelm Friedrich Karl Ludwig (* 9. April 1798 in Hanau; † 25. Oktober 1802 ebenda)
  • Caroline (* 29. Juli 1799, Schloss Philippsruhe; † 28. November 1854 in Kassel)
  • Luise Friederike (* 3. April 1801 in Hanau; † 28. September 1803, Schloss Philippsruhe)
  • Friedrich Wilhelm (* 1802; † 1875) ∞ Gertrude Lehmann (* 1806; † 1882)
  • Marie Friederike Christine (* 6. September 1804 in Hanau; † 1. Januar 1888 in Meiningen) ∞ 23. März 1825 Bernhard II., Herzog von Sachsen-Meiningen (* 1800; † 1882)
  • Friedrich Wilhelm Ferdinand (* 9. Oktober 1806 in Berlin; † 21. November 1806, ebenda)

Nachkommen mit Gräfin Emilie von Reichenbach-Lessonitz

Bereits im Jahre 1811 oder 1812 verliebte sich Wilhelm II. in Emilie Ortlöpp (* 1791, † 1843), die Tochter eines Berliner Juweliers. Als 1813 die napoleonische Vorherrschaft zu Ende ging, holte Wilhelm II. - noch als Kurprinz - Emilie nach Hessen und lebte zusammen mit seiner Frau und seiner Geliebten in Kassel.

Er erhob die Geliebte in den Adelsstand und machte sie zur Gräfin Emilie von Reichenbach-Lessonitz. Sie wurde bei Hofe zugelassen und wohnte im "Roten Palais" am Friedrichsplatz. Emilie gebar acht Kinder, von denen Louise die älteste war.

Nach Unruhen im Kurfürstentum Hessen lebte der Kurfürst zunächst in Schloss Philippsruhe bei Hanau, später in Frankfurt am Main.

Nach dem Tod von Kurfürstin Auguste am 28. Februar 1841 heiratete der Kurfürst am 8. Juli 1841 seine langjährige Geliebte auf Schloss Bisenz in Mähren, nach deren Tod im Jahre 1843 noch Karoline von Berlepsch, die er zur Baronin von Bergen erhob. Diese letzte Ehe blieb kinderlos.

Geschichte

Gedenkstein des Kurfürsten Wilhelm II. ("WK II" - Wilhelm Kurfürst) aus 1827 auf der Sababurg
Gedenkstein aus 1828 im Park von Schloss Beberbeck

Nach der Regierungsübernahme Wilhelms II. im Jahre 1821 wurde der von seinem Vater begonnene Neubau eines großen Residenzschlosses, der Chattenburg eingestellt und statt dessen das kurprinzliche Palais nach den Plänen von Johann Conrad Bromeis um weitere Repräsentationsräume erweitert: das Rote Palais, die ehemalige landgräfliche Stadtresidenz in Kassel.

Während der Regierungszeit von Kurfürst Wilhelm II. trat im Jahre 1831 die Kurhessische Verfassung in Kraft, die zusammen mit der belgischen zu den liberalsten in Europa gehörte.

Kurz nach Verkündigung der neuen Verfassung verließ der Kurfürst Kassel in Richtung Hanau, da die Bürgerschaft seine Mätresse vertrieben hatte und ihm die Lage zu unsicher wurde. Und am 28. August 1831 willigte er der Mitregentschaft seines Sohnes Kurprinz Friedrich Wilhelms ein, d. h. der alleinigen Regentschaft bis zu seiner Rückkehr nach Kassel (die allerdings nie erfolgte).

Begünstigt wurde der fast revolutionäre Akt der Kurhessischen Verfassung also auch durch die Schwäche des Kurfürsten. Die wirtschaftliche Krise und soziale Not im Lande hatten für Unruhe gesorgt. Außerdem hatten die französischen Besatzer zur Zeit des Königreichs Westphalen revolutionär-liberale Gedanken mit nach Hessen gebracht. So war es 1830 dazu gekommen, dass eine gewählte Abordnung der Bürgerschaft unter Carl Schomburg dem Kurfürsten eine Petition überreichte, in der die Einberufung der Stände und die Erarbeitung einer Verfassung gefordert wurden.

In dem Abschnitt der Verfassung, in dem von den „allgemeinen Rechten und Pflichten der Unterthanen” die Rede ist, wurden Freiheitsrechte verbrieft, die mit einigen unserer Grundrechte vergleichbar sind: gleiche Rechte für alle, Freiheit der Berufswahl, Glaubens- und Gewissensfreiheit und Freiheit der Person und des Eigentums.

Aber diese Errungenschaft hatte nicht automatisch ein liberales Hessen zur Folge. Zu stark waren die Kräfte, die diese Bestimmungen als für den Staat gefährlich empfanden. Außerdem machte sich schnell bemerkbar, dass ab 1831 der Sohn des Kurfürsten (Friedrich Wilhelm I.), der die Verfassung ablehnte, Mitregent wurde.

Die Revolution von 1848 stärkte noch einmal die liberalen Kräfte, doch ab 1850 setzte sich die Restauration durch. Bereits im Jahre 1852 wurde die Verfassung außer Kraft gesetzt.

Kurfürstengrab auf dem Altstädter Friedhof

Das Fürstengrab auf dem Altstädter Friedhof

Im Kurfürstengrab auf dem Kasseler Altstädter Friedhof sind Kurfürstin Wilhelmine Karoline von Hessen, Gattin des Kurfürsten von Hessen, Wilhelm I., Auguste Friederike Christine von Hessen, Frau von Wilhelm II., ihre Tochter Karoline Friederike Wilhelmine und Gräfin Luise von Hessenstein begraben.

Das Grab liegt an der Südseite des Altstädter Friedhofs.Es ist umgittert und nur durch ein separates Tor zu betreten.

Literatur

  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005
  • Ewald Grothe, Wilhelm II., in: Kassel-Lexikon, Band 2, Kassel 2009, S. 325 f.

siehe auch

Wilhelmsbrücke in Kirchbauna

Die Wilhelmsbrücke - eine Brücke der Geschichte in Kirchbauna
1826 führte Kurfürst Wilhelm II. die Frankfurter Landstraße in Richtung Kassel über einen hohen Damm und eine 18 m hohe Bogenbrücke die Wilhelmsbrücke, durch die Gemarkung Kirchbauna. Ab den Jahre 1973 / 1974 baute man die Frankfurter Landstraße zur Autobahn aus und hob die Trasse noch mal etliche Meter an, seit dieser Zeit ist diese schöne Brücke nicht mehr vorhanden, die Bauna wird jetzt von der Autobahn-Betonbrücke überspannt.

  • Qelle: Kleines Handbuch der Landeskunde von Kurhessen v. F. Pfiffer - Kassel 1840
  • Kirchbauna, Pfarrdorf in malerischer Lage an der Bauna. Unterhalb wird die Frankfurter Straße durch ein vortrefliches Werk, durch den hohen Wilhelmsdamm mit feiner Brücke über das Thal getragen.
Brücke am Wilhelmsdamm in Kirchbauna über die Bauna seit 1826 für die Landstraße nach Kassel (Verlauf der A44 Bundesautobahn seit 1973/74)
Quelle:Stadarchiv Baunatal - überarbeitet K.Kümmel/G.Pöpperl
Beide Brücken über die Bauna, hinten die Wilhelmsbrücke am Wilhelmsdamm und vorne die noch vorhandene Steinbrücke aus dem Jahr 1776
Qelle: Stadtarchiv Baunatal - überarbeitet K.Kümmel/G.Pöpperl
Ab den Jahre 1973 / 1974 wird der Wilhelmsdamm und die Frankfurter Landstraße sowie die Wilhelmsbrücke durch den Autobahnbau umbaut
Qelle:Stadtarchiv Baunatal - überarbeitet K.Kümmel/G.Pöpperl


Weblinks



Landgrafen von Hessen (bis 1568)

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Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.