Kurfürst Wilhelm I.

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wilhelm IX./I.
Wilhelmi.jpg

Kurfürst Wilhelm I. von Hessen (* 2. Januar 1743 in Kassel; † 27. Februar 1821), war der Sohn von Landgraf Friedrich II. und Landgräfin Maria von Hessen-Kassel.

Er war ab 1764 verheiratet mit Wilhelmine Caroline, Tochter Friedrichs V. von Dänemark, und hatte mit ihr zwei Töchter und zwei Söhne, darunter den späteren Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen. Zahlreiche weitere Kinder hatte er mit seinen Mätressen. Dreizehn Kinder gebar etwa seine langjährige Geliebte Caroline von Schlotheim und Heckershausen, die später den Titel "Gräfin Hessenstein" erhielt.

Als Landgraf Wilhelm IX. wurde Kurfürst Wilhelm I. am 25. Februar 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss in Regensburg zum Kurfürsten erhoben. Die Erhebung erfolgte zusammen mit der Übertragung der mainzischen Besitzungen in Niederhessen, zum Ausgleich der Verluste von St. Goar, der Burg Rheinfels sowie des Klosters Corvey.

Auch Wilhelm vermehrte das landgräfliche Vermögen durch den Abschluss von Subsidienverträge mit England erheblich. Er war einer der reichsten Fürsten seiner Zeit.

Leben und Wirken

Jugend und Regierungszeit in Hanau bis 1785

Wilhelm wurde 1754 in der reformierten Konfession konfirmiert – ein Umstand, der insofern bemerkenswert ist, als dass sein Vater Friedrich II. einst zum Katholizismus konvertierte. Anschließend studierte er in Göttingen und begab sich während des Siebenjährigen Kriegs (1756 bis 1763) ins Exil nach Kopenhagen zu seinem Onkel König Friedrich V. von Dänemark.

1764 heiratete er seine Kusine Wilhelmine Karoline von Dänemark, mit der er schon seit 1756 verlobt worden war. Gemeinsam übernahm man die Regierung in Hanau, die zuvor von Wilhelms englischer Mutter Marie geführt worden war. In Hanau standen ein Stadtschloss und das Lustschloss Philippsruhe direkt am Main zur Verfügung.

Nach seiner Zeit als regierender Graf von Hanau kehrt er schließlich nach dem Tod seines Vaters 1785 nach Kassel zurück.

Landgraf Wilhelm IX., 1785 bis 1803

Das Urteil über Wilhelm IX. fällt bereits bei seinen Zeitgenossen ambivalent aus. Die einen loben seine Haushaltung am Kasseler Hof, andere werfen ihm Geiz vor. Wie auch immer: Mit Wilhelm änderte sich alles; mit dem Wechsel von Landgraf Friedrich II. zu seinem Sohn Wilhelm fand ein weit greifender Stimmungswechsel statt. Wilhelm konstatierte am Kasseler Hof eine Günstlingswirtschaft, die – so glaubte er – ihren Ursprung in der Charakterlosigkeit der karrieresüchtigen Höflinge und der Schwäche seines Vaters hatte. So führte die Radikalkur am Hofe zur Abschaffung des Ballettensembles und der Oper sowie zur Reduzierung überflüssigen Hofpersonals: Lakaien, Kammermohren und Heiducken erschienen nunmehr obsolet. Einer seiner ersten Amtshandlungen war die Abschaffung des Lottos zu Kassel und Marburg.

Aquädukt im Bergpark Kassel- Wilhelmshöhe

Aber auch ein Wechsel im Kunstgeschmack fand statt: Alles von Friedrich II. bewunderte Französische wurde nun durch Wilhelm abgelehnt und dem Englischen der Vorzug erteilt – vielleicht in Reminiszenz an seine Mutter, der Tochter König Georgs II. von England. Dieser Wandel führte in der Folge dazu, dass die Franzosen schließlich Kassel verließen: "Sämtliche französischen Abenteurer und Windbeutel in Zivil und Militär ziehen ab" – so war die Meinung einiger Zeitgenossen.

Zwei Neigungen teilte Wilhelm dennoch mit so vielen seiner Zeitgenossen und Vorgänger: Die Baulust und Soldatenliebhaberei. Letztere führte dazu, dass die Armee keine Einbußen erfahren musste und sogar ihrerseits als Geldeinnahmequelle diente. 1787 schloss Wilhelm mit dem König von England einen Subsidienvertrag, kraft dessen er 12.000 Soldaten nach England auslieh und dafür die nicht geringe Summe von 675.000 Krontalern erhielt. Wohl nicht zufällig begannen just im gleichen Jahr umfangreiche Um- und Neubauten in Kassel.

1787 ließ er das unter Landgraf Moritz erbaute und unter Landgraf Friedrich II. erweiterte Scholss Weißenstein abreißen und durch ein neues Schloss – seit 1794 Schloss Wilhelmshöhe – unter der Leitung von Simon Louis du Ry und Heinrich Christoph Jussow (der seit 1781 an der Kunstakademie unterrichtete und 1785 der Gartenarchitekt des Landgrafen wurde)ersetzen. Im Schlossteich "Lac" in Wilhelmshöhe wurden die Trümmer des alten Schlosses versenkt und damit die Roseninsel gebildet, auf der eine Rosensammlung angelegt wurde. Auch das Aquädukt, die Teufelsbrücke, der große Wasserfall sowie große Teile des Bergparks entstanden. [1]

Der Landgraf, der der Wilhelmshöhe ihren heutigen Namen gab, ließ Heinrich Christoph Jussow auch den Bergpark und die Karlsaue im Stil englischer Landschaftsgärten umgestalten. 1793 wünschte der Landgraf sogar den Bau einer englischen Burgruine. Es folgte ab 1793 die nach den Plänen von Jussow erbaute Löwenburg, die im Jahre 18011 fertigstellt wurde.

Das Schlösschen Schönburg ("Montcherie") im Hofgeismarer Stadtteil Bad Gesundbrunnen, erbaut 1787 bis 1789 im klassizistischen Baustil nach den Plänen von Simon Louis du Ry, war der Wohnsitz des Landgrafen Wilhelm IX. (ab 1803: Kurfürst Wilhelm I.) während seiner Aufenthalte in den Sommermonaten. Landgraf Wilhelm IX. ließ während der Erbauung auch die Gartenanlagen erweitern und den Park Gesundbrunnen im englischen Landschaftsgartenstil neu gestalten. Allein 40 Eichen aus dem Reinhardswald wurden 1794 eingepflanzt. Ebenso gehörte ein „natürliches“ Gewässer unmittelbar vor dem Schlösschen zur neuen Parkanlage, die bis heute als Ort der Erholung in Hofgeismar erhalten ist.

Im Februar 1787 ließ Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel den lippeschen Teil der Grafschaft Schaumburg von Truppen besetzten. Da es sich um eine rechtswidrigen Akt handelt trat König Friedrich-Wilhelm II. von Preußen dem Landgrafen entgegen und verhinderte die Okkupation. Nach der Teilung der Grafschaft bildete der hessische Anteil der Grafschaft Schaumburg bereits seit 1647 mit den Städten Rinteln/ Weser und Hessisch Oldendorf eine hessische Exklave, bevor er - unter preußischer Herrschaft - 1932 der Provinz Hannover zugeschlagen wurde.

Kurfürst Wilhelm I., 1803 bis 1806

1797 wurde Landgraf Wilhelm IX. zum preußischen Generalfeldmarschall und Gouverneur ernannt; 1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel ein Kurfürstentum und aus Landgraf Wilhelm IX. wurde Kurfürst Wilhelm I. Bereits der Krieg von 1806 setzte dem jungen Kurfürstentum ein rasches Ende: Die Preußenfreundlichkeit Wilhelms wurde durch Napoleon mittels Ausweisung honoriert: Am 1. November 1806 verließ Kurfürst Wilhelm I. Kassel und begab sich auf die Flucht nach Schleswig, seit 1808 nach Prag.

Es folgte das siebenjährige Intermezzo des Königs von Westfalen, Jérôme Bonaparte. Doch was für die Ewigkeit gedacht war, ging bereits nach sechs Jahren zu Ende: nach Napoléons Niederlagen in Russland und in der Völkerschlacht von Leipzig stürzten 1813 mit dem Kaiser auch seine Vasallen. Noch bevor Napoleon die Völkerschlacht von Leipzig verloren hatte, erreichten am 28. September 1813 Kosakentruppen unter dem Befehl von General Tschernischeff die Stadt Kassel. Am 26. Oktober 1813 musste Jérôme Kassel verlassen. Der Traum vom Königreich Westphalen war vorbei.

Kurfürst Wilhelm I., 1813 bis 1821

Die Schlacht zu Leipzig 1813 hatte das Blatt für Preußen und die deutschen Fürsten endgültig gewendet. Kurfürst Wilhelm I. konnte zurückkehren – und genau dies tat er mit eben dem Verständnis, noch Kurfürst von Hessen zu sein.

Der alte Kurfürst brachte die feudalistische Ordnung wieder mit. Doch nur wenige liberale Kräfte trauerten seinerzeit der französischen Ordnung nach.

Quellen berichten, dass Wilhelm I. nach seiner Rückkehr schrulliger denn je gewesen sei und in der Zeit des napoleonischen Intermezzos lediglich geschlafen habe – übrigens ein beliebter Topos, die Abwesenheit eines Herrschers bzw. eines Interregnums zu erklären. Der Schlaf – so glaubt man – könnte auch die Wahrnehmung Wilhelms getrübt haben: Die geistlichen - inklusive des pfälzischen - Kurfürsten gab es seit dem Reichdeputationshauptschluss von 1803 nicht mehr. Hessen-Kassel war lediglich ein "Ersatzkurfürstentum" und hatte nach dem Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation von 1806 auch keine Funktion mehr inne: Es gab keinen deutschen Kaiser mehr zu küren.

Dennoch bestand Wilhelm auf seinen Titel "Königliche Hoheit", der aus dem Selbstverständnis des Kurfürstentums resultierte. Die alten Zöpfe, die Wilhelm im metaphorischen Sinne nicht abzuschneiden gewillt war, zeigten sich realiter: Die ganze Armee musste wieder Zöpfe tragen und Puder im Haar führen, was ihm den Namen "Zopfkurfürst" einbrachte. In fiskalischer Hinsicht zeigte er sich hingegen immer noch kreativ: Die von den Ständen begehrte Verfassung wollte er für 4 Millionen Taler gewähren – eine Offerte, die die Stände ausschlagen mussten. Dass die französische Revolution und Napoleons Herrschaft in Deutschland keinen nachhaltigen Einfluss auf Wilhelm ausgeübt hatten, zeigt nicht nur dieses Beispiel: Sein autokratischer Regierungsstil hatte zur völligen Reaktion geführt.

1821 verstarb Wilhelm und wurde in der Kapelle der Löwenburg beigesetzt, nachdem er kurz zuvor noch den Grundstein zur Chattenburg, einem weiteren großen Bauvorhaben, legen konnte. Es folgte ihm sein Sohn Kurfürst Wilhelm II..

Literatur

  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005

Löwenburg

Kapelleneingang der Löwenburg

Landgraf Wilhelm war auch der Bauherr der Löwenburg, die zwischen 1793 und 1801 nach Entwürfen von Heinrich Christoph Jussow entstand und als Nachahmung einer mittelalterlichen englischen Ritterburg, romantisch historisierend und bewusst als verfallende Teilruine errichtet wurde.

Sie diente auch als Wohnsitz für seine Geliebte, Caroline von Schlotheim, der späteren Gräfin Hessenstein. 1821 wurde der Kurfürst hier in einer Gruft unterhalb der Burgkapelle bestattet.

Die Löwenburg befindet sich im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel. Zunächst nur als ruinöser Turm mit Nebengebäude geplant, entstand die Löwenburg schließlich als eine komplette Burganlage.

Die Burg steht oberhalb von Schloss Wilhelmshöhe im südlichen Teil des Bergparks und damit südlich der Sichtachse Schloss Wilhelmshöhe-Herkules auf etwa (350 m ü. NN) im Habichtswald.

Das Architekturkonzept kann politisch/ kulturell als rückwärtsgewandt und antiaufklärerisch betrachtete werden, als gebautes Manifest der Restaurationsansprüche des Landgrafen. Es stand jedenfalls im krassen Gegensatz zur französischen Revolutionsarchitektur.

Kunstgeschichtlich wurden jedoch auch neue Türen aufgeschlagen, das Bauwerk gilt gleichzeitig auch als eines der ersten bedeutenden Gebäude der Neugotik (Neogotik) in Deutschland, und beeinflusste mit seinem Architekturstil zahlreiche Nachfolgebauten der nächsten 100 Jahre.

Zur Ausstattung der Löwenburg wurde unter anderem der grösste Teil der mittelalterlichen Kirchenfenstern der Stadtkirche Bad Hersfeld im Jahre 1798 von Landgraf Wilhelm gekauft. Insgesamt sieben Maßwerkfenster und ein Rundfenster aus den Kirchen in Hersfeld, Immenhausen und Obernkirchen (Schaumburg) fanden in der Burgkapelle einen neuen Bestimmungsort.

Das Kurfürstengrab auf dem Altstädter Friedhof

Das Fürstengrab auf dem Altstädter Friedhof

Im Kurfürstengrab auf dem Kasseler Altstädter Friedhof sind Kurfürstin Wilhelmine Karoline von Hessen, Gattin des Kurfürsten von Hessen, Wilhelm I., Auguste Friederike Christine von Hessen, Frau von Wilhelm II., ihre Tochter Karoline Friederike Wilhelmine und Gräfin Luise von Hessenstein begraben.

Das Grab liegt an der Südseite des Altstädter Friedhofs. Es ist umgittert und nur durch ein separates Tor zu betreten.

Nachkommen

Aus der Ehe mit Wilhelmine Caroline, Tochter Friedrichs V. von Dänemark, stammten zwei Töchter und zwei Söhne, darunter der spätere Kurfürsten Wilhelm II., weiterhin Marie Frederike (1768-1839), Karoline Amalie (1771-1848) und der ältere Sohn Friedrich (* 8. August 1772 in Hanau), der bereits jung am 20. Juli 1784 verstarb und in der Hanauer Marienkirche bestattet wurde.

Daneben hatte Wilhelm mit drei Mätressen beinahe zwei Dutzend weiterer Kinder, davon mit Charlotte Christine Buissine 4 Kinder (die späteren Freiherren von Heimrod), mit Rosa Dorothea Ritter, geadelt zur Baronin Lindenthal, 8 Kinder (die späteren Freiherren von Haynau) und mit seiner langjährigen Geliebten Caroline von Schlotheim dreizehn Kinder. Caroline von Schlotheim (6. Juli 1766 - 7. Januar 1847) erhielt 1811 den Titel Gräfin Hessenstein. Den Grafentitel trugen auch die Kinder aus der Verbindung mit Wilhelm.

Quellen und ausgewählte Literatur

  • Annette von Stieglitz: Hof und Hofgesellschaft in der Residenz Kassel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Kassel im 18. Jahrhundert. Residenz und Stadt, hg. v. Heide Wunde, Christina Vanja u. Karl-Hermann Wegner, Kassel: Euregio 2000, S. 321-349.
  • Carl Eduard Vehse: Die Höfe zu Hessen, hg. v. Wolfgang Schneider, Leipzig [u.a.]: Kiepenheuer 1991.
  • Paul Heidelbach: Ein Jahrtausend hessischer Stadtkultur, hg. v. Karl Kaltwasser, Kassel: Bärenreiter 1957.
  • Kassel im 18. Jahrhundert (pdf) auf www.upress.uni-kassel.de
  • Helmuth Breiter, Die Geliebte des Landgrafen: Caroline von Schlotheim und Heckershausen, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1980, S. 25 ff.

siehe auch

Schlösschen Schönburg in Hofgeismar - Sommer-Wohnsitz des Landgrafen Wilhelm IX. (ab 1803: Kurfürst Wilhelm I.)

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Informationen zum "Kassel der Aufklärung"auf www.bookumenta.de

Weblinks



Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.