Kurfürst Friedrich Wilhelm I.

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Friedrich Wilhelm I.

Friedrich Wilhelm I. (* 20. August 1802 in Schloss Philippsruhe; † 6. Januar 1875 in Prag) war Kurfürst von Hessen. Er war der letzte souveräne Herrscher des Kurfürstentums Hessen.

Friedrich Wilhelm I. wurde 1831 Mitregent seines berüchtigten Vaters, Kurfürst Wilhelm II. (1777 bis 1847) und nach dessen Tod Kurfürst. Nach Unruhen in Kurhessen lebte der Vater ab 1831 zunächst in Schloss Philippsruhe bei Hanau, später in Frankfurt am Main.

Leben

Friedrich Wilhelm I. war der Sohn von Kurfürst Wilhelm II. und Kurfürstin Auguste, einer Tochter von König Friedrich Wilhelm II. von Preußen.

Die Ehe der Eltern verlief schlecht. Bereits im Jahre 1812 verliebte sich Wilhelm II. in Emilie Ortlepp, die Tochter eines Berliner Juweliers. Als 1813 die napoleonische Vorherrschaft zu Ende ging, holte Wilhelm II. - noch als Kurprinz - Emilie nach Kassel und lebte dort zusammen mit seiner Frau und seiner Geliebten.

Als Kurfürstin zog Auguste nach der Trennung von ihrem Mann mit dem Kurprinzen in das Schloss Schönfeld, wo sich um Auguste auch der „Schönfelder Kreis“ bildete. Sie versammelte hier die geistige Elite Kurhessens, darunter Johann Werner Henschel, die Brentanos, die Arnims oder die Brüder Grimm. Später ging der Kurprinz nach Berlin. Mit seinem Vater soll er sich erst im Jahre 1830 wieder versöhnt haben.

Während des Studiums in Bonn lernte Friedrich Wilhelm I. Gertrude Falkenstein kennen und lieben, die mit dem Leutnant Karl Michael Lehmann verheiratet war. Ihn überredete er zur Scheidung, heiratete sie im Jahre 1831 und erhob sie zur Gräfin von Schaumburg. Später verlieh er ihr auch den Titel Fürstin von Hanau. Dennoch blieb die Kritik an der aus damaliger Sicht unstandesgemäßen Heirat.

Im Krieg zwischen Österreich und Preußen kam Friedrich Wilhelm I. in Gefangenschaft, das Kurfürstentum Hessen wurde mit anderen Ländern an Preußen angegliedert. Friedrich Wilhelm I. ging darauf mit seiner Frau ins Exil auf seine böhmischen Ländereien und starb am 6. Januar 1875 in Prag.

Die Ruhestätte des letzten hessischen Kurfürsten findet sich in Kassel auf der hessischen Erbbegräbnisstätte, neben der heutigen Ruine der Lutherkirche.

Geschichte

Zum Teil heftige Auseinandersetzungen mit dem wirtschaftlich erstarkenden Bürgertum fielen in die Regierungszeit der Kurfürsten Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm I..

Im Juli 1830 brach von Frankreich her die Revolution aus, die sich durch ganz Europa zog und die auch in Kassel ihre Spuren hinterliess. Die äußeren und inneren Umstände dieser Umwälzung führten zur bekannten Überreichung der Petition an den Kurfürsten am 15. September 1830 durch Carl Schomburg, Kassels erstem Bürgermeister, an der Spitze der Bürgerdelegation .

Unruhen zur Zeit der Julirevolution von 1830 führten in der Folgezeit zur demokratischen Kurhessischen Verfassung von 1831, die in der Folgezeit allerdings gebrochen und außer Kraft gesetzt wurde.

Friedrich Wilhelm I. ging offensiv gegen die Verfassung von 1831 vor und berief Ludwig Hassenpflug zum leitenden Minister, den er aus früheren Jahren aus dem Schönfelder Kreis seiner Mutter, Kurfürstin Auguste kannte; dieser nannte die Verfassung "in politischer Beziehung ein Werk der Revolution und in religiöser ein Werk des Teufels, dessen weiterer Entwicklung man überall entgegentreten müsse".

Es folgten heftige politische Auseinandersetzungen mit den mehrheitlich liberal gesinnten Ständen.

Die Märzrevolution in Hessen im Jahre 1848 endete damit, dass Bürgerdeputationen aus dem ganzen Land dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. ihre Forderungen überbrachten. Etwa fünfzig Reformgesetze wurden bis zum Herbst 1848 im Kurfürstentum verabschiedet. Es war die Zeit, als zwischen Juni und September 1848 die "Grundrechte des deutschen Volkes" in der Nationalversammlung der Frankfurter leidenschaftlich diskutiert wurden.

Letztlich wurden auch die Errungenschaften der Märzrevolution in Kurhessen, ebenso wie in anderen deutschen Staaten, in den Folgejahren weitgehend rückgängig gemacht.

Nach der Revolution von 1848 kam es im Herbst 1850 zur offenen Auflehnung in Kurhessen. Als die Ständeversammlung der Regierung sogar die Steuern verweigerte, löste Friedrich Wilhelm I. die Ständeversammlung am 12. Juni 1850 auf und verhängte den Kriegszustand über sein Land.

Nachdem fast alle Offiziere daraufhin den Dienst quittierten, bat er den Bundestag in Frankfurt (das oberste Organ des Deutschen Bundes) um Hilfe und floh. Denn die kurhessischen Offiziere hatten ihren Eid nicht nur auf den Kurfürsten, sondern auch auf die Verfassung geleistet. Etwa 80 Prozent der Offiziere reichten zwischen dem 9. und 12. Oktober 1850 ihre Entlassungsgesuche ein und machten damit das kurhessische Militär handlungsunfähig.

Österreich entsandte im Auftrag des Deutschen Bundes bayerische Truppen, die sogenannten Strafbayern, nach Kurhessen, danach marschierten auch preussische Truppen ein, was die Rückkehr von Kurfürst Friedrich Wilhelm I. sicherte.

Am 1. Juli 1865 verlieh der Kurfürst zum letzten Mal den Löwenorden. Ausgezeichnet wurde Otto von Bismarck, der allerdings kein Jahr später die Kriegsgefangenschaft des Kurfürsten anordnete. Der kurhessische Staat erlosch im Jahre 1866, nachdem er von Preußen in Folge des Deutschen Kriegs (auch: preußisch-deutscher Krieg), in dem Kurhessen auf der Seite von Österreich gestanden hatte, annektiert worden war.

Der Krieg endete mit einem Sieg Preußens und seiner Verbündeten bei der Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866 über den Deutschen Bund, der unter der Führung der Präsidialmacht Österreich stand. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst und Preußen übernahm die politische Vormachtstellung.

Ausgerechnet der Vetter des letzten hessischen Kurfürsten, König Wilhelm von Preußen, unterzeichnete das Gesetz über die Vereinigung Kurhessens mit Preußen vom 20. September 1866. Mit dem ebenfalls annektierten Herzogtum Nassau und der durch preußische Truppen besetzten ehemals Freien Reichsstadt Frankfurt am Main wurde Kurhessen zur preußischen Provinz Hessen-Nassau vereinigt. Fortan gehörten das ehemalige Kurfürstentum Hessen mit der Residenzstadt Cassel, das ehemalige Herzogtum Nassau mit der Residenzstadt Wiesbaden, die ehemals Freie Reichsstadt Frankfurt und die bis dahin bayerischen Ämter Gersfeld und Bad Orb zu Preussen.

Literatur

  • Eckhart G. Franz, Das Haus Hessen, Stuttgart 2005

siehe auch

Weblink


Landgrafen von Hessen (bis 1568)

Heinrich I. | Johann I. | Otto I. | Heinrich II. | Hermann II. | Ludwig I. | Ludwig II. | Wilhelm I. | Wilhelm II. | Philipp I.

Landgrafen von Hessen-Kassel (ab 1568)

Wilhelm IV. | Moritz | Wilhelm V. | Wilhelm VI. | Wilhelm VII. | Karl | Friedrich I. | Wilhelm VIII. | Friedrich II. | Wilhelm IX.

Kurfürsten von Hessen (ab 1803)

Wilhelm I. | Wilhelm II. | Friedrich Wilhelm I.