Kriegsende zum Osterfest

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Adam Ritze aus Baunatal-Hertingshausen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Bauna-Tals und mit Geschichten aus alten Zeiten. In einer Serie in der gedruckten HNA erzählt Ritze aus seinen Erinnerungen und ergänzt sie mit Fakten, die er zusammengetragen hat. Wir sammeln die einzelnen Teile an dieser Stelle.

In diesem Teil erzählt Adam Ritze vom Ende des Krieges.

Serienteil: Kriegsende zum Osterfest

Ein zerstörter Prüfstand der Henschel-Flugmotoren-Werke

Endlich Kriegsende – in Altenbauna war es Ostern 1945 so weit. Schon seit Anfang Februar hatte man das Näherkommen der Westfront hören können. Das Kriegsgeräusch wurde von Woche zu Woche lauter. Es gab aber weiterhin Luftangriffe, jedoch nicht mehr so schwere.

Am 1. April 1945 – dem ersten Ostertag – hatte die Kriegsfront das Tal der Bauna und den Baunsberg erreicht. An den Ortseingängen von Altenbauna hatte man in wochenlanger Arbeit sogenannte Panzersperren errichtet. Dafür wurden extra Bäume im Baunsberg gefällt. Doch diese „Krampflösungen“ konnten die Front auch nicht mehr aufhalten. Wir wussten am Vormittag dieses Ostertages nicht so recht, was wir machen sollten. Zu Hause bleiben? Oder doch lieber in den Bunker gehen? Wir entschieden uns letztendlich für den Bunker. Leider hatten wir zu lange gezögert. In der Baunsbergstraße, circa 100 Meter vor dem Bunker, mussten wir wegen Granatenbeschuss zu Bekannten in den Luftschutzkeller flüchten.

Es war gerade noch rechtzeitig, denn die Einschläge waren sehr heftig. Wir mussten wieder um unser Leben fürchten, denn so nahe war die Gefahr noch nie. Nach einiger Zeit hörte der Granatenbeschuss wieder auf. Aber erst, als oben auf dem Meierküppel die Amerikaner mithilfe eines Megafons zur Kapitulation aufforderten, haben wir den Keller verlassen.

Als wir die Zerstörungen in der näheren Umgebung sahen, waren wir doch sehr erschrocken. Es war wirklich sehr nahe. Die Megafon-Durchsage wurde ein paar Mal wiederholt. Aus dem Bunker am Fuchsberg sind dann drei Jugendliche – mit einem weißen Tuch an einen Stock gebunden – nach oben auf den Berg gegangen. Auch mein Großvater ist zur Kirche gelaufen und hat ein Betttuch aus dem Turmfenster gehängt.

Ganz ungefährlich war das nicht. Es hätten ja noch deutsche Soldaten im Ort sein können. Denn es war hinreichend bekannt, dass jeder, der eine weiße Fahne hisst, standrechtlich erschossen wird.

Aber zum Glück für uns alle waren in Altenbauna keine deutschen Soldaten mehr. Auch die örtliche Behörde war bereits abgetaucht. Somit verlief die Übernahme durch die Amerikaner reibungslos und ohne weiteres Blutvergießen. Durch die Worte des Großvaters – jetzt ist der Krieg für uns vorbei, und es gibt auch keinen Fliegeralarm mehr – löste sich die Anspannung der letzten Stunden, und wir waren alle sehr erleichtert.

Unser Haus am Schulplatz war - zum Glück - unversehrt geblieben. Kaum waren wir zu Hause, wurden wir wieder über Lautsprecher aufgefordert, alle Kellertüren zu öffnen. Kurz darauf kam die amerikanische Infanterie mit Gewehr im Anschlag und durchsuchte alle Häuser nach deutschen Soldaten.

Dieser Artikel ist erschienen am 24.4.2011 unter dem Titel "Kriegsende zum Osterfest - Nach letztem Granatenbeschuss am 1. April war in Altenbauna endlich alles vorbei".

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