Kreisbahn

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dokument: Diese historische Postkarte zeigt die Kreisbahn an der östlichen Ausfahrt des Tunnels im Westerhöfer Wald. Repro: Bredthauer
Die Festgesellschaft ließ sich vor dem geschmückten Eröffnungszug der Osteroder Kreisbahn im Jahr 1901 fotografieren.

Zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führte der Bau der Kreisbahn Osterode im Alten Amt. Doch der zunehmende Verkehr auf der Straße sorgte für das Aus der Schmalspurbahn von Kreiensen nach Osterode.

Aufschwung durch die Schiene

Ein Beschluss des Kreistages Osterode im Januar 1896 stand am Anfang der Osteroder Kreisbahn. Die Mitglieder des Kreistages beschlossenen, eine dem Personen- und Güterverkehr dienende Schmalspurbahn von 75 Zentimeter Spurbreite von Osterode nach Kreiensen zu bauen. Vor über 100 Jahren hielt das Dampfross mit der Eröffnung des Teilabschnitts Willershausen-Kreiensen im Auetal Einzug. Ausgangspunkt der Strecke ist der Bahnhof Kreiensen. Die Bahn, ab dem 1. Mai 1901 war die ganze Strecke befahrbar, hatte großen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung des Alten Amtes, der heutigen Gemeinde Kalefeld.

Bernd-Joachim Nolte aus Kalefeld hat in vielen Archiven geforscht und eine ganze Menge über die Geschichte der Kreisbahn herausbekommen. So bot die Bahn der Bevölkerung eine gute Anbindung zur Kreisstadt Osterode und über den Eisenbahnknotenpunkt Kreiensen den Anschluss an die Hauptbahn. Bis auf einige Krisenjahre haben die Betriebseinnahmen stets über den Betriebsausgaben gelegen. Es wurde ein Betriebsüberschuss erwirtschaftet, der teilweise zur Schuldentilgung und teilweise für den Erneuerungsstock verwandt wurde. Von den Einnahmen brachte im Durchschnitt der Personenverkehr 35 Prozent und der Güterverkehr 55 bis 60 Prozent ein. Der Rest stammte aus sonstigen Quellen.

Bis zum Ersten Weltkrieg beförderte die Kreisbahn täglich 400 bis 450 Fahrgäste. Die Beförderungsleistung des Frachtgutes schwankte jährlich zwischen 65.000 und 82.000 Tonnen. Davon entfielen im Durchschnitt 54 Prozent auf Gipstransporte, 10 Prozent auf Holz, 4 Prozent auf landwirtschaftliche Erzeugnisse, 14 Prozent auf Kohle und andere Brennstoffe sowie 18 Prozent auf sonstige Güter.

Hauptverkehrslast

Dieses Bild entstand um das Jahr 1907 im Bahnhof Kreiensen. Es zeigt die Lok mit der Nummer 5 der Kreisbahn.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatte die intakte Kreisbahn die Hauptverkehrslast im Bereich der heutigen Gemeinde Kalefeld zu tragen.

Kriegsheimkehrer empfanden das Pfeifen und Läuten der Loks als Begrüßung in der Heimat. Vertriebene und Flüchtlinge, die mit der Bahn reisten, dachten sicherlich: in welches entlegene Stückchen Erde bringt uns die Bahn?

Höchstes Aufkommen

Dieses Bild zeigt einen Zug der Kreisbahn bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Kreiensen.

Ihr höchstes Personenverkehrsaufkommen bewältigte die Kreisbahn mit 1,2 Millionen Fahrgästen im Jahr 1947. Bergab ging es mit der Zunahme des motorisierten Straßenverkehrs in den 50er Jahren. Durch Einrichtung eines Busverkehrs, parallel zur Schmalspurstrecke, nahm ab 1956 der Personenverkehr auf der Schiene ständig ab. Nur im Berufs- und Schülerverkehr wurde die Bahn noch bis etwa 1965 in der Region benutzt. Mitte der sechziger Jahre gab es einige Kaffee-Sonderfahrten von Osterode bis Kalefeld, die von der Bevölkerung gut angenommen wurden. Noch einmal mit dem Triebwagen durch den Westerhöfer Wald „zu schuckeln” und die romantische Langsamkeit zu genießen, war ein schönes Erlebnis. Heute zeugt von der Kreisbahn nur noch ein Gleis in Normalspur von Kreiensen zu den Kunststoffwerken nach Dögerode.

Zeichnung: So soll es an der Station Sebexen der Kreisbahn um 1950 ausgesehen haben.
Das Dreischienengleis gehörte zu den Besonderheiten der Kreisbahn zwischen 1943 und 1963.

Größter Verfrachter im Alten Amt war die Eisenerzgrube Echte.

Zwischen Kreiensen und Kalefeld wurde dazu ein Dreischienengleis eingerichtet. Darauf konnten Schmal- und Normalspurzüge verkehren. 1963 wurde der Streckenabschnitt von Kalefeld nach Kreiensen zur reinen Normalspur umgebaut. Kalefeld wurde durch den Bau einer Rollbockgrube zum Übergabebahnhof zwischen Schmal- und Normalspur.

Der geplante weitere Ausbau der Bahn bis Willershausen unterblieb. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde 1967 die Schmalspurstrecke von Osterode bis Kalefeld stillgelegt und bereits 1968 mit dem Rückbau begonnen. Die landschaftlich schönste Mittelgebirgsbahn Deutschland hatte ihren letzten Schnaufer getan.

Neue Farbtupfer

Heute sichern die Rheinischen Kunststoffwerke in Dögerode den Betrieb der übrig gebliebenen Strecke zwischen Kreiensen und Dögerode.

Seit 1. Juni 1995 wird das Transportaufkommen von der Ilmebahn GmbH durchgeführt, die mit ihrer grünen Diesellok V 100 einen neuen Farbtupfer im Auetal setzt.

Kreisbahn als Modell: Unser Bild zeigt eine Szene bei Kalefeld.

Kreisbahn als Modell

Im Modell lässt Bernd-Joachim Nolte den Betrieb auf der Kreisbahn wieder auferstehen.

Der Kalefelder hat auch eine Ausstellung zur Geschichte der Kreisbahn aufgebaut. Im Jahr 2002 wurde ein Modell fertiggestellt (Foto), das den Streckenverlauf bei Kalefeld mit Modell zeigt.

Die Modellgestaltung hatte Heinz-Friedel Blumenhagen übernommen.

Zeittafel

Jahr Ereignis
1896 In seiner ersten Sitzung des Jahres beschließt der Kreistag in Osterode, eine Bahnverbindung von Osterode nach Kreiensen zu bauen.
1. April 1897 Die vom Kreistag gebildete Kreiseisenbahnkommission stellt den Ingenieur Harry Skinner als Kreisbahnbau-Inspektor ein.
1898 Die Bauarbeiten auf der gesamten Strecke laufen an.
19. Dezember 1898 Der Streckenabschnitt Osterode - Förste wird eröffnet.
2. September 1899 Die 15,8 km lange Teilstrecke Willershausen - Kreiensen geht in Betrieb. Eine festliche Einweihung findet am Bahnhof Echte statt. Zwei Tage wird in einem Tanzzelt fröhlich gefeiert. An allen Bahnhöfen im Auetal sind Ehrenpforten errichtet.
1. Mai 1901 Die gesamte Schmalspurstrecke von Osterode bis Kreiensen wird eröffnet. Die Einweihungsfahrt mit wichtigen Personen von Staat, Land und Kreis führt von Osterode bis Kreiensen. Die Baukosten belaufen sich auf insgesamt 3 749 965 Mark und wurden zum überwiegenden Teil von Provinz und Staat erbracht.
12. März 1914 Der Arbeiter August Warnecke gerät in Willershausen beim Aufspringen auf den fahrenden Kleinbahnzug unter die Räder des Zuges und wird „zermalmt”.
1936 Mit dem Aufbau der Erzgrube Echte leisten Feldbahnen gute Dienste.
1939 bis 1944 Während der Kriegszeit wird von 1939 bis 1944 im Bahnhofsbereich Kalefeld (heute Gaslager) eine Erzverladerampe gebaut und über eine Feldbahn vom Stollen Ricklingsberg zur Rampe bedient.
1941 Beginn der Umbauarbeiten auf dem Streckenabschnitt Kreiensen - Kalefeld. Für Schmal- und Normalspur entsteht ein Dreischienengleis. Gebaut wird ein Anschlussgleis zum Hauptschacht der Eisenerzgrube Echte bei Dögerode.
15. Februar 1943 Das Dreischienengleis von Kreiensen nach Kalefeld geht in Betrieb. Größter Verfrachter im Alten Amt ist nun die Eisenerzgrube.
1956 Ein Lied geht um die Welt: Musikverleger Erich Storz aus Osterode komponiert mit dem Song „Mit der kleinen Bimmelbahn...” ein Lied über die Kreisbahn Osterode-Kreiensen. Das Stück wird ein Millionenerfolg und ist auch in den USA erfolgreich.
1958 Der Personenverkehr der Kreisbahn wird mit Ausnahme des Schüler- und Berufsverkehrs auf die Straße verlagert.
Oktober 1962 Durch einen entgleisten Erzwagen wird die Ausfädelungsweiche des Dreischienengleises in Kreiensen zerstört. Die Personenzüge der Kreisbahn verkehren nur bis Sebexen. Von dort gibt es einen Busersatzverkehr bis Kreiensen.
November 1962 Einstellung des Schmalspurverkehrs auf der Strecke Kalefeld - Kreiensen.
1963 Neubau einer Rollbockgrube in Kalefeld und Entfernung der dritten Schiene bis Kreiensen.
27. Mai 1967 Einstellung des Schienenpersonenverkehrs zwischen Osterode und Kalefeld.
31. Juli 1967 Einstellung des Güterverkehrs zwischen Förste und Kalefeld.
30. September 1967 Einstellung des Güterverkehrs zwischen Osterode nach Förste.
ab Oktober 1967 Nur noch der 7,9 Kilometer lange normalspurige Streckenabschnitt zwischen Kalefeld und Kreiensen wird bedient.
1968 Abbau der Gleise vom Tunnel im Westerhöfer Wald ausgehend zu beiden Seiten der Strecke.
Oktober 1969 Beginn der Sprengung der Steinviadukte im Westerhöfer Wald.
1971 Die Stahlträgerbrücken werden abgetragen. Bemühungen, die Strecke im Westerhöfer Wald als Wanderweg zu erhalten, fanden kein Gehör.
Mai 1975 Die letzte Kreisbahnlok stellt ihren Betrieb ein.
Ende der 1970er-Jahre Die Bahnstrecke Kreiensen - Kalefeld - Kunststoffwerke wird vom Landkreis Northeim übernommen.
25. Oktober 1979 Kalefelds Bürgermeister Horst Müller gibt mit einer Signalkelle freie Fahrt für den neuen Güterverkehr.
1. Juni 1991 Ein Schienennutzungsvertrag zwischen den Rheinischen Kunstoffwerken (RKW) und dem Landkreis Northeim wird unterzeichnet. Die RKW übernehmen die Instandhaltung der Strecke.
1995 Auf der Strecke Dögerode - Kalefeld laufen Gleisausbesserungsarbeiten. Bei Sebexen wird die letzte Weiche im Bahnhofsbereich ausgebaut. Im Sommer übernimmt die Ilmebahn AG mit ihrer lindgrünen V 100 unter anderem den Gütertransport auf der Strecke Kreiensen - Kalefeld - Kunststoffwerke.
April bis Dezember 1996 In Kalefeld entsteht ein Flüssiggaslager neben der Eisenbahnstrecke Kalefeld - RKW. Anfang Dezember erfolgt die erste Gaslieferung per Bahn.
2007 RKW und Gaslager werden nur noch per Lastwagen beliefert.
Sommer 2007 Ein Hochwasser unterspült das Gleis im Bereich der Zementbude bei Kalefeld.
Jahreswechsel 2007/2008 Der Landkreis muss über die Zukunft der Kreisbahn zwischen Kreiensen und Kalefeld entscheiden. Denkbare Varianten: Touristischer Betrieb oder Wander- und Radweg.
Februar/März 2010 Die Strecke zwischen Kreiensen und Kalefeld wird für den Bahnverkehr entwidmet. Die konkreten Planungen für einen Rad- und Wanderweg auf der Trasse beginnen.

Weblinks