Klosterstraße

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Die Klosterstraße in Korbach

Korbacher wollten kein Kloster

Einem 1487 gegründeten Franziskanerkloster verdankt die Korbacher Klosterstraße ihren Namen. Das Kloster fiel der Reformation, die Gebäude dem Siebenjährigen Krieg zum Opfer. Die Klosterstraße ist die Weiterführung der alten Landstraße (heute Prof.-Kümmell-Straße) in Richtung Tränketor. Beide Straßen führten einst außerhalb der Altstädter Mauer um die Stadt herum. Später, nach Gründung der Neustadt, lagen sie auf Neustädter Gebiet und bildeten so die Begrenzung zur Altstadt hin. Wiederholt wurden die Häuser dieser Straße von Brandkatastrophen heimgesucht (1664, 1739, 1868, 1885).

Die ältesten der heutigen Häuser stammen aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurden auf ehemaligen Brandstätten errichtet. Da, wo die Straße an der Ecke Prof.-Kümmel-Straße/ Prof.-Bier-Straße ihren Ausgang nimmt, stehen heute moderne Geschäftshäuser. Hier lag einst der Schmiddebrunnen (Smytteborn), der die Bewohner der Straße mit Brauchwasser versorgte. Die Straße endet bei Emmerichs Klanke" am einstigen Tränketor. Gründung im Jahr 1487 Der Name der Klosterstraße geht zurück auf das einst an dieser Straße gelegene Franziskanerkloster, dessen Gründung im Jahr 1487 erfolgte. Diese Gründung wurde möglich durch die Stiftung Graf Philipps II. von Waldeck an der sich seine beiden Vettern Graf Otto IV. und Graf Heinrich VIII. beteiligten. Vom Vorhaben der Grafen waren die Korbacher Bürger allerdings keineswegs begeistert. Eigentlich wollten sie überhaupt kein Kloster haben! Befand man sich doch mitten in der Zeit eines allgemeinen wirtschaftlichen und moralischen Niedergangs der Klöster. Die Grafen setzten sich jedoch durch und erreichten sogar, dass die Stadt schließlich eine Urkunde über die Erlaubnis zum Bau des Klosters in ihren Mauern ausstellte, nachdem man ihr ein Mitspracherecht bei der Klosterverwaltung eingeräumt hatte. Graf Philipp hatte selbst den Platz für das Kloster bestimmt, nämlich neben dem Hospital am Tränketor.

Nachdem er einige hier gelegene Häuser aufgekauft und ihren Abriss angeordnet hatte, konnte mit dem Bau begonnen werden. Die Korbacher Bürgerschaft beteiligte sich schließlich durch freiwillige Fuhren am Bau. Nach zügig vorangetriebener Fertigstellung zogen bald die Ordensbrüder ein, unter ihnen auch Söhne angesehener Korbacher Bürger. Sie widmeten sich vor allem der Predigt und der Seelsorge. Geistige Bildung, Pflege der Wissenschaften und künstlerisches Schaffen fanden hier ein Heimstatt. Dadurch gewannen die Ordensleute die Herzen der Korbacher Bürger, die schließlich ihr Kloster als geistigen und geistlichen Mittelpunkt ihrer Stadt nicht mehr missen wollten. Die kirchlichen Unruhen, 1517 durch die 95 Thesen Martin Luthers ausgelöst, ergriffen auch das Waldecker Land. Die beiden waldeckischen Grafen Philipp IV. (Wildunger Linie) und Philipp III. (Eisenberger Linie) waren zugegen, als sich 1525 Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms vor dem Kaiser zu verantworten hatte. Offenbar hat Luthers Persönlichkeit und mutiges Bekenntnis starken Eindruck auf beide gehabt.

1525 erließen sie die Waldeckische Landordnung". Durch sie wurde die Reformation in Waldeck eingeleitet. In Korbach jedoch widersetzte man sich der neuen Ordnung, wobei wohl die sehr stark ausgeprägte antilutherische Haltung der Klosterbruderschaft eine entscheidende Rolle spielte. Erst 1543 beugte man sich dem landesherrlichen Druck. Die Einführung der Reformation in Korbach leitete das Aus" des Klosters ein. 1566 übernahm die Stadt Korbach die Gebäude und richtete hier ihre Bürgerschule ein. Die Gebäude wurden im Siebenjährigen Krieg fast völlig zerstört. Das heute noch erhaltene Gebäude wurde 1770 bis 1774 durch Fürst Friedrich errichtet. Bis 1971 wurde es als Gymnasium genutzt. Heute haben hier die Kreisvolkshochschule und eine Abteilung der Beruflichen Schulen ihr Domizil. Nachbarschaftsvereinigung Die heutigen Bewohner der Klosterstraße schlossen sich Anfang der sechziger Jahre zu einer Nachbarschaftsvereinigung der Klosterbrüder" zusammen. Gemeinsam mit ihren Klosterschwestern" veranstalteten sie Nachbarschaftstreffen, Fußballturniere, Himmelfahrtswanderungen und Straßenfeste. Einmal im Jahr wird eine größere Fahrt unternommen. Aber die Aktivitäten in den letzten Jahren haben nachgelassen. Der Grund, so Klosterbruder Heinz Beil: Wir sind in die Jahre gekommen, einige sind verstorben. Nachwuchs ist kaum in Sicht.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.