Klosterkirche

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Ein Altar aus der Klosterkirche in Bursfelde

Ein Krippenbild, das weiter weist

Jesu Geburt als eine von zehn biblischen Szenen: In den Bildern des Altaraufsatzes in der Klosterkirche kann man viel entdecken.

Matt und müde sieht Maria aus, Josef stützt sich auf seinen Stock und wirkt nachdenklich. Ihr Neugeborenes wiegen die Eltern nicht etwa zärtlich im Arm. Eng in Tücher gewickelt liegt das Kind allein auf einem altarartigen Tisch. Eine Darstellung Jesu Geburt, die zum Nachdenken anregt. Das Bild ist Teil des Retabels, das einst auf dem Altar in der Ostkirche des Klosters Bursfelde stand. Jetzt ist der alte Altaraufsatz im hinteren Eingangsbereich der Klosterkirche zu sehen. Wer die Ölgemälde auf Holz vor über hundert Jahren angefertigt hat, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass es sich um eine Nachbildung des Verduner Altars von 1181 mit seinen 51 Emailbildern handelt. Die zehn Tafeln in Bursfelde sind vergrößerte Kopien des Originals in Klosterneuburg bei Wien.

Interessant sind vor allem die Bezüge zwischen den Bildern auf der linken Seite zu denen der rechten Hälfte. So werden Szenen aus dem Alten Testament jeweils mit Begebenheiten aus dem Neuen Testament in Beziehung gesetzt. Jesu Menschwerdung (Lukas 2,7) steht die Geburt von Abrahams Sohn Isaak gegenüber (1. Mose 21, 1-3). Dabei fällt auf, dass das Bild der alttestamentarischen Szene die Geburt intimer darstellt: Hier säugt der kleine Isaak an der Brust seiner Mutter, geborgen in ihren Armen.

Das Christuskind hingegen ist eng gewickelt und wirkt auf heutige Betrachter wie ein Gebundener, fast wie aufgebahrt. Ob der Maler über die Geburt hinaus die Perspektive der Grablegung wohl schon vorwegnehmen wollte?

Im Rahmen der Kirchenbegehungen bleiben Gäste des Geistlichen Zentrums Bursfelde oft vor dem Kunstwerk stehen und vertiefen sich in die Bilder. Auf eine verbindliche Deutung komme es dabei gar nicht an, sagt Diakon Peter Kolberg. Jeder kann auch etwas Eigenes in die Bilder legen, und sie einfach auf sich wirken lassen.

Die Klosterkirche ist ganzjährig von 8 bis 18.30 Uhr geöffnet. (rud)

Kloster Bursfelde

Das historische Benediktiner-Kloster wurde im Jahre 1093 von Graf Heinrich dem Fetten von Northeim gestiftet, der hier auch 1102 begraben wurde. Das Kloster wurde seinerzeit mit Mönchen aus dem Kloster Corvey besetzt.

Die Klosterkirche ist ein Paradebeispiel für die Romanik, weil sie in der typischen Bauform der Basilika erhalten ist: mit einem extremen langen Hauptschiff und niedrigeren Seitenschiffen. Statt der späteren Rund- und Spitzbogengewölbe wird ihr Inneres noch von einer Holzbalkendecke überdacht.

Die romanische Basilika der Klosteranlage Bursfelde
Klosterkirche - Eingang
Klosterkirche - Innenansicht

Die Kirche in idyllischer Uferlage an der Weser stammt aus der Gründerzeit des Benediktinerklosters. Die mehr als 900 Jahre alte romanische Klosterkirche verfügt über überaus sehenswerte mittelalterliche Fresken.

Neben dem Kirchengebäude ist der Westflügel des Klosters erhalten geblieben, der im Jahre 1722 zu einem Gutshaus umgebaut wurde.

Im Zuge der Reformation in Hessen wurde das Kloster in Bursfelde eines der Zentren der Reformation ("Bursfelder Reform"), aber erst nach dem Westfälischen Frieden zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs im Jahre 1648 endgültig evangelisch.

Heutiger Eigentümer des Klosters ist die Klosterkammer Hannover.

siehe auch