Zisterzienserinnen - Klosterkirche im "Thal der Hl. Maria"

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Die ehemalige Klosterkirche in Netze

Den ganzen Stolz von Netze stellt die ehemalige Zisterzienserinnen - Klosterkirche im "Thal der Hl. Maria" dar. Sie beherbergt einen sehenswerten Flügelaltar, der um 1370 entstanden ist.

Bauwerk

Eine Kirche bestand schon vor der Gründung des Klosters. Die heutige Kirche entstand an Stelle eines romanischen Vorgängerbaus aus dem 12. Jahrhundert. Sie wurde als zweischiffige chorlose Hallenkirche mit westlicher Nonnenempore errichtet und um 1280 geweiht.

Die Waldecksche Grabkapelle St. Nikolaus an der Südwand der Klosterkirche wurde im 13. Jahrhundert von Graf Adolf I. von Waldeck gestiftet.

Ältester Gebäudeteil ist der begehbare romanische Westturm der Kirche (1100 - 1150 erbaut), der Ende des 16. Jahrhunderts eine mit Schiefern belegte „Welsche Haube“ erhielt. Eine der drei Bronzeglocken zählt zu den ältesten in Deutschland.

Unmittelbar neben der Kirche liegt der Friedhof. Im Jahre 1978 wurde das Untergeschoss des Kirchturms zur Friedhofskapelle umgestaltet.

Geschichte

Portal der Kirche

Im Jahre 1228 wurde von den Schwalenberger - Waldecker Grafenbrüdern Volkwin und Adolf das einzige Zisterzienser - Kloster im Waldecker Land gegründet. Zur Besiedlung Ihres Hausklosters "Im Thal der Hl. Maria" später "Marienthal" hatten die Stifter, als letzte gemeinsame Handlung, Nonnen aus dem ältesten deutschen Zisterzienserinnen - Kloster Altenkamp (Kamp - Lintfort) am Niederrhein berufen.

Der Orden stand damals in seiner höchsten Blüte. Ihrem Brauch gemäß bauten die Zisterzienser ihre Klöster in stille, abgeschiedene Täler und an Wasserläufe. Diese Voraussetzungen waren bei Netze gegeben.

Vor der Gründung des Klosters gab es in Netze schon eine Kirche bzw. einen Turm und eine Kapelle. Diese waren für eine Ordenskirche aber zu klein. Deshalb wurde diese erste Kirche umgebaut und 1280 als Gebetsstätte und somit als Herz und Mittelpunktes eines jeden Klosters geweiht. Es entstand eine zweischiffige Hallenkirche, wobei die beiden östlichen Joche um 1330 hinzugefügt wurden. Die Schutzpatronen waren die Jungfrau Maria und die vier gekrönten Märtyrer.

Nach der Reformation war es ab 1529 den Nonnen freigestellt, aus dem Kloster auszutreten.

Die Äbtissin Katharina von Rhene verblieb mit den letzten 36 Nonnen bis an ihr Lebensende im Kloster und hatte nach dem Vertrag mit dem Landesherrn Philipp IV. (1553) "freien Tisch nach des Hauses Vermögen" auf ihrem Klosterhofe, der in eine gräfliche Meierei umgewandelt wurde. 1565 starb die letzte Äbtissin Katharina von Rhene. Die letzte Nonne starb 1577. Marienthal hatte aufgehört, als Kloster zu existieren.

Die gesamte Klosteranlage wurde um 1800 abgebrochen (Bereich des heutigen Friedhofs). Erhalten geblieben ist die zweischiffige, chorlose Hallenkirche.

Sehenswürdigkeiten

An der Klosterkirche in Netze

Die herausragenden Sehenswürdigkeiten und damit auch das Vermächtnis längst vergangener Zeiten werden hier kurz vorgestellt:

  • Netzer Altar:

Als wichtigstes Kunstdenkmal der ehemaligen Klosterkirche ist der gotische Flügelaltar zu nennen. Der Altarblock stammt noch aus der Erbauungszeit der Kirche. Der Meister, der die sog. Flügel des Altars um 1370 geschaffen hat, ist uns nicht bekannt. Man weiß nur, dass der Altar unter westfälischem Einfluß entstanden ist und dass sein Schöpfer einer der bedeutendsten Maler seiner Zeit gewesen sein muss.

  • Älteste Bronzeglocke Deutschlands:

Eine weitere Besonderheit der Kirche ist eine der ältesten Bronzeglocken Deutschlands, sogar die zweitälteste die regelmäßig geläutet wird. Sie wurde im 11. Jahrhundert an Ort und Stelle von durchziehenden Mönchen gegossen.

  • Grabkapelle "St. Nikolaus":

Sehenswert ist auch die Grabkappele St. Nikolaus, in der mehrere Angehörige des Waldeckischen Grafenhauses beigesetzt sind.

Schon die Stifter werden den Wunsch gehegt haben sich im Schutze ihres Hausklosters bestatten zu lassen. Der erste urkundlich erwähnte Graf, der in der Kapelle begraben urde, war Heinrich II. von Waldeck (1238 - 1267). Es ist anzunehmen, dass der Stifter, sein Vater Adolf I (1218 - 1270) auch hier begraben liegt. So wurde von 1267 - 1690 die Mehrzahl der Angehörigen des Grafenhauses hier bestattet (Männer, Frauen und auch Kinder). Die Kapelle selbst wird von Grabdenkmälern und Sarkophagen (Tumbengräber) in feierlichem Ernst geschmückt.

Das Gruftgewölbe unter den Tumbengräbern im wesrlichen Gewölbe beherbergt noch heute 21 zum Teil doppelte, samtumzogene Holzsärge der Grafen und ab 1711 Fürsten von Waldeck, die im 17. und 18. Jahrhundert in der Gruft bestattet wurden. Unter ihnen der des berühmten Fürsten Anton Ulrich, dem Erbauer und Gründer von Schloß und Stadt Arolsen. So ist diese alte Grabkapelle eine geschichtlich denkwürdige Stätte des Waldecker Landes.

  • Netzer Klosterbibel:

Erwähnt sei auch noch die alte Netzer Klosterbibel. Sie wurde 1471 zu Mainz gedruckt und enthält wertvolle Miniaturmalereien, viele Eintragungen zur Chronik von Kloster und Dorf sowie ein Äbtissinnenregister von 1380 - 1565.

Als 1630 das Kloster durch kaiserliche Resolutionsurteil wieder besetzt werden sollte, kam die wertvolle Bibel auf Burg Waldeck und später nach Marburg ins Staatsarchiv.

siehe auch

Am Friedhof in Netze - Blick zum Turm der ehemaligen Klosterkirche.

Weblinks