Kloster Haina

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Die Klosterkirche in Haina

Das Zisterzienserkloster Haina in Haina südlich von Kassel, heute psychiatrische Klinik, ist eine frühgotische Klosteranlage mit Klostergang an der Wohra im Kellerwald in Nordhessen.

Das ehemalige Zisterzienser-Kloster [1] war einst eines der reichsten und wirtschaftlich bedeutendsten in Hessen.

Die Kirche zählt aufgrund der gotischen Ausmalung zu den bedeutendsten frühgotischen Baudenkmälern in Deutschland und ist die bedeutendste gotische Klosteranlage Hessens.

Geschichte

Nach der ältesten erhaltenen Urkunde nahm die Klostergründung angeblich bereits im Jahr 1144 ihren Lauf. Das Schriftstück war laut Historikern jedoch eine Fälschung.

Die richtige Gründungsgeschichte ergibt sich erst aus einem späteren Visitationsbericht, in dem Graf Poppo von Reichenbach und Ziegenhain und seine Gemahlin Bertha den Berg Aulisburg im Jahr 1150 dem Zisterzienserkloster Kamp (heute Kamp-Lintfort am Niederrhein) übertrugen. Bestätigt wurde dies auch durch die Chronik des Klosters Kamp aus dem 15. Jahrhundert, das seinerseits bereits 1123 von der burgundischen Primarabtei Morimond gegründet worden war.

Da sich aber die Stifter mit den aus Kamp entsandten Zisterziensterkonventen nicht einigen konnten, blieb die Klostergründung auf der Aulisburg (unweit von Löhlbach) letztlich erfolglos. Der Ort Aulisburg lag lange Zeit wüst.

Vermutlich wäre dies das Ende für eine klösterliche Niederlassung gewesen, wenn nicht Graf Heinrich der III, ein Enkel des Grafen Poppo, 1187 den Berg Aulisburg frei von allen Abgaben und unter gleichzeitigem Verzicht auf alle Eigentums- und Vogteirechte dem Generalkapitel der Zisterzenser übergeben hätte.

Auf Beschluss des Generalkapitels übernahm jedoch 1188 nicht nochmals ein aus Kamp entsandter Konvent, sondern das bergische Zisterzienserkloster Altenberg bei Köln den Ort. Die strenge Auslegung der Zisterzienserregel schrieb neben der Freiheit von geistlicher und weltlicher Herrschaft die Siedlungsferne der Klöster vor. Bäuerliche Ansiedlungen im Umfeld wurden nicht geduldet. Sie mussten aufgegeben werden. An die Stelle dörflicher Siedlungen traten nun die großen Wirtschaftshöfe der Zisterzienser.

Mit einer Schenkungsurkunde vom 24. Februar 1225 endet streng genommen die Vorgeschichte des Klosters Haina. Die Grundsteinlegung selbst war lediglich ein wichtiges Etappenziel. Bis zur endgültigen Niederlassung des Aulisburger Konvents in der neuen Klosteranlage dauerte es, von der ursprünglichen Klosterstiftung an gerechnet, also fast 85 Jahre.

Zu Beginn wurde die Klosteranlage großteils nach den strengen Regeln der Zisterzienser, dem "Bernhardinischen Plan" im romanischen Stil erbaut. Doch schon bald erfolgte der Wechsel zur Gotik und es entstand eine der frühesten gotischen Kirchenbauten in Deutschland.

Im Zuge der Reformation in Hessen wurde das Kloster im Jahre 1527 durch Landgraf Philipp I. von Hessen aufgehoben und ein Hospital eingerichtet. 1869 wurde das Kloster der Kommunalverwaltung im Regierungsbezirk Kassel unterstellt.

Seit 1953 gehört dem Landeswohlfahrtsverband Hessen die ehemalige Klosteranlage. Heute befindet sich in dem ehemaligen Kloster ein psychiatrisches Krankenhaus.

Klosterkirche

Klosterkirche Haina
Kloster Haina
Klosterkirche - Innenansicht

Bereits um 1216 wurde mit der Errichtung der Klosterkirche begonnen und der romanische Chor nach kurzer Bauzeit schon 1224 geweiht. Die gesamte sakrale Anlage wurde hingegen erst sehr viel später im Jahre 1328 fertig gestellt.

Die Mönche des Klosters erwarben durch Tausch, Handel und Schenkung einen weit reichenden Besitz, der von der Weser bis zum Main und zur Kinzig reichte.

Offenbar wurde in Haina zunächst der Bau einer romanischen Basilika geplant, was auch den flach abschließenden Chor erklärt, mit dem beim Bau der Kirche begonnen wurde.

Doch schon während der frühen Bauphase erfolgte ein Wechsel hin zur Errichtung einer gotischen Hallenkirche.

Der Baufortschritt der Klosterkirche im 13. bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts lässt sich sowohl an den Kapitellen als auch am Maßwerk feststellen.

Vieles ist noch erhalten, wie zum Beispiel die einzigartigen Grisaillefenster, mächtige Prachtfenster (Elemente der französischen Kathedralgotik) oder die Chorschranke.

Aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammen das geschnitzte Chorgestühl und die Reste der Glasmalerei. In einem Zwickel des Ostfensters wird der Schöpfer der Glasmalerei als Lupuldus frater benannt.

Aus dem 14. Jahrhundert stammt die gotische Ausmalung.

Der Wandtabernakel aus dem 14. Jahrhundert wird Tyle von Frankenberg zugeschrieben.

Auch vom Kreuzgang her führt ein Portal zur Kirche, im Tympanon ist das "Lamm Christi" zu sehen.

Der heutige Turm der Kirche kam erst sehr viel später hinzu. Ursprünglich hatte die Kirche nach zisterziensischer Auffassung keinen Turm über der Vierung, sondern nur einen Dachreiter.

Landgraf Philipp I. löste das Kloster 1527 auf und stiftete am 26. August 1533 in Haina das erste Hospital für geisterkranke Männer in Deutschland. Philipp Soldan schuf in dieser Zeit das Grabdenkmal für den Obervorsteher Heinz von Lüder und 1542 den Philippstein. Aus dem 16. Jahrhundert stammt auch das Kruzifix.

Restaurierungsarbeiten im 19. Jahrhundert unter Friedrich Lange umfaßten neben der Neueindeckung des Langhausdaches und der Erneuerung des Westportals vor allem die Wiederherstellung des Innenraums der Klosterkirche, einschließlich der Glasmalereien und dem Innenanstrich.

Weiterhin erhielt am 7. April 1857 Georg Gottlob Ungewitter den Auftrag zum Entwurf eines umfassenden Bauplans, wobei seine Hauptaufgabe - neben der Schaffung des Kirchengestühls und des Orgelgehäuses - der Restaurierung der Konventgebäudes galt.

Beide folgten einem idealen Mittelalterbild. Ein im Jahre 1744 auf der Vierung aufgesetztes barockes Türmchen wurde ersetzt. Der Ausführungsentwurf dazu - von dem Ungewitter-Schüler Ernst Georg Bösser - stammt von 1883 und wurde erst 1886 - 88 realisiert.

Konrad von Hörnsheim

Auch Haina hatte einen Heiligen. Auf Konrad von Hörnsheim, einen Zeitgenosse der Heiligen Elisabeth stieß nach einem Artikel in HNA-online vom 14.4.11 der ehemalige Hainaer Pfarrer und Historiker Dr. Arnd Friedrich, als er alte Quellen aus der Geschichte des Klosters Haina durchsah. Konrad, der nach der Legende auch ein Heilungswunder vollbracht hat, wurde in Haina in der nicht mehr vorhandenen Martinskapelle begraben.

Persönlichkeiten

Verein

Der Verein "Freunde des Klosters Haina e.V." (1991 gegründet) pflegt die Geschichte der ehemaligen Zisterzienserabtei Haina, die Geschichte des Hospitals mit dem Stamfordschen Garten und die Familiengeschichte der aus Haina stammenden Künstlerfamilie Tischbein.

Wussten Sie schon...

  • ...dass Graf Heinrich von Ziegenhain Hilfe erbittet beim General-Kapitel in Burgund (Citeaux) für das in Schwierigkeiten steckende Zisternenkloster auf der Aulisburg? Er erreicht, dass das Kloster um 1188 nach Haina verlegt und es wird im Laufe weniger Jahre eines der reichsten Klöster des Landes. 1201 kauft der Konvent die Bauern von Haina auf, um einen Großhof zur Versorgung des Klosters zu schaffen. (Chronik Hessens)

Arndt Böttcher, Frankenberg

  • ... dass die berühmte Malerfamilie Tischbein ihre Wurzeln im Kloster Haina hat? Deren "Urvater" war der Hospitalbäcker Johann Conrad Tischbein. Im 18. und 19. Jahrhundert gingen aus der Familie etwa 40 bedeutende Künstler hervor. Der Bekannteste ist wohl Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, der das berühmte Goethe-Porträt schuf ("Goethe in der Campagna"), das sich heute im Frankfurter Städel befindet. Das Tischbeinhaus in Haina kann man besichtigen.

Johannes Grötecke, Bad Wildungen

  • ...dass 1533 das Kloster Haina trotz Widerspruchs von Abt und Konvent durch Landgraf Philipp aufgelöst und in ein Landeshospital für Arme, Sieche, Blinde und Geisteskranke umgewandelt wurde? Das Hospital wurde mit großen Grundbesitz an Land und Wald des Klosters ausgestattet.

Heinz Brück, Löhlbach

  • ... dass in den Salbüchern des Hospitals Haina von 1556 in Dodenhausen 30 Besitzer und ein Gießofen, in Battenhausen neun Besitzer und das Schultheisengut, Löhlbach 53 Besitzer, Bockendorf elf Besitzer, Hof Halgehausen zehn Besitzer, Hof Kirschgarten zwei Besitzer, Hof Altenhaina vier Besitzer und Hüttenrode zwei Besitzer genannt wurden?

Heinz Brück, Löhlbach

  • ...dass das preußische Staatsministerium den Gutsbezirk Haina am 15. November 1928 auflöste? Der gesamte Gutsbezirk wurde zur Landgemeinde Haina umgewandelt? Damit feierte Haina Kloster am 15. November .2008 seinen 80. Geburtstag als politische Gemeinde. 1972 wurde Haina Verwaltungssitz der neuen Großgemeinde Haina, mit elf Ortsteilen.

Heinz Brück, Löhlbach

siehe auch

Kloster Haina - Kreuzgang

Literatur

Der Philippstein in der Klosterkirche (ein Steinrelief von Philipp Soldan aus Frankenberg) zeigt Landgraf Philipp I. und seine Ahnfrau Elisabeth von Thüringen.
  • Arnd Friedrich und Fritz Heinrich, Die Zisterzienser und das Kloster Haina, Petersberg 1998
  • Andrea Pufke, Das Kloster Haina - Renovierung, Restaurierung und Umbauten im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen, Marburg 1999 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte, 115)
  • Arnd Friedrich und Michael Burger, Kloster Haina, Regensburg 2008; der ehemalige Hainaer Pfarrer und Historiker Dr. Arnd Friedrich beschreibt in dem Kunstführer die Geschichte der ehemaligen Zisterzienserabtei, der Ende 2008 vom Verein der Freunde des Klosters Haina herausgegeben wurde. Das Werk enthält neben Informationen zur Klosteranlage und ihrer Geschichte auch etwa 60 Bilder. Es ersetzt den bisherigen Kunstband, das „Blaue Buch“ aus dem Jahr 1987, das vergriffen war.
  • Im "Kunsthistorischen Wanderführer Hessen" von Magnus Backes und Hans Feldtkeller findet sich eine kurze Abhandlung zur Architektur der Klosterkirche (S. 236 ff.).

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-Artikel vom 13.5.2011: Schlicht und vollkommen

Weblinks


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