Kleinenglis

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Kleinenglis
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Stadt: Borken (Hessen)
Fläche: 590 ha
Einwohner: 1.505 (April 2016)
Postleitzahl: 34582
Vorwahlen: 05682
Kfz-Kennzeichen: HR u. FZ
Stadtverwaltung: Am Rathaus 7
34582 Borken
Website: www.kleinenglis.de
Bürgermeister: Marcel Pritsch-Rehm (FWG)
Ortsvorsteherin: Helga Strub (FWG)

Geschichte

Als Ersterwähnungsdatum des Ortes Kleinenglis gilt das Jahr 775. In einem Güterverzeichnis des Klosters Hersfeld, dem "Breviarium sancti Lulli", wurde der Ort erstmals erwähnt. Die Keimzelle des Ortes dürfte jedoch älter sein und ist etwa 1km nördlich, jenseits des "Langen Grabens", in der Flur "Wüste Kirche" zu suchen, wo auch entsprechende Keramikfunde vorliegen.

Ausschnitt Güterverzeichnis Kloster Hersfeld,"Breviarium St. Lulli"

Mit dem Ortsnamen dieser Zeit "Angelgise" wurde noch nicht unterschieden zwischen Großenenglis und Kleinenglis. Das Wort setzt sich zusammen aus "Angel" für Engel(wahrscheinlich ist der Erzengel Michael gemeint) und "Giese",die mittelhochdeutsche Bezeichnung für eine Wohnstätte in der Nähe eines fließenden Gewässers oder eines Baches (Hundsbach). Dieses wiederum läßt den Schluss zu, dass es sich um die Umwandlung einer vorchristlichen Kultstätte in eine christliche Stätte, mit St. Michaels Kapelle, zur Missionszeit des Bonifatius handelt. Der Ortsnamen "Angelgise" steht eindeutig im Zusammenhang mit der Christianisierung des hiesigen Raumes um 722 durch Bonifatius, also etwa 53 Jahre vor der schriftlichen Ersterwähnung des Ortes. Dafür spricht auch, dass die frühen Kirchen/Kapellengründungen des Bonifatius oft dem heiligen Michael geweiht waren.

Klein- und Großenenglis

Evangelische Kirche, St. Michael, Kleinenglis

Erst im 13. Jahrhundert wurde zwischen Klein- und Großenenglis unterschieden. Kleinenglis und Großenenglis wurden also 464 Jahre (775 - 1239) unter ein und dem gleichen Namen genannt ("Angelgise" oder "Engilgis"). Im Jahr 1239 als Graf Heinrich von Reichenbach den halben Zehnten von "Engelgis minori" (minori = klein) erwähnte in einer Urkunde, taucht zum Ersten mal für Kleinenglis ein eigener Namen auf. Danach wurde im Jahr 1262 die St. Michael-Kirche in Kleinenglis erstmals erwähnt, die als Kapelle am neuen Standort wieder aufgebaut wurde. Im 13./14. Jahrhundert wurden Kirchhof und Kirche zum Wehrkirchhof ausgebaut und dienten den Bewohnern des Ortes als Schutz bei drohender Gefahr. Politisch gehörte Kleinenglis zum Vernagau und ab 1338 zum Amt Homberg. Im Jahr 1367 wurde das Dorf dem Amt Borken angegliedert.

Traurige Berühmtheit erlangte Kleinenglis am 5. Juni 1400 als Herzog Friedrich von Braunschweig-Wolfenbüttel westlich des Ortes ermordet wurde. Zum Gedenken an diese Tat errichtete man das sogenannte Kaiserkreuz.

Ein weiteres Ereignis von überregionaler Bedeutung ist die Schlacht bei Udenborn/Englis 1427 am 23. Juli, auf der Höhe zwischen Udenborn, Großenenglis, Kalbsburg und Kleinenglis zu werten, durch dieses Ereignis wurde die erstmalige territoriale Einheit Hessens eingeleitet. Im Jahr 1585 wurden im Dorf 275 Einwohner gezählt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren es 232. Im Jahr 1867 wurde im landwirtschaftlich strukturierten Ort eine Verkoppelung (Zusammenlegung) durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt gab es 375 Einwohner. Im Jahr 1821 gehörte Kleinenglis zu dem neugebildeten Kreis Fritzlar.


Der Aufschwung kam mit der Braunkohle

Im Jahr 1922 wurde das Braunkohlekraftwerk Borken gebaut. Im gleichen Jahr begann auch der Abbau der Braunkohle. Rudolf Rusche verkaufte 1925 seine Gutsgebäude, den späteren Bergmannshof, an die Preag, die dann den Hof zu Wohnungen umbaute. In den Jahren 1974/75 wurden sie abgebrochen. 1925 stieg die Einwohnerzahl auf 537. Im Jahr 1932 waren es bereits 832. Im gleichen Jahr wurde Kleinenglis dem neu gebildeten Kreis Fritzlar-Homberg angegliedert. Im Ost-und Westteil des Ortes wurden in der Zeit zwischen 1927 und 1938, 32 Siedlungshäuser und 5 Doppelhäuser gebaut (Bereich Großenengliser Str. und Lochbornweg). Von 1947 bis 1952 entstand die Siedlung am Kaiserkreuz mit Hilfe der Siedlungsgesellschaft "Altenburg" von der Preußenelektra, mit 35 Siedlungshäusern. Die katholische Kirche wurde im Jahr 1961 eingeweiht. Heute finden in der, dem Hl.Gerhard geweihten Kirche, keine Gottesdienste mehr statt. Sie dient der Diözese als Steinlager. In den 1960iger Jahren wurde das "Röthenfeld" bebaut, danach in den den 1970iger Jahren die Bereiche links und rechts der oberen Teichstraße.

Gemeinde- und Gebietsreform

Die erste Schule in Kleinenglis befand sich im Bereich des heutigen Günther Foß Platzes, nahe der Begrenzungsmauer an der Klause. Die Schule wurde 1832 abgebrochen und mußte einem Erweiterungsbau des Gutshauses ("Herrenhauses") weichen. Eine zweite Schule wurde danach, fast gegenüber, heute Haus Kessler,eingerichtet .Die dritte erwähnte Schule ist dann die einklassige Volksschule 1914 in der Kerstenhäuser Straße (heute Hundsburgstraße). Bis 1932 wird diese zur vierklassigen Volksschule ausgebaut. Ab 1966 wird die Mittelpunktschule "Schwalmblickschule" in der Teichstraße betrieben. Heute befindet sich dort eine Grundschule.

Ab 31.12.1886 wurde das Bestatten auf dem Kirchhof der St. Michaelskirche per Erlass eingestellt. Ab 01.01.1887 wurde auf dem neuen, heutigen Friedhof westlich des Ortes, bestattet.

Im Jahr 1974 wurde Kleinenglis der Stadt Borken angegliedert und ist deren größter Stadtteil. Im gleichen Jahr wurde es auch dem neu gebildeten Schwalm-Eder-Kreis zugeordnet. Im Jahr 1977 zählte man in Kleinenglis 1.696 Einwohner. Die Kleinengliser Gemarkung hatte ursprünglich eine Größe von 601 Hektar. Im Jahr 1996 wurden im Bereich des ehemaligen Kraftwerks etwa 11 Hektar von der Gemarkung abgetrennt und der Kernstadt Borken zugerechnet, so dass die Gemarkung heute noch eine Gesamtgröße von 590 Hektar hat.

Grubenunglück

Ein furchtbares Grubenunglück erschütterte am 1. Juni 1988 Borken und seine Stadtteile, bei dem 51 Bergleute ihr Leben lassen mussten. Nach Schließung von Kraftwerk und Grube im Jahr 1991 hat sich Kleinenglis zur "Schlafgemeinde" für Auspendler gewandelt.

Auf ausgewiesenen Wegen erreichbar!

Sehenswürdigkeiten

Die interessantesten Sehenswürdigkeiten in Kleinenglis sind die Kirche St.Michael mit ihren gotischen Malereien und das sogenannte "Kaiserkreuz" am Westrand des Ortes (Ecke Hundsburgstraße/St Charles Straße).

Touristik und Freizeit

Kleinenglis ist eingebunden in die Hessischen Radfernwege R 4 (Weser-Odenwald) und R 5 (Upland-Werra) sowie in den Schwalm-Radweg, der auf einer Länge von 104 Kilometern von der Quelle bei dem Lautertaler Ortsteil Meiches im Vogelsberg bis zur Mündung nach Felsberg-Rhünda führt. Etwa 1 km südwestlich des Ortes befindet sich der beliebte Naturbadesee "Stockelache".

Literatur

  • Friedrich Döring
 - Karl Nass, Die Nordgrenze der Urnenfelderkultur in Hessen 1952, Seite 80-81
 - Gemeinde Kleinenglis, Festschrift 1952, Seite 37-42
 - Thomas Franke, Breviarium sancti Lulli 1986
 - Bistum Fulda, St. Bonifatius Leben und Wirken 1983
 - W. Ide, Von Adorf bis Zwesten,1972, Seite 85-89

Siehe auch


Stadtteile der Stadt Borken
WappenBorken.jpg

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