Kirchweg

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Von Filiale zur Kirchen-Mutter

Über den Kirchweg zu Gottesdienst und Dämmerschoppen

Wehlheiden ist ein uraltes Siedlungsgebiet. Das beweist ein vorgeschichtlicher Urnenfriedhof und das erstmals 1143 erwähnte Dorf „Welhede“. Doch eine eigene Kirche hatte der Ort nicht. Sondern vielmehr seit dem Mittelalter ein Filialverhältnis zu Kirchditmold. Und darum musste der Kirchweg her. Ein 1,6 Kilometer langer und sehr alter Weg vom Filialdorf Wehlheiden zur Kirche im Mutterdorf Kirchditmold. Denn das Kirchspiel Kirchditmold, damals „Dietmelle“, hatte schon um das Jahr 1000 zwei Kirchen.

Der Kirchweg beginnt an der Kohlen- und endet an der Heinemannstraße. Genauer geht’s am Wehlheider Dorfplatz beziehungsweise Kreuz los, dem Stockplatz also, benannt nach dem vorletzten Wehlheider Bürgermeister Georg Stock. Noch besser bekannt als Platz der Wehlheider Kirmes. Und dieser Platz ist auch Kirchweg Nummer eins. Hier standen einst das alte Gemeindehaus und seit Anfang des 19. Jahrhunderts die alte Schule, die vor 1889 auch einen Betsaal beherbergte. Bei den schlechten Wegeverhältnissen im Mittelalter wird hier schon 1417 in einer Urkunde des Martinsstifts zu Kassel von einem Kirchhof und einer Marienkapelle in der alten Gemeinde Ober-Wehlheiden gesprochen, die zwischen 1834 und 1838 einem Gemeinde- und Schulhaus weichen mussten. Von hier setzten sich die Leichenzüge in Bewegung zur Mutterkirche. Der Straßenzug Kirchweg war damals von der Wilhelmshöher Allee an ein offener Landweg, der den ebenfalls offenen Druselbach überquerte - dicht unterhalb des heutigen August-Bebel-Platz. Denn ein neues Viertel, das es damals noch gar nicht gab, sollte erst noch entstehen: der Vordere Westen.

Der alte Kirchweg zog sich bis 1882 in der Verlängerung der Riedeselstraße durch das Feld und über die Bahn hinaus, um nördlich nach Kirchditmold zu leiten. Erst dann wurde die Berliner Brücke als Überquerung der Eisenbahnschienen angelegt. Der alte Weg war ein schlichter Weg, der aber auch gerne von den Kasselanern benutzt wurde, um in der Gastwirtschaft Meiß (siehe auch Teichstraße (Kirchditmold))zum Dämmerschoppen oder zu einem Abendessen zu gehen. Herr Meiß hatte sich daher stets bemüht, den Weg auch bei schlechtem Wetter passierbar zu erhalten, und so war wenigstens der Kirchweg bis ins Dorf Kirchditmold hinein immer halbwegs gangbar.

Am 22. Dezember 1889, dem vierten Adventssonntag des Jahres, wurde in Wehlheiden eine eigene Kirche eingeweiht: die Adventskirche an der Germaniastraße. Die Wagenrungen mussten fortan nicht mehr nach Kirchditmold pilgern. Doch der Kirchweg blieb.