Kirchgarten Wolfsanger

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Wassergarten im Kirchgarten Wolfsanger

Am 18. August 2002 wurde der Kirchgarten feierlich eröffnet. Er befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Totenhofes/Friedhof, der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgehoben wurde.

Südlich der Kirche entstand 1972 ein Gemeindehaus, die übrige Fläche blieb ungenutzt. Nördlich der Kirche erstreckt sich nun der Kirchgarten, umschlossen von einer hohen Sandsteinmauer. Der Eingang in den Kirchgarten liegt an der Westseite.

Der Garten ist in mehrere Bereiche aufgeteilt.


I. Der Kräutergarten

Nach bestimmten Themen geordnet:

Das Färberpflanzenbeet
Beispielhaft sind einige mitteleuropäische Pflanzen wie Dost (Origanum vulgare), Echte Nelkenwurz (Geum urbanum), Odermennig (Agrimonia eupatoria) u.a. eingepflanzt. Diese Pflanzen wurden bis zur synthetischen Herstellung von Farben in großem Umfang kultiviert. Heute spielen sie z.T. noch im Kunstgewerbe eine Rolle.

Das Walahfried Strabo Beet
Die Pflanzen auf diesem Beet erinnern an Walahfrid Strabo (808 - 849), zuletzt Abt auf der Reichenau, den Verfasser des ersten Gartengedichts auf deutschem Boden. In sogenannten Hortulus hat er 24 Heilpflanzen beschrieben, wie Salbei (Salbei officinalis), Eberraute (Artemisia abrotanum), deutsche Schwertlilie (Iris germanica)usw.

Hildegard von Bingen Beet
In ihrer naturkundlichen Schrift Physica hat Hildegard von Bingen (1098 - 1179) über 500 Pflanzen erwähnt.
Einige, insbesondere Kräuter, die heute noch in der Heilkunde Beachtung finden, stehen auf diesem Beet.

Johannis Beet
Bekanntlich sind viele Pflanzen nach Heiligen und Märtyrern benannt worden. So gibt es auch Pflanzen, die das Gedächtnis an Johannes den Täufer wachhalten. Auf dem beet stehen das Johanniskraut, Johannisblume (Arnika), St. Johanniskraut (Fetthenne) und andere nach Johannes benannte Pflanzen.

Lustgartenbeet und Rasenbank
In seiner Historica Naturalis beschreibt Albertus Magnus (um 1200 - 1280) einen Lustgarten, der nicht wegen großen Nutzens sondern zum Vergnügeneingerichtet wird, dabei stehen die Duftpflanzen im Vordergrund wie Raute, Salbei, Basilikum und Blumen wie Veilchen, Akelei, Lilien , Rosen, Iris usw. Eine Rasenbank dient als Sitzgelegenheit, damit dort die Sinne Erquickung fänden und die Menschen sich niederlassen könnten zu vergnüglicher Ruhe.

Heilgarten
Nach strengem geometrischen Muster, abgeleitet aus dem St. Gallener Klostergarten für einen Kräutergarten, ist der Heilgarten gestaltet. Die Kräuter sind jeweils nach Indikationen der heutigen Zeit zusammengestellt.

  • Herz und Kreislauf (Fingerhut, Herzgespann ....)
  • Niere (Echte Goldrute, Brennessel ....)
  • Leber (Mariendistel, Artischocke ....)
  • Haut (Ringelblume, Quendel ....)
  • Magen und Darm (Fenchel, Dost ....)

Marienblumenbeet
Um 1410 malte ein unbekannter Maler vom Oberrhein ein Tafelbild, genannt das Paradiesgärtlein. Die in naturalistischer Art gemalten Blumen sind alle Synbolbilder für Maria, die mitten in diesem Garten auf einer Bank sitzt. In unserem Kirchgarten stehen die Päonie (Rose ohne Dornen), die Madonnenlilie als Sinnbild für Reinheit und Keuschheit, Veilchen und Gänseblümchen als Sinnbild für Demut und Bescheidenheit.

Sonntagsbeet
Hier handelt es sich um Duftkräuter, die sich die Landfrauen früher pflückten, wenn sie zur Kirche gingen: Ysop, Lavendel, Melisse usw. Vielleicht geschah dies, um den Stallgeruch zu übertönen- es ist aber auch möglich, dass die Duftkräuter dazu beitrugen, bei einer langweiligen Predigt nicht einzuschlafen.

II. Sepulkralgarten, Küstergarten und Kinderbeet

Seit dem Frühjahr 2004 ist im hinteren Bereich des Kirchgartens die Einrichtung des Sepulkralgartens und weitere Beete in Arbeit:

Kinderbeet
Hier dürfen Kinder saen und das Beet pflegen.

Küstergarten
Der Küstergarten ist mit einem Staketenzaun umgeben.
Die Blumen, die auf diesm Beet wachsen, dienen als Schmuck für den Altar in der Johannis Kirche.

Sepulkralgarten
Zu sehen sind in diesem Bereich Grabsteine, Grabkreuze und Pflanzen, die in ihrer Besonderheit einen kleinen Einblick in die vergangene Friedhofskultur geben sollen. Außerdem sind dort auch alte Grabsteine installiert, die in einem besonderen Bezud zu dem alten Dorf Wolfsanger stehen. So ist ein Grabstein eines in der Fulda ertrunkenen Geschwisterpaares zu finden oder der älteste noch erhaltene Grabstein Wolfsangers aus dem Jahre 1605.
In diesem Teil des Gartens befindet sich ein kleiner Lehrpfad christlicher Zeichen und Symbole. Erklärt werden entlang der ehemaligen Kirchhofsmauer die auf Grabsteinen gebräuchlichsten Symbole;

  • Ähren: Erlösung durch Christus, Fruchtbarkeit
  • Efeu: Treue
  • Engel: Frieden, Trost und Erlösung
  • Ölzweig: Zeichen des Friedens
  • Palme: Überwindung, Märtyrerglorie
  • Rose: Liebe
  • Schmetterling: Unsterblichkeit der Seele
  • Sonnenrose: Standhaftes Überdauern
  • Taube: Sinnbild des reinen Geistes

Auch haben einige Pflanzen eine bestimmte Symbolik in der Sepulkralkultur, z.B. Efeu, je nach Altersstadium, dreigezackt als Sinnbild für die Dreieinigkeit. So steht auch das Kleeblatt für Glück und Dreeinigkeit, die Lilie für Unschuld und Keuschheit, der Lorbeer für den Sieg. Die Mohnkapsel für den ewigen Schlaf. Es sind auch besondere Grabeinfassungen zu sehen wie z.B. eine Einfassung aus Grünkohl, der im beginnenden 19. Jahrhundert noch nicht als Gemüsepflanze galt. Als ehemalige Totenblume auf Gräbern ist Calendula, die Ringelblume zu finden.

III. Terassengarten mit Sitzecke und Wassergarten

Im unteren Bereich des Kirchgartens lädt im Sommer eine kleine Terassenanlage zum Kirchgartencafé ein. Im unmittelbarer Nähe befindet sich auch ein kleiner Wassergarten mit Heilwasserpflanzen.

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