Kirche St. Marien

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Südseite der Kirche St. Maria 2007 / Foto:Li Lei 李蕾

Die Kirche St. Marien (Rosenkranzkirche) ist in Kassel auch unter dem Namen „Rosenkranzkirche“ bekannt.

Die Kirche wurde am heutigen Bebelplatz Kassel-West (früher: Neumarkt und Hindenburgplatz) errichtet und 1901 fertiggestellt.

Geschichte der Kirche St. Maria

Entstehung

In der Stadt Kassel gab es im Jahre 1880 nur eine katholische Kirche, die Pfarrkirche St. Elisabeth am Friedrichplatz. Im Jahre 1892 war die Anzahl der Katholiken in dem westlichen Vorort Wehlheiden auf 650 angewachsen. Aktive katholische Männer im "Wehlheider Hof ", die älteren Mitglieder der jetzigen Pfarrgemeinde Töpfermeister Jakob Winter, Lehrer Mänz, Gärtner August Bode, Kanzelist Frey, Maueerpolier Franz Maulhardt, Bauführer Uhrig, Prokurist Josef Zahn, Bildhauer Leonhard Stitz, Schreinermeister Uthmann, sen. richteten an den Kirchenvostand von St. Elisabeth ein Gesuch, im Vorort Wehlheiden eine Kapellengemeinde zu gründen und eine Kirche zu bauen. In 1893 kaufte der Kasseler Kirchenvorstand am unteren Kirchweg einen Bauplatz. Aber der Bau ließ sich nicht so schnell verwirklichen. Darum richtete man vorerst einen Notkirchenraum her in der Glasmalerei Ely in der Pfeifferstraße, gegenüber dem jetzigen Haus der Barmherzigen Schwestern. Dort wurde am 8.7.1894 durch Dechant Stoff von St. Elisabeth die erste Messe für die Wehlheider gefeiert. Pfarrer Hausmann von der Strafanstalt hielt an 2 Tagen in der Woche eine Messe für die Schulkinder; an den Sontagen wechselte sich die Kasseler Geistlichkeit ab. In dieser Notkirche erlebte die werdende Gemeinde die erste Primiz. In 1896 wird ein eigener Geistlicher für Wehlheiden angestellt. Zu Anfang dieses Jahres wird Augustin Rübsam als Kuratus von Wehlheiden bestimmt. Der neugegründeten Kuratie gehören alle Ortschaften des Landkreises Kassel an, die westlich der Bahnlinie Kassel-Guntershausen und südlich der Bahnlinie Kassel-Volkmarsen liegen, also: Wehlheiden, Niederzwehren, Oberzwehren, Nordhausen, Rengershausen, Hertingshausen, Kirchbauna, Altenbauna, Großenritte, Altenritte, Elgershausen, Elmshagen, Breitenbach, Martinhagen, Hoof, Wilhelmshöhe, Wahlershausen, Kirchditmold, Harleshausen, Heckershausen, Weimar, Mönchehof. Also 22 Ortschaften. Der erste Kuratus von Wehlheiden wurde aber schon am 1. Sept. 1896 als Pfarrer nach Rinteln versetzt, und der Kaplan Heinrich Burchard von Marburg als Kuratus in Wehlheiden angestellt.

Außenansicht der Rosenkranzkirche 2007 / Foto:Li Lei 李蕾

Der Bankier und Grundstücksbesitzer Aschrott stiftet der Gemeinde den Platz am Neumarkt (später Hindenburgplatz, jetzt Bebelplatz).Da stand die heutige Rosenkranzkirche. Den früher erworbenen Bauplatz am unteren Kirchweg, der 15 000 M gekostet hatte, verkauft der Pfarrer mit einem Erlös von 50 000. M. Der Bonifatiusverein und auch die Zivilgemeinde gaben einen Zuschuss und die eifrige Sammeltätigkeit des Herrn Kuratus und seiner treuen Helfer in der Gemeinde erreichen ihr Ziel. Am 7.6.1901 kann die Rosenkranzkirche durch den Bischof Adalbert Endert von Fulda eingeweiht werden. Sie ist nach Plänen und unter der Bauleitung des Reg. Baumeisters Georg Kegel, eines Mitglieds der Wehlheider Gemeinde, aus Bruchstein im romanischem Stil erbaut.

Zur Untestützung erhielt der Pfarrer der rasch wachsenden Gemeinde von der bischöflichen Behörden im August 1910 einen Kaplan, Heinrich Roßbach, der von der bischöfl. Erziehungsanstalt in Sannerz kam. Er wurde hauptsächlich für die Jugend eingesetzt, leitete den Jünglingsverein, der sich unter seiner Führung gut entfaltete und im Kriegsjahr 1914 im blauen Saal der neuen Stadthalle ein sehr gut besuchtes Fest der Fahnenweihe begehen konnte. Er erteilte Religionsunterricht auch in den Landgemeinden Niederzwehren, Kirchditmold, Harleshausen und Heckershausen, betreute auch die Kasseler Krankenhäuser im Pfarrbezirk: das Diakonissenhaus, das Rote Kreuz, die Heilanstalt Neue Mühle in Niederzwehren und die Kuranstalt Goßmann in Wilhelmshöhe; nach Kriegsausbruch auch Militärlazarette in Wahlershausen und Kirchditmold.

Am 29. Dez. 1923 starb Pfarrer Burchhardt im Alter von 57 Jahren nach langer, schwerer Krankheit. Burchhardt war 31 Jahre als Priester tätig.

Am Juni.1924 gründet der Pfarrer Oskar Haseneier den Mütterverein, der bald über 100 Frauen unter seiner Führung vereint.

Am 3. und 4. Oktober 1926 feierte die Pfarrgemeinde das Fest ihres 25-jährigen Bestehens. Der Männerverein machte der Kirche zum Jubiläumstag eine Goldbrokatlevitur im Werte von 900 RM zu Geschenk.

Am 28.9.1928 begeht die Gesangsabteilung des Männervereins aus Anlaß ihres 30-jährigen Bestehens eine Schubert-Gedenkfeier im Ständehaus.

Am 28. April 1929 feierte der Kirchenchor sein 25-jähriges Bestehen.

Am 28. Juni 1929 starb nach nicht ganz 5-jähriger Tätigkeit und längerer Krankheit Herr Pfarrer Oskar Haseneier. Zu seinem Nachfolger ernannte der Bischof von Fulda, Dr. Josef Damian Schmitt, den Pfarrer an der Strafanstalt in Frankfurt/M. -Pringsheim, Heinrich Roßbach, der seinerzeit als erster Kaplan zu Pfarrer Burchardt nach Kassel kam.

Das Jahr 1935 ist der weiteren Ausstattung der Kirche gewidmet. Die Kirche erhält bunte Fenster im linken Querschiff, die Rosenkranzgeheimnisse des freuden-, und glorreichen Rosenkranzes darstellend.

Am 20. Juni 1937 unternahmen etwa 600 Katholiken, die meisten aus St. Maria, eine Wallfahrt nach Fulda zum Grab des hl. Bonifatius.

1940 wird in der Rosenkranzkirche ein schöner, aus Kunzendorfer Marmor hergestellter Taufstein aufgestellt. Auch im Kriege werden in der Rosenkranzkirche Primizen gefeiert.

Am 3. August kommt Herr Kaplan Goeb in die Pfarrei. von Anfang September bis Mitte Oktober waren in einem großen Teil der Rosenkranzkirche Möbel von Bombengeschädigten untergestellt.

Am 15. November ist ein Festgottesdienst mit leviten aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Männervereins.

Kriegszeit

Am 23.01.1944 wird die Kirche, in der wieder nach Angriffen Möbel untergestellt waren, davon geräumt und durch freiwillige Helfer gründlich gereinigt. Die Fliegerangriffe häufen sich, und wieder und wieder gibt es in der Kirche und im Pfarrhaus Schäden auszubessern, Dachziegel zu erneuern, Fenster einzusetzen, Türen zu reparieren, auch kleinere durch Brandbomben verursachte Brände zu löschen. Die Pfarrkirchen St. Familia, St. Elisabeth und St. Josef sind schon zerstört. Da wurde auch die Rosenkranzkirche stark beschädigt. Am 28 Sept. am hellen Tag und bei klarem Herbstwetter wird besonders der Westen Kassels durch einen schweren Fliegerangriff heimgesucht. Die Rosenkranzkirche wird durch schwere Bomben in der Vierung getroffen, so dass das ganze Gewölbe, auch das des Langschiffes und des linken Querschiffes, einstürzt, alles unter sich begrabend, die Kanzel und alles Gestühl zerstörend. Verschont bleiben der Raum unter dem rechten Querschiff, weniger beschädigt ist das Chor mit dem Baldachin und der Raum unter der Orgelempore.

Man schafft den Schutt aus dem Kirchenraum und hält Gottesdienst im Freien, manchmal unter Regenschirmen, im Raum unter der eingestürzten Vierung, vor dem nicht zerstörten Chor, in dem der Hochaltar noch steht. Dann wird der Raum unter der Orgelempore und auch das kleine rechte Seitenschiff nach dem zerstörten Kircheninneren zugemauert, und wir erhalten für die folgenden Jahre eine schmale Kapelle, so lang wie die Kirche breit ist und im Seitenschiff einen Raum, der als Sakristei und Beichtgang mit 3 Notbeichtstühlen dient. Die Räume werden durch Koksöfen geheizt und bewähren sich gut im Winter. Es folgen am Ende des Jahres, am 15.und 30.12. weitere schwere Angriffe, die Todesopfer unter den Pfarrangehörigen fordern und Vielen Verlust ihrer Wohnung und Habe Bringen.

An keinem Tage des Jahres ist in der ganzen Zeit trotz aller Not das Messopfer nicht gefeiert worden, und immer fand am Weißen Sonntag die feierliche Erstkommunion der Kinder statt. Selbst die Fastenpredigten fielen in 1945 nicht aus. Es wird weiter an der Trümmer- und Schuttbeseitigung an der Kirche gearbeitet. Die Gläubigen nehmen in der warmen Jahreszeit im Langschiff der Kirche unter freiem Himmel am Gottesdienst teil.

In 1946 werden die Fastenpredigten in der Messe um 11 Uhr in der Stadthalle gehalten.

Wiederaufbau

Renovierung im Jahr 2002 / Foto: http://www.st-marien-kassel.de
Renovierung im Jahr 2002 / Foto: http://www.st-marien-kassel.de

Im Mai 1946 setzen die Wiederaufbauarbeiten an der Kirche mit Berufskräften und freiwilligen Helfern ein. Selbst Kinder, Mädchen und Frauen beteiligen sich an die Aufräumungsarbeiten. An Fronleichnam ist wieder die Prozession im Stadthallengarten. Das Levitierte Hochamt wird vor dem Portal der Stadthalle gehalten.

Im April 1949 erhielt die Kirchengemeinde aus einer Diözesankollekte 4000 DM für den Kirchbau.

Am 10. Juli ist das Dach der Kirche fertig gedeckt und in der Woche vor dem Weihnachtsfest konnten die Wölbungsarbeiten vollendet, die Heizung wieder instandgesetzt werden.

Am 1. Oktober kann die Pfarrgemeinde das Rosenkranzfest nach 6 Jahren zum ersten Mal wieder in der Rosenkranzkirche feierlich begehen.

Am 17. Juni 1951 begeht die Rosenkranzkirche die Wiederkehr des 50. Jahrestages ihrer Einweihung.

Am 09.09.1964 stirbt Pfarrer Heinrich Roßbach im 81. Lebensjahr; über 35 Jahre hatte er als Pfarrer die Gemeinde St. Marien geleitet.

06.12.1964 Einführung von Pfarrer Philipp Heim durch Dechant Brandstetter. Weihnachten geht erstmals ein Pfarrbrief an alle Gemeindemitglieder.

Am 13.03.1977 überträgt den Gottesdienst aus St. Marien.

13.-14 1981 80. Geburtstag der Rosenkranzkirche. Große Konzelebration mit Prarrer Heim und zahlreichen, aus der Gemeinde stammenden Geistlichen.

18.-19.01.1994 Einbruch im Pfarrheim. Der Schaden liegt bei über 1.000 Mark.

Am 30.09.1994 tritt Pfarrer Philip Heim in den Ruhestand nach fast 30-jähriger Tätigkeit in St. Marien. Sein Nachfolger wird Militärdechant Reinhold Kircher.

Am 24.06.1998 vollendet Gemeindemitglied Gerda Kind ihr 100. Lebensjahr.

Am 05.04.1999 wird der Ostergottesdienst mit Chorgesang im Hessischen Rundfunk übertragen.

Im Jahr 2002 war die letzten großen Kirchenrenovierung.

Beschreibung des Bauwerks

Die Erbauung der Kirche St. Marien, auch als Rosenkranzkirche bekannt, erfolgte im Stil der romanischen Basilika. Einen besonderen Eindruck hinterlässt der Innenraum auf Grund seiner Weite. Er ist 48 m lang und 18 m breit. Von außen ist das Bauwerk 6 m länger. Die Wände sind 70 cm und die Chorrundung 80 cm dick. Das Querschiff ist 23,50 m lang und 12 m breit, genau wie das Längsschiff. Der Innenraum des Hauptschiffes hat eine Höhe von 13 m. Parallel zum Hauptschiff liegen zwei 2,50 m breite Seitenschiffe. Aus der Romanik stammende Elemente machen den Entwurf der Rosenkranzkirche beeindruckend, wie der 48 m hohe, rechteckige Turm, der über der Apsis auf 1,20 m dicken Bruchsteinmauern thront.

Architektur

Architektur der Kirche / Foto:Li Lei 李蕾

Allgemein

Am 21. Mai 1899 wurde der Architekt und Regierungsbaumeister Georg Kegel damit beauftragt eine Pfarrkirche im neoromanischen Stil zu entwerfen sowie die Bauleitung für diese zu übernehmen. Aufgrund von finanziellen Problemen sollte die Kirche erst nur halb und der Turm niedriger gebaut werden. Es wurde sogar eine Konventionalstrafe mit dem Architekten vereinbart falls dieser den Zeitplan nicht einhalten könne. Dank der finanziellen Hilfe von dem Bankier Sigmund Aschrott konnte die Kirche jedoch gleich in ihrer heutigen Größe errichtet werden.[1] Allerdings konnte die Ausstattung nicht sofort angeschafft werden und musste somit kontinuierlich erweitert werden. Die Ausmalungen wurden ebenfalls erst einmal zurückgestellt und erfolgten schließlich im Jahre 1934 durch August Kolb und seine Söhne.

Georg Kegel erbaute die St. Marien Kirche mit einem großen Längs-, zwei Seiten- und einem Querschnitt. Die eigentlich als Backsteinbau geplante Kirche wurde auf Wunsch des Kirchenvorstands vorwiegend in Bruchstein errichtet, obwohl es vom Architekten ziemliche Bedenken hinsichtlich der Baustatik sowie der Bauphysik gab. Die Fenstergewände, Strebepfeiler, Lisenen und Rundbogenfriesen wurden zur Verzierung der Fassade genutzt.

Ein weiteres Problem stellte das Baugrundstück dar. Die Topologie und der Baugrund mit Fließsand waren eine große Herausforderung für den Architekten und für das zuständige Bauunternehmen, weshalb als Lösung eine Kombination aus Flachgründung und Pfeilerfundamenten gewählt worden ist.

Die St. Marien Kirche wurde schließlich am 17.Juli 1901 fertiggestellt. Besonderes Merkmal der Kirche ist die symmetrische Anordnung des Kirchenraums. Untersuchungen im Grundriss zeigen, dass alle Flächen in Quadrate teilbar sind. Die geometrischen Grundformen gehören zu den typisch romanischen Elementen. Weitere Elemente dieser Art, die sich in der Architektur der Kirche wiederfinden lassen, sind die Rundbogenfenster in der Fassade, die Lichtgaden, die Dachgauben und die Archivolte sowie die Löwen am Haupteingang..[2]

Nachdem die Kirche 1944 durch Bombenanschläge fast vollständig zerstört worden ist, begann 1946 der Wiederaufbau. Bereits am 22. Dezember 1948 wurde das Richtfest unter offenem Dachstuhl gefeiert. Am 10. Juli 1949 wurde das Gewölbe durch die Architekten A. Baecker und F. Sirrenberg fertiggestellt. Die Ausbauarbeiten zogen sich kontinuierlich fort. Man bemühte sich alle zerstörten Gegenstände nach und nach zu erneuern.

1974 kam es zu umfangreichen Bauinstandhaltungs- und Sicherungsarbeiten. Außerdem wurden die vom zweiten Vatikanischen Konzil beschloßenen Reformen in der Liturgie in der Architektur umgesetzt. Dies führte zum Beispiel dazu, dass der Altar weiter vorgerückt worden ist.

1999 erfolgte schließlich die Sanierung des Turms.

Inneneinrichtung

Innenansicht, 2007/ Foto:Li Lei 李蕾
Orgel und Kircheninnenraum, 2007 / Foto:Li Lei 李蕾

Der Architekt Georg Kegel war natürlich auch für die Inneneinrichtung der Kirche verantwortlich.

Jedoch erwies es sich am Anfang schwieriger als gedacht, da die Finanzsituation der Gemeinde nicht allzu gut war. Einige architektonische Details mussten somit vereinfacht werden. Die von Kegel angedachten Ausmalungen wurden zurückgestellt und die Ausstattung erst nach und nach angeschafft.

Kuratus Burchard, ab 1906 der erste Pfarrer der Gemeinde, bemühte sich um einen Hochaltar, der von einem, wie in der Romanik üblich, markanten Baldachin gekrönt wurde. Schmiedeeiserne Gitter für den Abschluss des Längsschiffes die mit Kerzenleuchtern versehen wurden. Chorgestühl und Betstühle mit wertvollen Schnitzereien wurden nach den Plänen von Architekt Kegel gefertigt.

1901 erklang dann erstmalig das Geläut der vier Bronzeglocken, die von der damaligen Firma Otto aus Hemelingen gegossen wurden.

Nun folgten die Statuen der Hl. Maria und Josef. Auch wurde ein Herz Jesus-Altar errichtet, wo Kuratus Burchard 1923 nach seinem Tod vor diesem Altar beigesetzt wurde.

Den Ersten Weltkrieg überstand die Rosenkranzkirche ohne Schaden. Im September 1925 wurde eine Orgel mit hölzernen Pfeifen angeschafft. 1934 folgte die Ausmalung mit großformatigen Decken- und Wandbildern durch den Kunstmaler Augustin Kolb und seinen Söhnen. Die biblischen Szenen waren in volkstümlich dekorativ figürlicher Art gehalten. 1940 wurde ein großer Taufstein aus Marmor aufgestellt. Es folgten die Jahre des Schreckens: der zweite Weltkrieg. Im Januar 1942 wurden die vier Glocken für Kriegszwecke eingeschmolzen. Nachdem die Kirche die schweren Bombenangriffe am 23.Januar 1944 fast unbeschadet überstand, wurde sie am 28. September 1944 fast vollkommen zerstört. Brandbomben vernichteten die Holzpfeifen der Orgel, jedoch blieb wie durch ein Wunder der Hochaltar verschont.

Doch die Menschen begannen sofort mit den Aufräumungsarbeiten. Die zerstörten Gegenstände wurden neu errichtet oder ersetzt. Ein schlesischer Künstler malte 1951 neue Ölgemälde und 1952 wurden auch drei neue Leihglocken aus Danzig, Freidersdorf und Kunzendorf eingehängt. Durch großzügige Spenden konnten 1967 15 neue Rosenkranzfenster gebaut werden.1973 ersetzte dann die Orgel das Harmonium. Bis 1974 dominierte im Halbrund des Chores der Hochaltar die Kirche. Aus Kostengründen wurden zunächst keine Ausmalungen vorgenommen, erst Jahre später folgten großformatige Gemälde, Skulpturen, bunte Glasfenster und farbenfrohe Mosaike über den Eingangstüren. Es folgten die großen Statuen des Hl. Antonius und eine Muttergottes mit Kind. 1975 mussten dann weitreichende Bausicherungs- und technische Arbeiten vorgenommen werden. Dies wurde zum Anlass genommen, den gesamten Altarraum neu zu gestalten.

Architekt Reuter entwarf somit ein völlig neues Konzept. Der neue Altar rückte in die Mitte der Gemeinde. Der Haupt- und die Nebenaltäre wurden komplett entfernt. Das Gleiche geschah mit den Kommuniunbänken und dem Chorgestühl.

Mittig über dem Altar hängt die versteinerte Baumscheibe als blickfangendes Kreuz Die Sanierung des Turmes 1999 war dann vorerst die letzte größere Baumaßnahme. Dabei sind dann weitere liebevolle Details neu entdeckt worden, zum Beispiel die majestätischen Köpfe am Haupteingang, die die architektonische Qualität der Kirche belegen und ebenfalls zu ihrer Widererkennbarkeit beitragen.

Gemeindeleben

Die wichtigsten Aktionen der Gemeinde waren in den Jahren 1989 und 1990. Zur Osterzeit 1989 begann die Gemeinde um den damaligen Pfarrer Phillip Heim, Unterschriften für eine Petition an Mummer al Gadafi, dem Staatspräsidenten Libiyens zu sammeln. Die Petition setzte sich dafür ein, dass sechs Gefangene freigelassen werden, die der verbotenen "islamischen Bauernpartei" angehörten. Über die Kasseler Sektion von Amnesty International wurde die Gemeinde auf das Schicksal der Gefangenen aufmerksam gemacht. In der Folgezeit wurde das Schreiben nach Libyen gesendet.

In den Wendemonaten der Jahre 1989/90 kam es zum Kontakt mit der katholischen Gemeinde Arnstadts, die damals noch zur DDR gehörte. Der erste Dialog der beiden befasste sich hauptsächlich mit den staatlichen Gängelungen der SED-Dikatatur. Als Zeichen der Verbundenheit mit den Christen in der DDR pflanzte Pfarrer Heim mit dem Pfarrer der katholischen Gemeinde der thüringischen Stadt einen Apfelbaum. Es erfolgte im Verlauf des Jahres 1990 ein Gegenbesuch in Kassel. Aus diesen ersten Treffen entwickelte sich schließlich eine partnerschaftliche Freundschaft beider Gemeinden, die bis heute andauert. Neben diesen medienwirksamen Aktionen findet auch ein Gemeindeleben im Alltag statt, z.B ein Cappuccinotreff und diverse Altennachmittage und Krankenbetreuung.

Einzelnachweise

  1. "Katholische Kirchengemeinde St. Marien: "St. Marien gestern heute morgen. 100 Jahre Rosenkranzkirche." Kassel. 2001.S.9"
  2. "Ebd. S.10"

Quellenverzeichnis

  • HNA-Archiv
  • Katholische Kirchengemeinde St. Marien: "St. Marien gestern heute morgen. 100 Jahre Rosenkranzkirche." Kassel. 2001
  • Hülsmann, Christof: "Kassel:Gewölbe der Katholischen Pfarrkirche St. Marien"
  • Konrad, Peter: "Kirchen in Kassel. Kath. St. Marien- Kirche/ Rosenkranzkirche"/o.O. o.J.

siehe auch

Weblink