Kirche Roda

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Die Sitzbank hinter dem Altar trägt eingeritzt unter einer dicken Farbschicht die Jahreszahl 1721. Sie stammt noch aus der alten Rodaer Kirche, die 1897 abgerissen worden war. Am 11. Dezember 1898 konnte das neue Gotteshaus der Bestimmung übergeben werden. Da einst neben der lutherischen auch eine kleinere reformierte Gemeinde in Roda existierte, hatte man sich im Jahr 1865 darauf geeinigt, dass die Kirche beiden Gemeinden gemeinschaftlich gehört, der Gottesdienst für die lutherische Gemeinde an drei aufeinander folgenden Sonntagen im Monat, der für die reformierte Gemeinde an jedem vierten Sonntag gehalten wird. Nach dieser Praxis wurde so lange verfahren, wie noch ein reformierter Pfarrer in Münchhausen war.

Im Jahr 1886 hörte die pfarramtliche Verbindung der lutherischen Gemeinde mit Münchhausen auf, da die lutherische Gemeinde Roda in der bisherigen Verbindung mit der lutherischen Pfarrei Münchhausen nicht in genügenderweise mit Gottesdiensten versorgt werden konnte, wie es damals in der Begründung hieß. Bereits bei der Ausschreibung der Stelle von Rosenthal 1884 wurde vermerkt, dass der neu zu bestellende Pfarrer die lutherische Gemeinde zu Roda ohne Anspruch auf irgendwelche Entschädigung pastorieren (seelsorgerlich betreuen) müsse.

Praktisch gesehen war die Vereinigung mit Rosenthal bereits mit der Einführung des neuen Rosenthaler Pfarrers 1885 vollzogen. Im Jahr 1893 vermerkt der damalige Rosenthaler Pfarrer: "In der zur Parochie (= Pfarrei) gehörigen Vicariats-Gemeinde Roda war die Kirche schon seit längerer Zeit reparaturbedürftig." Man hatte sich einen Kostenvoranschlag über die auszuführenden Reparaturen machen lassen und stellte fest, dass eine Ausgabe von fast 6000 Mark nötig wäre, um die Reparaturen durchführen zu lassen. Da der Turm noch gut war, hätte der Neubau eines Kirchenschiffes etwa 8000 bis 10000 Mark gekostet. So entschloss man sich zu einem Neubau. Um die Finanzierung sicher zu stellen, waren langwierige Verhandlungen notwendig, die sich bis 1896 hinzogen. Inzwischen sollte der Bau schon 16000 Mark kosten. Im April 1897 war es dann endlich soweit, dass mit dem Bau begonnen werden konnte. Am 4. April 1897 wurde als letzter Gottesdienst in der alten Kirche ein Konfirmations- und Abendmahlsgottesdienst gefeiert. Tagsdrauf am 5.April begann man mit den Abbrucharbeiten. Gottesdienste fanden für die Zeit des Neubaus im Schulhaus statt.

Am 11. Dezember 1898 konnte schließlich die neue Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden. Bemerkenswert ist dabei noch, dass die Kanzel aus der Melsunger Stadtkirche stammt. Im Äußeren unterscheidet sich das einfach gehaltene Kirchenschiff doch stark von dem durch mehrfache Abstufungen sich nach oben verjüngenden Turm. Hier macht sich doch der Stilunterschied von etwa 100 Jahren bemerkbar. Der Besucher, der diese Kirche betritt, ist zunächst einmal beeindruckt von den wuchtigen Mauern des Turmes. Geht er dann die paar Stufen hinauf und betritt das Kirchenschiff, so fällt sein Blick zuerst auf den Altarraum, der durch einen Rundbogen zum Schiff hin geöffnet ist.

Den Steinaltar in der Mitte überragt ein Kruzifix (Kreuz mit Körper) aus Holz. Blickt man vom Kirchenschiff aus über die Oberkante des Kruzifixes hinweg, so fällt der Blick direkt auf den Stern im oberen Teil des Fensters hinter dem Altar, der wohl den Morgenstern darstellen soll. Im vorderen Teil des Altarraumes - auf der Schnittlinie zwischen Altarraum und Schiff - stehen Kanzel und Taufstein. Einen besonderen Eindruck machen auch die Deckenschalung und die Balkenkonstruktion an der Decke. Durch den neuen Anstrich im Jahr 1960 hat die Kirche im Inneren ein freundliches Aussehen bekommen. Diese Dorfkirche ist betont schlicht gehalten, ohne primitiv zu wirken. Sie lädt zum Verweilen und zur Besinnung ein.

Von Wolfgang Köster (HNA-Serie Unsere Kirchen)

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