Kirche Löhlbach

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Ochsen vor der Kirche: Ein von Gerd Faust koloriertes Foto der Löhlbacher Kirche aus den 1940er-Jahren.

Die heutige Kirche in Löhlbach, heute ein Ortsteil von Haina wurde im Jahre 1812 erbaut.

Seither wurde der Kirchbau zwei mal umgebaut, zuletzt 1969. Dabei erhielt das Kircheninnere ein komplett neues Aussehen.

Löhlbacher Glocke

Vier Glocken läuten im Löhlbacher Kirchturm. Eine von ihnen ist 540 Jahre alt. Sie tut, wie ihre jüngeren Kolleginnen, die 1956 gegossen wurden, ihren Dienst. Sie ist seit 1472 im Einsatz: Löhlbachs älteste Glocke ist täglich im Vierergeläut – zusammen mit drei jüngeren Glocken aus den 1950er-Jahren – zu hören. Ihr Schmuck besteht aus fünf gleichförmigen bärtigen Männerköpfen, die in einem umlaufenden Spruchband angeordnet sind. Dort steht geschrieben: „Anno d(omi)ni m cccc lxxii“: im Jahr des Herrn 1472).

Jahrhunderte neben Schriftzug und Jahreszahl eine beliebte Zierde für Kirchenglocken. So ist in Haina die bekannte Dreihasenglocke aus dem Jahr 1224 erhalten. Auf ihr sind drei Hasen abgebildet, die so angeordnet sind, dass insgesamt nur drei Ohren zu sehen sind, aber dennoch jeder Hase seine beiden Ohren besitzt. Vor gut zehn Jahren wurde Jörg Poettgen vom Rheinischen Institut für Glockenkunde anhand eines Fotos zu den Männerköpfen auf der Löhlbacher Glocke befragt, um die bis dahin unbeschriebene Bedeutung zu klären.

Der Fachmann urteilte: „Bei den Männerköpfen handelt es sich um Trennzeichen, die der Glockengießer zur Abtrennung der einzelnen Worte des Spruchbands einfügte. Diese Reliefs wie auch die Buchstaben wurden aus Modelen gearbeitet, sodass jedes Exemplar gleich aussieht. Es handelt sich somit auf keinen Fall um eine bestimmte Persönlichkeit.“

Löhlbacher Glocke

Der Glockenexperte recherchierte anhand des Fotos weiter und entdeckte in einem Fachbuch von 1924, dass es in Niederurff und Bischhausen ähnliche Glocken geben musste. Dieser Hinweis führte zu einer Besichtigung dieser Glocken. Dabei bestätigte sich, dass die acht Köpfe auf der Glocke in Niederurff, die ebenfalls 1472 gegossen wurde, und der Kopf auf der Glocke in Bischhausen, die aus dem Jahre 1487 stammt, aus dem gleichen Model wie die Köpfe der Löhlbacher Glocke hergestellt waren. Bei diesem Model handelte es sich um eine geschnitzte Holzform, mit der Männerköpfe aus Wachs hergestellt, quasi herausgedrückt, wurden. Diesen Vorgang kann man mit der Herstellung von Spekulatius vergleichen. Diese Wachsköpfe befestigte der Gießer zunächst auf dem Glockenmodel. Nach Anbringung von Schrift und Zier umkleidete er das Wachsmodell sorgfältig mit Ton. Diese Tonhülle bildete später die äußere Form des Gusses.[1]

Männerkopf-Glocken:

Die Verwendung desselben Models lässt rückschließen, dass alle bekannten „Männerkopf-Glocken“ aus ein und derselben Werkstatt stammen. Mit großer Wahrscheinlichkeit stammen sie aus Homberg/Efze, denn von dort ist schriftlich der Ursprung einer Glocke von 1513 bekannt, die ebenfalls derartige Männerköpfe aufweist. Sie kam ins benachbarte Felsberg. Auf diesen Ursprung verweist auch eine andere Löhlbacher Glocke, die man leider im Zweiten Weltkrieg für Rüstungszwecke einschmolz. Laut Spruch im umlaufenden Band wurde sie 1786 von Peter zu Homberg gegossen. Weil die Gießereien über Jahrhunderte hinweg ihr Einzugsgebiet behielten, verdichtet sich der Hinweis, dass auch die „Männerkopfglocke“ von dort entstanden ist. Beide Löhlbacher Glocken waren bereits im Ersten Weltkrieg zur Einschmelzung abgeholt worden. Erst nach Kriegsende wurden sie unversehrt auf einem Sammelplatz entdeckt. Nur durch das Spruchband der später, im Zweiten Weltkrieg, eingeschmolzenen Glocke „Friedrich Faust Prediger/Joh. Schellberg Grebe/Nach Löhlbach gehör ich/Christian zu Homberg goss mich 1786“ konnte man die Glocken identifizieren und in die Löhlbach Kirche zurückbringen.[2]

siehe auch

Wussten Sie schon, ...

  • ...dass Löhlbach 1556 mit 53 Beisitzern genannt wird? Und dass die Kirche von Löhlbach älter ist als die Kirche von Haina? Sie war bis 1341 eine Landeskirche (Eigenkirche). Der Landesherr sorgte für die Bestellung der Pfarrer und besoldete sie mit einem „Kirchengut“.
  • ...dass die Vorgängerkirche der Löhlbacher Kirche bereits vor dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) erbaut wurde? Bereits 1624 und 1625 wurde sie von den kaiserlichen und 1640 von den schwedischen Kriegsvölkern so verwüstet, dass sie zum Gottesdienst unbrauchbar wurden.

Heinz Brück, Löhlbach

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Aus HNA.de vom 12. Januar 2013: Löhlbacher Glocke tut seit 1472 ihren Dienst.
  2. Aus der HNA Frankenberger Allgemeine vom 12. Januar 2013

Weblinks