Kirche Ernsthausen

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Blick in den Chor. Foto: Klaus Jungheim (Copyright: HNA)

Die Kirche steht in Ernsthausen, ein Ortsteil der Gemeinde Burgwald im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Baustil

In farbiger Pracht, aber dennoch bäuerlich schlicht, leuchten Blumengebinde und Ranken aus den Kassettendecken unter der Empore. Der gesamte Kirchenraum, von den Türbeschlägen über die Fensterornamentik bis in die Ausmalung der Decke hinauf zeigt Schmuckformen des Jugendstils. Die Zeichen des Alten und Neuen Bundes, Zehn Gebote und Heiliges Abendmahl, stehen im Zentrum der Deckengemälde. Hell und freundlich bietet sich das relativ junge Gotteshaus im 700-jährigen Dorf Ernsthausen heute dem Besucher dar. Nur alte Fotos noch erinnern an die verschieferte, dreigeschossige Fachwerkkirche, im Inneren durch schwere Holzemporen beengt, die hier bis zu ihrem Abbruch 1911 gestanden hat.

Geschichte der Kirche

In farbiger Pracht, aber dennoch bäuerlich schlicht, leuchten Blumengebinde und Ranken aus den Kassettendecken unter der Empore.
Foto: Klaus Jungheim (Copyright: HNA)

Gedenkkränze an den Emporenschwellen, Läuteseile im Altarraum, ein einfacher Deckenleuchter und eine gedrehte Holzsäule gehörten damals zum Bild dieser typisch hessischen Dorfkirche. Am 19. Januar 1913 wurde der großzügige Neubau eingeweiht. Aber seine endgültige heutige Gestalt erhielt der Kirchenraum nach einer großen Renovierung 1965, als aus dem Altarraum die hölzernen Stände entfernt wurden. Einiges in der Ernsthäuser Kirche erinnert an die Vorgängerbauten: das barocke Kruzifix am Altar, das, wie Dr. Ulrich Stöhr jetzt heraus fand, schon einmal im Jahr 1642 wieder aufgerichtet worden ist, oder auch ein auffallend schöner Taufstein, der noch drei Jahre vor Ende des 30-jährigen Krieges gestiftet wurde. Eine Inschrift sagt, wer es damals war: "Dissen Daufstein hat Johan Nöllen disser Kirchen zum werdem Gedechnüs vereret 1645."

Ein Schmuckstück mit goldenen Schleiern im Prospekt ist die technisch mehrfach veränderte Dickel-Orgel, die in ihren ältesten Teilen von 1890 stammt. Während in der alten Fachwerkkirche die Kanzel noch hinter dem Altar gestanden hatte, rückte sie im Neubau dichter an die Gemeinde heran. Sowohl die prachtvolle Deckenbemalung wie auch einige Ausstattungsstücke verdankt die Ernsthäuser Kirche einer Stiftung des nach Amerika ausgewanderten Johannes Noll, der dort Rentier John Noll genannt wurde und anlässlich des Kirchenneubaus vor 90 Jahren eine Summe von 522 Mark spendete, wie K. Ulrich Schnell nachgewiesen hat. Eine Dankesurkunde in der Sakristei erinnert an den großzügigen Ernsthäuser Auswanderer.

700-Jahr-Feier von Ernsthausen

Zur 700-Jahr-Feier des Dorfes Ernsthausen im Jahr 2003 erschien ein Festbuch, in dem auch weitere Einzelheiten zur Geschichte des Gotteshauses und seiner Vorgängerkirchen enthalten sind. So fand sein Verfasser Dr. Ulrich Stöhr unter anderem heraus, dass im 16. Jahrhundert vom zuständigen Münchhäuser Pfarrer nur alle 14 Tage Wochenpredigt gehalten worden ist. Eine mutmaßliche Erbauung ihrer Kirchen scheinen die Ernsthäuser 1568 vorgenommen zu haben, doch dazu mehr in der fast fertig gestellten neuen Dorfchronik.

siehe auch

Weblinks und Quellen

HNA-Artikel von Karl-Hermann Völker (HNA-Serie: Unsere Kirchen)