Kirche Allendorf-Hardtberg

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Schon 1280 wurde von einer Kapelle oder Friedhofskapelle in Allendorf-Hardtberg geschrieben, doch erst im Jahre 1600 soll es in Allendorf ein Pfarrgut mit Wohnhaus, Scheune und Gärten gegeben haben.

Die heutige Kirche wurde wahrscheinlich 1738/39 erbaut, weil die Vorgängerin um 1720 wegen Baufälligkeit geschlossen bzw. abgebrochen werden musste. 1805 führte die Gemeinde Allendorf einen Prozess gegen Pfarrer Fenner von Geismar, weil er keine Predigt mehr in Allendorf halten wollte. Die blutigen Begleiterscheinungen der französischen Revolution (1789) hatten den Landgrafen Wilhelm IX. (ab 1803 Kurfürst) verschreckt. Er suchte diese neuen Ideen von seinem Lande fern zu halten. Presse und Buchhandel wurden der Zensur unterworfen, die Studentenzahl noch mehr eingeschränkt, um Lehre und Leben an den Universitäten besser überwachen zu können.

Die Zahl der Theologie-Kandidaten sank so stark, dass Pfarrer Fenner 1804 keinen als Hilfskraft bekommen konnte. Als dann noch der reformierte Konrektor zu Frankenberg wegen Krankheit ausfiel, stellte er die so genannten Akkordpredigten in den Dörfern ein. Die Gemeinde Allendorf beschwerte sich beim Konsistorium. Auf den Bericht des Pfarrers (weil kein Kandidat verfügbar) ordnete das Konsistorium an, dass die Akkordpredigten durch einen Assistenzpfarrer zu halten seien. Da ein solcher auch nicht zu haben war, blieb es bei den gelegentlichen Gottesdiensten zu Haubern und Dainrode. Die Gemeinde Allendorf sollte nach Dainrode gehen, Ellershausen nach Geismar kommen. Ein Rechtsstreit folgte. Die Sache erledigte sich schließlich später von selbst, als Pfarrer Fenner wieder Helfer bekommen konnte.

Im Liegenschaftsregister 1824 wird von einer Kirche mit einem Turm (Glocke) geschrieben. Die jetzige Glocke der Allendorfer Kirche stammt aus dem Jahre 1866, welches durch eine Inschrift belegt wird. Anno 1910 wurde in Allendorf der Bau einer sehr schönen neuen Kirche geplant. Die Zeichnung fertigte der Bautechniker August Melzer von Frankenberg an. Beigefügt war ebenfalls ein Lageplan mit dem vorgesehenen Standort der Kirche. Diese sollte demnach in Richtung Frankenau, im heutigen Neubaugebiet, unterhalb der geplanten Eisenbahnachse gebaut werden. Warum die Kirche nicht gebaut wurde, ist bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. 1955 nahm man an der heutigen Kirche Erweiterungs- und Instandsetzungsarbeiten vor. Mit dem Erweiterungsbau ist der jetzige Altarraum gemeint. Die Gesamtkosten lagen bei rund 14500 Mark. Von dieser Summe hat die (politische) Gemeinde 2754 Mark aufgebracht. 1182 Mark gingen an Spenden ein, und den Rest übernahm das Landeskirchenamt in Kassel anhand von Beihilfen und Darlehen.

1966 sollte für die Kirche ein neues Harmonium angeschafft werden. Hierzu lag ein Angebot vom Klavierbauer Wilhelm Meyer aus Korbach vor: Ein Gebrauchtes zum Preis von 900 Mark und ein Neues (sechs-spielig Saugluftsystem) zum Preis von 2500 Mark. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck konnte nicht dazu raten, eines dieser Harmonien zu kaufen, sie empfahl stattdessen eine Kleinorgel. So hat man sich entschlossen, den Bau einer Kleinorgel an Wolfgang Böttner, Orgelbaumeister von Frankenberg (einer von drei Anbietern), für 9700 Mark plus 4,1 Prozent Mehrwertsteuer = 10097 Mark zu vergeben. Finanziert wurde diese Kleinorgel von einem 4000- Mark-Zuschuss der Landeskirche in Kassel und von Spenden aus der Kirchengemeinde Allendorf. Einen neuen Taufstein für die evangelische Kirche in Allendorf-Hardtberg schuf der Battenberger Johann Adam Kahler im Sommer 2000. Es handelt sich um hellen Sandstein. Der Rohling kam aus einem Gebäude aus der näheren Umgebung.

Kahler hatte in Abstimmung mit dem Kirchenvorstand eine Vielzahl christlicher Symbole in den Stein gemeißelt. So unter anderem ein Kreuz, das Hauptsymbol der Christen; ein Schiff, welches als Sinnbild für die Lebensreise gilt; die Taube, die zur Taufe gehört, weil in ihr der Geist Gottes herab kam; Weinstock und Reben, die an Jesu Abendmahl erinnern sollen; das Wasser in seiner Bedeutung als Taufwasser. Der Einweihungszeremonie im August 2000 war die Trauung von Andreas und Iris Kessler vorausgegangen. Ihre Tochter Katharina wurde die erste mit dem neuen Taufstein geweihte Christin.


Von Horst und Anita Knoche, Elsbeth Kessler, Konrad Michel