Kinderkrankenhaus Park Schönfeld

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Der Deutsch-Evangelische Frauenbund - am 7. Juni 1899 in Kassel ins Leben gerufen - gründete das Kinderkrankenhaus Park Schönfeld.

Inzwischen hat die Holdinggesellschaft des Klinikums Kassel das Kinderkrankenhaus übernommen, das sich in seiner 100-jährigen Geschichte zu einer führenden Kinderfachklinik über die Grenzen von Kassel hinaus entwickelt hat.


Geschichte

  • Im August 2010 gab das Kinderkrankenhaus bekannt, dass die Ambulanzen ihre Arbeit aus Kostengründen einschränken. [1]

Das Kinderkrankenhaus Park Schönfeld in Kassel hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1909 von einem Kinderheim zu einer führenden Fachklinik für Kinder und Jugendliche mit überregionaler Bedeutung entwickelt. Ende September wird das 100-jährige Bestehen gefeiert.

Die Zeiten waren in den einhundert Jahren nie einfach für das Kinderkrankenhaus Park Schönfeld. Dennoch gelang es den Verantwortlichen mit großem persönlichen Einsatz, die Klinik trotz kriegsbedingter Rückschläge kontinuierlich zu einer hochspezialisierten Einrichtung auszubauen, in der die Eltern aus Nordhessen und angrenzenden Regionen ihre kranken Kinder stets bestens versorgt wussten.

Neubau in der Frankfurter Straße
Im Jahr 1906 eröffnete der Deutsche Evangelische Frauenbund in der Kasseler Spohrstraße ein Kinderheim, das schon bald aus allen Nähten platzte. Man entschloss sich zu einem Neubau, für den die Stadt Kassel ein Grundstück in der Frankfurter Straße am Park Schönfeld zur Verfügung stellte. Der Deutsche Evangelische Frauenbund brachte für den Neubau 61 000 Goldmark auf - ein Drittel der Baukosten. Im Jahr 1909 erfolgte der Umzug in das neue Gebäude.

Das Kinderheim diente "zur Aufnahme solcher Säuglinge, denen die Mütter keine Häuslichkeit bieten können und außerdem zur Aufnahme erkrankter Säuglinge, die vorübergehend Anstaltspflege bedürfen, und zwar ohne Unterschied der Legitimität und Konfession", schrieb der erste Chefarzt, der Kinderarzt Dr. Felix Blumenfeld.

In den Folgejahren stieg die Zahl kranker Kinder, die in dem Kinderheim gepflegt und behandelt wurden, ständig an, sodass sich die Einrichtung immer mehr zu einem Kinderkrankenhaus entwickelte. Dies wird auch daran deutlich, dass Dr. Blumenfeld dort schon früh Schwesternunterricht erteilte. Im Jahr 1917 erhielt die Säuglingspflegeschule als eine der ersten im Deutschen Reich die staatliche Anerkennung. Im Jahr 1928 bekam das Kinderkrankenhaus einen ersten Erweiterungsbau mit einer kinderchirurgischen Station. Damals entstand auch die Loggia vor den Patientenzimmern.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 erhielt Dr. Blumenfeld als Jude Berufsverbot, wurde schikaniert und gequält. Er musste im Straßenbau und als Schrottsammler arbeiten und wählte 1942 den Freitod, um der Deportation zu entgehen. In Kassel-Harleshausen ist eine Straße ihm zu Ehren benannt.

Aufrechterhaltung der Versorgung
Ein zweiter Erweiterungsbau wurde im Jahr 1937 vollendet. Im Zweiten Weltkrieg mussten Ärzte und Schwestern große Anstrengungen unternehmen, um die Versorgung der jungen Patienten aufrechtzuerhalten. Wegen der zu befürchtenden nächtlichen Bombenangriffe brachten die Schwestern die Kinder jeden Abend in den Luftschutzkeller des Krankenhauses oder mit einem Sonderwagen der Straßenbahn in den Felsenbunker am Weinberg. Beim schweren Luftangriff am 22. Oktober 1943 wurde das Gebäude mitsamt Einrichtung so stark beschädigt, dass der Krankenhausbetrieb ins Knappschaftskrankenhaus nach Bad Karlshafen-Helmarshausen verlagert werden musste.

Wiederaufbau
Nach dem Krieg galt es, Material, Handwerker und Geld für den Wiederaufbau zu beschaffen - ein äußerst schwieriges Unterfangen. Dank unermüdlichen Einsatzes aller Beteiligten konnte 1948 die Rückübersiedlung von Helmarshausen nach Kassel abgeschlossen werden, wo nun 150 Betten im Kinderkrankenhaus zur Verfügung standen. Die Bautätigkeit setzte sich in den folgenden Jahrzehnten fort.

Die lange erfolgreich als Belegabteilung geführte Kinderchirurgie konnte im Jahr 1975 in eine eigenständige kinderchirurgische Abteilung umgewandelt werden. Gleichzeitig wurde die Kinderanästhesie als eigene Abteilung eingerichtet. Seit den 70er-Jahren gehörten auch eine eigenständige Kinderradiologie und Krankengymnastikabteilung zum Kinderkrankenhaus. In den 80er-Jahren wurde unter anderem der Operationsbereich erweitert, in den 90er-Jahren der Hubschrauberlandeplatz eingerichtet, die chirurgische Ambulanz angebaut und die Intensiv- und Frühgeborenenstation mit der Schwerbrandverletzten-Einheit neu gebaut. Eine weitere Ausweitung des Leistungsspektrums erfolgte schließlich mit der Frührehabilitation für schwer schädel-hirn-geschädigte Kinder sowie der psychosomatischen Station.

Vorreiter in Hessen
"Mit unseren verschiedenen Spezialeinrichtungen haben wir, wie in der Vergangenheit, mehrfach als Vorreiter in Hessen neue Wege beschritten", betont der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Friedrich K. Tegtmeyer. "Durch die zunehmende Spezialisierung in der Kindermedizin mussten und müssen wir unsere medizinischen und pflegerischen Kompetenzen ständig erweitern, um den Kindern eine ganzheitliche Versorgung auf dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft zu ermöglichen."

In finanziell zunehmend schwierigeren Zeiten für die Krankenhäuser in Deutschland gab es seit Ende der 90er-Jahre Gespräche über eine Zusammenarbeit des Kinderkrankenhauses Park Schönfeld mit der Kinderklinik im Klinikum Kassel und den Bau einer gemeinsamen Kinderklinik.

Zusammenlegung im Jahr 2011 geplant
Im Jahr 2003 übergab der Evangelische Frauenbund das Kinderkrankenhaus Park Schönfeld an das Klinikum Kassel. Seitdem stehen die beiden Kinderkliniken in Kassel unter gemeinsamer ärztlicher Leitung und sind inzwischen auch auf organisatorischer Ebene zusammengefasst. Die räumliche Vereinigung wird nach den Worten von Klinikum-Geschäftsführer Wolfgang Schwarz 2011 erfolgen, wenn das Kinderkrankenhaus Park Schönfeld, die Kinderklinik des Klinikums und die Frauenklinik des Klinikums den gemeinsamen Neubau an der Mönchebergstraße beziehen. "Dann wird unser Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin zu den größten und modernsten Einrichtungen in Deutschland gehören." (nh)

aus: HNA-online vom 23.09.09

Park Schönfeld: Noch kein Käufer in Sicht

Das ehemalige Kinderkrankenhaus Park Schönfeld an der Frankfurter Straße steht im Jahr 2013 noch immer zum Verkauf. Die Verhandlungen mit einem Interessenten, die eigentlich Ende 2012 zum Abschluss kommen sollten, sind offenbar geplatzt.[1]

  • 2014: Das ehemalige Kinderkrankenhaus ist verkauft. Das Gebäude wurde von der Firma Vinber gekauft, die bereits mehrere Flüchtlingsunterkünfte in Kassel betreiben. Anfang 2015 sollen in das ehemalige Schwesternheim 150 Plätze für Flüchtling geschaffen werden.[2]

siehe auch

Artikel

Aus der HNA vom 11.08.2010: Kinderkrankenhaus: Nur Notfälle kommen dran

Weblinks

Quellen und Links

  1. Aus HNA.de vom 29. Januar 2013: Park Schönfeld: Noch kein Käufer in Sicht.
  2. [Aus der HNA vom 25. Oktober 2015: Kinderklinik ist verkauft.]