Kilianstraße (Korbach)

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Ein Märtyrer gab ihr den Namen

Nach dem Bischof und Märtyrer Kilian wurde die Korbacher Kilianstraße benannt. Alle Häuser entstanden nach den Stadtbrand von 1664. Die Kilianstraße verbindet die Tränkestraße mit der Stechbahn. Treffender könnte man die steile Altstadtstraße als Gasse bezeichnen. Ihren Namen verdankt sie der Tatsache, dass sie nördlich der Kilianskirche über den früheren Altstädter Kirchhof führt. Kilianstraße heißt sie erst seit Beginn des vorigen Jahrhunderts. Was man sich damals dabei gedacht hat, die Häuser Nr. 5,6 und 8 der Kilianstraße und nicht dem Kirchplatz zuzuordnen, kann heute kaum noch nachvollzogen werden. Alle Häuser entstanden nach dem Stadtbrand von 1664. Das Grundstück Kilianstraße Nr. l wurde 1670 von Schneider Henricus Grebe bebaut. Er starb bereits 1674 durch Sturz in einen Brunnen. Das heutige Haus entstand 1766. Erbauer war Schuhmachermeister Johannes Henrich Schüngel aus Basdorf. Das Haus Nr. 3 erbaute 1700 Johannes Range, Pfarrer in Neukirchen, Sohn des Bürgermeisters Heinrich Range. Es wurde 1955 total renoviert. Das Altstädter Pfarrhaus, Kilianstraße 5, wurde 1898/99 erbaut. Das alte Pfarrhaus war ein Jahr zuvor abgerissen worden. Erster Bewohner des neuen Hauses war Pfarrer August Koch, der Dichter des Waldecker Liedes. Heute befinden sich dort das Dekanat des Kirchenkreises des Eisenbergs, das Rentamt, das Gemeindeamt und weitere Einrichtungen der evangelischen Kirche.

Auf einer Brandstätte entstand 1671 das von Berthold Rogge aus Rhoden erbaute Haus Nr. 2. Er war über 30 Jahre Stadtmusikant. Die Hausinschrift auf dem Quergebälk lautet: Wen ich, Herr, Nuhr dich mag haben, so frage ich nichtes nach Himmel und Erde. Wen schon Leib und Seel verschmacht, so bistu doch, Gott, allezeit meines Hertzens Trost. Psalm LXXIII" Und über dem Türsturz: Stadtmusikus Roggen, Maria Gertrut seine eheliche Hausfrau haben vermittels göttlicher Hulf und Segen dies Haus erbauen lassen im Jahre 1671 den 10. Julii. Werner Dittmar, langjähriger Küster der Kilianskirche, kaufte das Haus l963. Es war zuvor 130 Jahre lang im Besitz der Familie Bange gewesen. Der Bau des Hauses Nr. 4 wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Jost Seiler begonnen. Er war Rentmeister und Schultheiß der Herrschaft Itter. 1830 erwarb es Caroline Curtze, Witwe des Pfarrers Johann Christian Curtze und Mutter der Heimatforscher Ludwig und Carl Curtze. Dr. Ludwig (Louis) Curtze, Lehrer am Gymnasium, übernahm das Anwesen 1854. Durch Heirat seiner ältesten Tochter Maria mit Professor Friedrich Waldschmidt kam das Haus in Waldschmidtschen Besitz. Die Geschwister Waldschmidt, zu denen der Amtsrichter und spätere Präsident der Waldeckischen Landesvertretung (1919-1929), Oswald Waldschmidt, gehörte, verkauften das Haus an den Landwirt Karl Grebe. Nach einem weiteren Verkauf wurde es abgerissen. Dort entstand das heutige Mehrfamilienhaus. Das Haus Nr. 6 gehörte zum Anwesen Tempel 5 (Synagoge und Judenschule). 1904 kaufte es Ludwig Löwenstein aus Breuna und stockte es auf. Ab 1947 war Emilie Löwenstein, die Betreiberin des Kinos Central-Theater, Besitzerin. Das Haus wurde ebenfalls Ende der siebziger Jahre abgerissen. Hier entstand 1980 das Gemeindehaus der Kiliangemeinde. Das Haus Nr. 8 ist eins der kleinsten Häuser in der Altstadt. Robert Kleta wurde durch Einheirat 1953 Besitzer des Hauses, das heute seinem Sohn Waldemar gehört. Zum Hessentag 1997 ließ die Familie das schmucke Häuschen liebevoll renovieren. Märtyrer Kilian in Korbach verehrt Kilian war Missionar der Franken. Er wirkte zur Merowingerzeit am Main und war der erste Bischof von Würzburg. Zusammen mit zwei Gefährten wurde er 689 in Würzburg hingerichtet. Seine Gebeine ruhen im dortigen Dom. Korbach war einst ein bedeutender Ort im Ittergau. Der Ittergau gehörte nur kurz zum Bistum Würzburg, nämlich von 777 bis etwa 800. Dann wurde er dem neuen Bistum Paderborn zugeschlagen. Die kurze Zugehörigkeit zum Bistum Würzburg hatte genügt, den Märtyrer Kilian als Heiligen in Korbach zu großer Ehre gelangen zu lassen. Er wurde Schutzpatron der Kirche in der Altstadt.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.