Kettengasse

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kartenspiele statt Ketten

Die Kettengasse war einer der engsten Winkel der Altstadt

Sie ziehen vor unserem geistigen Auge vorbei: gebeugte Gestalten, die auf dem Weg durch eine enge Gasse mit ihren Ketten rasseln. Falsch gedacht. Von in Ketten gelegten Gefangenen ist in der Kettengasse nichts bekannt. Seinen Namen verdankt dieser Altstadtwinkel der Tatsache, dass die Gasse bis ins 19. Jahrhundert hinein als oberste Fuldagasse mit Zugang zur Brücke durch Ketten, die an den Eckhäusern der Brüderstraße befestigt waren, abgesperrt werden konnte. Ein Zolldirektor namens Worringer hat diese Ketten um 1876 noch gesehen. Später waren sie verschwunden.

Die Kettengasse, die bis 1867 Brüderstraße hieß und erst 1877 ihren heutigen Namen bekam, war eine der längeren Gassen in der Kasseler Altstadt. Sie führte vor ihrer Zerstörung im Krieg von der Wildemannsgasse über die Brüderstraße hinweg, an der unteren Fuldagasse vorbei und durch einen Torbogen hinunter bis zur Schlagd. Ähnlich wie das Seidene Strümpfchen war auch sie ein Schlupfgässchen des alten Kassel im Areal hinter Renthof und Brüderkirche, zwischen Brüderstraße und Fulda sowie Renthof und Fundus. Und via Treppe auch Verbindung zwischen Turmgasse und Oberster Gasse. Heute misst sie noch knapp 100 Meter und reicht von der Brüderstraße bis zur Schlagd. Im alten Kassel erzählte man sich die Geschichte, dass die Bewohner gegenüberliegender Häuser im obersten Geschoss auf einem von Fenster zu Fenster über die Straße gelegten Brett miteinander Karten gespielt haben. Gar nicht so unwahrscheinlich, denn die Kettengasse soll eine der engsten Gassen der Altstadt gewesen sein. Eine finstere Straßenschlucht ohne Bürgersteige, in der sich die hohen Häuser mit weit überragenden Geschossen oben fast berührt oder wenigstens bis auf 30, vielleicht 40 Zentimeter genähert haben.

In alten Adressbüchern sind nur vier, später fünf Häuser in der Kettengasse verzeichnet. Und das liegt nicht daran, dass die linke Seite der oberen Kettengasse schon 1936 beim Durchbruch der Freiheit niedergerissen wurde. Sondern daran, dass die beiden Eckhäuser an der Wildemannsgasse und vier Bauten an der Brüderstraße mitsamt Nebengebäuden zwar weit in die Kettengasse hineinragten, ihr aber postalisch nicht zugeordnet wurden. Ebenso der Kapitelsaal der Brüderkirche, der trotz Zugang von der Kettengasse als Seitenflügel des Kisselbachschen Hauses an der Brüderstraße galt.

Netzverweise

Kettengasse im KasselWiki