Kelzer Hugenottenkirche

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Kelze - Hugenottenkirche
Portal der Hugenottenkirche
Hugenottenkirche - Innenansicht
Hugenottenkirche - Orgelempore

Am ersten Juli-Wochenende 2009 feierte Kelze mit viel kirchlicher Prominenz das 300-jährige Bestehen der Hugenottenkirche. Die Kirche von Kelze wurde als Fachwerkkirche zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet und am 4. August 1709 von Pfarrer David Clément eingeweiht. Das Thema seiner Predigt war "La glorie du temple de Dieu" (der Ruhm des Hauses Gottes).

Zum Eingangsportal der in Saalbauweise errichteten Kirche führt eine kleine Freitreppe.

Der Querbalken über dem Eingang ist - anders als etwa bei der Hugenottenkirche im nahegelegenen Carlsdorf - mit keiner aufwendigen Inschrift versehen. Hier sind lediglich die Buchstaben CLZH (d. h. Carl Landgraf zu Hessen) und die Jahreszahl 1707 (offenbar das Jahr des Richtfestes) zu lesen. Auf der Kirche befindet sich ein achteckiger Dachreiter mit schiefergedeckter Haube.

Von der Anlage und vom Grundriß her erinnert die Kirche an die Hugenottenkirche in dem nicht weit entfernten Hugenottendorf Schöneberg, die ebenfalls als zweigeschossiger Fachwerkständerbau errichtet wurde. Wie in Schöneberg befindet sich auch in Kelze eine Uhr an der Giebelseite der Kirche.

Die Chronik von Kelze berichtet von Großbränden in den Jahren 1868, 1875, 1903 und 1904, denen die kleine Kirche aus den Gründerjahren des Dorfes stets getrotzt hat.

Geschichte

Landgraf Carl von Hessen-Cassel siedelte im 17. Jahrhundert auch in der Umgebung der Stadt Hofgeismar französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) an, die nach dem Edikt von Fontainebleau und der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Viele waren zunächst in die benachbarte Schweiz geflohen. Ebenso fanden in der Landgrafschaft Hessen-Kassel "Réfugiés" (Flüchtlinge) eine neue Heimat, die 1698 auf Befehl Ludwig XIV. aus Frankreich vertrieben worden waren.

Kelze entstand ab dem Jahre 1699 im Anschluss an diese zweite Ausweisung von französischen Glaubensflüchtlingen an der Stelle eines ehemaligen mittelalterlichen Dorfes, das unter der Bezeichnung Oberkelze bereits 1146 urkundlich erwähnt wird. Die Flüchtlinge kamen nicht mehr unmittelbar aus Frankreich, sondern hatten auf ihrer Flucht nach 1685 zunächst in der Schweiz Aufnahme gefunden.

Kelze entstand als neues Dorf in Kreuzform. Im Mittelpunkt des Dorfs lagen die Kirche und gegenüber die Schule, wo lange noch in französischer Sprache gebetet und unterrichtet wurde.

Erst im Jahre 1822 wurde der Sonderstatus der ehemaligen "Franzosen-Dörfer" durch landgräfliche Verordnung gänzlich aufgehoben. Manche Tradition hat sich aber bis heute erhalten. Und auch der Landgasthof im Ortskern von Kelze knüpft an die hugenottische Tradition des Ortes an.

Literatur

  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Bad Karlshafen 1992, S. 48 ff.
  • Jochen Desel, Französische Dörfer - deutsche Zuwanderer 1669 - 1779: 300 Jahre Kelze und Schöneberg, Band II, Hofgeismar 1999

siehe auch

Weblinks