Kelze

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Kelze
Kelze-Hugenottenkirche3.JPG
Die Hugenottenkirche in Kelze

Kelze ist ein Stadtteil von Hofgeismar mit etwa 300 Einwohnern.

Die Straßen des Dorfes wurden ursprünglich kreuzförmig angelegt mit der Hugenotten-Kirche in der Dorfmitte.

Geografie

Kelze liegt im Landkreis Kassel in Nordhessen und etwa 2 km von der Bundesstraße B 83 entfernt.

Der südlichste Stadtteil von Hofgeismar liegt etwa 4 km von der Kernstadt entfernt. Zur Großstadt Kassel im Süden sind es etwa 25 km.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Landgraf Carl von Hessen-Cassel siedelte im 17. Jahrhundert auch in der Umgebung der Stadt Hofgeismar französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) an, die nach dem Edikt von Fontainebleau und der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Viele waren zunächst in die benachbarte Schweiz geflohen. Ebenso fanden in der Landgrafschaft Hessen-Kassel "Réfugiés" (Flüchtlinge) eine neue Heimat, die 1698 auf Befehl Ludwig XIV. aus Frankreich vertrieben worden waren.

Kelze – Kirche und Gasthaus

Kelze entstand ab dem Jahre 1699 im Anschluss an diese zweite Ausweisung von französischen Glaubensflüchtlingen an der Stelle eines ehemaligen mittelalterlichen Dorfes, das unter der Bezeichnung Oberkelze bereits 1146 urkundlich erwähnt wird. Die Flüchtlinge kamen nicht mehr unmittelbar aus Frankreich, sondern hatten auf ihrer Flucht nach 1685 zunächst in der Schweiz Aufnahme gefunden.

In Kelze fanden auch ehemalige Bewohner aus der heutigen Partnergemeinde Maringues und aus Orpierre (in den französischen Alpen, heute Département Hautes-Alpes) eine neue Heimat, darunter die Familien Avon, Bouchard, Morel(l) oder Maigre. (siehe dazu auch: Wikipedia - Eintrag über Orpierre)

Die Brigade Pierre Maigre war mit insgesamt 137 Flüchtlingen zunächst nach Wolfhagen und von dort nach Hofgeismar gekommen.

Nahe der Stadt Hofgeismar entstand in Kelze ein neues Dorf in Kreuzform und im Mittelpunkt des Dorfs die Kirche und gegenüber die Schule, wo lange noch in französischer Sprache gebetet und unterrichtet wurde.

Achtzig Jahre nach der Gründung des Orts fand im Jahre 1779 eine Volkszählung statt. In Kelze wurden seinerzeit 131 Personen in 36 Haushalten erfasst, davon waren noch 22 Haushalte rein französisch und bei weiteren 8 Haushalten war noch ein Ehepartner französischer Abstammung.

Die Dorfbewohner waren in der Landwirtschaft tätig; bei einigen wurden Nebenberufe wie Strumpfwirker, Schumacher oder Weber erfasst. Die Zahl der Einwohner hatte sich seit der Neugründung nicht wesentlich verändert, was durch die damals hohe Kindersterblichkeit verständlich wird. Zudem hatten sich einige Nachkommen aus den Hugenotten-Siedlungen in Kelze, Schöneberg und Gewissenruh inzwischen in der neu gegründeten Siedlung Friedrichsdorf am Wattberg niedergelassen.

Erst im Jahre 1822 wurde der Sonderstatus der ehemaligen "Franzosen-Dörfer" durch landgräfliche Verordnung gänzlich aufgehoben. Manche Tradition hat sich aber bis heute erhalten. Und auch der Landgasthof im Ortskern von Kelze knüpft an die hugenottische Tradition des Ortes an.

Bis heute wird beispielsweise das Fest der Kelzer Mayence am ersten Sonntag im Mai begangen, ein Kinderfest aus den Gründerjahren des Hugenottendorfs.

Nach einer Überlieferung soll bei der Flucht der Kelzer Hugenotten aus Frankreich ein kleines Mädchen verloren gegangenen sein, das erst von einer nachfolgenden Kolonne gefunden und den dankbaren Eltern zurückgebracht wurde.

Kelze von oben
Landschaft bei Kelze

In einem Beitrag des ehemaligen Hofgeismarer Dekans Jochen Desel im Kasseler Sonntagsblatt vom 18. Juli 1999 heißt es zu den Anfangszeiten der Hugenottenkolonie:

"Es waren überwiegend Waldenser aus den savoyischen Alpentälern bei Torre Pellice und Hugenotten, die ihre südfranzösische Heimat schon 1686 nach der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes verlassen hatten, die 1699 als "verspätete Hugenotten" nach Hessen kamen. Beide Gruppen hatten zunächst in der benachbarten Schweiz Asyl gesucht und auch gefunden. 1698 waren die schweizerischen Kantone nicht mehr bereit, die immer zahlreicher einwandernden französischen Réfugiés in ihrer Gesamtzahl zu behalten. Ein Teil von ihnen - vor allem die mittellosen Waldenser - wurde ausgewiesen und mußten das Land wieder verlassen.

Um ihre geplante Einbürgerung in Deutschland zu erleichtern, zahlten die Schweizer und die Niederländer beträchtliche Summen an die aufnahmewilligen deutschen Fürsten. Auch Landgraf Carl von Hessen erhielt Hilfszahlungen, weil er nach anfänglichem Zögern seine Bereitschaft zur Ansiedlung einer zweiten Flüchtlingswelle der Réfugiés in Hessen-Kassel erklärte. Die für Hessen bestimmten Glaubensflüchtlinge schlossen sich im Sommer 1699 in der Schweiz zu sogenannten Brigaden zusammen, um gemeinsam nach Deutschland zu reisen. Schweren Herzens verließen sie die Schweiz, eine ungewisse Zukunft vor Augen. Sie bestiegen in Bern und in anderen Schweizer Städten Schiffe, mit denen sie auf der Aare und dem Rhein über Basel bis Gernsheim fuhren. Von dort zogen sie über Frankfurt und Marburg auf dem Landweg weiter in das nördliche Hessen.

>siehe auch: Weitere Informationen zur Gründung von Kelze

Schon in den frühen 1930-er Jahren erfuhr der Nationalsozialismus in Kelze großen Zuspruch, auch durch die am Ort ansässige Gastwirtsfamilie. Bereits im Jahre 1931 wurde aus Kelze von antidemokratischen und republikfeindlichen Gewalttaten gegen republiktreue Einwohner berichtet.

Ende der 1930-er Jahre erhielt der Ort ein neues Schulhaus, in dem die Kinder bis 1967 unterrichtet wurden, bevor sie dann Schulen in Hofgeismar besuchten.

Im Zuge der hessischen Gebietsreform verlor die Landgemeinde Kelze ihre Selbständigkeit und wurde zum 1. Februar 1971 ein Stadtteil von Hofgeismar.

Im Jahre 1999 feierten die Bewohnerinnen und Bewohner das 300-jährige Bestehen des Orts.

Auf die inzwischen mehr als 50-jährige Geschichte des Kelzer Waldschwimmbads schaute der Ort im Jahre 2009 zurück. Passend zum Jubiläum luden die Kelzer zu einer 50er-Jahre-Party ein.

Literatur

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 158 ff.
  • Berndt, Gabriele: 300 Jahre Hugenottendorf Kelze 1699 - 1999 : ... wie lebten sie damals; ... wie leben wir heute.
  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Bad Karlshafen 1992, S. 48 ff.
  • Jochen Desel, Französische Dörfer - deutsche Zuwanderer 1669 - 1779: 300 Jahre Kelze und Schöneberg, Band II, Hofgeismar 1999
  • Michael Schmitt, „Ein Republikaner auf Vorposten: Eine politische Auseinandersetzung im Landkreis Hofgeismar am Ende der Weimarer Republik - Dargestellt an einem Vorfall in der Gemeinde Kelze“, in Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Band 100, Kassel 1995

Galerie

Partnerschaft

Im Jahre 2009 schaute Kelze auf eine 25-jährige Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Maringues zurück.

Partnerschaft wurde 25

Delegation aus Maringues kam zum Jubiläum und besuchte Kelze

Kelze/ Maringues. "Aus dem feindlichen Gegeneinander der Großväter, dem gleichgültigen Nebeneinader der Väter, ist ein herzliches Miteinander der Söhne geworden." Mit seinem eigenen Zitat bringt Bürgermeister Henner Sattler die nunmehr 25-jährige Partnerschaft zwischen Kelze und Maringues auf den Punkt.

Mit einem feierlichen Akt haben am Samstag Delegationen aus Maringues, Kelze und Hofgeismar dieses Jubiläums gedacht. Unter der Kastanie, die seinerzeit auf einer abenteuerlichen Reise aus der Auvergne in das Hugenottendorf gebracht worden war, unterzeichneten Gerard Sanciaut als Vertreter des Bürgermeisters von Maringues, Kelzes Ortsvorsteher Reinhold Jäger und Bürgermeister Sattler die Urkunden. Der Transport des Baumes hat tatsächlich viel gemeinsam mit der französisch-deutschen Beziehung: Auch die Pflanze war unterwegs verloren gegangen und gedeiht nun prächtig.

Sattler bezeichnete in seiner Ansprache den zwei Jahre dauernden Briefwechsel vom März 1982 - initiiert vom früheren Bürgermeister Willi Croll - bis zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im Juli 1984 als "Verlobungszeit" und hob die Einzigartigkeit dieser Verbindung hervor: Nachgewiesenermaßen liegen die historischen Ursprünge Kelzes tatsächlich in Maringues. Besonders berührte die Teilnehmer die Anwesenheit Iréne Condats, die einst mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann Francois "unermüdlich an den Nachweisen unserer Verwandschaft" (Sattler) gearbeitet hat und Urheberin der Partnerschaft ist. Bei den Beteiligten war die Freude über das Wiedersehen und das Jubiläum deutlich spürbar. … (xc)

aus: HNA-online vom 14.06.2009

Persönlichkeiten

  • August Voßmer, letzter Bürgermeister der ehemals selbständigen Gemeinde Kelze

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten am Ort

Kelze - Ortsansicht

Die Fachwerkkirche des in Kreuzform angelegten Ortes Kelze wurde am 4. August 1709 von Pfarrer David Clément eingeweiht. Das Thema seiner Predigt war "La glorie du temple de Dieu" (der Ruhm des Hauses Gottes).

Zum Eingangsportal der in Saalbauweise errichteten Kirche führt eine kleine Freitreppe.

Der Querbalken über dem Eingang ist - anders als etwa in Carlsdorf - mit keiner aufwendigen Inschrift versehen. Hier sind lediglich die Buchstaben CLZH (d. h. Carl Landgraf zu Hessen) und die Jahreszahl 1707 (offenbar das Jahr des Richtfestes) zu lesen. Auf der Kirche befindet sich ein sechseckiger Dachreiter mit schiefergedeckter Haube.

Von der Anlage und vom Grundriss her erinnert die Kirche an die Hugenottenkirche in Schöneberg, die ebenfalls als zweigeschossiger Fachwerkständerbau errichtet wurde. Wie in Schöneberg befindet sich auch in Kelze eine Uhr an der Giebelseite der Kirche.

Portal der Hugenottenkirche
Hugenottenkirche - Innenansicht
Hugenottenkirche - Orgelempore

Die Kirchengemeinde in Kelze blieb bis zum Jahre 1822 - im Verbund mit Friedrichsdorf - eine eigenständige Gemeinde der ehemals französischen Kolonisten.

Als letzter französischer Pfarrer am Ort wirkte Jean Philippe Theobald (bis zum Jahre 1820), anschließend noch vorübergehend Jean Daniel Moutoux aus der Gemeinde Mariendorf, bevor am 14. Februar 1822 der deutsche Pfarrer der Altstädter Kirche in Hofgeismar, Johann Christoph Runge, die kirchlichen Aufgaben auch in den "Kolonien" übernahm.

Die Chronik von Kelze berichtet von Großbränden in den Jahren 1868, 1875, 1903 und 1904, denen die kleine Kirche aus den Gründerjahren des Dorfes stets getrotzt hat.

> Weitere Informationen zur Kelzer Kirche

Der Maringueser Platz entstand anlässlich der 300-Jahr-Feier von Kelze gegenüber der Kirche und ist ein Zeichen der Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Maringues.

Hier, im Ortskern von Kelze befindet sich auch in einem ehemaligen Bauernhof ein Ausstellungsraum, wo regelmäßig Arbeiten der Künstlerin Monika Bodenmüller ausgestellt werden.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

siehe auch

Tradition und Bräuche

  • Der Karneval am Aschermittwoch erinnert ebenso wie das Mayencefest am ersten Maisonntag bis heute an die Volksbräuche der ursprünglich französischen Bewohner von Kelze, die hier ab 1699 eine neue Heimat fanden.

> Weitere Informationen zu Kelzer Bräuchen

Vereine

Wandern

Ehem. Bauernhaus am Maringueser Platz gegenüber der Hugenottenkirche

Hugenotten- und Waldenserpfad

Die Route des ca. 1800 Kilometer langen Kulturwanderwegs führt von Südfrankreich über Italien und die Schweiz nach Südwestdeutschland und weiter bis nach Bad Karlshafen in Nordhessen. Verbindendes Element ist die Geschichte der Hugenotten und Waldenser, die als französische Protestanten Ende des 17. Jahrhunderts ihr Heimatland Frankreich aus Glaubensgründen verlassen mussten.

In Nordhessen verläuft der Pfad durch den Burgwald, den Kellerwald und das nordhessische Bergland.

Er verläuft im Bereich der Eder über Wiesenfeld und Louisendorf, weiter über Leckringhausen nach Hofgeismar (mit den Dörfern Carlsdorf, Friedrichsdorf, Kelze und Schöneberg) und über Gottstreu und Gewissenruh nach Bad Karlshafen.

Märchenlandweg

Etappe 24 des Märchenlandwegs verläuft von Grebenstein über Kelze nach Hofgeismar (etwa 3 h) | Link

Weblinks

Das Freibad in Kelze