Kaufhaus Tietz

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1911 eröffnete der Stralsunder Kaufmann Leonhard Tietz am Kasseler Opernplatz die 14. Fililae seines Warenhaus-Imperiums. Dort war das alte Casseler Hoftheater abgerissen worden, nachdem ein neuer Theaterbau am unteren Ende des Friedrichsplatzes errichtet worden war. Am früheren Treffpunkt der Schauspiel- und Operngänger erhob sich nun ein wuchtiger Konsumtempel aus Sandstein und erstaunte die Kasseler der Kaiserzeit. Auch Schöngeister bekamen weiterhin etwas geboten: „Man beachte unsere künstlerischen Schaufenster-Dekorationen“, hieß es in einem Inserat zur Eröffnung des Warenhauses Tietz am 5. Oktober 1911.

Der Ansturm auf das neue Warenangebot war so groß, dass drei Tage später sämtliche Einkäufer ausrücken mussten, um neue Artikel zu beschaffen. 1927 erhielt das Haus eine aus 2000 Glühbirnen bestehende Konturenbeleuchtung, die man noch aus den umliegenden Ortschaften erkennen konnte. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde die jüdische Kaufmannsdynastie Tietz gezwungen, ihren Besitz weit unter Wert zu veräußern. Nachfolger in Kassel wurde die Westdeutsche Kaufhof AG. Die Leonard Tietz AG hatte bis zur Enteignung unter anderem Häuser in Köln, Aachen, Wuppertal und am Stammsitz in Stralsund. Die Familie, zu der auch Hertie-Gründer Hermann Tietz gehörte, emigrierte. Sie wurde nach dem Krieg mit fünf Millionen D-Mark entschädigt.

Geschichte

Im Jahre 1905 bildete sich in Kassel und Berlin ein Konsortium für die Vermarktung des alten Theatergrundstücks. Die letzte Vorstellung im alten Theater fand am 14. Juni 1909 statt: Spohrs Oper Jessonda erinnerte ein letztes Mal an die große Glanzzeit des Hauses.

Das Areal wurde vertragsgemäß aufgeteilt und verkauft. Die Opernstraße wurde zur Erschließung der neuen Grundstücke angelegt und durch die Architekten des neuen Theaters, Anton Karst und Hans Fanghänel, bebaut. Diese errichteten auch das neue Warenhaus, um es dann an die Kölner Leonhard Tietz AG weiter zu verkaufen.

Tietz hatte 1879 ein Textilgeschäft in Stralsund eröffnet. 1882 folgte eine Filiale in Elberfeld (heute Teil Wuppertals, ein altes Zentrum deutscher Textilherstellung), und 1885 bildete sie den Grundstock für ein großes Warenhaus nach französischem Vorbild. 1891 wurde der Unternehmenssitz von Elberfeld nach Köln verlegt, 1905 die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nach der „Arisierung“ 1933 änderte man den Namen in „Westdeutsche Kaufhof AG (vorm. Leonhard Tietz AG)“, bis 1936 auch der Namenszusatz entfiel.

Das Kasseler Warenhaus brannte beim Großangriff 1943 vollständig aus, konnte auf Grund seiner soliden Bauweise aber bald wieder nutzbar gemacht werden. Schon 1945 richtete Georg Reiß (vgl. Station 5) eine große Gaststätte in dem Gebäude ein, in der sogar das Orchester des Staatstheaters auftreten konnte. 1955 erfolgte schließlich der Abbruch zugunsten eines Neubaus.

Neubau und Erweiterung

In Kassels schwerster Bombennacht am 22. Oktober 1943 brannte das Kaufhaus vollkommen aus, aber noch während der letzten Kriegsjahre ging der Verkaufsbetrieb notdürftig in enttrümmerten Teilbereichen weiter. Zehn Jahre später entschied der Konzern, das Haus zugunsten eines Neubaus abzureißen. Während der Abriss- und Bauarbeiten lief der Verkauf in einer Behelfs-Baracke auf dem Opernplatz. Der 1955 fertiggestellte Kaufhof wies neben den neuen Rolltreppen als Besonderheit einen Autolift auf, der Fahrzeuge auf einen Dachparkplatz beförderte.

1964 konnte die Kaufhof AG das Nachbargrundstück an der Oberen Königsstraße hinzupachten. Zusätzlich zur baulichen Erweiterung in diese Richtung wurde das Haus auf fünf Etagen aufgestockt, statt des Pkw-Lifts gab es nun eine gegenläufige Auf- und Abfahrtsspindel, die die nunmehr zwei Park-Etagen von der Neuen Fahrt aus erschließen.

Seit 1996 – nach einer Sanierung der denkmalgeschützten Fassade – tritt das Kasseler Haus, einem neuen Filialkonzept des Konzerns folgend, als „Galeria Kaufhof“ auf.

siehe auch

Weblinks