Katlenburg-Lindau

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Katlenburg-Lindau
Wappen Karte
Wappen von Katlenburg-Lindau Deutschlandkarte, Position von Katlenburg-Lindau hervorgehoben
Basisdaten
Staat: Deutschland
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Landkreis Northeim
Stadtgliederung: 7 Ortsteile bzw.
Stadtbezirke
Fläche: 71,47 km²
Geografische Lage: 51° 12′ N, 08° 56′ O
Höhe: 139 m ü. NN
Einwohner: 7.181 (31. Dezember 2011)
Bevölkerungsdichte: 106,6 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37191
Telefonvorwahl: 05552 oder 05556
Kfz-Kennzeichen: NOM
Amtlicher Gemeindeschlüssel: 03 1 55 007
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstraße 6
37191 Katlenburg-Lindau
Offizielle Website: www.katlenburg-lindau.de
Politik
Bürgermeister: Uwe Ahrens (parteilos)

Die Großgemeinde Katlenburg-Lindau liegt in Südniedersachsen im Landkreis Northeim.

Die Ortsteile

Die "Drei-Flüsse-Gemeinde" an Rhume, Oder und Söse wurde am 1. März 1974 aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Katlenburg-Duhm, Lindau, Gillersheim, Berka, Elvershausen, Wachenhausen und Suterode gebildet.

Geschichte

Man kann die Einheitsgemeinde Katlenburg-Lindau als Nachfolgerin des alten grubenhagenschen Amtes Katlenburg ansehen, das vom 16. bis ins 19. Jahrhundert bestand. Katlenburg-Duhm, Gillersheim, Wachenhausen und Suterode gehörten von Beginn an zu diesem Amt, Berka folgte im 17. Jahrhundert. Lindau war der Verwaltungssitz eines eigenen eichsfeldischen Amtes, und Elvershausen gehörte zum Amt Brunstein oder Amt Northeim.

Das Amt Katlenburg war verwaltungsmäßig Nachfolger des Klosters Katlenburg, das von den Grafen von Katlenburg gegründet worden war. Diese waren mächtige Herren, Grafen im Lisgau, gehörten dem Reichsadel an und errichteten hier im 10. Jahrhundert die Katlenburg. Als Graf Dietrich III., wahrscheinlich aus Frömmigkeit, am Fuße des Burgberges ein Kloster gründete("Thum oder Dhum zu Katlenburg"), ließ er die Mauern der Burg niederreißen. Die Stiftung des Klosters wurde durch eine Urkunde aus dem Jahre 1105 bestätigt, die für Katlenburg, Gillersheim, Wachenhausen, Berka und Elvershausen die erste urkundliche Erwähnung bedeutet. Von der Gründungszeit zeugt noch die romanische Krypta der Kirche auf dem Burgberg, in der auch der letzte Katlenburger Graf nach seinem Tode im Jahre 1107 begraben wurde. Im Jahre 1346 brannte das Kloster durch Brandstiftung nieder. Die Kirche wurde im gotischen Stil wieder aufgebaut, wie man noch heute an ihrem Chor sehen kann. Auch das so genannte Magazingebäude mit einer gotischen Kapelle, wahrscheinlich die ehemalige Propstei, stammt noch aus der Klosterzeit.

Das Kloster Katlenburg wurde zum bedeutendsten Grundherren der Umgebung; sein gesamter Besitz wurde 1525 in einem Lagerbuch dokumentiert. Doch nach Beginn der Reformation wurde das Kloster im Jahre 1534 aufgelöst. Der letzte Grubenhager Herzog, Philipp II., erbaute nun auf dem Burgberg ein Schloss und residierte hier für einige Jahre. Die Verwaltung des Besitzes, zu Klosterzeiten in den Händen eines Propstes, übernahm nun ein Amtmann des Fürstentums Grubenhagen. Er hatte seinen Amtssitz auf dem Burgberg, er verwaltete, zog die Abgaben ein und hielt Gerichtssitzungen. Im Jahre 1626 wurde der Amtssitz zerstört, jedoch kurz nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges wieder aufgebaut. Der Merianstich aus dem Jahre 1654 zeigt, daß zu ihm mehrere Gebäude und ein Gutshof gehörten. Für die wiederhergestellte Kirche schuf der Osteroder Holzschnitzer Andreas Gröber eine Kanzel und einen wunderschönen Altar, der später zu einem Kanzelaltar umgestaltet wurde.

Im Jahre 1832 wurde das Amt Katlenburg mit dem Amt Lindau zum Amt Katlenburg-Lindau zusammen gelegt, wobei Lindau Amtssitz wurde und auf dem Burgberg nur der Domänenhof blieb. Das Amt Lindau hatte bis 1802 zum katholischen Eichsfeld gehört und war 1816 zu Hannover gekommen. Doch schon 1859 wurde dieses neue Amt wieder aufgelöst, und nach der Kreisreform im Jahre 1885 waren alle heutigen Ortsteile eigenständige Gemeinden, wobei sechs zum Kreis Northeim gehörten und Lindau zum Kreis Duderstadt. Durch die Reformen der Jahre 1973/ 74 entstand die heutige Verwaltungseinheit.

Sehenswürdigkeiten

Die Burg

Lindau - Marktplatz mit St. Peter und Paul im Hintergrund

Am Zufluss der "Oder" (auch "Steinlake" genannt) in die weiterführende "Rhume" wurde im Mittelalter auf einen etwa 50 Meter hohen Sandsteinsporn, dem "Katelberg" die für die Gesamtgemeinde namengebende Burg errichtet. Der Sporn ist nach Süden an einen Bergrücken angegliedert. Die Befestigungsanlage bestand aus einer nördlichen dreieckigen Unterburg (Hauptanlage) und einer südlichen Vorburg. Die Ostseite des Sporns fällt steil zur "Rhume" hinab. Die Westseite neigt sich mäßig steiler zum namengebenden "Catelbach" hinab. Von Nordosten und Südwesten des Talgrundes am Burgberg zogen einst Wege zum Nordwesttor hinauf. Der heutige Torbogen stammt aus dem 18.-Jahrhundert. Früher müsste hier ein Torhaus mit Zugbrücke gestanden haben, denn Nord- und Westseite des Riedels sind mit einem tiefen Graben umgeben. Im Winter ist die Terrasse des ehemaligen Vorwalles des Burggrabens vom westlich gelegenen "Weinberg" gut zu erkennen. Die Hauptburg wurde nach Süden mit einen etwa 15 Meter breiten aber heute verfüllten Graben gegen das leicht ansteigende Gelände geschützt. Deshalb wurde an der Südwestecke der Bergfried errichtet, um die gefährdeten Seiten und das Haupttor einzusehen. Ein fast 10 mal 10 Meter grosser aus der Ringmauer nach Westen vorgeschobener Podest westlich des jetzigen Kirchturmes ist als Stumpf des einstigen Turmes zu deuten. Seine Kellermauern weisen eine Stärke von über 2 Metern auf.

Das mittelalterliche Torgebäude südöstlich der Kirche besitzt gotische Stilelemente. Neben der Durchfahrt in der östlichen Fachwerkwand über einem Türbalken sind gotische Vorhangbögen vorhanden.

Nördlich der Kirche befindet sich das Magazingebäude. In dessen Kellergeschoss befinden sich neben Tonnengewölben auch rippenlose Kreuzgewölbe.

Von der östlichen Ringmauer der Unterburg ist das Kellergeschoss erhalten. Ursprünglich stand hier ein Massivbau mit Fachwerkobergeschossen, ähnlich wie beim Welfenschloß in Herzberg. Teile der mit Gips verputzten Kellergewölbe sind mit Schutt zugefüllt. Der Unterteil der Mauer steckt so tief im Hangschutt, daß selbst die Schießscharten mit Unrat zugedeckt sind. Auf einem Merianstich sind diese Lichtöffnungen mindestens 5 bis 6 Meter über dem Erdboden zu erkennen. Nord-, West- und Südbereich der ehemaligen Ringmauer sind nur teilweise erhalten.

Direkt nördlich anschließend an das Nordwesttor befindet sich als Wohnung genutzt das ehemalige Amtsgefängnis.

Das heute "Magazin" genannte Gebäude besteht im Erdgeschoss aus einer im Westteil ehemals befindlichen Kapelle mit Anbauten eines repräsentativen massiven Gebäudes. Die engräumige Kapelle besitz gotische Gewölbe, wie der angesetzte grössere Ostteil. Scheinbar hatte das Gebäude ursprünglich noch ein oder mehrere Obergeschosse. Im Gebäude an der Südseite befindet sich ein massives Halbrund als Rest eines ehemaligen Rundturmes oder Treppenturmes. Die Aussenmauer ist gerade geradlinig gebaut, so als wenn man den Turmrest abgeschnitten hätte. Eine Tür führt von außen in das Halbrund. Die Südwand des "Magazingebäudes" zeigt östlich eines Knickes in der Mauerflucht verschieden hoch angesetzte hohe frühgotische Fenster und Zugänge. Am südlich gegenüber gelegenen "Philippschlösschen" weisen heute noch vermauerte gotische Mauerdurchbrüche auf eben jene ältere Untergliederung der Geschosse und den Ansatz des die beiden Gebäude ehemals verbindenden östlichen Wohntraktes hin.

Die nördlich des "Magazins" befindlichen jüngeren Gebäude entstammen dem achtzehnten Jahrhundert.

Die südlich der Kirche vorhandenen Massiv- und Fachwerkbauten des Amtshofes enstanden erst nach dem 30-jährigen Krieg. Der in der Mitte des Wirtschaftshofes im 17.Jahrhundert erstellte "Reitstall" besitzt eine für damalige Zeiten erstaunliche freitragende Deckenkonstruktion.

Neben der heutigen südlichen Zufahrt stehen links die Überreste des "Ochsenstalles". Er wurde erst durch einen schweren Sturm in den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts durch unterlassene Baureperaturen zur Ruine.

Die ehemalige Klosterkirche

Die ehemalige Klosterkirche besteht aus vier in verschiedenen Zeiträumen errichteten Bauteilen. Die im Osten gelegene Krypta (Unterkirche) besitzt romanische rippenlose Kreuzgewölbe wie auch das Erdgeschoß im Magazingebäude. Der darüber gebaute Chor wurde im gotischen Stil errichtet. Das westlich anschließende Kirchenschiff wird erst nach dem Brand 1626 enstanden sein. Verbaute Werksteine kleiner älterer Fenster in der Südmauer entstammen aber einer älteren Bauperiode. Der angesetzte Kirchturm ist erst in neuerer Zeit entstanden.

Die ehemalige untere nördliche Hauptburg gehört heute der Kirchengemeinde. Der Südteil mit den Gebäuden des ehemaligen Amtshofes ist im Besitz der Gemeindeverwaltung. Dieser Bereich ist zusammen mit dem südlichen Gartengelände als Jugendgästehaus und Herbergsbetrieb verpachtet. Im ehemaligen Amtsgarten wachsen als botanische Seltenheit kleinwüchsige Wildtulpen. Den südlichen Abschluß der Burg nach Süden bilden im Garten die im Erdboden steckenden Reste eines Kanonenturmes. In der Renaissance wurden Burgen und Schlösser durch vorgelagerte Bastionen gedeckt, um das Vorfeld gegen Feinde mit Geschützen abzusichern. Zur hier südlichen Feindesseite war der Turm in allen Geschossen massiv gebaut, zum Schloss hin aber nur in Fachwerk ertellt, um ein geschütztes Festsetzen der Feinde bei Eroberung des Vorwerkes zu verhindern. Im Merianstich der "Catlenburg" ist das links sichtbare Gebäude mit Fachwerkobergeschossen und Welscher Haube der im Renaisancestil zum Lustschloss umgebaute Runddturm. Dieses Gebäude scheint das vom Grubenhagener Fürsten Phillip II. umgebaute "Schlösschen" zu sein.

Die vorhandene Zentscheune und das "Magazingebäude" beherbergen eine höchst interessante umfangreiche Sammlung ehemaliger DDR-Literatur des ehrwürdigen Pastors Martin Westkott.

Mushaus Lindau

Ein Bild aus alter Zeit: Im Lindauer Mushaus wurden im Zweiten Weltkrieg Waffenforschungen betrieben. (Repro: Oschmann)

Aus der Zeit um 1300 stammte die ehemalige Lindauer Burganlage, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Allein das sogenannte Mushaus - 1322 als Teil der Wasserburg errichtet - blieb erhalten und erfuhr seither unterschiedliche Nutzungen. Ein Hildesheimer Bischof errichtete auf dem Burgbezirk diesen uneinnehmbaren Palast, das älteste Gebäude der Gemeinde Katlenburg-Lindau. In ihm war bis 1741 die Lindauer Amtsverwaltung untergebracht. Danach wurde ein neuer barocker Amtssitz gebaut, von dem nur noch das Portal in der Lindauer Schule erhalten ist.

Nachdem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in dem Gebäude Arbeiterwohungen einer Jutefabrik untergebracht waren und im Jahre 1943 an Waffenprojekten gearbeitet wurde, wurde das Mushaus nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend durch das Frauenhofer-Radio-Institut und anschließend durch die Firma Kordes genutzt.

siehe auch

Weblinks


Städte und Gemeinden im Landkreis Northeim
Northeim.gif

Bad Gandersheim | Bodenfelde | Dassel | Einbeck | Hardegsen | Kalefeld | Katlenburg-Lindau | Kreiensen | Moringen | Nörten-Hardenberg | Northeim | Uslar