Kassels erste Fußgängerzone

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In der unteren Marktgasse, mit Blickrichtung zum Martinsplatz, um 1936/37. Im Hintergrund erkennt man die Kreuzung mit der Wildemannsgasse, das vorspringende Haus Marktgasse 17 und die südliche Turmspitze der Martinskirche.

Nach Eröffnung des Freiheiter Durchbruchs 1936 konnte der untere, nur 6m breite Abschnitt der Marktgasse für den Straßenverkehr gesperrt werden: Kassels erste Fußgängerzone!

Schon seit Jahrzehnten war eine verkehrsgerechte Lösung für diesen Engpass gefordert worden. Überhaupt plante man 1885 und 1887 für Altstadt, Freiheit und Unterneustadt die weitgehende Begradigung der historischen Straßen; ein großer Teil der historischen Kernstadt wäre diesen Maßnahmen zum Opfer gefallen, und in Erwartung der Abbrüche wurde auch kaum mehr in den Erhalt der historischen Bauten investiert – Verfall und sozialer Abstieg waren die Folge, und mit zunehmendem Wohnungsmangel wurden selbst dunkelste Kammern als Wohnräume vermietet.

1914 vereitelte der Kriegsausbruch die Verbreiterung der unteren Marktgasse, und 1921 begann die Stadt mit punktuellen Instandsetzungen zur Linderung der Wohnungsnot. Sanierungspläne von 1929 und 1930 sahen dann einen weitgehenden Erhalt der historischen Blockrandbebauung vor, unter Ausräumung der dicht bebauten Innenhöfe. Bis 1933 rückte man auch von den letzten Straßenverbreiterungen schrittweise ab: zum einen aus Gründen der Stadtbildpflege, zum anderen wegen der enormen Kosten für den Erwerb ganzer Häuserzeilen. Der Bau einer neuen Entlastungsstraße durch die z.T. bereits entkernten Blockinnenhöfe bot sich also schon aus finanziellen Gründen an. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Grundstückstausch und Kredite ermöglichten die Umsetzung der Maßnahmen. Positiv wirkte sich dabei aus, dass die städtische Bauverwaltung unter Labes, Rothe und dem Baudezernenten Jobst von der Machtübernahme der NSDAP unberührt blieb und ihre Arbeit bis 1939 kontinuierlich fortsetzen konnte. Das Kasseler Sanierungskonzept fand dabei auch überregional große Anerkennung.

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