Kassels Bewerbung als Bundeshauptstadt

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Im Jahr 1948 hatte sich Kassel für den Sitz als vorläufige Bundeshauptstadt beworben. Doch im Mai 1949 war spätestens klar, daß die Nordhessen diesen Kampf verloren hatten.

Niederlage beim Hauptstadtkampf

Selbst in Kassel war die Bewerbung höchst umstritten. Hinter vorgehaltener Hand hieß es angesichts der stark zerstörten Stadt und der Wohnungsnot, es könne sich doch nur um einen Schildbürgerstreich handeln. Aber Oberbürgermeister Willi Seidel war von der Bewerbung, Kassel zum Sitz der Bundesregierung zu machen, überzeugt. [1]

Entsprechend begann die Denkschrift [2], die Kassel am 9. November 1948 einreichte: "Der Magistrat und die Bevölkerung der Stadt Kassel bewerben sich um die Ehre, zum Sitz der künftigen deutschen Bundesregierung erkoren zu werden. Sie sind sich der großen Aufgabe voll bewußt und stellen alle erforderlichen Einrichtungen und Anlagen, gepaart mit dem dankbaren Streben aller Kasseler Bürger, hierfür zur Verfügung."

Zentrale Lage

In dieser Bewerbung wurde auch die zentrale Lage der Stadt in den Zonen Westdeutschlands hervorgehoben. Kassel liege im Herzen Deutschlands und sei gut über die "Reichsautobahn" und die Eisenbahn zu erreichen. Als weitere Pluspunkte wurden die nahgelegenen Flughäfen Waldau, Rothwesten und Fritzlar genannt.

Konkrete Vorstellungen lieferten die Verantwortlichen ebenfalls zur Unterbringung der Bundesorgane: Als Sitz des Kanzlers und der Bundesregierung wurden da das ehemalige Generalkommando sowie das Rote–Kreuz-Krankenhaus genannt. Weiter aufgeführt wurden neben anderen Komplexen das Schloss Wilhelmshöhe (für große Staatsempfänge) sowie die Stadthalle (als Sitz des Bundesrates).

Und siehe da: Neben den zahlreichen Städten, die ihre Bewerbung abgegeben hatten, kam Kassel in die engere Auswahl: Im Februar 1949 waren neben der Fuldastadt nur noch Stuttgart, Bonn und die Konkurrenz aus Südhessen, die Frankfurter, im Rennen. Entsprechend empfing Oberbürgermeister Seidel am 7. Februar auch hohen Besuch: Mitglieder der interfraktionellen Kommission des Parlamentarischen Rates waren gekommen, um sich noch einmal ganz genau über die nordhessische Bewerbung zu informieren. Unter den Mitgliedern des Parlamentarischen Rates war auch die Kasseler Juristin Dr. Elisabeth Selbert, die sich für ihre Heimatstadt einsetzte.

Unterstützung bekamen die Nordhessen auch von den Nachbarn aus Niedersachsen. Bei einer Leserabstimmung der "Hannoverschen Neuesten Nachrichten" stimmten 52 Prozent der Leser für Kassel.

Eine schöne Geste, die im Endeffekt aber auch nicht zum Sieg führte: Zwar hatte ein CDU-Abgeordneter noch im Februar 1949 verkündet, daß für Kassel die konzentrierte Lage und die Größe und Anzahl der Gebäude spreche. Doch hatten sich die Länder Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bereit erklärt, falls die Wahl auf Bonn beziehungsweise Stuttgart fallen würde, keine Mieten zu erheben und die Aus- und Umbaukosten weitgehend zu tragen.

Um es kurz zu machen: Am Ende standen nur noch Bonn und Frankfurt im Ring, Stuttgart und Kassel lagen geschlagen am Boden. Und geschlagen geben mußten sich am 10. Mai schließlich auch die Südhessen. Denn Bonn gewann mit 33:29 Stimmen der Abgeordneten den Kampf um den Sitz der Bundeshauptstadt. Jedenfalls vorläufig.

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Zeitungsartikel zur Hauptstadt-Bewerbung Ende 1948
  2. Denkschrift der Stadt Kassel vom 9. November 1948 zur Hauptstadt-Bewerbung

Weblinks