Kasseler Musiktage

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HR-Sinfoniorchester mit Solistin Hyeyoon Park (Violine)

Die Kasseler Musiktage - 1933 vom Bärenreiter-Verlag und dem "Arbeitskreis für Hausmusik"[1] gegründet - blicken auf eine mehr als 70jährige Tradition zurück und sind somit eines der ältesten Musikfeste in Europa.

Geschichte

Für die Planung und das Programm waren bis 1975 Richard Baum (*1902; †2000) und bis 1954 August Wenzinger (*1905: †1996) verantwortlich.

In den Anfängen wurde "alte und zeitgenössische Musik in einfacher Besetzung gesungen und gespielt, die in ihrer Art besonders geeignet ist, dem häuslichen wie dem gemeinschaftlichen und kirchlichen Musizieren neuen Ansporn zu geben", wie es im Aufruf zu den Kasseler Musiktagen 1933) hieß. Der Arbeitskreis für Hausmusik veranstaltete an den verschiedensten Orten in Deutschland Sing- und Instrumentalwochen und förderte so das häusliche Musizieren, für das auch die Konzerte der Kasseler Musiktagen Vorbild sein wollten. Ein weiterer Schwerpunkt war die Pflege der geistlichen Musik. Daran nahmen die Nationalsozialisten Anstoß und wollten kirchliche Musik und Gottesdienste im Rahmen der Kasseler Musiktage verbieten. Richard Baum gelang es jedoch, durch Verhandlungen mit den Kulturfunktionären deren inhaltliche Einflussnahme zu verhindern. Der Preis dafür war eine unbedeutende Namensänderung: 1936 und 1937 hießen die Kasseler Musiktage Musiktage in Kassel.

Wegen des Kriegsausbruchs mussten die für den Herbst 1939 schon geplanten Kasseler Musiktage abgesagt werden. Der Versuch, in bescheidenem Rahmen die Musiktage zum siebtem Mal am 23. und 24. Oktober 1943 zu veranstalten - geplant waren immerhin vier Konzerte-, scheiterte am Bombenhagel des schwersten Luftangriffes auf Kassel am Abend des 22. Oktobers. Der Neubeginn 1950 diente wiederum dem Vorbild des häuslichen Musizierens, auch hier ging es um "die Verknüpfung lebendiger Vergangenheit mit gegenwärtigem Schaffen, das Bemühen um stilechte und vorbildliche Wiedergabe ..., die ... Aktivierung der Teilnehmer im Hören und Singen" (Programmheft 1950). Ab den 60er Jahren wurde die Neue Musik ein immer größerer Schwerpunkt des Musikfestes; die Hausmusik und Laienbeteiligung spielte eine immer kleinere Rolle.

Die Kasseler Musiktage fusionierten 1977 mit der Reihe "neue musik in der kirche" - eine Verbindung, die bis 1997 bestehen blieb - unter der Gesamtleitung von Klaus Martin Ziegler und Wolfgang Rehm, später Heinz Enke, die den Veranstaltungen bis 1991 ihr künstlerisches Profil gaben.

Von 1991 bis 2003 (bis 1993 zusammen mit Klaus Martin Ziegler) leitete Leo Karl Gerhartz die Kasseler Musiktage, ihm folgte Freimut Richter-Hansen. Ab 2006 zeichnet Dieter Rexroth für das Programm verantwortlich.

Seit 1977 arbeitet der Hessische Rundfunk[2] mit den Musiktagen zusammen und dokumentiert das Musikfest mit eigenen Sendungen in hr2. 1994 wurde aus dieser Kooperation offiziell "Kasseler Musiktage in Verbindung mit hr2", eine Kooperation, die auch bedeutet, dass das hr-Sinfonieorchester regelmäßig bei den Kasseler Musiktagen gastiert.

1982 gründeten die Kasseler Musiktage den Verein "Kasseler Musiktage e.V.", dem heute u.a. das land Hessen [3], der Hessische Rundfunk, die Stadt Kassel, die Kasseler Sparkasse, der Evangelische Stadtkirchenkreis Kassel, die Evangelische Akademie Hofgeismar, die Universität Kassel, der Internationale Arbeitskreis für Musik, sowie die Musikverlage Bärenreiter-Verlag, Merseburger, Furore und die Alkor-Edition angehören.

Themen

Die Themen der letzten Jahre zeigen, wie das Festival musikalisch interessante Fragen der Gegenwart und der Vergangenheit in Symposien und Konzerten verknüpfte:

  • 1988 Revolution in der Musik - Avantgarde von 1200-2000
  • 1989 Mozarts letztes Jahr
  • 1990 da pacem - Musiken und Konflikte in der Welt
  • 1991 Romantik und Biedermeier in einer neuen Öffentlichkeit - Felix Mendelssohn Bartholdy
  • 1992 Erik Satie - Widersprüche zur etablierten Kunst
  • 1993 Entdecken. Erinnern. Renaissance in Idee und Wirkung
  • 1994 Robert Schumann - So früh, so spät
  • 1995 Österreichische Musik - was ist das?
  • 1996 Musik des 20. Jahrhunderts - Spannweiten und Augenblicke
  • 1997 Durch Nacht zum Licht - eine verlorene Hoffnung? Ludwig van Beethoven
  • 1998 Ausklang und Neubeginn - Fin de siècle 1900/2000
  • 1999 Fabrik der Gefühle - Musik & Film
  • 2000 Vibrations from America
  • 2001 Blech - Brass - Metall
  • 2002 Stimme!
  • 2003 Schwingungen
  • 2004 KonzerTanz
  • 2005 KlangFarben - FarbKlänge
  • 2006 Das Göttliche im Alltäglichen
  • 2007 Lebenswelten - Kunstwelten
  • 2008 InnenAussenInnen - In doppelter Wirklichkeit
  • 2009 Haltet die Zeit!
  • 2010 Kreuzungen - Elend und Glanz
  • 2010 Im Atem der Zeit - Junge Kunst und große Meister[4]

Internationales Festival

Als internationales Festival präsentieren die Kasseler Musiktage ihren Besuchern Konzerte mit renommierten Interpreten, Chören und Orchestern, aber auch mit vielversprechenden Neuentdeckungen der jungen Musikszene. Daneben finden Begleitveranstaltungen in Form von Vorträgen, Ausstellungen und Symposien statt, die einen tieferen Einblick in die Thematik vermitteln. Kasseler Musiktage, das bedeutet für die Besucher Hörgenuss, intellektuelle Auseinandersetzung und gemeinsames Erleben. Denn in vielen Jahren gemeinsamen Interesses an der Musik hat sich bei dem Publikum ein "Wir-Gefühl" entwickelt, was nicht unerheblich daran liegt, dass den Kasseler Musiktagen bei allem Renomée noch eine intime Atmosphäre eigen ist, die in den Konzertfabriken der ganz großen Festivals oftmals verloren geht. [5]

Informationen

Kasseler Musiktage e.V.
Heinrich-Schütz-Allee 35
34131 Kassel
Tel. 0561/316 45 00
Fax: 0561/316 45 01
info@kasseler-musiktage.de

Weblinks

  1. Internationaler Arbeitskreis für Musik
  2. [Rundfunk]
  3. [Hessen]
  4. HNA vom 20.9.2011: Die Jugend begegnet der Tradition
  5. Kasseler Musiktage

siehe auch