Kasseler Hafen

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Luftbild Hafen.jpg

Der Kasseler Hafen wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts in erster Linie für den Gütertransport errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Hafen noch einmal eine Blütezeit, bevor er 1977 schließlich ganz den Sportbootfahrern zur Verfügung stand.

Geschichte

Am 1. August 1895 wurde der Kasseler Hafen mit einem großen Wasserfestzug feierlich eröffnet.

In Hannoversch Münden läuten die Glocken und von der Tillyschanze knallen Böllerschüsse, als sich die Schiffe in Richtung Kassel in Bewegung setzen. Den Reigen eröffnet der Dampfer "Cassel" von Kapitän Friedeborn, dann folgen die "Lydia" und der Hinterradschlepper "Nienburg" mit Schleppkahn Nr. 18 der "Oberweser-Dampfschiffahrtsgesellschaft". Am Fuldaufer herrscht Volksfeststimmung, und eine Musikkapelle spielt in Wilhelmshausen "Nun danket alle Gott". An der Schleuse Wolfsanger steigt Oberbürgermeister Westerburg auf der "Cassel" zu, und die Schiffe laufen dann in den neuen Casseler Hafen ein. Der Frachtdampfer "Cassel" zerreißt symbolisch das Band, das den Hafen noch sperrte und gibt damit die Anlage frei. Eine Panne passierte dennoch während des Festzuges: Der Dampfer "Lydia" war um einige Zentimeter zu breit und kam nicht durch die Schleusen. Erst einen Tag später konnte das Schiff etwas zurückgebaut werden und sich gerade so durch die Schleusen zwängen. Deshalb dauerte die Fahrt nach Kassel dann auch 5 1/2 Stunden.

Kurz nach der Eröffnung des Hafens begann auch die Personenschifffahrt auf der Fulda, und am 8. August 1895 war im Casseler Tageblatt zu lesen:

"Gestern Nachmittag 6 Uhr 10 Minuten traf der angekündigte erste Salon- und Schnelldampfer Lydia, Kapitän F. Dehne, mit 150 Passagieren an Bord von Münden hier ein. Tausende von Zuschauern erwarteten den Dampfer am Hafen und an den Ufern zwischen hier und Wolfsanger und begrüßten das schmucke Schiff, an dessen Bord eine Musikkapelle spielte, mit Hurrarufen und Tücherschwenken".

Die Personenschifffahrt ging allerdings nicht ohne Probleme vonstatten, so dass das Casseler Tageblatt am 16. August 1895 melden musste:

"Bei der ersten Fahrt des Dampfers Gustav stellte es sich heraus, dass dieser Schraubendampfer für die Fulda viel zu tief geht. So soll derselbe zu einem Hinterrad-Salon-dampfer umgebaut, und in nächsten Frühjahr in Fahrt gestellt werden".

Der "Gustav" war kein anderes Schiff, als die bekannte "Elsa".

Der Kasseler Hafen wurde im Zuge des Ausbaus der Fulda für den Gütertransport gebaut. Der erste Spatenstich erfolgte im Jahr 1893, so dass der Hafen in einer Bauzeit von zwei Jahren mit einer Länge von 295 m und einer Breite von 60 m fertiggestellt werden konnte. Seine Lage war anfangs nicht unumstritten. Da er sich am rechten Fuldaufer befindet, musste ein Anschlussgleis zum Bahnhof Bettenhausen gebaut werden, um das Hafengelände an den Eisenbahnverkehr anzubinden. Deshalb war zeitweise erwogen worden, den Hafen auf das linke Fuldaufer in die Nähe der heutigen Hafenbrücke zu legen. Damit wäre ein Anschlussgleis im Zuge der Ahna notwendig geworden, man hätte dann aber die Henschelschen Gleise zum Unterstadtbahnhof verwenden können. Ein Umschlagplatz, auf dem die Güter direkt vom Wagen auf die Schiffe geladen werden konnten oder umgekehrt direkt vom Schiff in den Wagen, wurde am Ausgang des Hafens zur Fulda angelegt, allerdings ohne jegliche technische Hilfsmittel, wie Kräne oder ähnliches. Darauf hatte Kassels Handel und Industrie gedrungen, um Umwege bei der Anfahrt zu sparen und so den Ladeplatz direkt über die Schützenstraße erreichen zu können.

Zur Eröffnung des Hafens vor 100 Jahren war die Weser bereits so weit ausgebaut, dass größere Lastkähne und stärkere Schleppdampfer bis Münden fahren konnten, jedoch nicht mehr fuldaaufwärts bis Kassel, woran sich bis heute nichts geändert hat.

Vor allem die "Bremer-Schleppschiffahrts-Gesellschaft" hat wesentlich zur Entwicklung des Modernen Binnenschiffahrtsverkehrs im Kasseler Hafen mit ihren modernen Eildampfern beigetragen. Der Stückgutverkehr war ihre ausschließliche Domäne. 43 Jahre lang, von 1898 bis 1939 hat die Firma Broekelmann sen.& Grund die Kasseler Agentur dieser Reederei betrieben. Es fand auch ein Massenguttransport durch andere Reeder statt. Ein Schiff, die "Münden" ist hier erwähnenswert. Es fuhr von 1884 bis 1904 und gehörte der Firma Niemeyer aus Oedelsheim. Der Dampfer war ein hölzerner Frachtkahn, der mit einer Dampfmaschine und einem Hinterrad angetrieben wurde. Er war schon beider Eröffnung des Kasseler Hafens mit von der Partie.

Die eigentlichen Hafenanlagen unterstanden dem Staat. Dagegen waren die Lagerhäuser und der gesamte Umschlagverkehr in den Händen der Stadt Kassel und gehörten zum Bereich des Stadt-Wirtschaftsamtes, von dem die erwähnte Firma Broeckelmann sen. & Grund die Lagerhäuser gepachtet hatte.

Schnell wuchs der Güterverkehr auf der Fulda und Erneuerungen waren erforderlich. Der Güterumschlag kam im Jahr 1905 mit 78000 Tonnen auf einen Höhepunkt, der über 30 Jahre nicht mehr erreicht wurde. Um mehr Schiffen Liegeplätze zum Laden und Löschen zu bieten, wurde die Ufermauer 1908 von 113,5 m auf 155 m verlängert. Auch das Lagerhaus wurde zweimal vergrößert und hatte dann eine Lager-fläche von 6 200 Quadratmetern.

Anfangs wurden die Güter mit Hilfe von zwei Dampfkränen von je 2 1/2 Tonnen Tragkraft und einem Handkran mit 10 Tonnen Hebekraft umgeschlagen. Im Jahre 1927 wurden zwei fahrbare Elektrokräne von je 3 Tonnen Tragfähigkeit errichtet. Alle Kräne waren von der Kasseler Firma Beck und Henkel gebaut worden. Die Binnenschiffe brachten vor allem Getreide, Jute und Stückgut, wie z. B. Maschinen, nach Kassel und nahmen zurück in Richtung Norden u. a. Steine als Schotter, Bruchmaterial und Basaltpflastersteine sowie ebenfalls Getreide mit (noch heute stehen die Getreidespeicher im Hafengelände). So wurde auch der Bau der bereits erwähnten zwei Getreidespeicher für das Jahr 1936 geplant. Allerdings ereignete sich in diesem Jahr ein Großbrand im Hafen, das in einem bereits vorhandenen größeren Lager von Schmierstoffen und Ölfässern entstand und die Lagerhallen ebenso wie die Hafenanlagen zum größten Teil zerstörte. Daher musste nun fast die gesamte Anlage wieder neu geplant und aufgebaut werden.

Die "Bremer-Mindener-Schlepperschiffahrtsgesellschaft" übernahm wenig später anstelle der genannten Kasseler Firma die Lagerhäuser als Pächter und baute ein 5000-Tonnen-Silo zu dem bereits vorhandenen Silo von 3000 Tonnen. 1939 konnte der Hafenbetrieb neu gestaltet und die Anlagen erweitert werden und der Kasseler Hafen erlebte einen weiteren Aufschwung. Ein Anschluss an die Großschifffahrtsstraße war geplant und begonnen worden, man war bereits dabei, die untere Werra zu kanalisieren, die Vorarbeiten für den Werra-Main-Kanal waren aufgenommen worden und auch die Fulda sollte umkanalisiert werden. All dies hätte einen weiteren enormen Aufschwung für den Kasseler Hafen bedeutet, die Arbeiten wurden jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen und später nicht wieder aufgenommen.

Der Krieg fügte dem Hafen, besonders den Gebäuden, einige Schäden zu, die aber relativ schnell wieder beseitigt werden konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Kasseler Hafen noch einmal eine Blütezeit. In der Zeit vor und nach dem Krieg schwankte der Umschlag von Gütern aller Art, und man hoffte aber noch 1958, den jährlichen Warenumschlag von durchschnittlich 70000 Tonnen erheblich steigern zu können und plante erneut den weiteren Ausbau der Fulda, vor allem auch die Vergrößerung der Schleusen, weil die Schiffe immer größer wurden und wegen der Überalterung und zu geringen Kapazität der Schleusen den Kasseler Hafen nicht mehr anliefen. Im Jahr 1963 konnte die Rekordmenge von 100000 Tonnen umgeschlagen werden. Die zunehmende Verlagerung des Transports vom Fluss auf die Schiene machte aber all diese Pläne zunichte, der Güterumschlag ging immer mehr zurück, bis der Hafen 1977 schließlich ganz geschlossen wurde. Bereits 1975 wurden die Kräne abgebaut, dabei passierte noch das Missgeschick, dass einer dieser Kräne in das Hafenbecken fiel, dann aber wieder gehoben werden konnte.

Seit nunmehr über 30 Jahren ist der Kasseler Hafen Heimat des Yachtclub Kassel e.V. (YCK) und bietet Liegeplätze für mehr als 60 Schiffe unterschiedlicher Größe, vom kleinen Sportboot bis zum seegängigen Kajütboot. Der YCK ist seit 2001 Eigentümer des Hafens.

Quellen

  • Quelle: Herbert Schröder: Kassel - seit 100 Jahren nordhessische Hafenstadt. In: 100 Jahre Marinekameradschaft 1893 e.V. Kassel. Festschrift 1993, S. 41-51
  • Quelle: Dampfer "Cassel" zerriß symbolisch das Band. HNA, Ein Blick zurück (646), 2.8.1975
  • Quelle: 40 Jahre Kasseler Hafen. Kasseler Post 1.8.1935

siehe auch

Weblinks