Kasseler Forst

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Der Forst war ein großes Flurgebiet im Osten Kassels, jenseits der Fulda. Er erstreckte sich von der Unterneustadt bis zum Lindenberg und bis in die Nähe von Waldau und gliederte sich in mehrere Flurbezeichnungen auf: Der kleine Forst befand sich zwischen dem Siechenhof und dem Fackelteich, der Forst als größte Fläche reichte bis kurz vor den Messinghof. Gegenüber lag das kleine Forstfeld, und kurz vor Ochshausen bildete das große Forstfeld den Abschluss.

Erst mit Gründung der Unterneustadt ab 1283 bekam der Forst eine größere Bedeutung für Kassel. Das Gelände war mit Bäumen, größtenteils mit Eichen bewachsen und wurde zur Hute und zur Jagd genutzt. Aus Sicherheits- und Siedlungsgründen wurde im Laufe der Jahre der Baumbestand abgeholzt. So konnte man einen herannahenden Feind, der Kassel von der Ostseite angreifen wollte, rechtzeitig erkennen.

Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert wurde auf dem Forst Gericht gehalten und der Richtplatz mit seinem Galgen befand sich ganz in der Nähe.

Am 30. Juli 1729 veranstaltete Landgraf Karl zu Ehren König Georgs II. von Großbritannien und Kurfürst von Hannover eine Parade auf dem Forstfeld. 12.000 Soldaten waren daran beteiligt. Im 7jährigen Krieg schlugen die Franzosen als Belagerer Kassel auf dem Forst ihr Feldlager auf. Unter der Herrschaft König Jéromes wurden auf dem Forst hessische Freiheitskämpfer erschossen. Im Gedenken an die erschossenen Patrioten pflanzte man die „Hesseneiche“ in der Nähe des damaligen Forstgute. Am Fuß der Eiche wurde ein Denkmal errichtet, das so genannte „Hessendenkmal“. Das Denkmal ist heute auf dem Industriegelände an der Lilienthalstraße zu finden. 1813 rückte ein russisches Korps auf den Forst vor und beschoss Kassel und vertrieb damit die Franzosen.

Das Forstgelände wurde weiterhin als Weidegelände genutzt. Einer dieser Weideplätze wurde „die Sauplätze“ genannt. Im 19. Jahrhundert wurde der Forst zunehmend zum militärischen Übungsgelände. Ein Schießplatz mit mehreren Schießbahnen bis zu 2850 m Länge, wurde bis kurz vor dem Lindenberg angelegt. Kugelfang, Kletterwall, Offiziersschuppen lagen dicht an der Leipziger Straße. 1839 kam es zu einem Rechtsstreit zwischen der Stadt und den Militärbehörden über das Nutzungsrecht des Forstes. Ein Vergleich sprach der Stadt Kassel das Eigentumsrecht zu, das Nutzungsrecht blieb der Militärbehörde überlassen. Erst 1906 erhielt die Stadt Kassel das uneingeschränkte Eigentumsrecht.

Bereits 1877 begann man auf dem Forst mit der Anlage der Eisenbahnlinie Kassel - Waldkappel. Der Bahnhof von Bettenhausen entstand. Ende des 19. Jahrhunderts entstand auf dem „Sauplatz“ ein Gaswerk. Der Forst wurde auch für verschiedene Veranstaltungen genutzt. So fand dort 1911 die große DLG-Schau statt.

1910 landete das erste Flugzeug auf dem Forst und 1912 das erste Zeppelin-Luftschiff. Im Laufe der Zeit wurde das Forstgelände immer mehr bebaut. So wurde 1915 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dort eine Munitionsfabrik zu errichtet. Sie befand sich im Bereich der heutigen Lilienthalstraße. Nach Kriegsende wurde die Anlage von der Deutschen-Werke-AG übernommen.