Kassel im Jahr 1950

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Zissel-Jubiläum: Farbtupfer im Alltag

Gratulation vom damaligen Kasseler Oberbürgermeister Willi Seidel für Helmut Schnell, der hatte beim Rennen „Rund um Kassel“ 1950 gewonnen.
Historisches Sportfoto: Helmut Schnells Fotoalbum 1950 - 3
Von dem Kasseler Dieter Haas stammt das Foto des Fußballbezirksmeisters von 1950, des SV Harleshausen (heute SVH Kassel) mit (hinten von links) W.Kreft, W.Müller, Spielvogel, D. Haas, W. Koschinski, H. Zimmermann, F. Musmann, A Weiershäuser, F. Dinger, Spartenleiter H. Fuchs, (vorn) E. Otto, R. Rose und J. Peter.

Zünftig feiern die Kasseler den 25. Geburtstag des Zissels. Das Fest ist eine willkommene Abwechslung in diesem harten Nachkriegsjahr.

"Die Elsa dampft durch Kassel-Stadt, weil sie es furchtbar eilig hat." Mit diesen Worten lockt die Zisselgesellschaft alle Kasseläner, Kasselaner und Kasseler zum beliebten Wasserfest, das 25. Geburtstag feiert.

Vom 4. bis 7. August geht die Fete über die Bühne, der Blick ins Programmheft verrät, daß der Zissel für die Bürger willkommener Anlaß war, einmal abzuschalten, nicht an die Alltagsprobleme zu denken. Es ist die Zeit, in der Trümmer beseitigt werden und in der begonnen wird, die Stadt wiederaufzubauen.

Ermunterungen, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, gibt es mehrere. So reimt der Kasseler Journalist Kurt Milte in einem Beitrag im Zissel-Programmheft: "Die Zeit ist ernst, das steht zwar fest in diesen schweren Tagen, doch wer sich unterkriegen läßt, den packt bei Arm und Kragen." Miltes Kollege Paul Brewka beschreibt den Sinn des Festes so: "Zisseln errichtet für vier Augusttage eine Demarkationslinie zwischen dem Alltäglichen mit seinen Sorgen und Nöten."

Der Zisselrat mit seinem Zisselvater Willi Schmidt an der Spitze hat zum 25. Jubiläum des traditionellen Lichter- und Wasserfestes eine Menge auf die Beine gestellt. Motto: "De Fulle brennt, ganz Kassel lacht, en Schoofskobb, der nit midde macht!" Beim Festzug zu Land macht der Dampfer Elsa auf Straßenbahnschienen von sich reden. Die "Elsa" erzeugt so viel Hitze auf den Schienen, daß zwei Löschzüge der Berufsfeuerwehr ausrücken müssen, um den Brand zu löschen.

Kritischer Zeitgeist, humorvoll verpackt, kommt in Beiträgen des Festzugs zum Ausdruck. So muß ein klappriger Kinderwagen, um den bunte Luftballons schweben, als die von den "Alliierten genehmigte Bundesluftpost" herhalten.

Der Bootskorso auf dem Wasser bietet viele schwimmende Farbtupfer. Das schönste schwimmende Fahrzeug erhält ein Hauszelt, das originellste eine "Zweischläfer-Luftmatratze" mit Blasebalg und einen Regenmantel, die Erbauer des aktuellsten Gefährts werden mit einem Zweisitzer-Paddelboot belohnt.

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