Kassel im Film

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Kassel hat in einigen Filmen des Kinos und des Fernsehens die Kulisse geliefert. Besonders in den 1950er Jahren war Kassel eine beliebte Filmstadt.

Kino

  • "Schuld ohne Sühne" (mit Albrecht Schönhals, Ilse Steppat) - 1951
  • "Meine Frau macht Dummheiten" (mit Rudolf Platte)[1]
  • "Tagebuch einer Verliebten" (mit Maria Schell und O.W. Fischer)
  • "Ohne Dich wird es Nacht" (mit Curd Jürgens)[2]
  • "Rosen für den Staatsanwalt" (mit Walter Giller)[3]
  • "Nick Knattertons Abenteuer - Der Raub der Gloria Nylon" (mit Karl Lieffen und Gert Fröbe) - 1958
  • "Der letzte Fußgänger" (mit Heinz Erhardt)
  • "Natürlich die Autofahrer" (mit Heinz Erhardt, Regie: Erich Engels)
  • "Nachtschwester Ingeborg" (mit Claus Biederstaedt)
  • "Nur aus Liebe" (mit Katja Riemann) - Drehort nur Kurhessen-Therme
  • "Familia Provisional" (spanischer Film über den Schwarzmarkt im Nachkriegs-Kassel)

Fernsehen

  • "Tödliches Vertrauen", 2002 (mit Barbara Rudnik, Otto Sander)
  • "Das unreine Mal"
  • Pfarrer Braun Reihe: „Grimms Mördchen“

Kassel als Kulisse

Eine verrückte Autojagd führte 1959 Heinz Erhardt in der Komödie "Natürlich die Autofahrer" durch Goethestraße, Lassallestraße, Pestalozzistraße und den Kirchweg. Heinz Erhardt, Peter Frankenfeld und Trude Herr sind die Stars des von Erich Engels gedrehten Films. Erhardt spielt den verwitweten Polizeihauptwachtmeister Eberhard Dobermann. Der ist mit Leib und Seele Verkehrspolizist und bringt penibel alle Verkehrsdelikte zur Anzeige. Schlimm, dass sich seine Tochter (Maria Perschy) ausgerechnet in den schlimmsten Verkehrssünder verliebt: Walter Schliewen (Erik Schumann), Juniorchef einer Autofabrik. Als Dobermann einen nagelneuen Volkswagen gewinnt, macht er heimlich den Führerschein und wird selbst zum Autofahrer, der es mit Verkehrsregeln nicht so genau nimmt. Am Ende des Films findet er sein Glück bei einer ebenfalls verwitweten Blumenverkäuferin (Ruth Stephan).


Klasse! Kulisse Kassel!

von Wilhelm Ditzel

Kassel. Junge Menschen und neu hinzugezogene Kasseler dürften kaum wissen, woran sich ältere Mitbürger mit Wohlgefallen erinnern: Kassel bildete in den 50er-Jahren die beeindruckende Kulisse für etliche erfolgreiche deutsche Spielfilme mit bekannten Leinwandgrößen. Und wer nicht in Kassel drehte, kam zumindest zur Premiere seines Films in die Fuldametropole.

... Als Filmstadt profitierte Kassel zum einen tatsächlich von seinen Kulissen, dem Bergpark, der Treppenstraße, der Kreuzung am Altmarkt und auch den Nachkriegsruinen, zum anderen vom benachbarten Göttingen, wo die Ateliers der Deutschen Filmaufbau-Gesellschaft standen. Über 100 Spielfilme entstanden dort in den Studios. Zu Außenaufnahmen kam man gerne nach Kassel.

Den Anfang machte 1951 die Nord-Lux-Filmgesellschaft, die im Wehlheider Gefängnis und im Kirchweg Szenen für den Krimi "Schuld ohne Sühne" (Hauptrollen: Albrecht Schönhals, Ilse Steppat) drehte. Das Kasseler Rathaus bildete im Februar 1952 die Kulisse für die Komödie "Meine Frau macht Dummheiten" mit Rudolf Platte und Inge Eggert.

Während der Aufnahmen am Hauptbahnhof und Lutherplatz zu "Tagebuch einer Verliebten" kam es im Sommer 1953 nur zu einer kurzen Begegnung zwischen der Kasseler Bevölkerung und den Stars des Films: Wegen eines plötzlich einsetzenden Regengusses wollten O.W. Fischer und Maria Schell ebenso plötzlich wieder nach Göttingen zurück.

Etwas länger blieb da schon Curd Jürgens, der 1956 in "Ohne Dich wird es Nacht" nicht nur Regie führte, sondern auch die Hauptrolle spielte. Für eine Szene, die auf einem großstädtischen Boulevard spielen sollte, wählte er die Treppenstraße, was die Vorgängerzeitung der HNA, die Hessischen Nachrichten, mit dem Satz kommentierten: "Die Atelierszenen sind zwar in Göttingen entstanden, doch das Großstadtflair borgt man sich in Kassel aus." ...

(aus: HNA-online vom 09.04.2008)

Wo steckt der Spanien-Film?

Familia Provisional - im Nachkriegs-Kassel drehten Spanier einen Film über den blühenden Schwarzmarkt

Das Plakat zum Film: "Familia Provisional" - frei übersetzt: Die neue Familie. Mit diesem Titel wurde für den Film in Spanien geworben. In Deutschland wurde der Streifen von 1955 wahrscheinlich nie gezeigt.
Drehort:Das Rote Palais an der Ecke Friedrichsplatz/Obere Königsstraße mit dem Rathaus im Hintergrund. Dort stellten die spanischen Fimleute Schwarzmarktszenen nach. Mit dabei: Komparsen aus dem Landkreis, wie der Kaufunger Viktor Schnell.

Was ist mit dem - gerade auch unter historischen Aspekten - interessanten spanischen Film, der zum Teil im zerbombten Kassel gedreht wurde, geschehen?

Kino-Forscher Werner Baus hat sich auf Spurensuche gemacht und 15 Filmmuseen in aller Welt angemailt. Darunter das National Cinema Museo in Turin und das Museo del Cine in Madrid. Alle antworteten, aber von dem Film wusste niemand etwas. Jetzt hofft Baus auf das argentinische Film-Museum in Buenos Aires. Dort stimmte die E-Mail-Adresse nicht, die Antwort steht noch aus. Denn aus Buenos Aires stammte der Regisseur. (swe)

Der Eschenstruther Kino-Forscher Werner Baus sitzt in seinem Wohnzimmer in Eschenstruth und kann es kaum glauben: Einen Dachbodenfund aus Niestetal - mit 70 Filmplakaten der Kasseler Kinos von 1920 bis 1970 - breitet er aus; dazu alte Handzeichnungen als Vorbilder für Anzeigen in der HNA, die der ehemalige Geschäftsführer des Cinema, Walther von Schlemmer, entworfen hat. Alles Resultate als Resonanz auf den Artikel in der HNA vom Dezember über Baus’ Forschungen über Kassels große Kinovergangenheit.

Aber das Spannendste für Baus sind Unterlagen über einen verschollenen spanischen Spielfilm, der vom Schwarzmarkt im Nachkriegs-Kassel handelt und in den Trümmern des Hauptbahnhofs und des ausgebrannten Rotes Palais|Roten Palais’ am Friedrichsplatz im April 1955 gedreht wurde.

„Familia Provisional“ lautet der Titel des Streifens, der wohl nie in Deutschland gelaufen ist. Der Kaufunger Viktor Schnell, heute 68, erinnert sich an die Dreharbeiten. Der damals 15-Jährige war einer der 60 Komparsen aus Kassel und dem Kreis, die für den Film ausgesucht wurden. Viktor Schnell spielte den Freund des jugendlichen Hauptdarstellers, der sich in Kassel als Kriegs-Waise mit Schwarzmarktgeschäften durchschlägt und schließlich von spanischen Eltern adoptiert wird.

Schnell erinnert sich noch gut daran, wie er damals im Alter von 15 Jahren zu seiner ersten Filmrolle kam: „Als wir im Haus der Jugend gerade ein Fußballspiel mit Uwe Seeler sahen, zogen mich plötzlich zwei Männer am Ärmel“, erzählt der heute 68-Jährige. „Sie sagten, dass sie für einen Film einen Jungen suchten, der genauso aussehen sollte wie ich.“

Schnell dachte, dass ihm da jemand einen Bären aufbinden wollte, und traf sich später mit seinen Kumpels wie jeden Sonntag auf dem Sportplatz, um für die B-Jugend des Tuspo Niederkaufungen zu kicken. „Aber die zwei Männer holten mich vom Platz, und wir fuhren in einem weißen VW zum Café Däche. Dort wartete ein Spanier, der mir mit vielen Gesten klarmachte, dass ich der Richtige für die Rolle bin.“

Danach holte der weiße VW Viktor Schnell regelmäßig zum Drehen ab. Gefilmt wurden die Schwarzmarktszenen auf einem Steinhaufen im Renthof, im zerstörten Roten Palais am Friedrichsplatz, an der Berliner Brücke in Kirchditmold und am zerstörten Hauptbahnhof in Kassel, wo die Abschiedsszene des Jungen nachgestellt wurde. Die Waggons waren mit Schülern aus Kasseler Schulen gefüllt.

Am Ende wollten die Filmleute, dass der junge Viktor für den Rest der Dreharbeiten mit nach Spanien käme. Er aber fuhr lieber nach Aachen und begann eine Lehre als Bergmann.

Quelle: HNA vom 21. Januar 2008, Autor: Stefan Wewetzer

In den 50ern kamen die Stars

Die Helden der Kinoleinwand waren bei den Premieren hautnah zu erleben

von Wilhelm Ditzel

Kassel. Heinz Rühmann, Hildegard Knef, Heinz Erhardt, Hans Moser, Theo Lingen, Maximilian Schell, Alice und Ellen Kessler, Joachim Fuchsberger, Christine Kaufmann oder Johannes Heesters. Zwischen 1953 und 1960 konnte die Kasseler Bevölkerung die Stars von der Kino-Leinwand regelmäßig hautnah erleben. Denn zahlreiche Kinopremieren wurden damals in der Stadt gefeiert. Die Stars kamen am Hauptbahnhof an und wurden nicht selten von über tausend Fans auf ihrem Weg zu den angesagten Lichtspielhäusern - so nannte man die Kinos seinerzeit - begleitet.

So wurde zum Beispiel im Februar 1956 der Film "Ein Herz schlägt für Erika" in Anwesenheit von Grethe Weiser im Capitol in der Wilhelmsstraße uraufgeführt. Die Stars stiegen im Parkhotel Hessenland (heute: Mercure) ab.

Alice und Ellen Kessler luden 1957 zur Premiere ihres Films "Vier Mädels aus der Wachau" Kasseler Zwillingspärchen in die Kaskade ein. Johannes Heesters und Marianne Schönauer kamen im September des Jahres zur Premiere von "Bel ami" ebenfalls ins Kino mit den Wasserspielen.

Zur Premiere von "Immer die Radfahrer" besuchten Corny Collins und Heinz Erhardt im Oktober 1958 das "Gloria". Für den unvergesslichen Heinz Erhardt war das nicht der letzte Aufenthalt in Kassel. 1959 drehte er hier eine Verfolgungsjagd für die Komödie "Natürlich die Autofahrer", 1960 war er "Der letzte Fußgänger" am Altmarkt.

Viele Jahre zuvor wurde ein angehender Superstar indes kaum in Kassel beachtet: Die damals 18-jährige Maria Magdalena von Losch gab 1922 im Bergpark Wilhelmshöhe ihr Leinwanddebüt in dem Film "So sind die Männer". Hätten die Kasseler, Kasseläner und Kasselaner gewusst, dass Maria Magdalena nur wenige Jahre später unter dem Künstlernamen Marlene Dietrich Weltkarriere machen würde!

(aus: HNA-online vom 09.04.2008)

NEUESTE NACHRICHT von Werner Baus: Er hat den Film in Madrid gefunden und konnte ihn kaeuflich erwerben. somit schliesst sich eine grosse Luecke. Baus plant den Film im Rahmen einer Matinee im Kasseler Capitol vorzufuehren.

siehe auch

Anmerkungen

  1. Artikel über Rudolf Platte in der Wikipedia
  2. Artikel über Curd Jürgens
  3. Artikel über Rosen für den Staatsanwalt in der Wikipedia