Karlskanal

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Geplanter Kanalverlauf um 1700
Karlshafen - am Landgraf Karl - Kanal

Der Landgraf-Karl-Kanal sollte Kassel, also die Fulda auf kürzestem Weg mit Karlshafen und dem dortigen Weserhafen verbinden. Der Bau scheiterte aber nach kurzer Strecke aus vielerlei Gründen. Einige Abschnitte bzw. deren Fragmente lassen sich auch heute noch mit Ortskenntnis und Fantasie im Gelände ausmachen.

Geschichte

Der Plan des Landgrafen

Landgraf Karl verfolgte den Plan, die Weser bei Sieburg (dem späteren Carlshaven) mit der Fulda durch einen Kanal zu verbinden, etwa ab dem Jahr 1713, offenbar um das Hannoversch-Mündener Zollrecht zu umgehen und Waren direkt von Karlshafen (an der Weser) in die Residenzstadt Kassel bringen zu können. Mit einem Kanal von Kassel nach Karlshafen hätte man den hessischen Schiffen die Stapelgelder ersparen können, die an das damals zum Herzogtum Braunschweig gehörende Münden (heute: Hann. Münden) zu entrichten waren.

Auch das kleine Flüsschen Esse spielte dabei eine bescheidene Rolle. Die Esse entspringt in Hohenkirchen und mündet nach fast 30 km bei Stammen in die Diemel. Einige Kilometer weiter, dort wo die Diemel in die Weser mündet, war die Stadt Karlshafen als Hafenstadt am Ende des von Kassel aus führenden Karlskanal geplant worden, woran bis heute das zentral gelegene Hafenbecken und die Hafenschleuse erinnern. Der Hafen der Stadt sollte das Tor zur Nordsee sein und mit einem abkürzenden Kanal Kassels Schifffahrt von der Fulda zur Weser erheblich befördern.

Etwa ab 1713 verfolgte Landgraf Carl den Plan, die Stadt an der Weser über den Landgraf-Carl-Kanal mit der Fulda im Süden zu verbinden. Nachdem zunächst damit begonnen wurde, einen Teil der Diemel schiffbar zu machen, wurde mit den eigentlichen Kanalbauarbeiten erst 1720 begonnen, wobei auch Soldaten zu den friedlichen Arbeiten herangezogen wurden.

Von Karlshafen führte der Kanal im Laufe der Jahre bis zum heutigen Hofgeismarer Stadtteil Hümme. Der Historiker Friedrich Pfaff beschreibt in seiner "Geschichte der Stadt Hofgeismar" die Aufregung in den Köpfen der dortigen Bewohner, die bisher lediglich durch eine Botenpost mit Kassel im Süden oder Trendelburg im Norden verbunden waren. Und der Landgraf soll im Jahre 1717 stolz festgestellt haben, er sei bis nach Stammen "geschiffet".

Die Pläne des Landgrafen erwiesen sich aber als wenig erfolgreich, so dass nach seinem Tod im Jahre 1730 der weitere Kanalausbau aufgegeben wurde. Ein von zwei Pferden gezogenes kleines Marktschiff, so heißt es, brauchte von Karlshafen bis Trendelburg im Jahre 1727 einen ganzen Tag, weil es immer wieder flottgemacht werden musste. Und in Hümme ist kaum eines dieser Schiffe jemals angekommen.

Eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande wurde gut ein Jahrhundert später mit der Eröffnung der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme und der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen geschaffen, nachdem man zunächst - unter der Herrschaft des Landgrafen Friedrich II. - eine gut ausgebaute Straße für Transporte von Kassel über Karlshafen bis nach Bremen gebaut hatte. Der Streckenverlauf der Eisenbahnlinie, der Carlsbahn folgte dabei fast genau dem Verlauf des Landgraf-Carl-Kanals.

Die 16,5 Kilometer lange Carlsbahn wurde am 30. März 1848 eingeweiht, zeitgleich mit dem 11,48 km langen Abschnitt der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von Hümme nach Grebenstein. Diese Stadt war zunächst Endbahnhof, ebenso wie Haueda, das ab 6. März 1849 von Hümme aus erreichbar war. Die Weiterführung nach Warburg erfolgte 1851, von Grebenstein nach Kassel konnte man bereits ab dem 29. August 1848 fahren. Damit war, nachdem der Kanalbau scheiterte, nun doch ein Güterverkehr von Kassel bis an die Weser möglich.


Ein Graf als Brettspiel

Uni-Studie über die touristischen Nutzungsmöglichkeiten von Carlsbahn und -kanal

"Bad Karlshafen. Sieben angehende Landschafts- und Stadtplaner der Uni Kassel haben sich mit den beiden historischen Verkehrsverbindungen Carlsbahn und Carlskanal beschäftigt. Sie wollten wissen, ob sich die Anlagen touristisch nutzen lassen. Unter dem Motto "Wandeln auf historischen Pfaden" recherchierten sie zwischen Hümme und Bad Karlshafen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Bad Karlshafener Rathaus präsentiert.

Die Kasseler Studenten haben unter der Leitung von Professor Diedrich Bruns und Dr. Klaus Horn zunächst die Überreste der historischen Verkehrswege mithilfe von Ortskundigen, alten Karten und der Suche im Gelände aufgespürt, kartiert und in einem digitalen Archiv erfasst.

Im zweiten Schritt ihrer Arbeit hat sich die Gruppe mit der Frage beschäftigt, wie die Geschichte von Carlskanal und Carlsbahn touristisch genutzt werden könnte. Eine "Carlsroute" wurde erarbeitet, die zwar ähnlich verläuft wie der heutige Radweg, jedoch die Überreste der Bahntrasse besser erschließt und den Kanal stärker einbezieht.

"Warum wird so etwas denn nicht zugänglich gemacht?" Die Frage stellte sich eine Familie, die mit dem Rad zwischen Trendelburg und Wülmersen unterwegs war und in der Nähe von Deisel an der Informationstafel des "Eco-Pfades Diemel" anhielt und dem kleinen Pfad zum alten Deiseler Tunnel gefolgt war.

Ein mächtiger Anblick

Wer sich diese Mühe macht, wird mit dem Anblick des mächtigen Tunnelportals mitten im Wald belohnt. Der 202 Meter lange Tunnel ist sicherlich das spektakulärste Relikt der 1848 in Betrieb genommenen 16,5 Kilometer langen Carlsbahn zwischen Hümme und Karlshafen.

Eine Streckenführung durch den Deiseler Tunnel wäre für die Studenten das Idealziel. Im Tonstudio wurde auch ein Audioführer produziert, der den Reisenden an wichtigen Punkten der Strecke per MP3-Player mit Informationen versorgt. Ein handlicher Kulturlandschaftsführer mit Texten, Bildern, ausklappbaren Karten und touristischen Informationen liegt bereits als produktionsreifer Prototyp vor. ..."

Auszug aus dem Artikel von Markus Löschner in der HNA vom 15.8.2007

Galerie

Literatur

  • Röttcher, Klaus u.a., Der Kanal des Landgrafen Karl, Kassel 2000
  • Friedrich Pfaff, Geschichte der Stadt Hofgeismar, 2. Auflage, 1954

Radwandern und Wandern

Ein stückweit folgen der "Eco-Pfad Diemel" und der Diemelradweg dem Verlauf des Kanals. Im Altkreis Hofgeismar verläuft der Radweg aus Richtung Liebenau und weiter über Stammen, Trendelburg und Helmarshausen bis nach Karlshafen.

Die dazugehörende Internetseite des Radwegs zählt die Sehenswürdigkeiten an der Diemel auf.

siehe auch

Der Kanalverlauf in Helmarshausen
Karlshafen - Hafenschleuse vor der Mündung in die Weser

"Vorwärts Carl!"

An die ehemalige Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen und das große Kanalprojekt des Landgrafen Carl soll das Brettspiel „Vorwärts Carl!“ erinnern. Dabei müssen die Spieler mit Strategie und Taktik versuchen, Bahn oder Kanal von Hümme aus in Richtung Norden zu bauen. Entscheidend sind aber auch Bonuspunkte, die es für den Bau von Bahnhöfen, Haltepunkten, Tunneln, Schleusen, Wehren und Hafenbecken gibt oder Siegpunkte für den Erhalt von Kulturgütern, Wäldern und Naturschutzgebieten oder für die Integration von Aussichtspunkten in die Strecke.

„Das ansprechend gestaltete Spiel ist eine gute Ergänzung zum Eco-Pfad Diemel und verdeutlicht die Bedeutung der Carlsbahn“, sagte Vize-Landrätin Susanne Selbert bei der Vorstellung des Spiels in der Alten Mühle Trendelburg im August 2011. Die Idee zu diesem Spiel stammt aus einem studentischen Projekt am Fachgebiet Landschaftsplanung/ Landnutzung des Fachbereichs Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung der Universität Kassel, wobei Prof. Klaus Röttcher die Erstellung des Spiels koordiniert hat.

Das Spiel "Vorwärts Carl!" kostet 9,90 Euro und ist im Tierpark Sababurg und im Museum im Wasserschloss Wülmersen erhältlich. Außerdem gibt „Vorwärts, Carl!“ auch beim Sekretariat des Fachgebiets Landschaftsplanung/ Landnutzung der Universität Kassel.

Quelle: HNA-online vom 22.8.2011 (zlö)

Wussten Sie schon ... ?

(Harald Schmidt, Verkehrsamt Trendelburg)

Weblinks