Karlshof

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Schloss Wabern liegt in der Großgemeinde Wabern im Schwalm-Eder-Kreis. Der Ort liegt im Mündungsgebiet von Eder und Schwalm in der Waberner Tiefebene.

Geschichte

Das Waberner Schloss, heute als "Karlshof" bekannt, ließen Landgraf Karl von Hessen und seine Gemahlin Maria Amalie von Kurland als Lust- und Jagdschloß erbauen. Die Bauzeit wird in manchen Quellen mit 1704 bis 1707 angegeben, richtiger ist wahrscheinlich 1701 bis 1712.

Von der Parkseite aus sind heute noch die Medaillons mit den Köpfen beider an der Fassade über dem Balkon zu sehen.

Der Name des Architekten ist nicht bekannt. Als Baumeister wird der Kasseler Hofbaumeister Gieseler (auch "Gissler") genannt, der 1712 starb. Um 1770 wurden von Simon Louis du Ry Pavillionbauten hinzugefügt.

Im Park befindet sich der Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete Marstall, der zeitweise auch Wohnzwecken diente und zur Zeit zu einem Schulgebäude umgebaut wird. Ebenfalls wird zur Zeit das Direktorenwohnhaus in der Mitte des Parks umgebaut.

Zum Waberner Schloss gehörte ein landwirtschaftlicher Betrieb, der als so genannter Gutshof bis zum Ende des 20. Jahrhunderts auch ein Teil des "Karlshof" war und dann aufgelöst und abgerissen wurde.

Am 1. April 1884 übernahm das Preußische Ministerium des Innern in Berlin das Waberner Schloss und richtet dort eine "Staatliche Erziehungs- und Besserungsanstalt für jugendliche Übelthäter" ein.

Am 1. Oktober 1886 wird die "Königliche Erziehungs- und Besserungsanstalt zu Wabern" eröffnet. Seit 1927 heißt sie "Landes-Erziehungsheim Karlshof" und nach der Übernahme durch den Landeswohlfahrtsverband Hessen im Jahre 1955 wird es seit 1957 "Jugendheim Karlshof" genannt. Hier wurden Jugendliche im Rahmen der Fürsorgeerziehung und freiwilligen Erziehungshilfe untergebracht. Ein Schwerpunkt war die Förderung und Ausbildung der Jugendlichen in Landwirtschaft, Gärtnerei und verschiedenen Handwerksberufen in Werkstätten auf dem Schloßgelände. Die älteren Waberner Bürger kannten den Karlshof als "die Anstalt".

Im Karlshof ist heute das "Pädagogisch - Medizinische Zentrum" ansässig, ein Betriebszweig des "Zentrum für Soziale Psychiatrie Kurhessen" in Bad Emstal-Merxhausen, das wiederum zum Landeswohlfahrtesverband Hessen gehört. Für einige Jugendliche wird es heute noch als Jugendwohnheim genutzt. In mehreren Schulklassen und Werkstätten werden Jugendliche aus der Region auf eine Ausbildung vorbereitet und in verschiedenen Berufen ausgebildet. Die ursprünglich in Homberg/Efze ansässige Schloßbergschule ist 2008 bereits mit der Hauptstufe in den Karlshof umgezogen. Die jüngeren Schüler werden folgen, wenn der frühere Marstall ebenfalls zu einem modernen Schulgebäude umgebaut iat.

Jagdschloss Wabern

Anlass für die Errichtung des Waberner Schlosses waren die umfangreichen Reihervorkommen in den damals noch großen Wäldern um Wabern. Zur Reiherbeize zogen der Landgraf und sein Gefolge von Kassel nach Wabern.

Der Reiher ist auch heute das Wappentier Waberns.

Johann Heinrich Tischbein der Ältere hat auf sechs großen Leinwandbildern die Reiherbeize in Wabern dargestellt. Sie hingen früher im Festsaal des Schlosses. Heute befinden sie sich im Schloss Fasanerie in Adolfseck bei Fulda.

1976 wurde in einer Produktion des Hessischen Fernsehens der Film "Der Sommer, der ein Winter war", gedreht. Es ging um Landgraf Friedrich II., der in den Jahren 1763 bis 1785 jeweils im Sommer zwei Monate lang zur Reiherbeize im Waberner Schloss weilte. Dieser betrieb einen profitablen Soldatenhandel für England nach Amerika über Bad Karlshafen. Innenaufnahmen zu dem Film entstanden im Waberner Schloss. Dafür wurden zwei der Bilder Tischbeins kopiert, die heute noch in der Aula hängen.

Urlaub im Unglück

Jérôme verbrachte mit 40 Gästen vier Tage im Schloss Wabern

von Thomas Schattner

Vor 200 Jahren, Ende Februar 1808, empfing Wabern hohen Besuch: Der kleine Bruder Napoleons und König des Königreichs Westphalen, Jérôme Bonaparte, kam mit seiner Gattin und 40 Gästen aus Kassel für einen Besuch ins Schloss Wabern. Der Aufenthalt entwickelte sich zur unfreiwilligen Komödie, denn eine Katastrophe sollte der anderen folgen.

Der Reise war ein Wunsch der Gräfin Truchseß vorangegangen. Auf der Durchreise hatte sie Wabern kennen gelernt. Der Ort gefiel ihr so gut, dass sie darauf drängte, ihn zu besuchen. Jérôme, der erst kurz zuvor angetreten war, von Kassel aus über das Königreich Westphalen zu regieren, kannte jedoch den Zustand des Schlosses nicht. Er beauftragte den Obermarschall Meyronnet, das Schloss zu untersuchen. Dieser wiederum wagte es nicht, den Plan der Gräfin zu durchkreuzen, und meldete, das Schloss sei in einem guten Zustand.

Die Vorbereitungen liefen an: Betten, Feuerstellen und eine Küche wurden installiert und das Schloss hergerichtet. Die Gäste reisten an.

In Wabern erwartete die Gesellschaft ein erschütterndes Bild: In dem Schloss hatte seit mehr als 30 Jahren niemand mehr gewohnt, es war komplett zerfallen. Fenster, Türen, Öfen – alles befand sich in einen enorm schlechten Zustand. Jérôme war erschüttert, seine Gemahlin aufgebracht. Und trotzdem entschied sich der König, zu bleiben. Und so wurden den Gästen die Zimmer zugeteilt. Aber auch der Zustand der Schlafkammern war erschreckend: Fenster und Türen der Zimmer schützten kaum vor Nässe und Wind, Wachstuchtapeten hingen in Fetzen von den Wänden.

Die Tage in Wabern verbrachte die Gesellschaft mit Tanzen und Blinde-Kuh-Spielen. Und das, während es im Schloss täglich ein- bis zweimal brannte – die jahrelang ungenutzten Öfen hielten der ungeheuren Hitze des Feuers nicht stand. Die Flammen wurden bekämpft – und die Fußböden im Schloss waren permanent mit Löschwasser bedeckt.

Jérôme wollte den Gästen eine Attraktion bieten. In aller Eile wurde in der ehemaligen Orangerie des Schlosses ein Theater errichtet. Die Schauspieler kamen dafür eigens aus Kassel. Doch auch die Anreise zur Orangerie gestaltete sich schwierig: Im hohen Schnee blieben die Kutschen auf dem Weg durch den Schlossgarten stecken.

Deshalb wurde entschieden: Die Damen durften fahren, die Herren mussten in seidenen Strümpfen durch den Schnee waten. Oder ließen sich gegen ein Trinkgeld auf dem Rücken eines örtlichen Bauern tragen.

Auf dem Spielplan standen Komödien. Gräfin Truchseß, die ja letztendlich dafür verantwortlich war, dass sich die Gesellschaft in Wabern aufhielt, fand einfach alles komisch und klatschte deshalb fast ununterbrochen.

Zurück im Schloss kündigte sich ein weiteres Problem an: Mehrere unverheiratete Männer hatten zusammen mit einem Verheirateten, dessen Frau aber nicht anwesend war, zusammen ein Zimmer bezogen. Eines abends begannen die Männer, über die Frau von Kammerherr von Bigot zu lästern. Dieser sollte aber davon nichts mitbekommen. Sie beschrieben seine Frau als „passiv, hässlich, hinkend, dennoch kokett“. Beißende Bemerkungen folgten.

Der Cousin von Gräfin Truchseß meldete diese Ereignisse Jérôme. Dieser war über die Meldung aufgebracht, denn Standesdünkel zählte damals noch viel. So gab Jérôme noch in derselben Nacht, nach nur vier Tagen Aufenthalt in Wabern, den Befehl, nach Kassel zurückzukehren.

Weblinks



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