Karl Vötterle

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Biographie

Karl Vötterle (1903–1975), Gründer und Leiter des Kasseler Bärenreiter-Verlags

Karl Vötterle wird am 12. April 1903 als einziges Kind von Franz Xaver und Luise Vötterle, geborene Centmayer, in Augsburg geboren.

Ein Jahr vor dem Abitur verlässt Karl Vötterle die Oberrealschule und wird Volontär in der Buchhandlung Reuß in Augsburg. Aufgrund seines Engagements in diversen Jugendgruppen, bei denen er unter anderem Singübungen oder Singabende leitet, kommt ihm der Gedanke, Liederbücher anzufertigen und zu drucken. Im Jahre 1923 verlegt er unter dem Namen “Bärenreiter-Verlag“ das erste Heft der Finkensteiner Blätter, obwohl er noch nicht einmal volljährig ist.

Erst am 12. April 1924 wird Karl Vötterle offiziell Verleger, denn die obligatorische Aufnahme in den Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist erst mit der Volljährigkeit von 21 Jahren möglich. Anfang 1927 lernt Karl Vötterle seine spätere Ehefrau Maria Zeiß kennen und zieht mit dem Bärenreiter-Verlag in ihre Heimatstadt Kassel um.

In seiner über die Musik hinausgehenden Sammelleidenschaft widmete sich Karl Vötterle in Kassel vor allem den Brüdern Grimm. An der Gründung der Brüder-Grimm-Gesellschaft und des Brüder-Grimm-Museums war er maßgeblich beteiligt.

Im Jahre 1933,
Die Büste Vötterles im Kasseler Bärenreiter-Verlag
zur Zeit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, werden alle Jugendbewegungen aufgelöst und Karl Vötterle gründet den “Arbeitskreis für Hausmusik“ als illegale Fortführung des Finkensteiner Bundes. Im Jahre 1934 wird in dem von Karl Vötterle verlegten Wochenblatt „Der Sonntagsbrief“ eine Andacht abgedruckt, die sich gegen die Auufordungen der Nazi zur Vernichtung "unwerten Lebens" richtet. Darauf kommt es 1935 zum Ausschluss aus der Reichspressekammer und zur Aufforderung den Verlag zu schließen. Karl Vötterle geht gegen diesen Entschluss vor und unter Vorbehalt mehrerer Verpflichtungen wird der Ausschluss zurückgezogen.

Im September 1944 wird Karl Vötterle als Arbeiter zum Strafdienst an den Westwall berufen. In der Nacht zum 9. März 1945 wird das Verlagshaus unter dem letzten Nachtangriff auf Kassel fast vollständig zerstört. Als Kassel am 2. April 1945 von den Amerikanern besetzt wird, beginnt Karl Vötterle langsam, von den Wirrungen des Kriegsendes in seinen Handlungen beeinträchtigt, den Wiederaufbau der Verlagsgebäude.

Das Unternehmen beginnt zu wachsen, als es sich neuen Bereichen öffnet: der evangelischen Kirchenmusik, der Wiederentdeckung von Heinrich Schütz, der zeitgenössischen Musik (Hugo Distler, Ernst Pepping u. a.) und vor allem der Idee der wissenschaftlichen Gesamtausgaben von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Hector Berlioz u. a. Mit ihnen wurde Vötterles Verlag zu einem der größten Musikverlage der Welt.

Anlässlich seines 50. Geburtstages erhält Karl Vötterle 1953 sowohl den Doktor ehrenhalber von der Philosophischen Fakultät der Universität Kiel als auch einen Ehrendoktor der Theologie von der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig für seine kirchliche und liturgische Arbeit und sein verlegerisches Bekenntnis in der Zeit der antichristlichen Diktatur.

Am 29. Oktober 1975 stirbt Karl Vötterle in Kassel.

Literatur

Vötterle, Karl: Haus unterm Stern. Kassel, 4. Auflage 1969.