Karl Bernhardi

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Dr. Carl Christian Sigismund Bernhardi (1799-1874) studierte in Marburg Theologie, Geschichte, Philologie und Naturwissenschaften und promovierte nach einem weiteren Studium zum Doktor der Philologie.

Er war Nachfolger der Brüder Grimm an der Landesbibliothek in Kassel. Nach dem Tod Dietrich Christoph von Rommels 1859 übernahm er außerdem die Leitung des hessischen Geschichtsvereins.

Er veröffentlichte 1844 eine "Sprachkarte von Deutschland" und 1866 die Übersetzung der "Denkwürdigkeiten des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel".

1848/49 wurde er Abgeordneter im Frankfurter Parlament, 1867/69 im preußischen Landtag und 1867/70 im Norddeutschen Reichstag.

Leben und Wirken

Der Nachfolger der Grimms: Dr. Karl Bernhardi und seine einzigartige Sprachkarte - er scheiterte mit der Revolution.

Plötzlich gab es ein Parlament, eine Verfassung, freie Wahlen, und nach der Frühjahrsrevolution des Jahres 1848 stellte sich die Frage: Welche Länder sollen zum neuen Vaterland gehören, welche Gebiete draußen bleiben? In diesen Zeiten der Selbstzweifel und der Selbstfindung des geplanten neuen Deutschlands präsentierte ein Mann aus Kassel der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche eine Lösung aller Probleme: Dr. Karl Bernhardi.

Sein Vorschlag bestand in einer Sprachkarte. Auf dieser hatte Bernhardi in zehn arbeitsreichen Jahren eingezeichnet, wo sich der deutsche Sprachraum in Europa befindet. Auf dieser Karte war beispielsweise exakt eingezeichnet, wo geografisch der französische Sprachraum endet und der deutsche beginnt. Diese Sprachgrenzen sollten auch die natürlichen Grenzen Deutschlands bilden. Es lag am Scheitern der Revolution, dass Bernhardis Meisterleistung nicht die verdiente Würdigung erfuhr.

Am 5. Oktober 1799 in Ottrau in der Schwalm geboren, wurde Karl Bernhardi nach dem Theologiestudium Hauslehrer des Grafen Bylandt in Brüssel und später Universitätsbibliothekar der schlesischen Stadt Löwen. Im Jahr 1829 kam Bernhardi nach Kassel, wo er die Nachfolge von Jakob Grimm als Bibliothekar der Landesbibliothek antrat.

Bei den Bürgern der Stadt war Bernhardi durchaus beliebt, denn er förderte nicht nur die Armenpflege, sondern gründete 1834 auch eine Anstalt zur Erziehung armer und verwahrloster Jungen und kümmerte sich mit dem Frauenverein um die "Freischule für arme Mädchen". Er gab die liberale Kasseler Zeitung "Der Verfassungsfreund" und die Wochenzeitung "Der Kirchenfreund" heraus, wurde in den norddeutschen Reichstag und ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt.

Bernhardi, dem durch das Scheitern der deutschen Revolution die Verewigung in der europäischen Geschichte versagt blieb, starb am 1. August 1874 in Kassel. Neben der 2005 nach ihm benannten Straße hinter dem Museum Fridericianum erinnert sein Grab auf dem Hauptfriedhof, das der Magistrat im Jahr 1952 in seine Obhut nahm, an den Mann, der Mitglied der deutschen Nationalversammlung war. Für seine Verdienste um die Förderung armer Kinder wurde Dr. Karl Bernhardi 1859 zum Ehrenbürger Kassels ernannt.

Text: Ralph-Michael Krum / HNA

Karl-Bernhardi-Strasse

siehe auch

Verein für hessische Geschichte und Landeskunde

Im Jahre 1834 gründete Karl Bernhardi mit den Bibliothekaren Georg Landau und Heinrich Schubart den „Verein für hessische Geschichte und Landeskunde“.

Weblinks

Ehrenbürger Stadt Kassel

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